Abenteuer mit Sendspin
oder wieso es so schwer ist, sich der Sonos Hegemonie zu entziehen
Als ich vor vielen Jahren die Aufgabe lösen wollte, Surround Sound ohne Kabel quer durch die Wohnung zu legen, war eine meiner ersten Ideen, den Ton zu den Surround Lautsprechern über zwei Klein -Computerpaare drahtlos zu übertragen. Es war eine Zeit, als PulseAudio noch jung und PipeWire war noch nicht Mal ein Jucken auf Wim Taymans Hirnrinde. Dementsprechend habe ich mich nach zwei Wochen erfolgloser Abendbastelei auf dem Markt umgesehen und meine erste Sonos-Anlage gekauft. Über die Jahre sind die Geräte teurer und schlechter geworden, aber die Konkurrenz schien wenig gegen halten zu können. Einmal war ich fast so weit, mich für Teufels Raumfeld zu erwärmen -- prompt wurde diese Produktfamilie angekündigt. Mittlerweile hatte ich aus rein praktischen Gründen weitere Sonos Player in der Wohnung, später im Haus verteilt, der Lock-In war perfekt.
Und dann hat Sonos es geschafft sich selbst ein Loch zu schaufeln, aus dem sie nicht so einfach wieder raus kommen. In etwa der gleichen Zeit begann ich, mich mit Home Assistant auseinanderzusetzen. Auch zu der Zeit gab es schon Music Assistant, aber in einem für mich unpassenden Funktionsumfang.
Doch es war klar, Music Assistant muss eine Antwort auf die Multiroom Frage finden. Denn die Lösungen am Markt waren alle proprietär und nicht miteinander kompatibel.
Und dann, Mitte letzten Jahres, wird ResonateSendspin vorgestellt, ein Open Source Audio Streaming Protokoll mit Multiroom Support.
Und Sonos schaffte es nicht, sich aus dem Loch zu kämpfen.
Und dann, mit Music Assistant 2.8: Sendspin Bridges -- das Konzept, das es erlaubt, andere Streaming Protokolle mit einem Sendspin Layer zu überziehen. Das war für mich der Startpunkt, mir das ganze "mal genauer anzusehen", wie die Youtuber so sagen.
Zunächst also: Music Assistant installieren, und ein paar Musikquellen hinzufügen. Freie Streaming Angebote wie SomaFM vereinfachten den Einstieg, nichts musste an irgendeinen neuen Ort gelegt werden, damit es funktioniert.
Music Assistant unterstützt neben dem eigenen Sendspin einige gängige Protokolle, darunter Sonos und AirPlay. Das sollte noch wichtig werden.
Zunächst funktionierte alles wunderbar: ich konnte die Sonos Lautsprecher über MA genauso steuern wie in der Sonos App, nur ohne Werbung und überraschend wegfallende Features.
Und dann begann ich zu experimentieren: Music Assistant App auf Android, sendspin cli auf MacOS, und auf einmal hatte ich ... naja. Einen Teil Player die native Sendspin sprechen, und einen Teil der Sonos spricht. Und diese konnte man nicht zum synchronisieren Abspielen bewegen. Der Grund: Proprietäre Kackscheisse von Sonos, die einen sinnvollen Weg außerhalb des Ökosystems wo möglich unterbinden will.
Doch da kam AirPlay ins Spiel: es gibt eine Sendspin Bridge für AirPlay, und verschiedene Sonos Speaker beherrschen die eine oder andere Version von AirPlay.
Ein erster Versuch mit meinem Fernseher, der auch AirPlay spricht, gestaltete sich etwas schwierig, da dieser AirPlay 2 spricht und ich dir Stelle wo man in MA die PIN eingeben muss, nicht auf Anhieb gefunden habe. Das hat ein paar Mal funktioniert, und dann irgendwann nicht mehr. Und einer meiner ältesten Sonos Lautsprecher spricht noch kein AirPlay und funktioniert in der Gesamtschau noch nicht.
Was aber sehr gut funktioniert: Computer und Mobilgeräte über sendspin als zusätzliche Player einbinden. Die sendspin cli hat ein Text UI, aber es gibt eine Android App (und alternativ SendspinDroid, das ein angelegtes Gerät oder zB einen Fire stick zu einem Sendspin Endpunkt macht).
Ich möchte aber nicht nur verschiedene große und kleine Computer einbinden, sondern auch einen Weg aus der Sonos Hegemonie finden. Den Schwenk über AirPlay halte ich auch für begrenzt hilfreich. Glücklicherweise gibt es aber verschiedene Optionen nativer Sendspin Speaker über esphome und die Sendspin Bluetooth Bridge.
Zum Experimentieren kaufte ich also online einen Bluetooth Dongle mit einer Antenne für bessere Reichweite, beim Discounter um die Ecke für 15€ ein Bluetooth Radio, und bestellte mir die RaspiAudio Muse Luxe2.
Die Installation des Bluetooth Dongle auf meiner HAOS Instanz und das Einbinden des Bluetooth Speakers war unspektakulär. Allerdings ist die Synchronisierung im Multiroom Umfeld nicht perfekt. Ich habe auch noch nicht ausprobiert, wie sich das System mit mehreren Bluetooth Endpunkten verhält.
Die Muse Luxe2 ist im wesentlichen eine Enttäuschung. Die von RaspiAudio angebotene ESPhome Konfiguration funktioniert theoretisch, ist aber nicht auf aktuellem Stand und bindet verschiedene Features als External Components ein, die schon längst in ESPhome enthalten sind. Mit der Bändigung dieser Konfiguration kämpfe ich noch, aber aktuell kommt es immer wieder zu Abbrüchen der Verbindung und zu Crashes, auch mit ESPHome 2026.4
Mein Fazit also:
#homeassistant #musicassistant #sendspin