Ich habe mit Mastodon als Microbloggingdienst begonnen, um zu schreiben, und werde nun vermehrt von Material abegelenkt und verstört, das mir diejenigen vor allem durch boosten zuspielen, denen ich folge. Ich habe in diesem Zusammenhang, der mich im übrigen nicht zufrieden stellt, einen interessanten Begriff gelernt: #ContextCollapse, siehe https://en.m.wikipedia.org/wiki/Context_collapse 1/x
Context collapse - Wikipedia

"Ein Zusammenbruch des Kontexts "tritt im Allgemeinen auf, wenn ein Übermaß an verschiedenen Zielgruppen denselben Raum besetzt und eine Information, die für eine Zielgruppe bestimmt ist, ihren Weg zu einer anderen findet", wobei die Reaktion der neuen Zielgruppe lieblos und äußerst negativ ausfällt, weil sie den ursprünglichen Kontext nicht versteht." https://en.m.wikipedia.org/wiki/Context_collapse 2/x
Context collapse - Wikipedia

Ich denke, das #ContextCollapse insbesondere am Beispiel des Retweetens bei Twitter/X (oder auch das Boosten bei Mastodon) das in sozialen Medien virulente Phänomen des "feindseligen Dualismus" verstärkt, statt dass das soziale Medium einen dialogischen Monismus fördert, wie @BlumeEvolution es beschreibt und den ich mir in der Praxis als so etwas wie #ushahidi vorstelle oder die Umsetzung der #iwp-Wertkette innerhalb eines politischen Vereins 3/x
Auf den Begriff bin ich durch den Blogartikel von Bix aufmerksam geworden, der die ActivityPub-Partisanen kritisiert: "timeline-ization of everything, where all contexts collapse but we’re supposed to celebrate because it’s a distributed collapse that no one entity can own." https://bix.blog/posts/holy-hell-the-social-web-did-not-begin-in-2008. Danke fürs tooten an @flamed, siehe https://social.lol/@flamed/113201504755122514 4/x
Holy Hell, The Social Web Did Not Begin In 2008 - Bix Dot Blog

Some folks have gotten themselves together as something they’re calling the Social Web Foundation, and I’ll cut to the chase: this is an attempt by ActivityPub partisans to rebrand the...

Bix Dot Blog
#ContextCollapse macht verständlich, warum die Struktur von #Mastodon oder auch anderer Plattformen ohne die Ergänzung weiterer kontextualisierender Strukturelemente (in Anlehnung z.B. Elemente von Policy Analysis und Public Affairs Methoden in ihrer Rohform als Infrastruktur eines kollaborativen Wertschöpfungsprozesses im Sinne des #iwp-Wertkettenmodells) nur bedingt funktionieren kann 6/x
Bedingt nämlich durch ein hohes Maß an "Funkdisziplin" der Kommunikationsteilnehmer, die in der jeweiligen Plattform abgesetzten Nachrichten jeweils entsprechend der durch das übergeordnete Nutzungskonzept definierten Konventionen zu nutzen. Bspw., indem man Arena, Issue, Stakeholder usw. per #Hashtag erwähnt usw. 7/x
@plinubius ausgerechnet durch einen Boost habe ich nun davon erfahren. Ironie pur.
@dlamorski naja, boosten ist nicht per se falsch. Es ist nur potentiell unvollständig, insofern die Erschließung des Kontextes unter den üblichen Bedingungen schwer ist oder auch gänzlich scheitern kann
@plinubius das ist mir (als verhältnismäßig häufig Boostender) tatsächlich nicht bewusst gewesen.
@dlamorski Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass man in den Mastodon-Apps für die Handle denen man folgt die Anzeige von Boosts ausschalten kann, sodass man nur noch angezeigt bekommt, was der jeweilige Handle selbst geschrieben hat. Mir war lange nicht klar, dass diese Funktion existiert und ich bin zwiespältig, ob das die Lösung ist. Denn viele Boosts sind es ja durchaus Wert wahrgenommen zu werden. 1/2
@dlamorski Indem @Gargron konzeptionell die bewußte Entscheidung getroffen hat, dass man in einem Boost nicht gleich auch einen Kommentar schreiben kann (wie bei Twitter), um nämlich die tendentiell negative Spirale von Beginn an zu vermeiden), kann man eben auch nicht mehr den Kontext erläutern, dessenwegen man etwas boostet. Es sei denn, man schreibt einen ganz neuen Toot und setzt dort einen Link auf den Toot, den man boosten will. Umständlicher, aber fallweise womöglich sinnvoll. 2/2

@plinubius

Mir erscheint es im Zeitalter der algorithmisch kuratierten Timelines ein wenig einseitig, das Problem des Kontext-Kollaps der Funktion des Teilens zuzuschreiben.

@BlumeEvolution

@elottermann @BlumeEvolution Guter Punkt. Der Blogpost, durch den ich auf den Begriff gekommen bin, verweist auf eine offenkundig längere und komplexere Diskussion, in der das ggf auch Thema wird. Tatsächlich finde ich die algorithmische Auswahlleistung für mich persönlich für am problematischsten. Ich brauche Struktur, um in Material zu navigieren, und keine Redakteure oder Roboter, die für mich Auswahlentscheidungen treffen.

