Die Zahl der psychischen Probleme unter Teenagern und jungen Menschen steigt in einem noch nie da gewesenen Ausmaß – liegen die Ursachen dafür in der frühen Kindheit?
Die Forschung des BabyDevLab der University of East London (UEL)entwickelt neue Techniken, um zu verstehen, wie frühe Lebenserfahrungen die langfristige Entwicklung von psychischen Problemen im Teenageralter und im späteren Leben beeinflussen können.
Das BabyDevLab der University of East London (UEL) entwickelt Techniken, um zu verstehen, wie frühe Lebenserfahrungen die langfristige Entwicklung von psychischen Problemen im Teenageralter und im späteren Leben beeinflussen können.
Was ist wichtiger: Mobilphone oder Baby?
Untersuchungen, dem die Gehirne von Kindern und Eltern gleichzeitig live gemessen werden, sollen feststellen, wie Eltern schädliche Einflüssen ihres Nachwuchses in der frühen Kindheit verhindern können, indem sie auf ihr Kind eingehen. Sprich: Eigenes Handy weg, wenn das Kind schreit.
Ein weiterer Forschungsgegenstand: Wie sich der eigene mentale Zustand der Eltern darauf auswirkt, je nach dem, wie sie auf ihre Kinder reagieren und mit ihnen interagieren; und die Übertragung von Emotionen, also wie sich Emotionen innerhalb von Familien und in größeren Gruppen verbreiten.
Also: Wie geht Wut oder Angst der Mutter im Gegensatz zu liebevoller Zuwendung auf das Baby über?
Derzeit ist die Magnetresonanztomographie (MRT) die umfassendste Methode, um zu sehen, was im menschlichen Gehirn vor sich geht. Dazu muss die Versuchsperson 30 Minuten oder länger ganz still im Scanner liegen.
Wie sieht ein realistisches Szenario aus?
Das ist bei Babies recht unpaktikabel. Kleinkinder müssten schlafen oder fixiert sein, damit ein MRT ihre Gehirnaktivität erfolgreich abbilden kann. Im speziellen, will man natürliche Szenarien realistisch nachahmen, wie die Interaktion mit einer anderen Person oder die Ausführung einer Aufgabe, ist ein MRT-Scan komplett ungeeignet.
Um dieses Problem zu lösen, setzte das Forscherteam in den letzten Jahren optische Neurobildgebung ein, die sogenannte hochdichte diffuse optische Tomographie (HD-DOT), um die Gehirnaktivität auf natürlichere Weise mit tragbaren Geräten zu untersuchen. Die Technologie hat auch den Vorteil, dass sie kostengünstiger ist als MRT-Scans.
Mit dem optischen HD-DOT-Neuroimaging-Verfahren kann der gesamte Kopf des Säuglings gescannt werden. Die Technologie nutzt harmlose Lichtwellen, um die Aktivität im Gehirn von Babys zu messen. Sie liefert das bisher vollständigste Bild von Gehirnfunktionen wie Hören, Sehen und kognitiver Verarbeitung ohne die Einschränkungen durch ein MRT.
Die neueste Forschungsarbeit des Teams verwendet kleine, tragbare Sensoren, um die Anblicke und Geräusche zu erfassen, die Babys zu Hause und in Kinderbetreuungseinrichtungen hören – einschließlich Dinge wie die frühe Exposition gegenüber Bildschirmen – und um zu messen, wie sich dies langfristig auf ihren Stress und ihre psychische Gesundheit auswirkt.Tragbar statt festgezurrt
Die tragbare Kopfbedeckung zur Bildgebung des Gehirns fand unerwartete Aktivitäten im präfrontalen Kortex, einem Bereich des Gehirns, der Emotionen verarbeitet, in Reaktion auf soziale Reize, was zu bestätigen scheint, dass Säuglinge bereits im Alter von fünf Monaten verarbeiten, was ihnen in sozialen Situationen widerfährt.
Diese Technologie kann die neuronale Aktivität auf der gesamten Hirnoberfläche unter der Kopfhaut messen. So lassen sich Interaktionen zwischen verschiedenen Bereichen erkennen und Aktivität in Bereichen sehen, die bisher nicht untersucht werden konnten.
Durch die abgebildeten Verbindungen zwischen verschiedenen Hirnregionen kann man sehen, was in den Gehirnen von Babys passiert, während sie spielen, lernen und mit anderen Menschen auf ganz natürliche Weise interagieren.
Damit lässt sich bereits sehr früh erkennen, ob sich das Gehirn normal oder atypisch in Richtung einer Krankheit wie Autismus, Legasthenie und ADHS entwickelt.
Das neue Gerät wurde an sechzehn Säuglingen im Alter von fünf bis sieben Monaten getestet.
Die Babys, die das Gerät trugen, saßen auf dem Schoß ihrer Eltern und bekamen Videos von Schauspielern gezeigt, die Kinderreime sangen, um ein soziales Szenario zu simulieren, und Videos von sich bewegenden Spielzeugen, etwa einem Ball, der eine Rampe hinunterrollt, um ein nicht-soziales Szenario zu simulieren.
Die Ergebnisse
Die Forscher beobachteten Unterschiede in der Gehirnaktivität zwischen den beiden Szenarien. Neben den unerwarteten Ergebnissen im präfrontalen Kortex, die als Reaktion auf soziale Reize beobachtet wurden, stellten sie fest, dass die Aktivität als Reaktion auf soziale Stimuli stärker lokalisiert war als bei nicht-sozialen Reizen, was frühere Erkenntnisse aus optischen Neuroimaging- und MRI-Studien bestätigt.
©alle Bilder: FuZ
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