Neues Leseprojekt:
"This is for everyone" von Tim Berners-Lee

Ich bin schon sehr gespannt.

#LasseLiest #WorldWideWeb #WWW

Der Wand-Dreh(jahres)kalender seiner Mutter.
Was 'ne geniale Idee.
#LasseLiest #WWW

Die erste Webseite, gehostet auf einem NextCube auf Berners-Lee's Schreibtisch.

#LasseLiest #WWW

Der erste Browser - ein Textterminal via Telnet.

#LasseLiest #WWW

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Leider konnte Danny Lewin den Erfolg seiner Erfindung nicht
mehr miterleben. Am 11. September 2001 ging Danny Lewin an Bord des American-Airlines-Flugs Nummer 11 von Boston nach
Los Angeles. Er saß direkt hinter Mohammed #Atta, dem führenden Kopf hinter den #Terror anschlägen vom 11. September 2001. Danny wurde getötet, als die Entführer das Flugzeug unter ihre Kontrolle brachten — wahrscheinlich, als er versuchte, sie zu stoppen.
(Anscheinend wurde er von hinten angegriffen, als er sich Atta entgegenstellte.) Damit war Danny sowohl die erste Person, die bei einem Anschlag des 11. September 2001 getötet wurde, als auch möglicherweise die erste Person, die starb, weil sie versuchte, diesen Anschlag zu vereiteln. Zum Zeitpunkt seines Todes war Daniel #Lewin 31 Jahre alt.
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#LasseLiest #WWW #Akamai #CDN #911 #WorldTradeCenter

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Ich glaube, das Nutzererlebnis auf dem Smartphone würde sich
erheblich verbessern, wenn man nicht jedes Mal eine App herunter-
laden müsste, um einen neuen Service zu nutzen. Interessanter-
weise ist es genau das, was Steve Jobs als Erstes vorführte, als er das
iPhone vorstellte. In seiner ursprünglichen Präsentation im Jahr
2007 ist zu sehen, wie er wiederholt die unbegrenzte Funktionalität
des vorinstallierten Browsers Safari demonstriert. Der Apple App
Store wurde erst über ein Jahr später eröffnet.


Warum hat Jobs den Kurs geändert? Die Antwort wurde mir von
einem Google-Software-Ingenieur angedeutet, mit dem ich mich
Ende der 2000er-Jahre diskret traf und dessen Namen ich nicht
nennen werde, Wir trafen uns in einem Restaurant in Half Moon
Bay, einem beliebten Strandort am Fuße des Höhenzugs zwischen
Pazifik und Silicon Valley. An einem ruhigen Tisch mit Blick auf den
Ozean erklärte mir der Softwareentwickler, dass nach allem, was er
aus dem tiefsten Inneren von Google aus erkannt hatte, Apple ab-
sichtlich die Funktionalität seiner Smartphone-Browser Safari und
Chrome einschränkte. Denn für jede App, die es verkaufte, kassierte
Apple eine Provision von 30 Prozent, und darüber hinaus erzielte
der Konzern weitere Einnahmen aus Abos und In-App-Käufen. Für
Apple war es wesentlich profitabler, Entwickler zu motivieren, eine
App zu entwickeln, als eine Website für Smartphones zu bauen — im
ersteren Fall kassierte Apple eine Provision, im letzteren nichts.
Ich reflektierte, was er mir sagte, während ich auf den Pazifik hinaussah. Er hatte natürlich recht - Apple hatte einen Weg gefunden, nicht nur über Apps zu profitieren, sondern auch über Zeitschriftenabos, Transaktionen innerhalb von Spielen und alles andere, was über Apples Plattform angeboten wurde. Schlimmer noch: Wenn ein Anbieter versuchte, seine Kunden zu motivieren, über einen billigeren Web-basierten alternativen Dienst zu zahlen, wurde er von
Apple von der Plattform geworfen! Einige der größeren Anbieter wehrten sich dagegen; Spotify reichte später eine Antitrust-Klage gegen Apple ein, und Amazon verkauft bis heute keine E-Books im ePub-Format über seine Kindle-App für Smartphones. Aber nur wenige Anbieter hatten die Ressourcen, um sich mit Apple anzulegen, vor allem angesichts der Vorherrschaft des iPhone.

