Fake-News: "Schweizer Ărzte haften jetzt fĂŒr Nebenwirkungen"
DMZ â WISSENŠ Sarah Koller Š KOMMENTAR Und immer munter weiter (und nach wie vor ungestraft), verbreiten bekannte Fake-News Portale wie z.B. report24.news, Weltwoche, tkp.at und exxpress.at Falschnachrichten und glĂ€nzen mit Desinformation. Diesmal wird behauptet, dass die Eidgenössische Kommission fĂŒr Impffragen und das Schweizer Bundesamt fĂŒr Gesundheit sĂ€mtliche Covid-Impfempfehlungen zurĂŒckziehe. Ărzte wĂŒrden die âumstrittenen Vakzine nur noch im Einzelfall unter bestimmten Bedingungen verabreichenâ dĂŒrfen und wĂŒrden zudem âdas Risiko der Haftung bei ImpfschĂ€denâ tragen. Das ist natĂŒrlich falsch. Richtig ist, dass die Impfempfehlungen in der Schweiz lediglich fĂŒr FrĂŒhjahr & Sommer in der Hoffnung auf saisonalen Effekte zurĂŒckgestuft worden sind. Das Bundesamt fĂŒr Gesundheit (BAG) und die Eidgenössische Kommission fĂŒr Impffragen (EKIF) haben die Impfempfehlungen fĂŒr FrĂŒhling und Sommer 2023 formuliert. BAG und EKIF schĂ€tzen sowohl das individuelle Infektionsrisiko als auch die Belastung des Gesundheitssystems im FrĂŒhling und Sommer 2023 als gering ein. Die derzeit zirkulierenden Omikron-Subvarianten wĂŒrden im Vergleich zu frĂŒheren Virusvarianten eher milde Infektionen auslösen. FĂŒr Personen ohne Risikofaktoren besteht kaum noch ein Risiko, schwer zu erkranken. BAG und EKIF sprechen deshalb fĂŒr diese Personen im FrĂŒhling und Sommer 2023 keine Impfempfehlung aus. Weiterhin empfohlen bleibt die Covid-19-Impfung fĂŒr schwer immundefiziente Personen. Die Wirkung der Impfung auf die Ăbertragung der derzeit zirkulierenden Viren wird als minimal eingeschĂ€tzt. Sollte es wider Erwarten zu einer Ausbruchswelle kommen, wird die Impfempfehlung angepasst. Im Detail dem Bericht des BAG zu entnehmen: Impfwirksamkeit, Reinfektionsrisiko, Krankheitsschwere Seit dem ersten Auftreten von SARS-CoV-2 Omikron in der Schweiz im November 2021 haben sich verschiedene Omikron-Subvarianten gebildet, welche zu mehreren Infektionswellen gefĂŒhrt haben. Zuletzt hat die Omikron-Subvariante BA.5 im Juni 2022 die vorangehende BA.2-Subvariante vollstĂ€ndig verdrĂ€ngt und das Infektionsgeschehen dominiert, und war im Herbst/Winter 2022/23 neben neuen Subvarianten (unter anderen vor allem BQ.1, BA.2.75 und XBB) weiterhin auf tieferem Niveau in Zirkulation (CovSPECTRUM). Die Omikron-Subvarianten zeichnen sich dadurch aus, dass sie im Vergleich zu frĂŒheren Varianten generell mildere KrankheitsverlĂ€ufe verursachen sowie immunevasiver und ansteckender sind, wodurch sie vermehrt auch vorangehend geimpfte oder genesene Personen infizieren können (UKHSA, WHO; [2â4]; Wang et al., preprint). Bei den Omikron-Subvarianten und insbesondere bei BA.5, ist der Impfschutz vor jeglicher SARS-CoV-2-Infektion und vor milder Covid-19-Erkrankung im Vergleich zu frĂŒheren Varianten deutlich tiefer und hĂ€lt nur fĂŒr einen kurzen Zeitraum an ([5â12]; Kislaya et al, preprint, UKHSA COVID-19 Vaccine Surveillance Reports). Auch der Schutz durch eine frĂŒhere SARS-CoV-2-Infektion gegen eine erneute Infektion mit BA.4/5 ist reduziert. Zwei Studien postulieren eine gewisse Schutzwirkung vorangehender Infektionen insbesondere mit frĂŒheren Omikron-Subvarianten [13, 14]. Im Gegensatz