Ich glaube, das ist ein neuer Rekord in #AIslop:

Von sieben Quellen in einem studentischen Bericht sind sechs fragwürdig, haben falsche Autor*innen, etwas andere Titel, falsche Jahresangaben oder sind einfach komplett erfunden.

Abschlussarbeiten und Projekte an Universitäten zu betreuen, heißt aktuell leider, alle Zitate und jede Literaturreferenz ständig und immer in Frage zu stellen.

@MMagdowski Oh Mann 🫣! Wie geht ihr damit um? Wenn beim Check der Quellen sowas rauskommt, geht das dann postwendend zurück, ohne auf die eigentliche Arbeit zu schauen? Mit der Aufforderung zu überarbeiten? Oder halt: Chance verpasst... ?
@JHedtke Das ist ein relativ klarer Fall, der aufgrund von wissenschaftlichem Fehlverhalten und groben Verstößen gegen die akademische Integrität mit einem "ungenügend" bewertet wird.
Der Student bzw. die Studentin darf dann mit einem komplett neuen Thema ein neues Projekt von Beginn an wiederholen.
@MMagdowski Sorry, hatte mich unklar ausgedrückt. In diesem Fall ist das sehr klar, aber wenn jetzt 1 oder 2 Quellenangaben fehlerhaft sind? Wenn es sich u.U. auch um Flüchtigkeitsfehler handeln könnte (falsche Jahreszahl, etwas anderer Titel o.ä.)? Ich stelle mir das wirklich wahnsinnig mühsam vor, wenn man dann auch noch bei Grenzfällen abwägen muss. Bleibt nur zu hoffen, dass sich konsequente Ahndung entsprechend rumspricht und abschreckt...

@JHedtke

Ja, das stimmt. Solche Grenzfälle sind immer schwierig und erfordern viel Abwägen. Dann muss man sich auch den Rest der Arbeit anschauen und dort ebenso nach Ungereimheiten, potentiellen Fehlern sowie AI Slop suchen, was zeitaufwendig ist.

Bei uns ist es nach der Studien- und Prüfungsordnung leider vorgesehen, ein*e Student*in nur dann zur mündlichen Verteidigung zuzulassen, wenn die Arbeit vorher mindestens mit "ausreichend" bewertet wurde.

@JHedtke

Man kann die Leute in solchen Grenzfällen also nicht einfach so zu einer Verteidigung einladen, um sie sich dann dort um Kopf und Kragen reden zu lassen, weil die schriftliche Arbeit dafür ja schon bestanden sein muss und die Kandidat*innen in diesem Fall nur das Kolloquium nicht bestehen und einmalig wiederholen dürfen.

Dann müssen die Leute danach schon extrem unreflektiert sein, um ein zweites Mal durch das Kolloquium zu fallen, obwohl die Arbeit immer noch potentiell murksig ist.

@MMagdowski kannst Du da nicht AI gegen AI einsetzen? Es gibt doch Spezial-LLMs für diese Analyse. Ich meine ich hätte da Mal was empfohlen bekommen von jemandem aus der Pharma. Wenn ich aus dem Urlaub zurück bin könnte ich Mal schauen. Musst mich nur am Osterwochenende erinnern 😶‍🌫️

@Jay23Jay

Typischerweise suche ich bei Verdacht erst mal ein bisschen "von Hand" in den fachspezifischen Literaturdatenbanken.

Zur Automatisierung haben wir im WIki der Arbeitsgruppe E-Learning der @uni-magdeburg.de auch einige Werkzeuge zur Prüfung gesammelt:

https://wikis.ovgu.de/elearning/doku.php?id=ki#ki-erkennung_mittel_zerogpt

Real or Fake - Help you check if the provided references are real or fake: https://chatgpt.com/g/g-69b5afe0d8e88191a54b34cc002df62a-realorfake

CiteTrue: https://citetrue.com/de

BibSafe: https://www.bibsafe.com/

ki [Elearning]

@MMagdowski
Uff. Klausuren/Arbeiten korrigieren macht ja eh schon nur selten Spaß, aber das ist echt heftig.

Habt Ihr bei Euch Software im Einsatz, die sowas automatisiert findet?

@danielh

Ja, siehe: https://bildung.social/@MMagdowski/116307228805783679

Außerdem nutzen wir Turnitin Similarity Check für die klassische Plagiatskontrolle und die Erstellung eines "KI-Schreibberichts", der aus meiner Sicht aber relativ wenig Aussagekraft besitzt.

@MMagdowski Ich frage im Kolloquium bei solchen Fällen gerne nach dem Stand der Wissenschaft und was sie wo gefunden haben. Dann reduziert sich meist die Bewertung deutlich.
Wir haben inzwischen die PO so geändert, dass die LLM-Nutzung explizit erklärt werden muss. Ist das in so einem Fall nicht erfolgt, wäre das ein Täuschungsversuch.

@bordfunk

Das ist aus meiner Sicht auch ohne Erklärung zur LLM-Nutzung ein eindeutiger Täuschungsversuche bzw. ein Fall von wissenschaftlichem Fehlverhalten und ein Verstoß gegen die akademische Integrität.

In einem solchen Fall machen wir auch gar keine Verteidigung. Was soll dort sinnvolles passieren?

