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Globo envia equipes Ă  Juiz de Fora para cobertura de tragĂ©dia: “DifĂ­cil chegar”

Jornalistas reforçam cobertura especial após fortes chuvas e deslizamentos na Zona da Mata mineira

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Ein Neonazi unter vorgeblichen Antifaschist*innen?

Jeremy ist ein junger Neonazi aus Dresden. Erstmals fiel Jeremy auf, als er am 1. Juni 2024 mit zirka 100 anderen ĂŒberwiegend jungen Neonazis gegen den Christopher Street Day (CSD) in Dresden demonstrierte. In den eineinhalb Jahren seit seiner ersten Sichtung war er immer wieder auf Nazidemos und sogenannten Montagsprotesten anzutreffen, meist im Umfeld der JN-Dresden/Elblandrevolte. Noch im Juli 2025 war Jeremy Teil des Naziaufmarsches der Freien Sachsen in Altleuben. Nun scheint er sich autoritĂ€ren Linken angeschlossen zu haben.

Jeremy am 01.06.2024 bei einer Nazidemo gegen den CSD in Dresden. Quelle VersaRed.Foto

Auf Instagram folgt er verschiedenen neonazistischen Accounts. Unter anderem dem Möchtegernrapper Kavalier, der „Jugend packt an“-Kampagne der Jungen Nationalisten (JN), der Kameradschaft Werra Elbflorenz, dem Filmkunstkollektiv der IdentitĂ€ren Bewegung und dem offiziellen Thor Steinar Shop. So weit, so unspektakulĂ€r.

Zwickau, 2. November 2025: Zirka 350 Menschen gedenken der Mordopfer des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU). Mit dabei: Eine Gruppe autoritÀrer Linker aus Chemnitz, Dresden und Zwickau. Und in deren Mitte ein bekanntes Gesicht: Jeremy. Mit rotem, Hammer und Sichel besetztem Schlauchschal.

Das wirft Fragen auf. Eine Distanzierung Jeremys von seinem neonazistischen Weltbild ist bis heute nicht zu erkennen. Den oben erwÀhnten neonazistischen Accounts folgt er auch noch einen Monat nach der Demonstration in Zwickau. Wissen seine neuen Freund*innen von seinem Weltbild? Oder ist es egal, weil man sich in vielen Dingen dann ja doch einig ist?

So lange eine glaubwĂŒrdige und unumkehrbare Distanzierung fehlt, bleibt Jeremy Neonazi – unabhĂ€ngig davon was er fĂŒr ein Halstuch gerade trĂ€gt. Neonazis wie Jeremy haben nichts auf linken Demonstrationen oder auch nur in der NĂ€he linker Strukturen zu suchen. Wer solche Leute hofiert, gefĂ€hrdet antifaschistische und linke Strukturen – und schafft sich selbst ein (nĂ€chstes) GlaubwĂŒrdigkeitsproblem.

#Elblandrevolte #FreieSachsen #JN

Pull-Effekt: Sachsen bietet Exklusivausbildung fĂŒr faschistische Jurist*innen

Wer gegen die allgemeinen Menschenrechte ankĂ€mpft, sollte im Gerichtssaal nur auf der Anklagebank etwas zu sagen haben – so zumindest die Theorie in Deutschland seit den NĂŒrnberger Prozessen. Anders sieht man das in Sachsen. Hier werden Faschist*innen auch nach höchstrichterlichen Urteilen noch Rosen auf den Weg gestreut.

Doch der Reihe nach: Im Oktober 2022 entschied der SĂ€chsische Verfassungsgerichtshof (SĂ€chsVerfGH) in einem umstrittenen Urteil, dass Sachsen dem Dritten Weg-Kader Matthias Bauerfeind, sein Rechtsreferendariat ermöglichen mĂŒsse. In Bayern und ThĂŒringen war der langjĂ€hrige Neonazi mit seinen Klagen – wie in vergleichbaren FĂ€llen aller BundeslĂ€nder seit einem Leiturteil von 1975 ĂŒblich – gescheitert. Bauerfeind zog im bayerischen Fall sogar vor das zustĂ€ndige Bundesgericht und verlor – allerdings zu spĂ€t, denn da war der Neonazi, dank der eigensinnigen Auslegung des höchsten sĂ€chsischen Gerichts, bereits fertig ausgebildeter Volljurist. TĂŒr und Tor stehen neonazistischen Jurist*innen seitdem in Sachsen offen.