dazu zeigen die verfĂŒgbaren Daten aus mehreren LĂ€ndern, dass die Impfung und/oder eine durchgemachte Infektion auch bei der Subvariante BA.5 mindestens fĂŒr mehrere Monate gut vor dem Auftreten schwerer Infektionen inkl. Hospitalisationen schĂŒtzt ([3, 15â17]; UKHSA COVID-19 Vaccine Surveillance Report; Kislaya et al., preprint). Danach nimmt dieser Schutz graduell ab (ECDC Technical Report 18.07.22; UKHSA COVID-19 Vaccine Surveillance Reports). In einer Kohortenstudie mit 10.6 Millionen Probanden in den USA beobachteten Lin et al., dass der zusĂ€tzliche Schutz durch eine weitere Auffrischimpfung nach 4-6 Monaten abnimmt [18]. Weitere Studien aus den USA, Canada und Hong Kong zeigen, dass der Impfschutz vor Hospitalisationen 6 Monate nach der Auffrischimpfung noch bei 70-85% liegt ([19â21]). Daten aus den UK zeigen, dass der Schutz vor Hospitalisationen, bei welchen ein Aufenthalt auf der Intensiv-Pflegestation (IPS) notwendig war auch 12-14 Monate nach einer Auffrischimpfung bei Personen â„ 65 Jahre noch bei 52 % liegt (UKHSA COVID-19 Vaccine Surveillance Report). Aufgrund dieser Daten kann davon ausgegangen werden, dass die Impfung wĂ€hrend 6 Monaten vor schweren VerlĂ€ufen schĂŒtzt. Bei BGP kann dieser Schutz vor schwerer Erkrankung weniger gut sein und je nach Risikofaktor, z. B. mit zunehmendem Alter, schneller abnehmen. Die bisher verfĂŒgbaren Daten zeigen, dass eine weitere Eidgenössisches Departement des Innern EDI Bundesamt fĂŒr Gesundheit BAG Eidgenössische Kommission fĂŒr Impffragen EKIF 6 Impfung bei Ă€lteren Personen den Schutz gegen schwere VerlĂ€ufe (Hospitalisationen, TodesfĂ€lle) wieder erhöhen kann [15, 22â27]. Der Impfschutz gegenĂŒber jeglicher, meist milder Infektion wird in erster Linie durch neutralisierende Antikörper vermittelt. Damit ist er viel stĂ€rker von der Ăbereinstimmung zwischen der fĂŒr den Impfstoff verwendeten und der sich ausbreitenden Virusvariante abhĂ€ngig als der Impfschutz vor schweren KrankheitsverlĂ€ufen. Letzterer ist im Wesentlichen durch die T-Zell-Antwort und das reaktivierte immunologische GedĂ€chtnis vermittelt, die einen Kreuzschutz ĂŒber Varianten hinweg gewĂ€hrleisten [28], und in viel geringerem Masse durch eine Nicht-Ăbereinstimmung (Mismatch) zwischen Impf- und zirkulierender Variante beeinflusst. Die Erfahrung im letzten Jahr hat gezeigt, dass die Anpassung der mRNA-Impfstoffe nicht mit der raschen und nicht vorhersehbaren Entwicklung der Virusvarianten Schritt halten konnte. Der Mismatch zwischen adaptiertem mRNA-Impfstoff und zirkulierender Virusvariante fĂŒhrt zu deutlich geringeren neutralisierenden Antikörperspiegeln gegen die zirkulierende Variante (FDA Advisory Committee Meeting 28.06.22: Moderna; Pfizer). Somit kann nach einer Impfung mit einem adaptierten oder dem originalen Impfstoff nicht von einem hohen Schutz vor milder Infektion, wohl aber von einem variantenunabhĂ€ngigen Schutz vor schwerer Infektion ausgegangen werden. Der Protein-Impfstoff NuvaxovidÂź ist weniger spezifisch auf eine SARS-CoV-2 Variante ausgerichtet und löst deshalb eine etwas breitere Immunantwort aus als die monovalenten mRNA-Impfstoffe und ist infolge weniger abhĂ€ngig von der zirkulierenden Variante (FDA Advisory Committee Meeting 28.06.22, Novavax). Detaillierte