Ich dachte über die Implikationen von Apples Marktmacht nach.
Der Apple App Store war ein Beispiel für genau die Art von profitorientiertem Gatekeeping, von der ich immer gehofft hatte, dass das Web sie würde umschiffen können. Aber das iPhone war extrem beliebt — ich besaß selbst eines. Die Mautstellen, die das Web auf
dem PC hatte vermeiden können, hatten ihren Weg in die Smartphone-Welt gefunden.
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#LasseLiest #WWW #ThisIsForEveryone

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Facebook bietet seinen Anzeigenkunden Hunderte von verschiedenen Targeting-Optionen an. In einer 2016 veröffentlichten investigativen Recherche der «Washington Post» wurden einige dieser Optionen im Detail beschrieben, und zwar unter anderem:

  • Ihre personenbezogenen Daten wie Wohnort, Alter, Geschlecht, Sprache, Bildungsstand und ethnische Zugehörigkeit;
  • Ihr geschätztes Einkommen und Nettovermögen;
  • ob Sie in naher Zukunft einen Geburtstag oder ein anderes
    Jubiläum erwarten;
  • ob Sie vor Kurzem geheiratet haben;
  • ob Sie schwanger sind;
  • ob Sie eine Freundin haben, die kürzlich geheiratet hat oder -
    schwanger ist;
  • ob Sie in einer neuen Beziehung sind;
  • ob Sie in einer Fernbeziehung sind;
  • ob Sie nicht mehr in einer Beziehung sind;
  • ob Sie ein Elternteil sind, und falls ja, welche Art von. Elternteil
    (Soccer Mom, alleinerziehender Vater, konservativ);
  • ob Sie konservativ oder liberal sind;
  • ob Sie konservativ sind, aber vorgeben, liberal zu sein;
  • ob Sie ein Boot oder ein Motorrad besitzen;
  • ob Sie ein Boot oder ein Motorrad besitzen wollen;
  • wo Sie essen gehen, wie oft Sie essen gehen und wie viel Sie
    dafür ausgegeben haben;
  • Ihre Bankverbindung;
  • Ihr Internet Service Provider;
  • Ihr Kabelanbieter;
  • Ihre Lieblingsfernsehsendung,
  • Ihr Lieblingsvideospiel und Ihre bevorzugen Kosmetikprodukte
  • Ihre letzten Online-Einkäufe
  • Ihre sexuellen Vorlieben
  • Ihre Süchte
  • Wie oft Sie im vergangenen Kalenderjahr nach "Werde ich sterben?" gegoogelt haben.
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#LasseLiest #WWW #ThisIsForEveryone
#Werbung #Überwachung #SocialMedia

