Das Solarpunk-Dreieck: Natur, Technologie und Gemeinschaft
Natur, Technologie und Gemeinschaft sind drei zentrale Aspekte von Solarpunk. Sie sind alle wichtig fĂŒr Menschen â und in diesem Artikel soll es darum gehen, wie sie sich gegenseitig unterstĂŒtzen können. Dazu gibt es Beispiele aus Geschichten, aber auch aus der realen Welt.
âBack Homeâ by Daniele Turturici, CC BY-NC-ND 4.0 đ± Natur
Natur ist in Solarpunk-Bildern vor allem als DachbegrĂŒnung und als Landwirtschaft zu sehen. TatsĂ€chlich spielt in vielen Geschichten aber auch die Mitwelt â nicht-menschliche Lebewesen â eine zentrale Rolle.
Natur kann die Bildung von Gemeinschaft unterstĂŒtzen. Menschen sind entspannter, wenn sie grĂŒn um sich wahrnehmen â dafĂŒr reicht sogar schon ein Desktop-Hintergrund, aber echte Pflanzen helfen dabei nochmal stĂ€rker. Das Stresssystem wird heruntergefahren, und das ermöglicht uns, Verbindung zu anderen Menschen herzustellen.
Parks, Wiesen und Flussufer sind sogenannte Dritte Orte (also Orte, an denen Menschen sich abseits der eigenen Wohnungen und jenseits von Konsumzwang treffen können) â diese machen StĂ€dte lebenswert, schaffen Verbindungen und verhindern Isolation und Vereinsamung.
Ein anderes, aber sehr konkretes Beispiel fĂŒr Natur als Gemeinschafts-UnterstĂŒtzerin liefert der Roman Hyphen: Hier hilft ein psychedelischer Pilz Menschen in einer postapokalyptischen Welt, Traumata zu verarbeiten, das GefĂŒhl von Trennung zu ĂŒberwinden, Empathie fĂŒreinander zu entwickeln und Gemeinschaft aufzubauen. Auch in der realen Welt gibt es immer mehr Hinweise, dass Pilze dafĂŒr (und fĂŒr andere Dinge) wertvoll sein könnten.
Die Verbindung von Natur und Technologie ist ebenfalls interessant. Viele Erfindungen sind aus der Beobachtung der Natur hervorgegangen (das nennt man Biomimikry). Beispiele hierfĂŒr sind der ReiĂverschluss, Flugzeuge, das Echolot oder der wasserabweisende Lotus-Effekt.
TatsĂ€chlich sind Natur und Technologie auch gar nicht so getrennte SphĂ€ren, wie es uns im Globalen Norden oft erscheint. Gerade indigene Kulturen haben viel Expertise darin entwickelt, Natur direkt fĂŒr ihre Zwecke zu nutzen â beispielsweise in Form von gewachsenen BrĂŒcken oder Medizin. Hier stellt sich eher die Frage, was wir als Technologie wahrnehmen und was nicht.
đ Technologie
Auf der anderen Seite können auch Aspekte, die unter ein klassisches VerstĂ€ndnis von Technologie fallen, wiederum genutzt werden um die Natur zu unterstĂŒtzen. Es gibt interessante Projekte, um WildbestĂ€nde von Tieren mittels KI zu ĂŒberwachen, baumpflanzende Drohnen
TatsĂ€chlich könnten unglaublich viele Technologien zum Wohle der Natur eingesetzt werden, wenn das eine PrioritĂ€t fĂŒr die Menschheit wĂ€re. Leider wird Technik im Kapitalismus (bzw. in allen wachstumsbasierten Systemen, um auch den Realsozialismus nicht auszunehmen) fast immer in einem Kontext entwickelt und genutzt, um Profit zu machen â und da ist Naturschutz hĂ€ufig ein Faktor, der die Gewinne senkt (zumindest kurzfristig). Daher ist es verstĂ€ndlich, wenn viele Menschen technik-skeptisch sind und neue Entwicklungen eher fĂŒr problematisch halten. Aber es wĂ€re konsequenter, den Rahmen unseres momentanen Wirtschaftssystems dabei mitzudenken und zu -kritisieren.
In Solarpunk-Geschichten gibt es auch spannende Beispiele fĂŒr Technologien, die Gemeinschaftsbildung unterstĂŒtzen. Das prĂ€gendste fĂŒr mich waren die Sozialen Netzwerke in A half-built garden, die den Bewohner:innen eine permanente Kooperation und dadurch direkte Demokratie und Selbstverwaltung ermöglichen. Auch real existierende Soziale Netzwerke wie Mastodon sind eine Möglichkeit, Gemeinschaft zu finden â vor allem fĂŒr Minderheiten wie zum Beispiel queere oder neurodivergente Personen. Leider stellt sich hier das gleiche Problem wie beim Naturschutz â die bekanntesten Sozialen Netzwerke können dieses Versprechen aufgrund ihrer Profitorientierung nicht einlösen, sondern kippen im Gegenteil in Vereinzelung und Polarisierung.
đ€ Gemeinschaft
Personen in Solarpunk-Geschichten sind keine vereinzelten Held:innen wie im Cyberpunk, sondern einfache Menschen, die als Teil einer Gemeinschaft wichtige und gute Dinge tun. Und auch im echten Leben arbeiten Millionen Menschen auf der Welt auf ein besseres Leben fĂŒr alle (Mensch und Mitwelt) hin.
Ein prominentes Beispiel fĂŒr Gemeinschaften, die die Natur schĂŒtzen, sind die Umwelt- und Klimabewegungen, die seit den siebziger Jahren weltweit aufgekommen sind. Alleine könnten diese Menschen sicher kaum etwas bewegen, aber durch ihre groĂe Zahl haben sie viele Probleme gelöst oder abgeschwĂ€cht â Naturschutzgebiete erzwungen, das Ozonloch stabilisiert, den deutschen Atomausstieg herbeigefĂŒhrt und vieles mehr.
Im Globalen SĂŒden setzt sich zudem immer mehr die Erkenntnis durch, dass die Natur am besten geschĂŒtzt werden kann, wenn sie unter die Obhut lokaler indigener Gemeinschaften gestellt wird. Diese kennen ihre Umgebung viel besser als NaturschĂŒtzer von auĂerhalb, sind nicht so stark der Verwertungslogik unterworfen und haben jahrhundertealtes Wissen darĂŒber, wie ihre Umgebung im Gleichgewicht bleiben kann.
Zuletzt stellt sich noch die Frage, inwiefern Gemeinschaften auch hilfreiche Technologien schaffen können. Wie oben erwĂ€hnt, wird ein GroĂteil von neuen Technologien im Kontext von Konzernen oder Staaten geschaffen, die oft problematische Ziele damit verfolgen. Ein inspirierendes Beispiel ist die weltweite Open-Source-Gemeinschaft: Software wie das Betriebssystem Linux, der Browser Firefox oder Videokonferenzen wie Jitsi wurden und werden von einer riesigen Zahl von Freiwilligen gemeinsam programmiert und aktuell gehalten â einfach, weil diese es gut und wichtig fanden, dass es solche Software gibt. Selbst wenn sie manchmal etwas sperriger sein sollte als die durchdesignten Umgebungen aus den Tech-Konzernen â angesichts von Machtkonzentration, Datenschutzproblemen und stĂ€ndiger Monetarisierung lohnt sicher der Umstieg fast immer.
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