Hatte gerade noch mal das Buch „Völkermord statt Holocaust: Jude und Judenbild im Literaturunterricht der DDR“ in der Hand. Es geht darin auch um den angeblichen #Antisemitismus in der #DDR. Krauß beginnt mit „Schmulchen Schievelbeiner“, einer jüdischen Karikatur, die Teil von „Plisch und Plum“ von Wilhelm Busch ist.

Das ist der Text:
„Kurz die Hose, lang der Rock,
Krumm die Nase und der Stock,
Augen schwarz und Seele grau,
Hut nach hinten, Miene schlau -
So ist Schmulchen Schievelbeiner.
(Schöner ist doch unsereiner!)“

Die Zeichnung könnte aus dem Stürmer sein.

Ich habe gerade das e-Book gekauft. Das ist da ganz normal drin.

Jetzt der Witz: Die gesammelten Werke von #WilhelmBusch gab es auch in der DDR. Aber der Kinderbuchverlag hat 1962 ganz elegant das fünfte Kapitel weggelassen. Ganze Generationen sind also mit Witwe Bolte und Max und Moritz aufgewachsen, aber nicht mit antisemitschen Stereotypen.

Das passt irgendwie nicht zu der Vorstellung, der Osten sei antisemitsch gewesen, oder?

Naja, wir fanden das schon immer abwegig. Auch wenn #Döpfner schon 1994 in der #Wochenpost über angeblichen ostdeutschen Antisemitismus schreiben wollte.

@[email protected] Soweit ich weiß, gab es in der DDR mindestens ein japanisches Restaurant und genau eine koschere Metzgerei. Einmal in der Woche reiste ein koscherer Metzger ein und bereitete das Fleisch vor. Dann konnten die Juden einkaufen. Danach die Moslems. Was dann noch übrig war, konnten alle anderen kaufen. Und nach Ablauf einer Woche wurde der Laden erneut bestückt. Das spricht jetzt nicht gerade dafür, dass es sehr viele Juden in der DDR gab. Und Aussagen über den Antisemitismus in einem Land zu machen, in dem es keine Juden gibt, ist nicht ganz so einfach. Kommentarlos Passagen aus einem Buch zu streichen ist auch etwas was heute eher nicht gemacht wird. Stattdessen gäbe es eher im Vorwort einen Hinweis darauf, dass das Buch Passagen enthält, die nach heutigem Gebrauch nicht mehr so gesagt würden.

@Life_is @stefanmuelller

"Und Aussagen über den Antisemitismus in einem Land zu machen, in dem es keine Juden gibt, ist nicht ganz so einfach."

Der Antisemitismus bedarf keiner "anwesenden" Juden. In Österreich beträgt/betrug der Anteil der Juden nach dem 2. Weltkrieg immer so zwischen 1 und 2 Promille. Deshalb hat so gut wie niemand auch nur einen einzigen Juden gekannt. Nichtsdestoweniger hat die FPÖ diese Karte immer wieder mit Erfolg gespielt.

@Life_is @stefanmuelller Nachtrag: Wobei das im Grunde eine Trivialität ist, die bei der Ausgrenzung aller Gruppen wirksam wird: Die Fremdenfeindlichkeit ist dort am höchsten, wo am wenigsten Flüchtlinge sich aufhalten (am Land wählt man rechts aus Angst vor "den Schwarzen", die "unsere" Jugend mit "ihren" Drogen verderben), die Furcht vor Muslimen wächst direkt proportional mit dem Abstand zur nächsten Moschee. Queere sind der Untergang des Abendlandes (man kennt O. Jones von RTL). Usf.
@[email protected] @[email protected] ja. Allerdings gab es in der DDR weder eine unabhängige Presse, noch Milliardäre als Pressezare. Stattdessen gab es staatliche Medien (wörtliches Verlesen von ZK beschlüssen, ein kessel buntes, aussenseiter spitzenreiter, der schwarze kanal, friedrichsstadt fernsehballett) und untergrundpresse (in der sakristei von kirchengemeinden hektografierte schreibmaschinenblätter, die nur wenige kannten)
@Life_is @stefanmuelller Alles richtig, ich kann das jetzt allerdings im Zusammenhang mit meinem Beitrag nicht wirklich einordnen. Ich wollte nämlich _nicht_ zum Ausdruck bringen, dass es in der DDR keinen Antisemitismus gab, sondern dass es der Juden dabei nicht bedurfte. Im Gegenteil: Ich kann keinen Grund erkennen, warum die Deutschen im Osten mehr (oder weniger) antisemitisch gewesen sein sollten als jene im Westen. Möglicherweise (sehr wahrscheinlich) lag der Führung der DDR 1/2
@Life_is @stefanmuelller nicht am Antisemitismus an sich, (wie judenfeindlich dieser Ostblockkommunismus war konnte man ja an der Sowjetunion sehen), sondern daran, sich als moralischer als der Westen darzustellen (was insofern leicht war, weil - wie du geschrieben hast - man auf alle öffentlichen Druckerzeugnisse, Medien Einfluss nehmen konnte). Keine Sekunde glaube ich an eine aufrichtige Haltung dieser Führung, bestenfalls war man mal "zufällig" auf der richtigen Seite. 2/2

