Gute Lern- und Auseinandersetzungsbedingungen zu Diskriminierung – unter grundsätzlich offenen und lernbereiten Menschen

In der diskriminierungskritischen Bildung oder in anderen Kontexten von Pädagogik, Organisationen, Communities oder Aktivismus, in denen wir Impulse rund um Diskriminierungskritik oder ein solidarisches Miteinander einbringen bzw. austauschen, stoßen wir oft auf Blockaden. Nicht immer haben diese Blockaden (nur) mit inhaltlicher Abwehr, Privilegiensicherung etc. zu tun. Oft geht es um Ängste, um hinderliche Lerngewohnheiten, um Haltungen zu und Umgang mit Kritik, Leistungs-/Kompetenzdruck und Angst vor Fehlern, den Umgang mit Spannungsverhältnissen und Ambivalenzen sowie mit eigenen Emotionen. Auch Fragen von Selbstsorge, Grenzachtung, Achtsamkeit, Vertraulichkeit etc. können eine Rolle spielen.

Ich habe irgendwann begonnen, Erwachsenenbildungs-Seminare mit einer längeren und Jugendbildungs-Seminare mit einer kürzeren Einladung bzgl. meiner Wünsche an unsere Arbeitsweise einzuleiten. Iven Saadi und ich haben diese in unserer gemeinsamen Arbeit aufgegriffen und entwickeln sie zusammen und einzeln stetig weiter. Wir haben erlebt, dass bestimmte Framings zu den oben genannten Themen bestimmte Teilnehmende von Ängsten und Sorgen entlasten können. Sie können Gruppen und uns als Leitungen dabei unterstützen, herausfordernde Situationen anders einzuordnen. Und sie können eine Basis bilden, auf die wir uns oder Teilnehmende sich bei Interventionen rückbeziehen können. Diese Framings haben wir aufgeschrieben in:

Debus, Katharina/Saadi, Iven (2025): Wünsche an die Arbeitsweise. Auch: didaktischer Impuls zu guten Lern- und Auseinandersetzungsbedingungen zu Diskriminierung. In: Klemm, Sarah/Wittenzellner, Ulla (Hrsg.): Geschlechterreflektierte Pädagogik gegen Diskriminierung und Rechtsextremismus. Berlin: Dissens – Institut für Bildung und Forschung. S. 118–122. schnig.dissens.de/handreichung

Bei manchen Teilnehmenden können solche Framings auch Sorgen auslösen, weil sie ihnen bewusst machen, dass sie über viele mögliche Reibungsquellen noch nie nachgedacht haben. Oft sagen sie aber unterwegs oder am Ende, dass ihnen das eine oder andere Framing geholfen hat oder dass es sie auch für ihren Alltag sensibilisiert hat.

Ein so langer Impuls am Anfang ist nicht für jede Zielgruppe, Gruppenkonstellation und jedes Format geeignet. Wir haben diese Framings nicht (nur) aufgeschrieben, um es anderen zu ermöglichen, sie in dieser Form aufzugreifen. Es ist auch möglich, sich von den Inhalten inspirieren zu lassen und entsprechend des eigenen Handlungskontextes und des eigenen Stils zu entscheiden, ob, wann und in welcher Form welche Aspekte davon inspirierend sein könnten. Ob als Framings am Anfang oder schon in der Einladung, als Haltung oder Framings zwischendurch, z.B. in herausfordernden Situationen, oder in anderer Weise.

Wichtig ist uns, dass wir diese Framings hilfreich finden unter Menschen, die grundsätzlich offen und lernbereit sind. Wir verbinden damit also nicht den Appell, immer und in allen Situationen z.B. Kritik in solidarischer Weise zu äußern. Manchmal braucht es z.B. auch scharfe Grenzsetzungen. Aber unter Menschen, die grundsätzlich miteinander lernen oder sich weiterentwickeln wollen, hat sich eine entsprechende Grundhaltung – die immer auch mal an Grenzen geraten darf und bzgl. Lastenverteilung unter den Beteiligten reflektiert werden sollte – als hilfreich erwiesen.

