Wie sehr wir alle indoktriniert sind, zeigt sich, finde ich, am deutlichsten in der Tatsache, dass dieser Planet (und dieses Land) genug produziert, um alle Menschen darauf (darin) mit Lebensmitteln, Wohnraum, Kleidung, Gesundheitsversorgung und Erziehung zu versorgen, aber wir einen solchen Zustand nicht erreichen *wollen*, weil es hieße, dass einige etwas abgeben müssten.

Und das nennen wir dann "Freiheit".

@mina

Ich wünsche mir das sehr, sehr inständig anders!

@why_not

Ja!

Und dabei sollte das neben dem Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen das wichtigste Anliegen der Politik sein.

@mina

Allerdings. Ich bin erstaunt, dass sie das nicht einsehen, irgendwie scheinen sie zu denken, sie kämen davon.

Und abgesehen davon macht teilen Spaß!

@why_not

In der Tat:

Die Forschung zeigt, dass das nachhaltigste Glück davon kommt, anderen zu helfen.

Danach kommt etwas selbst zu schaffen.

Und erst dann alle anderen Arten von Genüssen.

Deshalb bekommen Reiche auch den Hals nicht voll: Deren Zufriedenheit ist immer nur temporär. Die brauchen immer wieder Neues und mehr.

@mina

Was mich nicht so richtig tröstet…

Also wäre das ultimative Glück: gemeinsam etwas erschaffen!

@mina @why_not Hmm ... Glück, sich glücklich fühlen ist ein subjektives Gefühl. Muß nicht für alle gleichernaßen entstehen.
Abgesehen davon: wie definiert man "anderen helfen"? Anderen helfen? Welchen Anderen? Wenn sich Wohlhabende gegenseitig helfen, ist auch DAS ein "anderen helfen"!
Armutsbetroffene glauben anscheinend "anderen helfen" kann nur implizieren/ bedeuten Wohlhabende helfen den Armutsbetroffenen ... ?

@die_Leo

Natürlich gibt es zu dem Thema psychologische und soziologische Studien.

Notwendigerweise machen die natürlich allgemeine, statistische Aussagen und nicht solche, die auf jeden Einzelmenschen zutreffen.

Sprichst du Spanisch?

Dann könnte ich dir ein prima Video/Podcast der Philosophin Roxana Kreimer zum Thema empfehlen.

@why_not

@mina @why_not Hmm ... bin dort aufgewachsen. 🫠🤠

@die_Leo

na dann:

https://www.youtube.com/watch?v=9_qGBqAdsPQ

Ich finde die überhaupt eine ganz fantastische Frau.

@why_not

LAS EXPERIENCIAS QUE DAN SENTIDO (Y NO PLACER) A LA VIDA

YouTube

@die_Leo @mina

Selbstverständlich nicht! Was ist das denn für eine Denke!

Ich dachte einfach an einander helfen, in jeder Form. Der alten Nachbarin die Taschen hochtragen. Essen teilen. Im Garten helfen.
Ich will davon ab nicht von Wohlhabenden geholfen kriegen, mir würde es reichen, wenn meine Menschenrechte und Menschenwürde realisiert würden.

@why_not @mina irgend etwas passiert mit Leuten, die immer mehr Reichtum ansammeln und dadurch ebenso mächtiger werden. Es scheint mir, dass Menschen nicht so gut für die Konzentrierung großer Macht auf wenige geeignet sind. Mir macht der Ausblick auf den kommenden Brand richtig Angst. Denken die Mächtigen wirklich sie können sich davor schützen oder ist es ihnen egal?

@ChrisUplus @mina

Ich glaube, sie denken, sie kommen irgendwie davon.

@mina @why_not Möchte euch beiden diese Doku (link im toot) sehr ans Herz legen. Alles was ihr euch wünscht (ich auch), wäre möglich.
Und ja, die Widerstände sind gigantisch, weshalb man wohl nach dem Anschauen nicht total euphorisiert ist, so krass ist der Unterschied zum jetztigen ausbeuterischen System. Mir tut es trotzdem gut, eine andere Wirtschaft, eine andere Gesellschaft mal so klar skizziert zu sehen. Es macht Mut und öffnet die Augen.
https://mastodon.world/@hope_n_beauty/116292682346231342

@hope_n_beauty @mina

Danke. Ich werde versuchen, die Doku unterzubringen im Tag.