@scheichsbeutel
Finde ich 'n schwieriges Argument.

Weil man damit alle, die sich moralisch verhalten wollen, als "wollen nur moralischer dastehen" diskreditieren kann. Das macht moralisches Verhalten unmöglich.

Den Vorwurf hören sich Veganer:innen z.B. regelmäßig an.

Auch "zufällig auf der richtigen Seite" könnte man praktisch immer sagen, wenn ein Mensch oder Staat mal was richtiges macht.

@Life_is @stefanmuelller

@[email protected] @[email protected] @[email protected] wer zufällig auf der richtigen seite steht, wird vermutlich seltener auf der richigen seite stehen, als wer vorsätzlich auf der richtigen seite steht.

@Life_is
Mir geht's darum, dass man das einfach immer behaupten kann. Es ist irgendwie kein "richtiges" Argument.

Man kann damit alles schlecht reden, und es zementiert eine schwarz/weiß-Sicht.

Mehrere Dinge können gleichzeitig falsch sein.
Ebenso wird ein richtig nicht falscher, weil es selten ist.

@scheichsbeutel @stefanmuelller

@steve @Life_is @stefanmuelller Dann ein wenig ausführlicher, damit daraus ein Argument wird: Erstens (das habe ich geschrieben) will mir nicht einleuchten, warum es im Osten weniger (oder mehr) Antisemiten geben hätte sollen (unter der Annahme, dass es zuvor eine einigermaßen gleichmäßige Verteilung gegeben hat). Ich kenne keine Untersuchungen über die geographische Verteilung des Antisemitismus im Dritten Reich. 1/8
@steve @Life_is @stefanmuelller Zweitens: Ein Regime, dass seine eigenen Leute einsperrt, auf der Flucht erschießt etc. halte ich prinzipiell für unmoralisch (das ist ganz ähnlich wie bei Trump: Möglicherweise steht auch er manchmal auf der "richtigen" Seite, aber niemals würde ich (oder wohl auch sonst jemand mit Verstand) behaupten, dass er das aus aufrichtiger moralischer Überzeugung tut. 2/8
@steve @Life_is @stefanmuelller Und bei Honnecker, Ulbricht und Konsorten sollte das nicht anders gewesen sein.) Deshalb scheint es mir widersinnig, der Führung gerade in Bezug auf den Antisemitismus plötzlich hohe ethische Ansprüche zuzuschreiben. Diese Leute (habe ich bereits in einem anderen Zusammenhang geschrieben) waren Unterstützer Stalins - und viel mehr Verbrechen und Menschenverachtung geht nicht. 3/8
@steve @Life_is @stefanmuelller Drittens: Der Kommunismus selbst war nur "theoretisch" nicht antisemitisch. Die Unzahl der aus der Sowjetunion geflüchteten Juden, deren Verfolgung unter Stalin (und später) spricht Bände (G. Kasparow musste etwa zum einen seine jüdischen Wurzeln - und seine armenischen - verleugnen). (Ähnlich verhielt es sich mit dem Rassismus: Vietnamesen oder Kubaner wurden in der DDR genauso wenig akzeptiert wie Türken oder Italiener im Westen.) 4/8
@steve @Life_is @stefanmuelller Wie zuvor schon von mir (und suthorn) erwähnt, unterlagen alle öffentlichen Äußerungen in der DDR einer strengen Zensur. Wenn man also antisemitische Meinungen unterdrücken wollte, war das ein Leichtes. Aber aus den oben angeführten Gründen glaube ich eben keine Sekunde daran, dass dieser offizielle Antisemitismus auf moralisch-ethischer Grundlage basierte: Eine solche Grundlage ist umfassender 5/8
@steve @Life_is @stefanmuelller und hätte generell ein anderes Verhalten der Staatsführung gegenüber ihren Bürgern zeitigen müssen. Wie gesagt - wenn Leute wie Honnecker, Ulbricht oder Trump (Liste beliebig erweiterbar) plötzlich auf der "guten" Seite stehen, dann ist das schlicht unglaubwürdig. Die DDR war eine Diktatur und ein Unrechtsregime - und nur weil sie dies aus Kalkül manchmal weniger (oder nicht offen) war, ändert das nichts an dieser Tatsache. 6/8
@steve @Life_is @stefanmuelller Fazit: Man kann sehr wohl extrapolieren und aus dem Gesamtverhalten Rückschlüsse ziehen können (ob bei einzelnen Personen, Organisationen oder Staaten). Wenn diese sich grosso modo egoistisch, unsolidarisch, freiheitseinschränkend etc. verhalten, so werden einzelne altruistische Handlungen, Direktiven etc. mit Recht als unglaubwürdig und heuchlerisch angesehen werden. 7/8
@steve @Life_is @stefanmuelller "Ebenso wird ein richtig nicht falscher, weil es selten ist." Nein, aber man wird - mit Recht - die Motivation einer Handlung hinterfragen, wenn sie dem Gesamtbild widerspricht. (Beispiel: Wenn rechte oder konservative Parteien in Ö Frauenrechte für sich entdecken (s. Kopftuchverbot), spricht das nicht gegen Frauenrechte. Aber man weiß mit Sicherheit, dass geheuchelt wird und ganz andere Gründe dahinterstecken.) 8/8