Die Wünsche an die Arbeitsweise sind in unsere Auseinandersetzung mit der Gestaltung von Ankommenssituationen eingebettet, mit der in unserer Erfahrung viele Veranstaltungen stehen und fallen. Dazu haben hier mehr geschrieben:

Debus, Katharina/Saadi, Iven (2024): Gestaltung von Ankommens-Situationen in Bildungs-Angeboten zu Diskriminierung, Ungleichheit oder polarisierten Themen. Berlin: BildungsBausteine & Dissens – Institut für Bildung und Forschung. bildungsbausteine.org/projekte…

#diskriminierungskritischeBildung #Diskriminierungskritik #Lernen #Bildung #emanzipatorischeBildung #geschlechterreflektiertePädagogik #queereBildung #politischeBildung #Community #FediLZ #pädagogikbubble

Schnittstelle Geschlecht: Handreichung | Schnittstelle Geschlecht

Das Projekt bietet Workshops und Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte und Interessierte zum Thema geschlechterreflektierte Pädagogik als Rechtsextremismusprävention.

Artikel: Warum verhalten sich Menschen diskriminierend?

Wenn wir Menschen erreichen wollen, bevor sie diskriminierende und/oder rechte Einstellungen entwickeln bzw. verfestigen oder solche Verfestigungen unterbrechen wollen, reicht es oft nicht, inhaltlich die besseren Argumente zu haben oder Grenzen zu ziehen (auch wenn das ebenfalls beides sinnvoll ist). Oft ist es nötig, sich damit zu beschäftigen, was diese Denk- und Handlungsangebote für Menschen attraktiv macht, auf welche Herausforderungen oder Problemlagen sie (scheinbare) Antworten bieten, um Menschen zu erreichen, die noch nicht gänzlich für einen solidarischeren Umgang verloren sind. Auf dieser Grundlage kann präventiv oder in der Intervention mit Menschen mit (noch) nicht geschlossenen Weltbildern an alternativen, solidarischeren Umgangsweisen mit diesen Schwierigkeiten gearbeitet werden. Es geht dabei nicht um Entschuldigung, sondern um eine Verbesserung der Wirksamkeit von Prävention und Intervention.

Solche Herangehensweisen sollten Empowerment-Angebote und Schutz betroffener Menschen ergänzen. Die Förderung nicht-diskriminierender und emanzipatorischer Handlungsfähigkeit ist ein weiterer wichtiger Baustein. Es geht hier also nicht um das Ausspielen verschiedener Ansätze, sondern um zusätzliche Anregungen.

Im Artikel biete ich auf Grundlage Kritisch-psychologischer Ansätze Analyse-Perspektiven und mache Handlungsvorschläge. Diese richten sich primär an Bildungsarbeiter*innen bzw. Pädagog*innen. Vieles ist aber übertragbar auf andere Kontexte, in denen wir Menschen erreichen wollen, die diskriminierende bzw. rechte Einstellungen und Handlungsmuster entwickeln (könnten), aber noch nicht zu einem geschlossenen Weltbild verfestigt haben – von privatem Engagement über Öffentlichkeitsarbeit bis zu Aktivismus.

Debus, Katharina (2025): Warum verhalten sich Menschen diskriminierend? Subjektive Funktionalität von Diskriminierung und Stärkung von Handlungsfähigkeit als Ansätze für Prävention und Intervention. In: Klemm, Sarah/Wittenzellner, Ulla (Hrsg.): Geschlechterreflektierte Pädagogik gegen Diskriminierung und Rechtsextremismus. Berlin: Dissens – Institut für Bildung und Forschung. S. S. 58–73. schnig.dissens.de/handreichung

Längere Version des Artikels mit mehr Beispielen, Grafiken und Theorie:
Debus, Katharina (2025): Warum verhalten sich Menschen diskriminierend? Subjektive Funktionalität von Diskriminierung und Stärkung von Handlungsfähigkeit als Ansätze für Prävention und Intervention. Extended Version mit mehr Beispielen, Theorie, Grafiken und Hypothesen. Berlin: Dissens – Institut für Bildung und Forschung. katharina-debus.de/material/te…

Die anderen Texte aus den Kurzverweisen und das Literaturverzeichnis finden sich unter schnig.dissens.de/handreichung

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17. – 19.02.2026: Online-Seminar (Zoom): Lernen zu Diskriminierung. Zur Gestaltung von Lernprozessen