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Das erste Anzeichen dafür, dass etwas ernsthaft aus dem Ruder lief, war die Entscheidung Großbritanniens, die Europäische Union zu verlassen. Die Brexit-Befiirworter verkauften der britischen Öffentlichkeit ihre Position unter Vorspiegelung falscher Tatsachen. Sie versprachen, dass durch den Austritt aus der EU die Einwanderung verringert, die wirtschaftliche Lage verbessert und der Staatshaushalt ausgeglichen werden könne. Die Irreführung durch die Brexit-Kampagne war für sich genommen noch nichts Besonderes; was sie ungewöhnlich machte, war vielmehr die Art und Weise, wie die Öffentlichkeit in die Irre geführt wurde.
Die klassische politische Falschdarstellung wird in Sonntagsreden, Fernsehinterviews und sogar als Aufschrift auf Bussen bis zum Überdruss wiederholt — mit anderen Worten: Sie wird per Broadcast (Rundfunk) gesendet. Jeder kann sehen, was gesagt wird, und die gegenteilige Wahrheit kann ebenfalls gesendet werden, um die Lüge zu bekämpfen. Doch zusätzlich machten die Brexit-Befür‘worter noch etwas ganz anderes: Sie verbreiteten ihre Fehlinformationen nicht nur über das Fernsehen, sondern auch per Narrowcast (Schmalfunk) über Social Media - gezielt an jene Bevölkerungs-Segmente, die am empfänglichsten für ihre Botschaft waren.
Die Brexit-Kampagne wurde von Cambridge Analytica unterstützt, einem britischen Politikberatungsunternehmen, das sich darauf spezialisiert hatte, Facebook-Daten zu nutzen, um gezielt Wähler zu beeinflussen. Zunächst bestritt das Unternehmen, an der Brexit-Kampagne beteiligt gewesen zu sein — bis ein zehnseitiges Paper mit dem Titel «Big Data Solutions for the EU Referendum» geleakt wurde und endgültig belegte, dass es involviert war. Die Strategie von Cambridge Analytica bestand darin, Wechselwähler zu identifizieren und mittels «Mikrotargeting» gezielt anzusprechen, basierend auf hochentwickelten Analyseverfahren, mit denen jedem einzelnen Wähler in einem bestimmten Gebiet numerische Werte für bestimmte Persönlichkeitsmerkmale zugewiesen wurden.
Demografische Profilierung von Wählergruppen war an sich nichts Neues, doch die riesigen Datenmengen, die über User der von Cambridge Analytica verbreiteten App gesammelt wurden, führten zu weitaus detaillierteren und präziseren Persönlichkeitsprofilen als je zuvor. Diese Daten ließen sich mit sogenannten A/B-
Tests kombinieren, bei denen die Reaktionen von Probanden auf verschiedene Varianten derselben politischen Botschaft gemessen wurden, um die wirkungsvollsten Schlagzeilen zu ermitteln. Die Verbindung von Mikrotargeting und Fehlinformationen ermöglichte eine personalisierte politische Propaganda, die gezielt und unbemerkt an jene Teile der Wählerschaft ausgespielt wurde, die am ehesten dazu neigten, ihr Glauben zu schenken. Ich möchte hinzufügen, dass ein weiterer entscheidender Faktor für das Brexit-Debakel die Dysfunktionalität von Artikel 50 war — jener Klausel im Vertrag über die Europäische Union, die es einem Mitgliedstaat erlaubt, den Austritt einzuleiten. Hätte es sowohl vor als auch
nach den Austrittsverhandlungen eine Volksabstimmung gegeben. wäre vielleicht klarer gewesen, worüber wir eigentlich abgestimmt haben. Stattdessen mussten wir über politische Versprechen entscheiden - und dank Narrowcasting und Mikrotargeting, konnten diese Versprechen je nach Zielgruppe völlig unterschiedlich ausfallen.
Das Ergebnis der Brexit-Abstimmung hatte viele Ursachen, doch ein neuartiges System zur wirkungsvollen Verbreitung politischer
Botschaften war zweifellos eine davon. Wirklich begriffen, wie zerstörerisch dieses System sein konnte, habe ich allerdings erst nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten im Jahr 2010.
Auch bei dieser Wahl spielte Cambridge Analyrica eine Rolle: Von einem Büro im zweiten Stock in London aus zog das Unternehmen die Strippen, um die amerikanische Wählerschaft zu beeinflussen.
«Heute haben wir in den Vereinigten Staaten etwa vier- oder fünftausend Datenpunkte zu jeder einzelnen Person, erklärte der CEO von Cambridge Analytica, Alexander Nix, wenige Wochen vor der Wahl gegenüber Sky News.
"Das heißt, dass wir die Persönlichkeit jedes erwachsenen US-Bürgers modellieren — also etwa 230 Millionen Menschen.»
Rückblickend wurde der Einfluss von Cambridge Analytica in der Zeit unmittelbar nach der Wahl vielleicht überschätzt. Doch es
liegt auf der Hand, warum das Unternehmen eine solche Kontroverse auslöste. Für traditionelle Funk- und Fernsehmedien galten relativ strenge Regeln für politische Werbung, während es in den sozialen Medien kaum Vorschriften gab — wenn überhaupt. Hinzu kam, dass nur ein winziger Teil der Bevölkerung die Botschaften überhaupt sah, nämlich genau der, der am empfänglichsten dafür war. Man muss kein Politikwissenschaftler sein, um zu erkennen, welchen Schaden provozierende, gezielte, heimliche und hochgradig personalisierte Propaganda dem demokratischen Diskurs zufügen kann. Heute vergleiche ich Cambridge Analyticas Methoden mit einem verdeckt eingesetzten Megafon.
Am Wahlabend 2016 war ich in den Vereinigten Staaten. Ein
Freund feierte in seinem Haus außerhalb von Boston eine Wahlparty. Aufgrund der Umfragen ging ich davon aus, dass Hillary Clinton gewinnen würde — und brachte für den Anlass eine Flasche Sekt mit. Die Stimmung war von Anfang an zuversichtlich und ausgelassen, viele der Anwesenden freuten sich, dass Hillary bald die sogenannte gläserne Decke durchbrechen würde. Doch als die Ergebnisse eintrafen, wurde es immer stiller im Raum, und die Gesichtsausdrücke meiner Freunde wechselten von freudiger Erwartung zu sprachlosem Unglauben. Im Laufe des Abends wurde klar, dass Trump zwar bei den Wählerstimmen deutlich unterlag, aber im Wahlmännerkollegium die Mehrheit erringen und damit die Präsidentschaft gewinnen würde. Die fröhliche Stimmung
wich bitterer Enttäuschung und immer mehr Gäste gingen. Ich zog mich zurück und versteckte meine Sektflasche hinter einem Vorhang. Vielleicht steht sie heute noch dort.
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#LasseLiest #WWW #ThisIsForEveryone #KI #Mikrotargeting #SocialMedia

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Nach den politischen Umwälzungen des Jahres 2016 schienen diese Kommentare relevanter denn je. Im Web fehlte es an #Mitgefühl - doch das war kein menschliches Versagen, sondern ein Designproblem. Etwas an der technischen Struktur des Web schien diese Toxizität zu begünstigen. Ich erkannte zwei Symptome, die
auf dieselbe Krankheit zurückgingen.