@scheichsbeutel
Den letzten Beitrag finde ich am überzeugendsten. Ich weiß jetzt durchaus, was Du meinst, und ja, bei rechten Forderungen fällt es mir leichter, die kritisch zu sehen.

Ich bin halt bei der DDR sensibel. Sie hat an keinen militärischen Konflikten teilgenommen, hat Antisemitismus unterdrückt, Antifaschismus gelehrt, Sozialleistungen geboten, internationale Solidarität geübt, Gleichberechtigung von Frauen gefördert, Bildungsgleichheit ermöglicht.

Und obwohl es *kein einziges* okayes Land auf der Welt gibt, spricht man der DDR wegen *ihrer* Verfehlungen sämtliche anderen Bemühungen ab, oft, wie hier, unter Heranziehung anderer Exzesse, für die sie nichts kann (Stalin etc.).

Erich Honecker mit Trump zu vergleichen, ist z.B. wirklich nicht angemessen.

@Life_is @stefanmuelller

@steve @Life_is @stefanmuelller Hm, weshalb? Bzw. für wen der beiden wäre es ein unangemessener Vergleich? Honecker hat das Massaker am Tian'anmen gefeiert, einzig seine Gallenoperation hat ihn gehindert, für Leipzig den Schießbefehl zu geben. Einigermaßen gesundet zurück meinte er „man sollte Militär einsetzen.“ Nur war er da schon weitgehend machtlos. Wobei der eigentliche Grund dafür, dass es zu keinem Massaker gekommen ist, einzig an der fehlenden Rückendeckung aus der Sowjetunion lag. 1/2
@steve @Life_is @stefanmuelller So lange diese bestand, hat man ohne viel Federlesens auf Demonstranten geschossen (53 in der DDR, später in Ungarn, der Tschecheslowakei). Honecker war wohl der letzte, der da Skrupel gehabt hätte. Und warum kann man die Stalinverehrung in der DDR derselben nicht anlasten? Wenn ein Staat offiziell Hitler loben würde, gelobt hätte, wäre man doch wohl auch angehalten, das bzw. den Staat zu verurteilen. Ich kann diese Verteidigung einfach nicht verstehen. 2/2

@scheichsbeutel
Weil wir vielleicht Zwangsarbeit und politische Gefangene hatten, aber keine Vernichtungslager. Wenn wir den Konjunktiv auf die gleiche Stufe wie Taten stellen, könnten wir das jedem unterschieben.

Wir reden bei Stalin von 1 Mio bis zu 22 Mio Toten:

https://de.wikipedia.org/wiki/Stalinsche_S%C3%A4uberungen

Und Naziverehrung verurteilen... machen wir doch mit den U.S.A., die verteidigen wir nicht. Ich zumindest.