@why_not

Ich habe gestern Abend schon mal reingehört.

Das sind schon spannende Ansätze.

@hope_n_beauty

@mina Ich würde das mal als Homodizee-Problem bezeichnen: Wir könnten im Paradies leben, wollen wir aber nicht obwohl wir es möchten.

@einfachnurRoland

Was heißt eigentlich "Homodizee"?

@mina Na, in Anlehnung an das Theodizee-Problem:

Wenn der Mensch an sich gut ist, warum merkt man es dann nicht?

@mina wir nicht, die FDP nennt das Freiheit.

@benny

Nicht nur die FDP.

Auch natürlich die Christen-Union.

Und für die anderen heißt es: Wir würden ja gerne, aber wir können nicht.

@mina die Christdemokraten sprechen jicht so oft von Freiheit wie die FDP. Denen scheint es mehr um Wirtschaft und Ordnung zu gehen, oder das, was sie dafür halten.

@benny

Wie man's nimmt.

Ist ein Spruch aus der Adenauer-Zeit, aber das Bild ist von 2019.

Verschwunden ist der Slogan nie wirklich, und die Ideologie erst recht nicht.

@mina I stand corrected

@mina

jop, je nach studie würde die erde genug und nachhaltig resourcen produzieren um 12-15 milliarden menschen problemlos zu versorgen

@pmj

Das ist der Punkt. Für die 8 Mrd. aktuell reicht es aus jeden Fall.

@mina
Ja. Aber:Was bedeutet reichen denn?

Die Mehrzahl der Menschheit hat kein Auto, keinen Kühlschrank, weniger Zugang zur medizinischer Versorgung, weniger Wohnfläche und überhaupt viel weniger Kram, den wir brauchen um Wirtschaftswachstum am Laufen zu halten.
Ich denke, wir alle, die wir hier lesen und schreiben, gehören mit zu den privilegiertesten 10% der Weltbevölkerung.
Ich persönlich möchte wenig abgeben solange ich das Gefühl habe dass das privilegierteste Promille gepampert wird.

@solarplexus

Das ist eine gute Frage.

In jedem Fall stehen den reichsten 100.000 Menschen (ca. 0,001 % der Weltbevölkerung, von denen die "Ärmsten" mehr als 50 Mio besitzen) aktuell ca. 3 X so viel finanzielle Ressourcen zur Verfügung wie der Hälfte der Weltbevölkerung.

Das ist absurd.

Auch in Deutschland besitzt eine Handvoll Familien mehr als über die Hälfte der Bevölkerung.

@mina

Ich denke, es sind zwei Fragen.

Die der Verteilungsgerechtigkeit im Land. Über das reichste 1% der Menschen, die in Deutschland leben, ist kaum etwas bekannt. Die Familie Böhringer aus Ingelheim hat es sogar geschafft, nicht mehr in Statistiken genannt zu werden.

Eigentlich geht es aber um die Weltbevölkerung: Warum kostet mich ein T-Shirt hier so wenig, weil ein Mensch weit weg es für einen Hungerlohn produziert?

@solarplexus

Ich denke, die Verteilungsprobleme auf globaler und nationaler Ebene hängen ganz eng zusammen.

Ein Milliardär in Deutschland und einer Indien oder ein Obdachloser in Deutschland oder in Indien haben jeweils mehr Gemeinsamkeiten miteinander als die jeweiligen Landsleute aus den verschiedenen sozialen Klassen.

Wir in den reichen Ländern profitieren zwar von der Armut in ärmeren Ländern, sind aber trotzdem Ausbeutungsverhältnissen ausgesetzt.

1/2

@solarplexus

Kapitalismus hat große Ähnlichkeit mit dem Patriarchat.

Auch wenn alle Männer gewisse Privilegien teilen, leiden sie auch fast alle darunter.

Diejenigen, die wirklich profitieren sind letztlich nur wenige.

Die Mehrheit der Männer würde von einem Ende der patriarchalen Ordnung profitieren und trotzdem verteidigen sie das System bis aufs Blut.

Auf der gleichen Stufe wie Frauen? Niemals!

Der Wunsch nach Abgrenzung nach unten wiegt schwerer als der gemeinsame Nutzen.

2/2

@mina

Dem ersten Absatz stimme ich zu, dennoch denke ich, dass es lokale oder natioinale Lösungen geben kann.

