Drei von hundert sind nicht gleich 3 Prozent

Liebe Mathematiker, lasst das Hackebeilchen im Schrank. Natürlich habt ihr recht. Mathematisch ist das ein und dasselbe. Für Nichtmathematiker, vor allem wenn es um ihre Gesundheit geht, trifft das leider ganz und gar nicht zu.

Das sahen sich die beiden Psychologen Prof. Tobias Kube von der Goethe-Universität Frankfurt und Prof. Winfried Rief von der Universität Marburg genauer an. Sie untersuchten die Auswirkungen von
unterschiedlichen Aussagen der Ärzte zu ihren Patienten in Hinblick auf die Heilungschancen und Nebenwirkungen.

Und da auch Piloten im Kopf oft schnell Werte überschlagen müssen (etwa, wenn sich etwa im Landeanflug die Umstände – Landebahn, Höhe, Anflugweg – ändern), ist die bildliche Vorstellung von Zahlen und Werten ein menschliches Problem, das uns alle angeht. Egal ob gesund, krank, am Boden oder in der Luft.

Menschen reagieren auf drei von Hundert und drei Prozent oft spürbar unterschiedlich, obwohl beides exakt dasselbe meint. Der Unterschied entsteht nicht im Rechnen, sondern im Kopf – und im Bauch.

3% wirkt wie eine technische Größe. Es sieht nach Statistik aus, nach Tabelle, nach PowerPoint. Die Zahl steht da, kühl, kompakt, abgeschlossen. Viele lesen sie eher analytisch als emotional. Sie wird schnell eingeordnet, verglichen, vielleicht sogar weggewischt: klein, fast nichts. Das Prozentzeichen macht die Zahl noch abstrakter; sie gehört in die Welt der Diagramme, Berichte, Verträge. Man fühlt weniger, man versteht.

Drei von Hundert dagegen ist Sprache. Und Sprache aktiviert innere Bilder. Plötzlich ist es nicht mehr nur eine Kennzahl, sondern etwas, das man sich vorstellen kann: drei von hundert, drei Münzen, drei Menschen in einer Gruppe.

Aus dem abstrakten Wert wird eine kleine Menge in der realen Welt. Das fühlt sich oft konkreter, manchmal auch schwerer oder bedeutungsvoller an, obwohl es objektiv identisch bleibt.

Interessant ist auch, dass 3% oft kleiner wirkt als drei Prozent. Die Ziffer ist visuell kurz, fast unscheinbar. Das ausgeschriebene Wort braucht mehr Platz, mehr Zeit beim Lesen, mehr Aufmerksamkeit. Dadurch bekommt der gleiche Inhalt mehr Gewicht.

In der Werbung und in der Politik wird das gezielt genutzt: die Zahlenform, wenn etwas harmlos oder technisch klingen soll, die Wortform, wenn es greifbarer oder eindrücklicher wirken soll.

3% spricht den Kopf an, drei Prozent von Hundert eher die Vorstellungskraft. Beides transportiert dieselbe Information, aber nicht dieselbe Stimmung. Und genau deshalb lohnt es sich, sehr genau zu überlegen, in welcher Form man so eine Zahl zeigt oder ausspricht.

Rief ist stellvertretender Sprecher des Sonderforschungsbereichs (SFB) „Treatment Expecation“, der Placebo-und Nocebo-Effekte erforscht, Kube ist assoziiertes Mitglied des SFB. Ein zentraler Forschungsaspekt des Verbundes SFB ist: Wie können BehandlerInnen in der ärztlichen Kommunikation Placebo-Effekte fördern und Nocebo-Effekte vermeiden? Welche Fallstricke sind zu vermeiden, wenn es darum geht Risiken, Heilungschancen und Nebenwirkungsraten bei der Aufklärung von PatientInnen zu kommunizieren?

Link zur Studie (paywall, English)

Zahlen im medizinischen Kontext bergen das Risiko der Framing-Effekte. Kube und Rief zeigen in ihrer Studie, dass bei der Wahrnehmung von numerisch dargestellten Testergebnissen und von Wahrscheinlichkeitsbeschreibungen gravierende Unterschiede bestehen.

Framing

Framing (Einrahmung) beschreibt die bewusste oder unbewusste Einbettung von Informationen in einen bestimmten Deutungsrahmen durch Wortwahl, Metaphern oder die Hervorhebung bestimmter Aspekte, um die Wahrnehmung und Bewertung eines Sachverhalts durch den Empfänger zu beeinflussen.

