Update: King Air 200 landet ohne aktiven Piloten
„Emergency autoland activated. The emergency autoland system is controlling the aircraft and will land at the safest nearby airport“, erzählt die angenehme weibliche Computerstimme im Cockpit.
Das ist keine Zukunftsmusik aus einem Science Fiction Film, sondern heutige Realität.
Beispielbild, nicht die im Beitrag erwähnte King Air. ©AOPA
Eine Beechcraft King Air B200 landete am 20. Dezember 2025 ohne aktiven Piloten sicher auf dem Rocky Mountain Metropolitan Airport bei Denver.
Nun sind einige mehr Details bekannt. Die Aktivierung von Autoland war das Ergebnis einer bewussten Entscheidung der Flugbesatzung und keine automatische Aktivierung aufgrund von Handlungsunfähigkeit des Piloten, wie zunächst gemeldet.
Was war passiert?
Während des Steigfluges nach dem Start in Aspen auf eine Höhe von 23000 Fuß MSL kam es zu einem plötzlichen Druckverlust in der Kabine. Die beiden Piloten setzten darufhin sofort Sauerstoffmasken auf und aktivierten das Garmin-Notfallsystem.
Das System wählte den Rocky Mountain Metropolitan Airport aus, navigierte zum Flugplatz und kommunizierte automatisch mit der Flugsicherung, einschließlich Meldungen, die auf die Flugunfähigkeit der Piloten hinwiesen.
Nach Angaben von Garmin übernahm das Flugzeug mit dem Kennzeichen N479BR selbstständig den Anflug und setzte ohne Zwischenfälle auf dem Rocky Mountain Metropolitan Airport in Broomfield auf der Landebahn 30 auf.
Funkmitschnitte aus dem Tower zeigen, dass das Autoland System den Fluglotsen zunächst eine Notsituation meldete und anschließend automatisierte Durchsagen sendete. Darin wurde auf eine Pilot-Inkapazität hingewiesen und ein Notfall-Autoland angekündigt.
Während des Anflugs übermittelte das System regelmäßig Angaben zur Entfernung vom Flughafen sowie zur verbleibenden Zeit bis zur Landung. Flugverfolgungsdaten belegen, dass die King Air um 13:43 Uhr vom Aspen-Pitkin County Airport gestartet war und um 14:19 Uhr in Broomfield landete.
Die automatisierten Meldungen hatten zu falschen ersten Berichten geführt, dass die Piloten nicht in der Lage seien, das Flugzeug zu fliegen. Allerdings war der Notfall ein Druckverlust und (noch!) keine Inkapazität der Piloten.
Das war also so gesehen keine korrekte System-Meldung.
Trotzdem ist Druckverlust im Flugzeug über den Rocky Mountains ein Ernstfall und die Aktivierung von Autoland führte zu einem glücklichen Ausgang.
FuZ
Autoland Systeme in kleineren Flugzeugen (versus großen Linienflugzeugen von Boeing oder Airbus; eine King Air ist kein „Kleinflugzeug“) sind noch relativ neue Technologie.
Sowohl die Piloten – wann aktivieren? – als auch der/die Hersteller werden noch Anpassungen machen müssen.
Natürlich gibt es die Tendenz des Menschen, je mehr Sicherheitssysteme im Auto oder Flugzeug verbaut sind, sich auf diese zu verlassen. Sogar vielleicht in Situationen, die vom Menschen alleine auch handlebar gewesen wären.
Fazit
Diskussion ja;
Weiterentwicklung ja.
Aber am Boden vorschnell über Menschen zu urteilen, wie diese sich in einer lebensbedrohlichen Situation in der Luft verhalten haben, ist unzulässig.
Garmin Autoland ist dafür ausgelegt, in bestimmten Notfällen die vollständige Kontrolle über ein Flugzeug zu übernehmen. Das System wählt selbstständig einen geeigneten Flughafen aus, berücksichtigt dabei Wetterbedingungen und verfügbare Landebahnlängen, kommuniziert mit der Flugsicherung und führt den automatisierten Anflug bis zur Landung durch.
Die Autoland-Technologie für die allgemeine Luftfahrt wurde von Garmin erstmals 2019 vorgestellt. Für King-Air-350-Flugzeuge mit G1000-NXi-Avionik erhielten Autothrottle- und Autoland-Funktionen im August die Zulassung der US-Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration.
Neben der manuellen Aktivierung über einen Schalter kann das System auch ausgelöst werden, wenn der Pilot auf Aufforderungen nicht reagiert oder andere kritische Parameter erkannt werden, etwa ein plötzlicher Verlust des Kabinendrucks.
Die erste Installation eines Autoland-Systems in einer King Air B200 erfolgte im Januar 2024.
Der Vorfall in Colorado gilt nun als erster realer Einsatz dieser Technologie bei einer King Air 200.
#Autoland #Beechcraft #Colorado #Garmin #HelgaKleisny #KingAir #Notfall