AusfĂŒhrungen zur Wirksamkeit der Impfung und der Impfstoffe finden sich in Anhang 4. Covid-19-Impfung im FrĂŒhling/Sommer 2023 Aufgrund der Erfahrungen mit SARS-CoV-2 in den letzten drei Jahren und der Epidemiologie anderer respiratorischer Viren ist es ein wahrscheinliches Szenario, dass es saisonal bedingt im FrĂŒhling/Sommer 2023 zur einer tiefen SARS-CoV-2-Zirkulation kommen wird. Das Risiko einer Ansteckung bzw. Erkrankung an Covid-19 fĂŒr den Einzelnen und die Belastung des Gesundheitssystems wird somit in der Sommersaison gering sein. Im Unterschied zu den Jahren 2020 und 2021 kann bei tiefer Viruszirkulation im FrĂŒhling/Sommer 2023 kaum ein Effekt durch die Impfung auf die Krankheitslast in der Bevölkerung erwartet werden, da ĂŒber 98% der Bevölkerung bereits Kontakt mit dem Virus und/oder dem Impfstoff gehabt hat [1], die Impfung nur wenig vor milden (Re-)Infektionen und nicht relevant vor Virustransmission schĂŒtzen kann (vgl. Kapitel 2.3). Dies gilt auch bei Personen welche bisher noch nicht gegen Covid-19 geimpft wurden, da bei diesen Personen aufgrund der SeroprĂ€valenzdaten von einer mindestens einmaligen durchgemachten Infektion ausgegangen werden kann (vgl. Kapitel 2.2). Aus diesen GrĂŒnden wird, basierend auf der in Kapitel 2 beschriebenen Ausgangslage, im FrĂŒhling/Sommer 2023 grundsĂ€tzlich keine Empfehlung fĂŒr eine Impfung gegen Covid-19 formuliert (Kapitel 3.3). Sollte es im Verlauf der Sommersaison zu einer SARS-CoV-2-Ausbruchswelle kommen, wie sie im Juni/Juli 2022 infolge der Ausbreitung der BA.5-Subvariante aufgetreten ist, wird eine Impfung gegen Covid-19 den BGP empfohlen (vgl. Kapitel 3.3), da diese ein erhöhtes Risiko fĂŒr einen schweren Covid19 Verlauf haben. Im Vergleich zur allgemeinen Bevölkerung nimmt der Impfschutz bei BGP zudem stĂ€rker und rascher ab. Eine Covid-19-Impfung kann den Schutz vor schweren VerlĂ€ufen fĂŒr mehrere Monate wieder anheben (vgl. Kapitel 2.3). Da bei Personen ohne Risikofaktoren kaum ein Risiko fĂŒr eine schwere Erkrankung besteht, wird der allgemeinen Bevölkerung im Alter von < 65 Jahren auch bei einer Ausbruchswelle keine Impfung empfohlen. Eidgenössisches Departement des Innern EDI Bundesamt fĂŒr Gesundheit BAG Eidgenössische Kommission fĂŒr Impffragen EKIF 7 Es ist wichtig zu betonen, dass im hier beschriebenen Szenario die Infektionswelle durch eine SARSCoV-2-Variante ausgelöst wird, welche zu Infektionen Ă€hnlicher Krankheitsschwere fĂŒhren wie die bisher und aktuell zirkulierenden Omikron-Subvarianten und die Impfstoffe in vergleichbarem AusmaĂ gegen diese schĂŒtzen (detaillierte AusfĂŒhrungen zum Impfschutz siehe Kapitel 2.3 und Anhang 4). Zum aktuellen Zeitpunkt scheint dies das wahrscheinlichste Szenario zu sein. Die epidemiologische Entwicklung und insbesondere das Auftreten von neuen Virusvarianten wird von BAG und EKIF weiterhin genau verfolgt, und gegebenenfalls wĂŒrden die Empfehlungen rasch angepasst werden. Zielgruppe: Besonders gefĂ€hrdete Personen (BGP) Zu den besonders gefĂ€hrdeten Personen (BGP) fĂŒr schwere Covid-19-VerlĂ€ufe gehören: Personen im Alter von â„ 65 Jahren Personen im Alter von â„ 16 Jahren mit erhöhtem individuellen Gesundheitsrisiko aufgrund: Vorerkrankung gemÀà Kategorienliste Trisomie 21 Schwangerschaft