@plinubius

Man könnte aufmerksamkeitsmaximierende Kuratierungsalgorithmen m.E. auch Kontext-Kollaps-Maschinen nennen.

Es geht gerade überhaupt nicht darum, ob AP die beste Idee für ein social Web ist, sondern darum, die Dominanz des kommerziellen Social Media über den öffentlichen Diskurs zu brechen, bevor es unser Vermögen zur gesellschaftlichen Konsensfindung völlig zerstört hat.

https://steadyhq.com/de/realitatsabzweig/posts/73370e13-c618-486a-93c5-0d41a32a55f9
@BlumeEvolution

Für mehr und bessere Filterblasen.

Twitter ist zu groß. Die Idee vom "globalen Dorf" war ein Fehler. "Ein globales Publikum erreichen" ist das Ziel von Werbung, nicht warum wir "soziale Netzwerke" nutzen.

Steady

@plinubius

#ContextCollapse

Ich denke, Mastodon ist für das Schreiben längerer Texte suboptimal. Da würde ich mit Fediverse-Anbindung eher z.B. Friendica, oder das WordPress Plugin empfehlen. Das letzte reduziert auch die Ablenkung durch andere Posts, weil es eben mehr als unidirektionales Publikationswerkzeug gedacht ist, denn als bidirektionales Kommunikationssystem. Nicht dass man damit nicht auch bidirektional kommunizieren könnte, aber der Fokus des UI liegt auf dem Publizieren.

@cdonat Danke für den Hinweis. Longreads packe ich tatsächlich auf plinubius.de und dort also in ein Wordpress-Blog mit ActivityPub-Plugin. Was ich am Thema #ContextCollapse interessant finde ist, dass das Konzept der "Timelines" in der vorherrschenden Form ungenügend ist

@plinubius

Es kommt darauf an, was man tun möchte. Um gleichzeitig bidirektional mit mehreren Partnern zu kommunizieren, ist das Timeline-Konzept nicht das schlechteste.

Für eine unidirektionale Publikation mit angehängter bidirektionaler Kommunikation zum im publizierten Beitrag gesetzten Thema ist z.B. Wordpress wohl besser geeignet.

Es kommt eben immer auf das geeignete Werkzeug für die jeweilige Aufgabe an.

@cdonat Soweit ich das verstehe, gilt die Kitik am Verlust von Kontext unabhängig von meiner persönlichen Schreibpraxis der Struktur und dem Erleben "sozialer Medien" allgemein und dem Phänomen, das Einzelinformationen aus einem Kontext an ein Publikum gelangen, das sich in einem anderen Kontext bewegt, mit der Folge, dass es unbegründet zu negativ konnotierten Einlassungen zur Einzelinformation kommt, weil aktuelle Plattformen Beiträge zu erratisch und kontextarm in den Fokus bringen
@plinubius Grundsätzlich ist es nicht verkehrt, sich über passendes #Tagging zu den eigenen Beiträgen Gedanken zu machen. Vieles interessante Inhalte habe ich nur dadurch gefunden, dass ich entsprechenden Tags folge. @cdonat

@plinubius

Ich verstehe. Ja, das ist ein interessantes Phänomen. Gewissermassen ist das Entstehen dieser Diskussion hier also auch ein Opfer des Context-Collapses. Was wäre denn deiner Meinung nach ein Ansatz, aus dem eine Lösung erwachsen könnte?

Ich denke, die Kontextualisierung wie in Blogs, oder auch Plattformen, wie z.B. Peertube, in denen ein anfänglicher Autor den Kontext setzt, ist schon mal ein Ansatz - keine Lösung, aber ein Ansatz.

@cdonat In der Diskussion, der ich den Hashtag entnommen habe, geht es meines Erachtens um eine Kritik der Vorstellung, mit Hilfe des ActivityPub-Protokols nicht nur verschiedene Plattformen zum Fediverse zu verbinden, sondern dabei über das Ziel hinaus zu schießen und sinnvolle Unterschiede der Plattformen einzuebnen und das Problem des #ContextCollapse noch zu forcieren. 1/x
Ich vermute, man kann auf verschiedenen Ebenen gleichzeitig Lösungsansätze verfolgen. Auf der Ebene der individuellen Nutzung, auf der Ebene der Struktur der föderierten Instanzen und zudem auf der Ebene der (Weiter-)Entwicklung von Konzepten und Funktionen föderierbarer Plattformen. 2/x
Individuell stellt sich die Frage, welche Identitäten ich erzähle und unter welchen Handle, wobei jeder Handle tendentiell eine andere Zielgruppe adressiert (aber Zielgruppen überlappen können und ein bisschen Redundanz ok ist). Auch @evan operiert m.E. deshalb selbst mit verschiedenen Handle. 3/x
Dann stellt sich die Frage einer individuellen Nutzungskonvention. Ich bemühe mich das hier als mein eigenes Denkarium (https://harry-potter.fandom.com/de/wiki/Denkarium) zu nutzen, wobei ich, etwas vornehmer, mich an dem von #Ahrens2017 beschriebenen #Zettelkastenprinzip zu orientieren versuche und dabei Bolker im Sinn habe (https://plinubius.de/bolker-joan-writing-your-dissertation-in-fifteen-minutes-a-day-a-guide-for-starting-revising-and-finishing-your-doctoral-thesis-new-york-1998/) 4/x
Denkarium

