1/ „Zeigt nicht immer nur auf den Osten. Der Osten ist dem Westen nur ein paar Trippelschritte voraus.“

So endet das Interview über #Nazis im #Osten in der Printausgabe der @tazgetroete.

Ende (vom Interview) gut, alles gut?

Nee, es gibt noch ein paar Anmerkungen.

https://www.taz.de/!5941741

Ilko-Sascha Kowalczuk über den Osten: „Wer Nazis wählt, ist ein Nazi“

Der ostdeutsche Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk über den Hang zum Autoritarismus in Ostdeutschland und die Rolle des Westens. Und über Freiheit.

TAZ Verlags- und Vertriebs GmbH

2/ Ilko-Sascha Kowalczuk hat in der #DDR #Nazi-Äußerungen gegen geistig Behinderte gehört und leitet daraus ab, dass die DDR ein präfaschistischer Staat war. Das finde ich ein bisschen schnell geschossen. Solche Bemerkungen wird es sowohl im Westen wie im Osten geben, die Erziehung, die ich in meinen Schulen hatte, war aber zutiefst humanistisch. Die #Euthanasie-Morde der #Nazis und ihre Verbrechen wurden im Unterricht besprochen.

Ich habe in Buch gewohnt. WBS70. Im untersten Stockwerk haben in all den Häusern Rollstuhlfahrer*innen gewohnt. Siehe rote Linien auf der Karte. Ich habe meine gesamte Kindheit nie irgendein böses Wort gehört.

Das schließt natürlich nicht aus, dass es diese gegeben hat. Wenn man mit Behinderten unterwegs ist, gibt es ja viel mehr Begegnungen.

Dennoch aus Begegnungen mit behindertenfeindlichen Menschen zu schließen, dass man in einem präfaschistischen Staat lebt, scheint mir etwas weit hergeholt.

3/ Also: Es gab in der #DDR #Nazis. Ganz zum Schluss sogar straff organisierte. Diese wurden von der Stasi geduldet. Lustigerweise waren Bonzen-Kinder ganz vorn dabei. Ein Vorfall, der recht gut dokumentiert ist, ist der Überfall von Skinheads auf ein Punkkonzert in der #Zionskirche. Das waren West-Nazis, die rübergekommen waren, zusammen mit Ostnazis.

https://www.stasi-mediathek.de/geschichten/der-neonazi-ueberfall-auf-die-zionskirche/sheet/2-0/type/coherentEra/

Dass es in jeder #NVA-Kaserne faschistische Tendenzen gab, wird einfach so hingestellt. Dafür hätte ich gern Belege. Ich habe während meiner ganzen Armeezeit nichts Faschistisches gesehen. Ich war in #BadDüben. Dort fanden wir alle den kleinen Prinzen gut (und Armee scheiße).

Danach war ich in #Kamenz. Weil ich mich mit Computern auskannte, bin ich in die Computergruppe gekommen und war direkt dem stellvertretenden Kompaniechef unterstellt, der lustigerweise auch noch Martin Luther hieß. Ich hatte mit ihm und noch mehr mit einem weiteren Oberstleutnant zu tun. Dann noch mit dem FDJ-Sekretär, einem Oberleutnant, bei dem ich im Zimmer saß.

Ich habe mit Soldaten Tee getrunken (viel Tee, lange Jahre. Manchmal mit Rum), mit Unteroffizieren das Zimmer geteilt, mit Offizieren Kontakt gehabt. Nirgendwo war da irgendetwas von Faschismus und Nazis. Nix. Die Menschen dort waren ein Querschnitt durch die Gesellschaft, denn die NVA war eine Wehrpflichtigenarmee. Zivildienst gab es nicht. Totalverweigerer wurden eingesperrt.

Die Oberstleutnante kamen aus der Arbeiterklasse. Insgesamt waren im Osten 94% der Offiziere Parteimitglieder.

Also: Bevor ich das mit „allen NVA-Kasernen“ glaube, möchte ich irgendwelche nicht-impressionistischen Belege haben.

Über die Nazi-Netzwerke in der Bundeswehr weiß man übrigens recht gut Bescheid. Das ist alles aktenkundig.

Der Neonazi-Überfall auf die Zionskirche | Mediathek des Stasi-Unterlagen-Archivs

Im Herbst 1987 attackierten mehrere Dutzend Neonazis die Gäste eines Punkkonzerts in der Ost-Berliner Zionskirche. Staatssicherheit und Volkspolizei waren vor Ort, griffen aber während des Überfalls nicht ein. Dieser Vorfall machte die gewaltbereite Neonazi-Szene der DDR erstmals öffentlich und bewegte die Stasi dazu, sich mit den rechtsextremen Skinheads auseinanderzusetzen. Anders als den Punks, hatte die Geheimpolizei ihnen bis dahin kaum Aufmerksamkeit gewidmet.