Matthias Bauerfeind

Der 1984 geborene Matthias Bauerfeind war von 2005 bis 2012 FunktionĂ€r der NPD und ab 2009 Kern einer Kameradschaft im „Freies Netz SĂŒd“. Von 2005 bis 2013 wurde er fĂŒnf Mal verurteilt, u.a. wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Nach dem Verbot des „Freien Netz“ im Jahr 2014, baute er als „stellvertretender Gebietsleiter SĂŒd“ den Dritten Weg in Bayern mit auf. Dokumentiert sind beispielsweise seine Auftritte 2016 in NĂŒrnberg, 2017 in Fulda und 2019 in Kempten. Bemerkenswert, aber wenig ĂŒberraschend: Zuletzt fiel der auf Strafrecht spezialisierte Bauerfeind damit auf, dass er von mehreren baden-wĂŒrttembergischen AfD-Kreistagsfraktionen das anwaltliche Mandat in Verwaltungssachen erhielt.

Wir wollen euch hier den jĂŒngsten Fall des sĂ€chsischen Sonderwegs vorstellen:

Im Mai 2025 wurde der Faschist John Hoewer aufgrund seiner TĂ€tigkeit und Publikationen bei der Jungen Alternativen, dem extrem rechten Verein Ein Prozent, und dem offen faschistischen Jungeuropa Verlag als Rechtsreferendar in Rheinland-Pfalz abgelehnt. In seiner BegrĂŒndung schrieb das Gericht in Koblenz, dass es in einer „wehrhaften“ Demokratie „(
) dem Staat [nicht] zuzumuten [sei], verfassungsuntreue Bewerber in den Vorbereitungsdienst aufnehmen zu mĂŒssen.“

Doch dann bewarb sich Hoewer in Sachsen.

Nachdem das Oberlandesgericht (OLG) Hoewer zwei mal aus Zweifel an seiner Verfassungstreue ablehnte, entschied das Oberverwaltungsgericht (OVG) Bautzen im November 2025, dass Hoewer unverzĂŒglich seine juristische Ausbildung beim Oberlandesgericht (OLG) Dresden aufnehmen dĂŒrfe. Das OVG Bautzen sah sich dabei an das kritisierte Sonderurteil des SĂ€chsVerfGH gebunden. Es bekrĂ€ftigte seine Zweifel an der Richtigkeit dieses Urteils sogar nachdrĂŒcklich. Trotzdem verzichtete es auf eine Weiterleitung des Falls an das zustĂ€ndige Bundesgericht (BVerfG), welches 2024 im Fall Bauerfeind doch eindeutig im Widerspruch zum SĂ€chsVerfGH entschieden hatte. Eine verpasste Gelegenheit. Und so bleibt das Motto der sĂ€chsischen Rechtspraxis vorerst: Nur weil man Faschisten ablehnen kann, heißt das noch lange nicht, dass man sie auch ablehnen muss. Denn in Sachsen reicht es seit 2022 nicht aus,  nachweislich einer menschenverachtenden Ideologie anzuhĂ€ngen. Man muss sich schon strafbar machen im Kampf gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung.

John Hoewer

Der neu-rechte Kader John Hoewer, Jahrgang 1987, ist im April 2025 von seinem stellvertretenden Vorstandsposten bei Ein Prozent zurĂŒckgetreten. Zwei Monate nachdem er sich erstmals in Sachsen beworben hatte. Dabei ist ihm ein aktives Eintreten gegen die „freiheitliche demokratische Grundordnung“, welches dem Bundesverfassungsgericht 2024 als Ablehnungsgrund fĂŒr ein Rechtsreferendariat genĂŒgte, wahrlich nicht schwer nachzuweisen:

Schon im Januar 2017 soll Hoewer in handgreiflichen Auseinandersetzungen mit linken Demonstranten in einem Hörsaal der UniversitĂ€t Magdeburg verwickelt gewesen sein. Im April 2017 dann begleitete er den laut eigener Aussage den „Rechtsradikalen“ Philip Stein zu einer Veranstaltung der italienischen Faschisten von Casa Pound in Rom. Ebenfalls 2017, im Juli, besuchte John Hoewer gemeinsam mit weiteren AfDlern, JNlern und anderen Neonazis das „Deutschland-Seminar“ der extrem rechten Braunschweiger Burschenschaft Thuringia. Im Jahr 2021 nahm John Hoewer nachweislich an Kampfsportrainings mit anderen Neonazis der Jungen Alternative, der AfD und der NPD (heute Die Heimat) in Berlin Weißensee teil. Im Jahr 2022 war Hoewer dann Beisitzer im Verbandsrat der extrem rechten Deutschen Burschenschaft (DB). Ja, Hoewer ist Burschenschaftler, und zwar bei Germania Köln, Raczeks Breslau zu Bonn, und dort fechtet er vor NS-“Kunst“ mit Hakenkreuz. Die Burschenschaft ist ĂŒbrigens die, die 2011 einen Antrag bei der DB einbrachten, der als „Ariernachweis“ bekannt wurde. Geschenkt, dass Hoewer auch jahrelang zum Jungen Alternative Landesvorstand in Sachsen-Anhalt gehörte und mindestens von Januar 2018 bis MĂ€rz 2025 fĂŒr den AfD-Fraktionsvize im Bundestag, Sebastian MĂŒnzenmaier (Mainzer Burschenschaft Germania Halle), als Mitarbeiter angestellt war.

Diese Gesetzeslage und Rechtssprechung, der sĂ€chsische Sonderweg, ist in Deutschland einmalig. Im Raum steht der Verdacht, dass die Entscheidung des SĂ€chsischen Verfassungsgerichtshofes von 2022 dem geltenden Bundesrecht widerspricht. Dass es auch anders geht, zeigt das Nachbarland ThĂŒringen. So wies das ThĂŒringer Verfassungsgericht im November 2025 eine AfD-Klage ab und entschied, dass Personen nicht zum juristischen Vorbereitungsdienst zugelassen werden sollen, wenn sie gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung verstoßen.

Doch Bauerfeind und Hoewer sind nicht die einzigen, denen der sĂ€chsische Sonderweg zugutekam. Der Neonazi Brian Engelmann durfte bereits im November 2018 sein Rechtsreferendariat in Chemnitz antreten, obwohl man um sein Weltbild wusste – im selben Monat stand er fĂŒr seine Beteiligung am Überfall auf den alternativen Leipziger Stadtteil Connewitz mit anderen Neonazis vor Gericht. Und selbst nachdem sein Urteil von einem Jahr und vier Monaten auf BewĂ€hrung im Jahr 2020 fĂŒr rechtskrĂ€ftig erklĂ€rt wurde, entschied das Oberlandesgericht Dresden (OLG), dass Engelmann seine juristische Ausbildung abschließen dĂŒrfe. Jetzt ist der Mann mit den Hakenkreuzen auf der rechten Schulter Volljurist und in der Rechtsanwaltskanzlei des Leipziger Szene-Anwalts Arndt HohnstĂ€dter angestellt.

Marko Zschörner und Brian Engelmann (mit tÀtowiertem Hakenkreuz-Muster)

Brian Engelmann

Der 1992 in Freital geborene Brian Engelmann ist mehrfach vorbestrafter GewalttĂ€ter und Kampfsportler. Schon 2012 griff Engelmann in eine Auseinandersetzung in einer Dresdner Diskothek ein. Dabei brach er dem Angreifer mehrere Gesichtsknochen und zerstörte ihm diverse ZĂ€hne, als er ihm gegen den Kopf trat. Im selben Jahr zog Engelmann fĂŒr sein Jura-Studium nach Leipzig und fiel dort bald als Teil des “Bushido Sportcenter Leipzig” (ehemals “Bushido Free Fight Team”) von Marko Zschörner auf. In den folgenden Jahren trat Engelmann immer wieder als MMA-KĂ€mpfer bei einschlĂ€gigen Veranstaltungen in Erscheinung. So gab es z.B. 2013 einen Kampf in Köthen gegen Kevin Kraft – ein weiterer Neonazi, dem zusammen er schließlich am 11.01.2016, im Nachgang des Angriffs auf Leipzig-Connewitz, von der Polizei festgesetzt wurde. Gemeinsam mit Mitgliedern der Neonazi-Struktur „HooNaRa“ („Hooligans, Nazis, Rassisten“), wie beispielsweise Martin Krause, arbeitete Engelmann jahrelang beim Leipziger Sicherheitsunternehmen “Black Rainbow Security”. Auch nach Abschluss seines zweiten Staatsexamens trat Engelmann weiterhin bei Neonazi-Milieu-Veranstaltungen, wie 2023 bei „Ostdeutschland kĂ€mpft“, auf.