Es geht darum, eine Botschaft so zu „verpacken“, dass sie eine gewünschte emotionale Reaktion oder eine bestimmte Interpretation auslöst.

Das halbvolle/halbleere Glas

90 Prozent der Patienten überstehen die Infektion, ist mathematisch die gleiche Aussage wie zehn Prozent überstehen sie nicht, aber mit der ersten Aussage wird für einen Patienten die hohe Wahrscheinlichkeit, dass alles gut wird, in den Vordergrund gerückt. Das halbvolle Glas.

Die erste Formulierung wirkt eher beruhigend, während die zweite Ängste auslösen kann. Deshalb sollten, so das Ergebnis der Studie, Mediziner ein positives Framing anstreben, vor allem wenn es um potenziell negative und bedrohliche Nachrichten geht. Gerade dann sollten Erklärungen, zum Beispiel wie häufig die Behandlung erfolgversprechend ist oder mit welcher Wahrscheinlichkeit mit gravierenden Nebenwirkungen zu rechnen ist, positiv eingebettet sein.

Aus der Praxis

Bei meiner ersten Tour auf den Camelback Mountain in Phoenix, AZ, (vor Jahren), bereits recht weit oben, stand ich vor einer mir Achtung abfordernden, gefühlt senkrechten Steinwand. Der Gipfel nicht in Sicht – wie so oft bei Bergwanderungen – und mein Gesicht und die Körperhaltung drückten vermutlich ziemliche Erschöpfung aus. Zu gut deutsch: Ich war aufgrund der 30 Grad, der Knallsonne und des bisherigen mehrstündigen Aufstiegs bereits simpel und einfach platt.

Da kam mir eine fröhliche Amerikanerin den Berg herunter entgegen und rief mir zu: „Almost! You are almost there!“ (Du hast es fast geschafft)

Die Aufmunterung war sicher lieb gemeint. Allerdings wurde das „almost“ bei uns über die Jahre zum Running Gag. Denn es war noch ein anstrengendes Stück, bis auch ich auf dem Gipfel stand…

3 Stufen von einer Treppe mit 100 Stufen sind sicher machbar, 3 Prozent von einer längeren, anstrengenden Bergtour können noch immer eine Anforderung sein.

Jaja, die Relativität. Hatte da nicht auch schon einer namens Ein_stein mal was gesagt? 🙂

Kleiner Tipp

Wen das Thema Zahlen im Alltag interessiert, der findet hier weitere Beiträge auf Flugundzeit

#almost #Arizona #Camelback #HelgaKleisny #KitYates #Mathematik #Mensch #Prozent #Psychologie #Statistik #Zahl
However my steel insulated #camelback #podium water bottle kept my water in a liquid form through the entire ride 😀

Man I really like the look of the #camelback #podium water bottles, but after using them for about a year, I'm really considering moving back to 'regular' bidons. The Podiums are just too impossible to keep clean. It's difficult to get through all the bits of that convoluted valve system to clean all the gunk out. Is this a me problem or does this sound familiar to any other Podium users out there?

#bikes
#cycling

When I was a kid, Grandma lived in the back part of an old #camelback house on #Carondelet St. You'd walk along the side, a brick walkway, back to the tiny yard. There was an old above ground fish pond. Going in the back door to the kitchen. In the middle of the house, shared between front and back, was the bathroom. Huge old clawfoot tub. 😊

In singular, /ga-'mal/ גָּמָל, and in plural /g-ma-'leem/ גְּמַלִּים, these animals were in ancient times a vital part of life in the Middle East, including in parts of Israel.

These resilient animals were essential for long journeys across arid landscapes, valued for their ability to carry heavy loads and travel long distances without water.

Today, you're more likely to find cars and buses on the roads of Israel than camels.

#camels #middleeast #transportation #israel #camelback #hebrew #languages

Note that if you are using hashtags in the main body of the comment, #CamelBack
tags can be read by many readers (or so the kind folks at Mastodon have shared about their readers).

So when using them, be sure to make them InitialCap or they will melt into gibbrish, too.

@BlindQuilter hmm, maybe #AltTextAudible? #AltText #CamelBack I’ll also try to describe the direction of sound as well.
@BlindQuilter
Isn't it called Camel Case? I looked up the difference but only ever found info taking about #CamelCase , not #CamelBack .

@BlindQuilter It brings me joy to know that alt-text is helpful for others ​ this post is extremely sweet

By the way, what does #CamelBack mean? I'm guessing it means one capitalizes a new word in a hashtag, like DigitalArt instead of digitalart, but I just want to double check

@BlindQuilter I did not know this about #CamelBack - thank you!