4/ Was es in der #NVA nicht gab, waren Kompaniechefs, die Parties mit Rechtsrock und Hitlergrüßen feierten. Das ist offenes Neonazitum und das gibt es nur in der #Bundeswehr und zwar 2017, also 50 Jahre nach dem immer so gelobten 1968.

Nach taz-Berichten ist die gesamte Eliteeinheit KSK angebräunt und der Militärische Abschirmdienst hat nichts gemerkt:

https://taz.de/Urteil-im-Prozess-gegen-KSK-Soldaten/!5754620&s=kompaniechef+hitlergru%C3%9F/

Es gab, so weit ich weiß, auch niemanden, der Munition in seinem Garten vergraben hätte. Auch das gab es nur bei der Bundeswehr. Die Waffenkammern waren streng geschützt und es wurde immer wieder durchgezählt, damit auch ja nichts abhanden kam.

Es gab im Osten schon Menschen, die die Revolution planten, aber die waren gewaltfrei. Remember?

Das waren die mit den langen Haaren und den Schwerter-zu-Pflugscharen-Aufnähern.

Hier gibt es auch die Langzeitrecherche der taz zum #HannibalNetzwerk. Bundeswehr-Elitesoldat*innen, Polizist*innen, Prepper, militärische Vereine #Uniter.

Perfekt. Ich bin so stolz auf den Westen, dass er das 1968 alles geklärt hat. Wie schlimm muss es nur vorher gewesen sein?

#Hannibal #Nazis #Nonazis #Osten #Westen #Ossis #Wessis

https://taz.de/!t5549502/

@stefanmuelller Naja, ist es nicht etwas unfair zu sagen 2017 gab es etwas in der Bundeswehr das es in der NVA nie gab.

Die NVA existierte insgesamt gerade mal 34 Jahre. Die Bundeswehr gibt es seit 68 Jahren also doppelt so lange.

Dinge aus Zeiten der NVA aufzudecken dürfte schwer sein, die Bundeswehr kann täglich neue Fehler machen.

Unter diesen Bedingungen ist ein vergleich doch völlig unlogisch und unfair.

@TheOneSwit

Nein. Die Bedingungen sind diese: In den Medien, die den Diskurs beherrschen, wird immer wieder gesagt: Der Osten hat die Nazivergangenheit nicht aufgearbeitet, überall waren und sind Nazis. Wir dagegen hatten 1968 und das fehlt halt im Osten, weshalb da die Nazis sind und immer waren.

Das ist die Ausgangslage und dagegen kann man jetzt versuchen in Social Media und mit einem kleinen Blog anzugehen. Die Berichterstattung über den Osten ist einseitig. Es wird mit Ekel auf den Osten herabgeblickt und damit vom eigenen Versagen abgelenkt.

2) Sollen wir wirklich anfangen darüber zu reden, was in den ersten 34 Jahren der Bundeswehr war? Sollen wir anfangen darüber zu reden, was in den ersten Jahren der Bundesrepublik war? #OrganisationGehlen?

https://de.wikipedia.org/wiki/Organisation_Gehlen

Oder #Rommel.

„Die Bundeswehr ehrte ihn im Jahre 1961 mit der Benennung der Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne in Augustdorf und 1965 mit der Rommel-Kaserne in Dornstadt bei Ulm. Die Rommel-Kaserne in Osterode am Harz wurde inzwischen geschlossen. Die Bundesmarine taufte 1969 einen Zerstörer der Lütjens-Klasse auf den Namen Rommel.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Erwin_Rommel#Ehrungen

Rommel war ein führender Generalfeldmarschall in einem deutschen Angriffskrieg. Er war ein glühender Verehrer Hitlers. Sorry Leute, nach solchen Menschen kann man keine Straßen und erst recht keine Kasernen benennen.

Die Kasernen heißen übrigens heute noch so.

Und weißte, wer ein Rommel-Denkmal eingeweiht hat? #Filbinger. Kannste Dir echt nicht ausdenken. Filbinger war ein #Nazi-Richter verantwortlich für mehrere Todesurteile, NSDAP-Mitglied. Danach dann #CDU und Ministerpräsident von BaWü bis 1978. Er war von 1973 bis 1979 auch einer der stellvertretenden Bundesvorsitzenden der CDU.

https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Filbinger

Bitteschön, dankeschön, 1968 my ass.

In der DDR gab es keine Hindenburg-Straßen oder Straßen, die nach Nazi-Funktionären benannt waren. Eher nach russischen Generälen. Und nach Stalin (hüstl), die Stalinalleen wurden dann aber auch irgendwann umbenannt.

Organisation Gehlen – Wikipedia

@TheOneSwit

Hierher kommt man, wenn man bei #Filbinger weiterliest.

Ein #Nazi-Jurist, der bis 1995 fröhlich weiterarbeite. Das hat es im Osten ganz sicher nicht gegeben und hätte es wohl auch im Westen nicht geben sollen.

@stefanmuelller

Was soll denn das Ergebnis der Diskussion werden? Von was möchtest du mich überzeugen?