Eine GesetzesĂ€nderung, wie aktuell gefordert, oder eine juristische Entscheidung auf höchster Ebene lassen zwei Jahre nach dem SĂ€chsVerfGH-Urteil immer noch auf sich warten. Immerhin scheint nun endlich auch die SĂ€chsische Landesregierung, in Person der Justizministerin Constanze Geiert (CDU), gemerkt zu haben, dass etwas faul ist im Freistaat Sachsen. So will man am Bundesverfassungsgericht mit einer abstrakten Normenkontrolle gegen die diesbezĂŒgliche Rechtsauslegung des eigenen, SĂ€chsischen Verfassungsgerichts vorgehen. Bis dahin bleibt genau zu beobachten, wie sich der „Pull-Effekt“ auf faschistische Jurist*innen nach Sachsen weiterentwickelt.

#AfD #BrianEngelmann #EinProzent #JN #JohnHoewer #MatthiasBauerfeind #NPD

Escalada do #JN hoje totalmente trabalhada no conflito entre os Poderes da RepĂșblica 😳

Der neonazistische Aufmarsch in #Berlin am 29.11.2025 wurde von etwa 1200 #Antifa|schist*innen blockiert und so verhindert.

Die #Neonazis von #DieHeimat, #JN und #DJV konnten lediglich eine stationĂ€re Kundgebung durchfĂŒhren.
#b2911

Etwa 130 TN bei #Neonazi-Versammlung in #Berlin am 29.11.2025.

Von #DieHeimat, #JN und #DJV als Marsch gegen "kriminelle AuslÀnder" beworben, scheiterte die Veranstaltung am #antifa|schistischen Gegenprotest und blieb stationÀr.
#b2911

Alles Fotos: https://flic.kr/s/aHBqjCCfot

Correspondente do #JN na Casa Branca: "Perguntei a porta-voz da Casa Branca se o presidente Donald Trump conversou com o ex- presidente Jair Bolsonaro um dia antes de ser preso."

Porta-voz da Casa Branca: "Que eu saiba, não. Não sei se essa ligação aconteceu ou não. Pode ser que sim."

E a apuração não aparece no JN?

https://x.com/Rkrahenbuhl/status/1993097675244552412?s=20

Raquel KrĂ€henbĂŒhl (@Rkrahenbuhl) on X

Perguntei a porta- voz da Casa Branca se o presidente Donald Trump conversou com o ex- presidente Jair Bolsonaro um dia antes de ser preso. @PressSec : Que eu saiba, não. Não sei se essa ligação aconteceu ou não. Pode ser que sim.

X (formerly Twitter)

Influencerin im völkischen Look – oder wie aus MĂ€dchen, Marken der Heimatjugend werden

Amelia Lydia Steinicke am 14.11.2025 beim Offenen Abend  in Essen Quelle: Recherche Nord

So oder Ă€hnlich ließe sich die Laufbahn der in Bochum-Linden lebenden 17-jĂ€hrigen Amelia Lydia Steinicke zusammenfassen. Vor wenigen Monaten noch ein unbeschriebenes Blatt, heute bekanntes Gesicht der neonazistischen Heimatjugend/JN im Ruhrgebiet. Ihr Umfeld: einschlĂ€gig bekannte rechte Kader. Ihr Terrain: Heimatabende in Essen-Kray und Dortmund-Dorstfeld sowie Social-Media-Profile im Stil rechter Nachwuchs-Influencerinnen. Der Fall Steinicke zeigt: Die extreme Rechte hat verstanden, dass sie im Jahr 2025 nicht nur Trommeln und Transparente braucht, sondern Gesichter: weiblich, jung. Solche, die ins Netz passen.