@Life_is @stefanmuelller

Stalinsche Säuberungen – Wikipedia

@steve @Life_is @stefanmuelller Den Erschossenen an der Grenze dürfte es egal gewesen, ob sie von einer faschistischen oder kommunistischen Kugel ins Jenseits befördert wurden. Honecker war für diese Morde verantwortlich, für unzählige Schicksale (von denen ich einige kenne), deren Leben aufgrund einer Bemerkung ruiniert wurde (und das ihrer Familie ebenso). Die könnten dir wahrscheinlich sagen, dass sie lieber in Trumps USA leben würden als in der damaligen DDR. 1/7
@steve @Life_is @stefanmuelller Honecker hätte gern geschossen, durfte aber nicht: Sogar ähnlich wie bei Trump, der sehr gerne noch sehr viel skrupelloser vorgehen würde, es aber nicht kann. Was du da machst ist Scheiße nach dem Geschmack sortieren. Und von wegen Konjunktiv: Die durchaus indikativischen Toten sollten wohl reichen.- Was der Stalin-Link in diesem Zusammenhang soll, weiß ich nicht: Umso schlimmer, wenn sich die DDR trotzdem nicht von diesem Verbrecher distanziert hat. 2/7
@steve @Life_is @stefanmuelller Der gesamte Ostblock inkl. der DDR hat sich im Grunde von faschistischen Autokratien in nichts unterschieden: Es gab eine Nomenklatura, die absolute Macht ausübt und über Leben und Tod nach Belieben entscheidet. Es gab Sippenhaftung, rechtliche Willkür etc. Es gab Lager (der einzige Unterschied - und der betrifft nur den deutschen Faschismus: Dort gab es eine industriell organisierte Vernichtung vermeintlichen Feinde). 3/7
@steve @Life_is @stefanmuelller Ich bin jetzt gerade in der Literatur über das Lager Belene in Bulgarien gestolpert: Mehr Brutalität und Menschenverachtung geht nicht. (Vermutlich war das faschistische Italien humaner als die kommunistischen Bulgaren.) Ich kann schlicht nicht begreifen, wie man solche Diktaturen verteidigen kann. Und nochmal: Dabei gibt es keinen Unterschied zwischen links und rechts, die Strukturen sind völlig gleich und für die Ermordeten macht es auch keinen Unterschied. 4/7
@steve @Life_is @stefanmuelller Und die DDR war in keinen Krieg verwickelt? Die BRD auch nicht. Weil beide Staaten noch nicht mal das Recht dazu hatten. Allerdings: Hätte der KPDSU-Vorsitzende so etwas befohlen, wären die Ostdeutschen als besonders treue Anhänger die ersten gewesen, die Gewehr bei Fuß gestanden hätten. Und die BRD hätte auch brav genickt (wie sie es später auch getan hatten). Ich weiß einfach nicht, was dich motiviert, Verbrecher zu verteidigen. 5/7
@steve @Life_is @stefanmuelller Oder sich darauf zu kaprizieren, dass Trump jetzt viel schlimmer ist als Honecker oder vielleicht Putin oder sonst irgendein der derzeit oder früher zahlreich amtierenden Staatsverbrecher. Manche (wie Hitler, Stalin oder Mao) haben zweistellige Millionenzahlen an Toten geschafft, anderen war das Schicksal gnädiger (weil die Umstände es nicht erlaubten). Trump ist genau so ein Fall (als ich 2016 meinte, dass der moralisch nichts besser sei als Putin, 6/7
@steve @Life_is @stefanmuelller wurde das noch als Übertreibung abgetan). Der würde vor nichts zurückschrecken - aber das hätte ein Honecker oder Ulbricht genauso wenig getan. Wie gesagt - Honecker wollte, aber konnte nicht - bei Trump ist es dasselbe. Und das willst du dann solchen Figuren noch positiv anrechnen? Man muss offenbar wirklich nicht alles verstehen. 7/7
@[email protected] @[email protected] @[email protected] ganz konkret bei der wahl Trump oder DDR: Natürlich DDR. Die DDR war berechenbar. Die Stasi war böse, aber hielt sich an ihre eigenen Regeln. ICE ist unberechenbar und betreibt "happy slaping" mit Kriegswaffen. In der DDR schulen, wo zumindest rechnen, lesen, schreiben gelehrt wurde. In den USA wird vielleicht Jim Knopf beschlagnahmt weil woke. Naturwissenschaften an DDR unis. Kostenlose schulmedizin für alle in der DDR. In den USA hunger ohne food stamps. Und wenn ich so drüber nachdenke: in der DDR kein Epstein, kein Prince Andrew, und Elon Musk, der zur Party auf Epsteins Insel wollte und ins Berghain, hätte eine Einladung nach Wandlitz abgelehnt.
@Life_is @steve @stefanmuelller Tatsächlich? Weiß nicht, ich glaube, ich wäre lieber in Minnesota. Gegen ICE kann man demonstrieren, mit einem Plakat gegen die Stasi bist du nach 10 Minuten im Bau. - Studium? ein Grund, weshalb ich hier gegen die "tolle" DDR schreibe: Sehr guter Bekannter, hochbegabt, nach einer Bemerkung über Meinungsfreiheit Uni-Verbot. Nicht nur er - sondern auch seine Schwester bekommt riesige Schwierigkeiten, dann der Vater 1/3
@Life_is @steve @stefanmuelller (der unmissverständlich aufgefordert wird, als IM zu arbeiten), es nicht tut, seine bisherige Arbeitsstelle verliert. Usf. Da fühl ich mich noch in Trumps USA wohler. Mein Bekannter hat jedenfalls nie mehr studiert, eine Zeitlang gegen die Ungerechtigkeit angekämpft, dann mehr-weniger aufgegeben, ziemlich viel gesoffen. Statt an der Uni war er dann Nachtwächter. Die Schwester hat im übrigen auch nicht studiert, auch ihr war das zu viel 2/3
@Life_is @steve @stefanmuelller (später nach der Wende, hat sie einen Schnellsiedekurs an einer Westuni gemacht, aber keinen richtigen Abschluss). Kann sein, dass die DDR eine Art "Sicherheit auch im Bösen" garantiert hat, für mich wäre das aber nichts gewesen. Jedenfalls seh ich mich in der DDR sehr viel leichter komplett scheitern als in der jetzigen USA. Mag aber für jeden anders sein. Insgesamt aber die Wahl zwischen Pest und Cholera. 3/3
@[email protected] @[email protected] @[email protected] Mit der DDR hast Du eigene Erfahrungen. Wärst Du in den USA gewesen, dann hättest Du in den letzten drei posts vielleicht über die krebserkrankung eines bekannten geschrieben, die die ganze familie ruiniert hat. Oder dein bekannter hätte in den USA an der Uni seine Meinungsfreiheit in bezug auf israel und hamas zum ausdruck gebracht, anstelle der Stasi hätte vielleicht das FBI ihn als V-Mann anwerben wollen.