Termine (nicht zur Wahl, das Seminar umfasst zweieinhalb Tage plus Selbstlernmodul):
• ca. 4 Stunden Selbstlernmodul in Eigenregie – die Zugangsdaten werden bei Bestätigung der Anmeldung mitgeschickt
• Di, 17.02.2026: Technik-Check-In ab 14:50, Seminar: 15–17:30h
• Mi, 18.02.2025: Technik-Check-In 09:50h Seminar: 10h–17h
• Do, 19.02.2025: Technik-Check-In 09:50h, Seminar 10h–17h

Wir sammeln Anmeldungen (siehe unten zu Anmeldung, Gruppenzusammensetzung etc.) in einer ersten Runde bis zum 09.01.2026 und senden in der Woche drauf die ersten Zusagen raus. Eventuell verbliebene freie Plätze vergeben wir ca. wöchentlich. Meist ist die Fortbildung schnell ausgebucht, ich empfehle daher bei Interesse eine rasche Anmeldung

Zielgruppe: Diese Fortbildung richtet sich an Menschen, die sich bereits mehrere Jahre mit Diskriminierung und/oder mindestens einem Ungleichheits- bzw. Diskriminierungsverhältnis beschäftigt haben und bereits auf mehrjährige Erfahrungen in Pädagogik/Bildungsarbeit zurückgreifen können. Wenn Ihr Euch nicht sicher seid, ob Eure Vorkenntnisse ausreichen, fragt gerne nach. Wir werden den Fokus auf konzeptionelle und didaktische Fragen legen und uns nur kurz mit grundsätzlichen Fragen von Diskriminierung, Privilegierung und Intersektionalität beschäftigen.

Referent*innen: Iven Saadi & Katharina Debus

Kosten: kostenfrei

Weitere Informationen und Anmelde-Infos unter: dissens.de/termine-news/detail…

Das Online-Seminar findet im Rahmen des Projekts Schnittstelle Geschlecht – Geschlechterreflektierte Bildung als Prävention von Sexismus, Vielfaltsfeindlichkeit und Rechtsextremismus statt. Das Projekt wird gefördert von der Berliner Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung, im Rahmen des Landesprogramms gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus.

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Bildbeschreibung, weil ich noch nicht verstanden habe, wie ich auf Loma einen Alttext einfüge: Überschrift: Lerndimensionen diskriminierungskritischer Pädagogik

Mittig drei gelbe Kästen: Wissen; Haltung; Handlungsoptionen. Verbunden durch grüne in beide Richtungen weisende Pfeile.
Von jedem Kasten Linien nach oben, zu weiteren gelben Kästen:

Wissen: Deutungsangebote: Verstehen der Welt & eigener Erfahrungen.

Haltung: Selbstverhältnis; Haltung zu anderen, Ethik & Empathie; Umgang mit Emotionen & Unsicherheit; Reflexion über eigenes Handeln & Reaktionsmuster.

Handlungsoptionen: Empowerment, Zivilcourage & Nicht-Diskriminierung.

Um die zentralen Kästen herum blaues Oval: Rahmenbedingungen.

Darin drei kleine hellblaue Ovale: Lehr-Lern-Bedingungen gestalten; Interessenvertretungsoptionen & Erweiterung des Handlungsraums; Konkurrenzlogiken abbauen.

Unten in einem grünen Balken: Wenn nötig, um Lernraum inklusiv zu gestalten: machtpolitische Interventionen (z.B. Verbote, Rauswürfe...)

Unten: Grafik & Konzept: Katharina Debus & Iven Saadi, Stand April 2023

Idee | Kollektiv für emanzipatorische, antiautoritäre Bildung(-sangebote)

Kennt ihr Menschen die Interesse an selbstständiger, kollektiver Bildungsarbeit haben? Habt ihr Ideen, wo/wie ich Moderator:innen und politische Bildner:innen finde, die Lust auf Selbstorganisierung haben?

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#anarchafeminism

Idee | Kollektiv für emanzipatorische, antiautoritäre Bildung(-sangebote)

Kennt ihr Menschen die Interesse an selbstständiger, kollektiver Bildungsarbeit haben? Habt ihr Ideen, wo/wie ich Moderator:innen und politische Bildner:innen finde, die Lust auf Selbstorganisierung haben?

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