Derzeit ist das schlimmste Symptom die Polarisierung im Web. Die sozialen Medien, wie sie heute aufgebaut sind, verleiten den User dazu, extreme politische Positionen zu beziehen und Andersdenkende zu dämonisieren. Das erschwert konstruktives Engagement, befeuert haarsträubende Verschwörungstheorien und Demagogie, die sachliche Überlegungen in den Hintergrund drängt.
Bald könnten zivilisierte Diskussionen über wichtige Themen unmöglich werden. Ich befürchte, dass diese gesellschaftliche Polarisierung schwerwiegende Folgen für die Menschheit haben könnte —
mit globalen Konsequenzen.

Das zweite Symptom betrifft den Einzelnen noch direkter, Viele User berichten, dass sie nach längerer Nutzung sozialer Medien psychische Probleme entwickeln. Die Liste der damit in Verbindung gebrachten Beschwerden ist alarmierend: Angstzustände, Depressionen, übersteigerte Eifersucht, Minderwertigkeitsgefühle,
Einsamkeit, gestörtes Körperbild - und sogar Suizidgedanken. Be-
sonders stark betroffen ist die junge Generation.
Was ist das gemeinsame Designproblem hinter all diesen beunruhigenden Symptomen? Web-Forscher, die sich mit der Informationssphäre befassen, haben einen klaren Zusammenhang zwischen sozialen Medien und gesellschaftlicher Polarisierung festgestellt. Die Social-Media-Konzerne setzen gezielt maschinelles Lernen ein, um User an ihre Plattformen zu fesseln. Das Design dieser Systeme ist darauf ausgelegt, süchtig zu machen — unter anderem, indem sie immer extremere Inhalte vorschlagen, die Nutzer abwechselnd wütend oder niedergeschlagen machen. Denn leider gibt es in der menschlichen Psyche eine Schwachstelle: Wir sind anfällig für negative Emotionen - und die Tech-Giganten haben gelernt genau das auszunutzen.
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#DesignIssues #Tim Berners Lee

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Die beschriebene Grafik war eine Reaktion darauf, dass immermehr Menschen mich fragten, ob ihre Kinder ein Smartphone haben dürfen sollten. Meine Antwort darauf: im Prinzip ja. Kinder sollten lernen zusammenzuarbeiten, und das sollten sie auch online
mit ihren Freunden lernen. Was wir blockieren müssen, sind nicht Smartphones und nicht einmal Social Media, sondern die schädlichen Algorithmen, die oft in Social Media eingesetzt werden - das psychologische Aquivalent dazu, Kindern Zugang zu einem Spielautomaten zu geben!
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#Mitgefühl #LasseLiest #WWW #ThisIsForEveryone #KI #SocialMedia #DesignIssues #Tim Berners Lee

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Wir könnten sogar noch einen Schritt weiter gehen: Was wäre,
wenn man Algorithmen auf konstruktives Engagement trainieren würde? Was wäre, wenn sie darauf optimiert wären, den Menschen die Freude am Diskutieren mit anderen zu vermitteln, statt sie an Hass und Spaltung zu gewöhnen? Solche Algorithmen gibt es durchaus: Die Musikdienste von Spotify und Apple Music sind ziemlich gut darin, Songs auszuwählen, die dem Hörer gefallen.
Eine weitere Plattform, die es gut zu verstehen scheint, positive Inhalte zu fördern, ist Pinterest.
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#Mitgefühl #LasseLiest #WWW #ThisIsForEveryone #KI #SocialMedia #DesignIssues #Tim Berners Lee

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Ich war schon immer davon überzeugt, dass eine KI für mich arbeiten sollte - und nicht für Big Tech. In unserer Kultur gilt ja ohnehin die klare Erwartung, dass mein Arzt in meinem Interesse handeln muss - und zwar ausschließlich in meinem Interesse. Dasselbe
gilt für meinen Anwalt. Diese Erwartung ist nicht nur kulturell
verankert, sondern auch rechtlich abgesichert: durch Gesetze, Vorschriften, Schweigepflichten und hohe Anforderungen an solche Berufe, deren Grundlage Vertrauen ist. Warum sollte man für KI nicht dieselben Maßstäbe anlegen - und womöglich vergleichbare Regelungen schaffen?
In einer Breakout-Session in Ditchley Park hatte ich Gelegenheit, diese Idee in einem Kreis von Wissenschaftdern, Politikern und Philosophen zur Diskussion zu stellen. Die Gruppe war bunt gemischt, aber in einem Punkt einig: Sie hielten
diesen Vorschlag für sinnvoll, praktikabel und nützlich. Das war für mich, eine gute Orientierung für künftige Entwicklungen.
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#Mitgefühl #LasseLiest #WWW #ThisIsForEveryone #KI #TimBernersLee