Der zweite Absatz widerspricht an sich den Argumenten der Dollar-Street. Oder meinst du mit sozialen Klassen eine einkommensunabhängige Größe?

@solarplexus

Natürlich leben wir in Ländern und Gemeinden. Und da gibt es keine "passend für alle" Lösung.

Ja. Ich denke, soziale Klassen lassen sich länderübergreifend nicht unbedingt an absoluten Dollarzahlen festmachen.

@mina wir verhalten uns nicht ethisch, aber dafür sehr marktgerecht!

@mina
Wenn wir alle gleich viel wert wären, die gleiche Versorgung hätten, etc... dann könnte der jetzt noch Überreiche sich ja nicht mehr als etwas Besseres sehen.

Manchmal hab ich das Gefühl die Welt ist so scheiße für alle, nur damit ein paar Wenige sich als die Geilsten der Menschheit fühlen.

@momo

Das ist kein Gefühl. Das ist Fakt.

@mina Ich find’s noch eine Stufe perfider, wenn die, die nichts abgeben können, diejenigen in Schutz nehmen, die übergenug haben.

Muss sowas wie ein Stockholm-Syndrom+ sein. Und beim Stockholm-Syndrom kommt alles vor, nur nicht Freiheit.

@usi

Ja. Das ist genau die Gehirnwäsche, die ich meinte.

@mina Nein, wir nennen es Kapitalismus.
@mina
Es ist deutlich schlimmer: Selbst wenn niemand etwas abgeben muß, scheitert es daran, daß dann jemand etwas bekäme.
Das Ausmaß an Neid selbst bezüglich durch absolute Erniedrigung verdienter Almosen ist im Wortsinne unfaßbar.

@rainergb

Ja. Das regt mich fast am meisten auf.

Man gönnt Ärmeren nicht mal das schwarze unter dem Fingernagel.

@mina
Die Frage ist nicht, warum sich Menschen radikalisieren, sondern warum es so wenige sind.

Aber ich glaube, das Wohlergehen als Gruppe spielt für viele einfach keine Rolle. Gar keine. Diese Vorstellung existiert einfach nicht. Und dann ist es halt auch egal - dann wählt man halt AfD oder FDP oder CDU weil, kann man ja nie wissen, vielleicht wird man ja dadurch besser gestellt. Besser als heute, besser als andere, aber zumindest besser als die, die den Preis dafür zu zahlen haben.

@rainergb ich konnte mir vorstellen, dass Problem daran ist, dass man Gruppen als einzelner Mensch nur bis zu einer gewissen Größe mental erfassen kann.
Klar kann man sich Sachen theoretisch herreden, aber ein Gruppengefühl mit Menschen zu entwickeln, die man als völlig anders als man selbst ist empfindet, übersteigt den Horizont vieler homo sapiens. Was wahrscheinlich normal ist. Evolutionsbiologisch betrachtet. Wir sind nicht auf Globalisierung vorbereitet oder auf internet und social Media
@mina die Definition von Freiheit ist halt das Problem. Die amerikanische Definition ist: wenn ich alles machen kann und mich bei Reich-werden niemand behindert. Eine andere wäre wenn es allen gut geht, wird niemand den Wunsch verfolgen, dir was wegzunehmen.
@mina das nennen wir politische Klasse, einmal drin, sofort sorgenlos in Berlin! Alle wollen nur nach Berlin und viel Geld verdienen: SPD, CDU, GRÜN und sogar die ARD, also diese Alternative

@mina Das Problem ist nicht die Produktion, sondern die Überproduktion. Und damit werden Ressourcen knapper und Konflikte befeuert.

Eine gerechte Verteilung ist möglich und mehr als nötig. Das hieße freilich auch, dass einige wenige zu guten Vieler auf etwas verzichten müssten - und trotzdem immer noch genug hätten.

@mina die indoktrination zeigt sich v.a. darin, dass alle diesem Unwort 'Freiheit' nachgeifern, obwohl wir eigentlich alle wissen, dass jede Klasse etwas anders darunter versteht.
Es wäre schön, wenn es uns gelänge, mehr
über Inhalte zu diskutieren und nicht über Schlagworte.

@heri

Es zeigt auch, wie mächtig das Setzen von Worten und Begriffen ist.