@MMagdowski

Es ist eben nicht immer eindeutig, manchmal sind nur sehr wenige Quellen zu beanstanden. Wo zieht man da die Grenze? Kaputte Quellenangaben gab es auch schon ohne KI.
Daher dient das Kolloquium dazu festzustellen, wie viel von der Arbeit eine eigenständige Leistung ist und das dann entsprechend zu bewerten (oder abzuwerten). So machen wir das zumindest momentan bei Bachelorarbeiten.

@bordfunk

Naja, der vorliegende Fall mit 6 fragwürdigen von 7 Quellen ist aus meiner Sicht schon sehr eindeutig durchgefallen.

Ich habe aber auch gerade einen Fall, wo nur eine Quelle von 21 Referenzen etwas "fishy" ist (Titel nicht korrekt, Journal falsch und erfunden, Jahr stimmt nicht).
Was macht man dann? Trotzdem durchfallen lassen? Bis zur Bestehensgrenze abwerten? Den Titel einer wissenschaftlichen Zeitschrift zu erfinden ist aber trotzdem kein Versehen und kein Kavaliersdelikt.

@bordfunk

Hier ist das besprochene Beispiel einer halluzinierten Literaturquelle:

[5] B. Taylor, P. Eastwood, and B. L. Jones, “Low-cost embedded systems for control and automation education,” European Journal of Control and Automation Education, 2015. [Online]. Available: https://www.scilab.org/https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1474667015341021

korrekter Link: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1474667015341021

Titel falsch, Jahr falsch, Zeitschritenname falsch und erfunden

Ein Fall zum Durchfallen oder ein Beispiel zum Bestehen?

@MMagdowski kannst du einen zitierstil mit DOI oder Link einfordern? Damit war's das prüfen deutlich leichter, oder? Ich gehe mal davon aus, dass in deinem Gebiet fast nichts mehr nicht-online publiziert wird...
@davidlohner
Bei mir war das Problem oft aber auch, dass Links in zweifelhaften Arbeiten hinter Paywalls waren, die meine private HS nicht freigekauft hatte. Dann halt "Naja ..."
@MMagdowski

@cwilcke @davidlohner

Ja, aber in diesem Fall existieren die Quellen ja wirklich, nur eben hinter einer Bezahlschranke.

Man könnte diese dann als Lehrperson selbst über Umwege (Sci, hüstel, Hub, hüstel) herunterladen oder die/den Student*in selbst danach fragen, wie sie/er sich diese Literatur besorgt hat.

@MMagdowski @cwilcke *wie* Studis rankommen, ist ja egal. Die interessante Frage ist, ob es (juristisch?) okay wäre, wenn du dir die Quellen zur Prüfung geben lässt (nicht kopieren, nur einsehen)
@davidlohner
Das mit den "Quellen zur Einsichtnahme" wäre cool. Das könnte dann auch als ein Gesprächsanlass dienen. Aber für dieses Jahr ist die Prüfungsphase vorbei und kommendes Semester bin ich nicht mehr gebucht #Honorardozentenblues
@MMagdowski

@cwilcke @davidlohner

Wenn man als Student*in seine Prüfer*innen in die Bredouille bringen möchte, sollte man dann im MINT-Bereich einfach irgendwelche DIN-, IEC- oder ISO-Normen zitieren. Da kommt man nämlich ohne weiteres nicht so einfach heran. 😉

@MMagdowski
@davidlohner

Bei mir war es "Pädagogische Psychologie" und einige Arbeiten der etwa 18 Studis im Seminar waren geradezu unheimlich ähnlich ( ich habe schon gedacht, dass die einfach dieselben Prompts genommen haben?) und bei einer Arbeit, und die habe ich dann auch durchfallen lassen, waren von 31 Quellen die Hälfte nicht existent und die andere Hälfte hatte nicht den Inhalt, der durch die Zitation gestützt werden sollte 🤦

Hi @MMagdowski,
#Guttenberg hat das ganz ohne #KI geschafft. Das Ausmaß und die #Schamlosigkeit ist neu, das Phänomen nicht, oder?
@mro @MMagdowski man könnte auch sagen, dadurch dass jetzt fast alle betrügen und dadurch genauer geschaut wird, fällt Betrug auch eher auf 🙈 Und ja, der Zeitaufwand dafür ist bestimmt enorm.

@hannes99 @mro

Ja, der Betrug skaliert einfach, die Prüfung (noch) nicht so ganz.

@mro

Das Phänomen ist natürlich nicht neu, aber es tritt in den letzten etwa zwei Jahren schon deutlich häufiger auf als davor.

Das Internet ist ja auch voll von Werbung für entsprechende Dienstleistungen, zumindest für die Zielgruppe: https://bildung.social/@MMagdowski/115065318132359221

@MMagdowski Vorfiltern mit einer spezialisierten Agentic AI. So dumm es erstmal klingt. Die offensichtlichsten Fälle wird sie sofort finden und begründen. Wozu die kostbare menschliche Zeit mit so offensichtlichem Müll verschwenden? 😮‍💨

@scotty86

Ja, natürlich. Trotzdem ist es halt schade, um die ganze Arbeit, die man vorher mit den Studierenden hatte, z.B. allein in Bezug auf die Administration (Themensuche, Aufgabenblatt erstellen, Termine für Besprechungen vereinbaren, Gliederungen, Zwischenversionen und Entwürfe begutachten, Feedback geben, ...).
Am Ende ist der ganze Aufwand (zumindest gefühlt) für die Tonne, nur weil ein*e Student*in beratungsresistent ist.