Ein Denkarium (im Original: Pensieve) ist eine große flache Steinschale, in der frühere Erlebnisse und Erinnerungen abgespeichert und später wieder angesehen werden können. Dieses wertvolle Mittel gegen einen immer voller werdenden Kopf scheint auch in der Magischen Welt sehr selten zu sein, denn lediglich die Zaubereischule Hogwarts ist Lesenden als Besitzer eines Denkariums bekannt. Schulleiter Albus Dumbledore kann mit dem Zauberstab seine Erfahrungen wie Silberfäden aus seiner Schläfe ziehen

Harry Potter Wiki
Auf der Ebene der Struktur der föderierten Instanzen vermute ich, dass auch deshalb ein "Übermaß an verschiedenen Zielgruppen denselben Raum besetzt" (https://chaos.social/@plinubius/113201865281016851), weil die föderierenden Instanzen im deutschsprachigen Raum oder zumindest die Instanz, die ich nutze, keinen eindeutigen Kontext darstellt. Es sind eher "catch-all"-Instanzen. 5/x
Plinubius (@[email protected])

"Ein Zusammenbruch des Kontexts "tritt im Allgemeinen auf, wenn ein Übermaß an verschiedenen Zielgruppen denselben Raum besetzt und eine Information, die für eine Zielgruppe bestimmt ist, ihren Weg zu einer anderen findet", wobei die Reaktion der neuen Zielgruppe lieblos und äußerst negativ ausfällt, weil sie den ursprünglichen Kontext nicht versteht." https://en.m.wikipedia.org/wiki/Context_collapse 2/x

chaos.social
Ich hatte deshalb an anderer Stelle schon den Gedanken, dass man vielleicht eine viel größere Zahl an Instanzen anstreben sollte und dass das Ganze dann der Idee der Salons des 19. Jahrhundert folgen könnte, in denen die Gastgeber die Gästeliste kuratieren. Eine Art Neo-Freimaurertum. Siehe https://chaos.social/@plinubius/113049796905726329 Ich bin aber nur bedingt überzeugt, denn die Zahl der Handle pro Instanz bliebe meist unterkritisch, die Gedanken-Kettenreaktionen würden mangels Massse wohl nicht in Gang kommen. 6/x
Plinubius (@[email protected])

Dabei kann es beliebig viele Archen geben, die die Gäste vor dem Ertrinken in #GAMAM-Realitäten oder aus dem Doomscrolling unterm serifenlosen Hakenkreuz X retten. Eine Vielheit an Salons. Ich stelle mir das so vor, dass jemand, der gesellschaftlich etwas auf sich hält, entweder eine eigene Instanz kuratiert oder aber gern gesehener Gast solch kuratierter Instanzen ist. 3/x

chaos.social
Für mein Thema, massenintegrative Demokratie als kollaborativen Informationsbeschaffungs- und -Verarbeitungsprozess zu modellieren, betrachte ich das Konzept des Fediverse für absolut zukunftsweisend. Jedoch sage ich die Entwicklung eines Plattformtyps voraus, der über Mastodon und Friendica funktional hinausgeht und bei dem Kontextualisierung der Einzelbeiträge inhärent strukturell ist 7/x
Bei individuellen Beiträgen (hier: Toots) handelt es sich um Mikroressourcen, die durch ihre Anordnung zueinander an Wert und Relevanz gewinnen können. Dem voraus gehen muss aber eine Vorstellung von der Wertkette und dem Prozess, innerhalb dessen ein Einzelbeitrag Bedeutung erlangt. Ich denke, dass die Politikfeldanalyse, Methoden von Public Affairs und das #iwp-Wertkettenmodell sehr klare Hinweise geben. 8/x
Erstaunt bin ich, wie hölzern und vergleichsweise wenig innovativ angesichts all dessen all die politischen Vereine, #Parteien und auch bspw. Hersteller von Bürgerbeteiligungsplattformen sind - die Piraten mal ausgenommen. Weil man nicht auch nur einen Funken digitalen Innovationsgeists eines @Gargron besitzt, ist das höchste der Gefühle das Deployment von Instanzen, selten oder nie die Entwicklung von Software, geschweige denn deren Konzeption oder - Gott steh uns bei - ihre Finanzierung. 9/x
Nur so am Rande.
Es gibt im Fediverse andere Technologien. Z.B. #Hubzilla. Test ich gerade. Man kann unterschiedliche Kanäle auf einem Hub anlegen. Z.B. einemn, wo du nur schreibst, aber niemanden folgst.
Netzgemeinde/Hubzilla