„Weiblich, jung, rechts“ – die neue Schaufensterfront In den letzten Jahren hat sich im Umfeld der extremen Rechten eine neue Figur etabliert: die rechte Influencerin.  In Medienberichten wird etwa die unter dem Alias „Anio“ auftretende Lilly Baginski als Shooting-Star der „Jungen Nationalisten“, der Jugendorganisation der Partei „Die Heimat“, beschrieben. PrĂ€sent bei Anti-CSD-AufmĂ€rschen und  in Social-Media-Clips, als scheinbar moderne Verpackung alten Hasses. Das Muster ist immer Ă€hnlich: Statt Glatze und Springerstiefeln treten junge Frauen in sauber kuratierten Feeds auf, inszenieren sich als KĂ€mpferinnen fĂŒr „deutsche Werte“, wĂ€hrend sie queerfeindliche und rassistische Botschaften verbreiten. Die Zielgruppe: Teenager und junge Erwachsene, die nicht auf graue MĂ€nner in Bomberjacken anspringen, aber auf stylische Selfies mit politischer WĂŒrze.

In dieses Raster passt auch Amelia Lydia Steinicke nahezu lehrbuchhaft. Sie ist die regionale Variante dieses Typus im Ruhrgebiet: 17 Jahre alt, Social-Media-affin, anschlussfĂ€hig fĂŒr eine Generation, die ihre politische Welt primĂ€r durch Feeds, Stories und Clips wahrnimmt. In den Strukturen der Heimatjugend wird sie entsprechend eingesetzt: als freundliches Gesicht einer Szene, die sich selbst gern als „Jugendbewegung“ verkauft und dafĂŒr dringend Abstand zum klassischen Neonazi-Klischee braucht. Frauen sind Schaufensterfiguren und Legitimationsvehikel fĂŒr die extreme Rechte: Wenn „selbst MĂ€dchen“ sich nicht abschrecken lassen, kann das alles ja nicht so extrem sein. In geschlossenen Runden bleibt das Rollenbild gleichzeitig traditionell: Frauen als ErgĂ€nzung, nicht als FĂŒhrung; als emotionale VerstĂ€rkerinnen, nicht als strategische Köpfe. Steinicke bewegt sich genau in diesem Rahmen. Sie darf im Bild vorne stehen, aber inhaltlich nur dosiert auftreten. Sie ist politisches AushĂ€ngeschild und Rekrutierungsfaktor und damit wichtiger Bestandteil einer modernisierten Inszenierung, die die KontinuitĂ€t der Ideologie hinter neuen Filtern verbirgt.

Einstieg in die Szene

Elias Bialas und Amelia Steinicke am 29.08.2025 beim Offenen Abend in Dortmund-Dorstfeld Quelle: Recherche Nord

Ihre ersten Schritte in die Szene ging Steinicke gemeinsam mit Elias Bialas, einem bereits bekannten Aktivisten im rechten Ruhrgebiets-Milieu. Bialas ĂŒbernimmt, was in extrem rechten Strukturen seit Jahren praktiziert wird: persönliche Ansprache als Anschluss an digitale Radikalisierung. Aus Nachrichten ĂŒber Social Media werden konkrete Verabredungen. „Komm nicht allein, wir treffen uns vorher“, lautet das unausgesprochene Versprechen von Schutz und Zugehörigkeit.

So holt Bialas sie am Bahnhof ab, bringt sie zum offenen Abend der „Heimat“. Der Weg zum Veranstaltungsort ist mehr als ein Fußweg, er ist die Verschiebung der Grenze zwischen „Zuschauen“ und „Mitmachen“. Drinnen: ein Dutzend bekannte Gesichter, einige Ältere, viele junge MĂ€nner, dazwischen wenige junge Frauen. 

Elias Bialas und Amelia Steinicke am 12.09.2025 beim Offenen Abend  in Essen Quelle: Recherche Nord

Innerhalb weniger Monate wird aus Amelia Steinicke eine verlĂ€ssliche Teilnehmerin. Sie taucht regelmĂ€ĂŸig bei den Heimatabenden in Essen-Kray und Dortmund-Dorstfeld auf, zuerst im Hintergrund, spĂ€ter sichtbar platziert. SpĂ€testens als sie bei AufmĂ€rschen der Heimatjugend in der ersten Reihe mit Banner lĂ€uft, ist klar: Steinicke ist nicht mehr nur MitlĂ€uferin, sie ist Teil des prĂ€sentierten Kerns. Es ist ihr bewusster Entschluss, sich öffentlich fĂŒr eine Gruppe herzugeben, die den Nationalsozialismus feiert. In einer Szene, die lange Zeit Nachwuchs- und Imageprobleme zugleich hatte, ist eine 17-jĂ€hrige Aktivistin Gold wert und wird entsprechend umworben, eingebunden, ausgestellt.