@Life_is @steve @stefanmuelller Ich kann mir - glücklicherweise - nur theoretisch vorstellen, wo ich lieber wäre. Und keine Ahnung, ob das jetzt Zufall war deinerseits: Ich habe genau so einen Post über einen krebskranken Freund in den USA vor kurzem geschrieben. Ich glaube nicht, die Zustände dort blauäugig anzusehen - und: Ich heiße nicht Garcia oder Martinez, das würde mich dann vielleicht auch die DDR wählen lassen.

Hier der Post von vor ein paar Tagen:

https://troet.cafe/@scheichsbeutel/116137608836830951

@scheichsbeutel
"hat gefeiert" ist nicht "begangen".
Der gesamte Konjunktiv ist genau der Unterschied.

Zusätzlich ging's um Trump. Honni auf eine Stufe mit dem zu stellen ist eine extreme Verharmlosung des aktuellen Kinderschänders, Kriegstreibers, Kriminellen, Korrupten, Milliardärs, Rassisten, Militaristen, Folterbefürworters, etc etc. im Weißen Haus. Das ist nicht die gleiche Liga, das ist nichtmal der gleiche Sport.

@Life_is @stefanmuelller

@scheichsbeutel

OK. Und so kann man also das auch für den Westen machen:

1) Die bösen Kapitalisten geben den Werktätigen nur genau so viel, wie sie müssen, denn eigentlich würden sie doch am liebsten alles selbst behalten.

(Das bestätigt sich leider gerade in den Extremen)

2) Die böse Regierung gibt dem Volk nur so viel Macht, wie sie muss. In Wirklichkeit sind sie korrupte Marionetten.

Ist jetzt alles verkehrt? Handeln alle verkehrt?

Für die DDR ist das vielleicht ein bisschen einfacher, weil alles relativ einheitlich war. Zentral gelenkt. Soweit sich die Menschen haben lenken lassen. Aber es gab eben immer auch große Bereiche in die der Staat nicht kam.

