Leben mit #Autismus, #Depression und meiner Frau als #Therapeutin
Was hat mich da so "weggehauen" in letzter Zeit? Ich versuche, das hier mal zu sortieren.
Am Ende habe ich verstanden, dass ich die Abhängigkeit zwischen "Verantwortung übernehmen" und "Entscheidung treffen" falsch verinnerlicht habe. Meine Denkweise war:
Es kommt zu irgendeiner Veränderung, ich denke, ich muss Verantwortung übernehmen, und das bedeutet, sofort Entscheidungen zu treffen. Anschließend habe ich grundsätzlich nicht zu diesen Entscheidungen gestanden, sondern sie gerechtfertigt mit: "Der/die andere(n) sind mit Veränderungen gekommen und haben mich zu dieser Entscheidung gezwungen." Das ist quasi die Definition von toxischem Verhalten.
Und ich begreife gerade zum ersten Mal in meinem Leben, dass der gesunde Umgang mit Veränderung lediglich bedeutet, auf sich zu hören, keine Entscheidung zu überstürzen. Ja, es kann natürlich eine Entscheidung notwendig sein, aber dann ist die Abhängigkeit zur Verantwortung eine andere
1. innehalten
2. Kommunikation suchen, zuhören, auf sich hören
3. Irgendwann eine Entscheidung daraus ableiten
Und dann der wesentliche Kernpunkt: Jetzt kommt erst der Part mit "Verantwortung übernehmen". Und das bedeutet NICHT Rechtfertigung, sondern nur zu den eigenen Entscheidungen und Taten zu stehen, anstatt die Schuld auf andere zu schieben.
Es entsteht also aus diesen Entscheidungen die Verantwortung, zu ihnen zu stehen. Sie sind dann bewusst getroffen, und die "Schuld" liegt nicht bei anderen.
Diese Problematik (aus Verantwortung entstehen Entscheidung und Rechtfertigung) ist erlernt und wurde vorgelebt, vor allem meine Mutter macht das immer so. Das ist toxisch.
Die Verantwortung immer auf andere zu schieben ist auch der Grund für meine Panik vor dem Verlieren der kurzen Therapie-Intervalle bei meiner ambulanten Therapeutin. Es bedeutete für mich gleichzeitig den drohenden Verlust meiner Lebensfähigkeit.
Und jetzt schlage ich den Bogen zu dem Versuch, in der Klinik aufgenommen zu werden. Ich habe den Bedarf nach Hilfe intensiv verspürt. Gleichzeitig greift der Autismus da rein und lässt mich meinen massiv aufgewühlten, brennenden inneren Zustand maskieren. Ich muss ja "funktionieren" und dem Verantwortlichen (Stichwort Placebo-Arzt) in der Klinik meinen Zustand rational darlegen. Für den wirke ich also gefasst, keine Unruhe, keine Selbstmordgedanken, kein Notfall. Bei mir wächst die Verzweiflung.
Dann will er mir meiner Frau sprechen, der Person, die mich oft besser kennt als ich mich selbst. Sie schildert mit fundierten Worten was mir mir los ist, und der Kerl hat nur "Ehekrise" verstehen wollen. Weil nicht sein kann, was ihm nicht passt. Alles was er sagte, zeigte, dass er dachte, ich bräuchte nur Abstand oder meine Frau wollte mich abschieben (wie gesagt, mein Eindruck). Meine Angaben bzgl. Selbstverletzung, Gedankenkreisel, Ausweglosigkeit wurden schlichtweg ignoriert. Keine Aufnahme, keine Krankschreibung, kein beruhigendes Medikament... stattdessen Floskeln wie ich solle es mal mit Routinen probieren. Routinen sind mein mentaler Tod.
Ich konnte den verspürten Konflikt zwischen "Verantwortung übernehmen" und daraus Entscheidungen zu erzwingen nicht lösen. Das ist uns erst gemeinsam zu Hause gelungen.
Und ich kann das gerade sogar als Erfolg empfinden. Es schließt eine als klaffend empfundene Lücke zwischen Verstand und Emotionen bei mir.