Forum Germanum Eine weitere Stufe der Selbstinszenierung ist das Online-Projekt „Forum Germanum“, das Steinicke gemeinsam mit Raik Helm grĂŒndete. Schon der Name zielt auf neurechte Referenz: römisch angehauchter Pathos, latinisierter Ernst, die Suggestion von Tiefe. Der visuelle Stil lehnt sich an neurechte Verlage und Medienprojekte an: Minimalistisches Layout, gedeckte Farben, Anleihen an pseudointellektuelle Publikationen, wie sie im Umfeld der extremen Rechten gern als „Meta-Ebene“ genutzt werden. Inhaltlich ist das Projekt bislang ĂŒberschaubar, aber aufschlussreich. Der erste Artikel stammt von Steinicke selbst und trĂ€gt den Titel: „Grusel garantiert, Gelatine inklusive SĂŒĂŸes oder Saures? Haram!“ Der Text wirkt wie ein Experiment zwischen Angetrunkenheit und Überforderung: eine Mischung aus Halloween-Kritik, SĂŒĂŸigkeiten-Exkursen und islambezogenen Seitenhieben, ohne klare Linie, ohne nachvollziehbare Argumentation. Politisch ist das nur in Andeutungen erkennbar, der Rest wirkt maximal widersprĂŒchlich und vor allem unfreiwillig komisch. Was bleibt, ist ein Text, der eher wie eine missglĂŒckte Mischung aus Tagebucheintrag und Stammtischwitz daherkommt und nicht wie eine ideologisch fundierte Stellungnahme. Der zweite Artikel auf „Forum Germanum“ stammt von Raik Helm und fĂ€llt erwartungsgemĂ€ĂŸ analytischer aus, zumindest nach innen. Unter dem Stichwort des „linksgeprĂ€gten Bildes“ der Uni Bochum arbeitet er sich an seinem Lieblingsthema ab. Konkrete Beispiele bleiben vage, aber fĂŒr die interne ErzĂ€hlung reicht es: Die „eigene Jugend“ wird als Gegenentwurf zur angeblich „gleichgeschalteten“ Unikultur inszeniert. Weil die Studierenden keinen Bock auf Neonazis haben und dies auch öffentlich kundtun, verkriecht sich der zum Scheitern verurteilte Lehramtsstudent in die Opferrolle und Flucht gegen den bunten und weltoffenen Campus. 

Der bisher letzte Beitrag des Projekts ist ein Kurzvideo ĂŒber den offenen Abend in Essen am 14.11.2025. Zu sehen: Steinicke, sichtbar nervös, vor einer wackeligen Kamera. Sie erklĂ€rt, dass die Heimatjugend „trotz Gegenprotest“ wieder „Widerstand gezeigt“ habe. Der Auftritt ist unsicher, die SĂ€tze brechen, der Blick wandert, die Körpersprache schwankt zwischen Stolz und Überforderung. Professionell ist das nicht aber darauf kommt es in erster Linie auch nicht an. Wichtig ist: Es gibt einen Clip mit jungem Gesicht, einem halbwegs klaren Satz und einem Link, der sich teilen lĂ€sst.

Amelia, Raik und die KaderpÀdagogik AuffÀllig ist die NÀhe zwischen Steinicke und Raik Helm sowohl inhaltlich als auch optisch. Auf Fotos und Videos tritt Helm hÀufig in direkter rÀumlicher NÀhe zu ihr auf: er als erklÀrender Organisator, sie als junge Aktivistin an seiner Seite.

Beobachtet wurde das Duo auch abseits der offiziellen Settings: in Bochum, hÀndchenhaltend beim Starbucks und vorbeihuschend an Antifa-Graffitis. Ob es sich tatsÀchlich um eine B

Raik Helm und Amelia Steinicke

eziehung handelt oder doch nur um die ĂŒbliche, kurzlebige Szene-AffĂ€re, bleibt offen.