Das zu trennen ist mitunter schwierig. Waren die Menschen rassistisch? War der Staat rassistisch? War die Erziehung rassistisch? Könnte alles drei unabhängig voneinander der Fall gewesen sein. Ich denke, dass der Anspruch antirassistisch war.

@steve @Life_is

@scheichsbeutel

Bitte für ein differenziertes Bild die beiden Veröffentlichungen hier lesen:

https://www.ostbeauftragte.de/resource/blob/2038516/2078178/97492dbb719f360b22218c26d6c1080f/migrationsgeschichten-ministerium-austausch-128-druck-data.pdf?download=1

Scherzer, Landolf. 2002. Die Fremden: Unerwünschte Begegnungen und verbotene Protokolle. Berlin: aufbau digital.

Im ersten sind Interviews mit Vertragsarbeiter*innen, die hier geblieben sind nach der Wende. Im zweiten sind Protokolle mit einem Mann, der neben einem Wohnheim mit Mosambikanern gewohnt hat. Er hat mit ihnen Weihnachten gefeiert und seine Frau hat Pullover gestrickt.

Auch die Berichterstattung der West-Medien über ein angeblich rassistisches Dorf wird dort thematisiert. Ist sehr interessant.

Bei Scherzer findet man auch ein Kapitel über Antisemitismus in der SU. Dort stand Jude auch im Ausweis. Als Nationalität.

@steve @Life_is

@stefanmuelller @steve @Life_is Bei mir funktioniert der erste der beiden Links leider nicht.

@scheichsbeutel

Oh, schade. Das ist das Buch:

https://ammian-verlag.de/shop/migrantinnen-ddr/

Vielleicht spukt das PDF noch in irgendeinem Archiv rum.

@steve @Life_is

„… die DDR schien mir eine Verheißung.“ Migrantinnen und Migranten in der DDR und in Ostdeutschland – Ammian Verlag

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Ammian Verlag
@stefanmuelller @steve @Life_is Danke, finde ich sicher irgendwo oder eben auf der UB.

@scheichsbeutel

„Erstens (das habe ich geschrieben) will mir nicht einleuchten, warum es im Osten weniger (oder mehr) Antisemiten geben hätte sollen (unter der Annahme, dass es zuvor eine einigermaßen gleichmäßige Verteilung gegeben hat). “

Das ist recht einfach. Die harten Fälle sind über die Rattenlinie nach Südamerika geflohen oder zum Tode verurteilt worden. Die Zweithärtesten sind in den Westen gegangen. Das sind Fakten, die Du gern an den Nazis Deiner Wahl mit Wikipedia überprüfen kannst. Das trifft übrigens auch für die Justiz zu, die dann ihre Kumpels freigesprochen haben.

Das findest Du hier:

https://so-isser-der-ossi.de/nazis/

Ich habe das für mehrere KZs gemacht, ausgehend von dem, in dem mein Großonkel gesessen hat: Lichtenburg. Auch die Verantwortlichen Ärzte der #Euthanasieverbrechen #T4 sind fast alle im Westen gewesen.

Kann man doch verstehen, oder? Judenhasser und Kommunistenhasser sind halt irgendwann gegangen. Die meisten ziemlich schnell. Wahrscheinlich sogar vor der Kapitulation.

Und dann begann eben im Osten auch eine entsprechende Erziehung ohne antisemitische Klischees usw.

@steve @Life_is

Nazis in Ost und West - So isser, der Ossi

In den dis­kurs­re­le­van­ten Medi­en wird oft sug­ge­riert, das Nazi-Pro­blem sei ein Ost-Pro­blem. Das ist eine Abspal­tung und Ver­drän­gung, die letzt­end­lich für die gesam­te Demo­kra­tie gefähr­lich ist. Ich habe jah­re­lang davor gewarnt, so lang­sam wird die gesamt­deut­sche Kata­stro­phe sicht­bar. Hier gibt … Weiterlesen →

So isser, der Ossi

@stefanmuelller @steve @Life_is Das ist ein gutes und nachvollziehbares Argument und eine absolut plausible Erklärung. Die "harten" Nazis hatten ganz sicher sehr viel mehr Angst vor den Russen als vor den westlichen Allierten.

Andere Punkte (Schlussfolgerung von Zahl der Juden in Führungspositionen auf Antisemismus) halte ich für problematisch. Ich schreibe später noch dazu (hoffentlich).

@Life_is

=:-) Nun ist die Frage, wer zählt, was wird gezählt und wie wird gewichtet.

@steve @scheichsbeutel