Raik Helm und Amelia Steinicke

Die Konstellation erfĂŒllt gleich mehrere Zwecke: Steinicke erhĂ€lt symbolisch RĂŒckendeckung eines etablierten mĂ€nnlichen Kaders und wirkt dadurch in der Szene aufgewertet, aber gleichzeitig eingebunden. Helm wiederum kann sich als jemand prĂ€sentieren, der „die Jugend an die Hand nimmt“, sie „formt“, „begleitet“, ein klassischer Kaderbildungsansatz mit pĂ€dagogischer Tarnkappe – und jetzt sogar mit Freundin. Nach außen entsteht das Bild einer modernen, „normalen“ Jugendclique, in der Politik, Beziehung und Alltag verschwimmen.

FĂŒr andere Jugendliche ist das attraktiv. Die Botschaft lautet: Wer in die Heimatjugend kommt, erhĂ€lt nicht nur politische Heimat, sondern auch soziale Anbindung, Freundschaften, vielleicht eine Beziehung. Der ideologische Kern tritt im Alltag hinter der NormalitĂ€t zurĂŒck, um dann bei Demos, Aktionen und Texten wieder klar hervorzutreten.

Zwischen Klassenzimmer und Heimatabend: Amelia an der Erich-KĂ€stner-Schule

Amelia Steinicke bei ihrem Abschluss der 10.2 Klasse im Sommer 2024

AuffĂ€llig ist Steinicke nicht nur in der Szene, sondern auch im Alltag. Sie besucht die Erich-KĂ€stner-Schule in Bochum und geht dort in die 11. Klasse. MitschĂŒler:innen berichten von „merkwĂŒrdigen“ Aussagen im Unterricht: Relativierungen von rechter Gewalt, NebensĂ€tzen ĂŒber „mutige Patrioten“, spitzen Bemerkungen zu queeren Themen oder GeflĂŒchteten, die sie mit einem Schulterzucken als „nur eine Meinung“ abtut. LehrkrĂ€fte bekommen davon meist nur Ausschnitte mit, wissen aber mittlerweile um ihre Einbindung in die Neonaziszene. So schiebt sich ihr Schulalltag nahtlos neben Heimatabende und „Forum Germanum“: vormittags Klausuren, nachmittags Demo, dazwischen ein Weltbild, das lĂ€ngst nicht mehr nur online oder in Dorstfeld verhandelt wird, sondern mitten im Klassenzimmer.

Amelia Lydia Steinicke steht exemplarisch fĂŒr eine neue Generation rechter Nachwuchsfiguren im Ruhrgebiet. Sie ist kein Ausreißer, sondern die logische Fortsetzung einer Entwicklung, in der die extreme Rechte ihr Image modernisiert, ohne ihren Inhalt zu verĂ€ndern. WĂ€hrend die alten verbrauchten Kader Infrastruktur, RĂ€ume und ideologische Linien liefern, ĂŒbernehmen Figuren wie Steinicke die Aufgabe, diese Strukturen algorithmustauglich zu verpacken: in Selfies, in TikTok-Formaten, in halb misslungenen, halb harmlos wirkenden Postings. Die Gefahr liegt gerade in dieser Mischung: Steinicke wirkt nicht wie die klassische Neonazistin, sondern wie eine 17-JĂ€hrige, die zwischen Schule, Starbucks und Heimatabend pendelt. Ihre Inszenierung macht die extreme Rechte anschlussfĂ€hig fĂŒr Jugendliche, die keinen Fuß in einen Kameradschaftskeller setzen wĂŒrden, aber durchaus einem Instagram-Profil folgen, das aussieht wie jedes andere, nur mit „Heimat“-Überdosis.

Ob Steinicke der Szene langfristig erhalten bleibt oder irgendwann aussteigt, lĂ€sst sich nicht absehen. LangjĂ€hrigen Beobachter*innen der Szene ist jedoch klar, dass es fĂŒr Steinicke nur zwei Lebensperspektiven geben kann: baldiger Ausstieg oder ein gescheiterter Lebenslauf. Klar ist jedoch: Solange Strukturen wie die Heimatjugend bewusst auf junge Frauen als AushĂ€ngeschilder setzen, wird die Szene nicht „harmloser“, sondern schwerer zu erkennen. Unter Softfiltern, Gelatine-Witzen und wackeligen Videostatements bleibt die Ideologie dieselbe – nur ihre Verpackung ist neu.

RechercheBO 21.11.2025

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