Wer nochmal reinhören möchte: mich gibts auf 1:34.
Mir wurde gesagt, es sei als Podcast beim Putzen sehr unterhaltsam..
https://www.youtube.com/watch?v=j-rgogUvMvM&t=6424s&ab_channel=Kueperpunk
#bookstodon #bücherbubble #gegenrechts #autor_innengegenrechts
Autor*innen gegen Rechts Live

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@Sascha_Raubal
Da hab ich heute einen schönen Fehler gemacht...

Ich war auf der #augsbuch , hab nett mit @Sascha_Raubal geplaudert und mir den ersten Band seiner Buchreihe #DieAbartigen mitgenommen. 📖

Das war jetzt nicht der Fehler.

Der Fehler war, nicht auch gleich den zweiten Band zu kaufen.

Denn mit dem ersten bin ich jetzt schon durch!!! 😭

Definitiv ein #lesetipp für die #Bücherbubble hier! 👍👍👍👍👍

#WhyWeMatter ist einfach so ein gutes Buch!

Ich hab's mir damals neu gekauft, für 22 € . Das mach ich echt nicht so oft... ( Ich hab aber das #Privileg , dass ich es kann ) .
Und es ist jeden Cent wert!
Ein super Buch!

Hast du's gelesen? Und oder anderes von #EmiliaRoig ?

#BücherBubble #AmReading #lesen

Liebe #bücherbubble
Wenn ihr ein Buch sucht das nicht mehr gedruckt wird, welche online Plattform benutzt ihr dann?
Danke
#Bücher #Buch #Suche #Hilfe

In 14 Tagen erscheint ERDENKINDER, die abschließende Fortsetzung des Romans WUNSCHKINDER. Hier sind Cover, Rückseite und Klappentext:

#Belletristik #Bücherbubble #Buchtipp #GeschenkterGaul #Kapitel #Leseprobe #Lesestoff #Literatur

#bücherbubble im Mai erscheint der kleine Hobbit in rätoromanischer Übersetzung.

15.03.20

Mutter ist fast ausgeflippt, als ich ihr die Einkäufe in die Wohnung schleppte. Sie hat glatt vergessen mich die oberen Schränke einräumen zu lassen. Es war aber mehr Sorge um mich, habe ich den Eindruck. Lieber würde sie für mich einkaufen gehen, wenn sie mich damit irgendwie schützen könnte.
„Mama, ich geh doch auch arbeiten, und da ist bisher alles ruhig.“ Und genau das bereitet mir ein ungutes Gefühl. Weil schon bei uns Kittel, Masken und Co. zur Neige gehen. Schwester Heide näht tapfer im Akkord und bringt jeden Tag einen neuen Schwung mit. So habe ich auch endlich eine für mich und sie.
Nachdenklich hielt sie sie in Händen. „Vielleicht versuche ich mich auch mal am Nähen. War nie meins. Aber wenn ich sonst schon nicht helfen darf … Alte Bettwäsche, sagst du?“
Ich nickte und hätte ihr gerne etwas aufmunterndes gesagt. Sie wirkte so niedergeschlagen. Natürlich fragte sie nach den Patenkindern, und wie gerne hätte ich sie damit überrascht, dass es ihre Enkel sind, damit sie sich auf etwas freuen kann, wenn sie sie irgendwann sieht. Aber wie soll das denn gehen? Also schwiegen wir einander an. Es blieb bei wenigen Worten über das pragmatische.
Aber sie ist beeindruckt, dass ich das mit den Kippen tatsächlich durchhalte. Es sei die Hölle sage ich.
„Hast du es mit Nikotinpflastern oder -kaugummis probiert?“ Oh, ich Volltrottel.

Fotos von Pflegepersonal aus Korea – es sieht überall genauso aus. Die Welt rückt irgendwie näher zusammen, könnte man meinen. Wie sich die Bilder gleichen. Wir werden uns bald in der Straßenbahn gegenseitig daran erkennen.

© Jens Prausnitz 2023

#Belletristik #Bücherbubble #Buchtipp #GeschenkterGaul #Kapitel #Leseprobe #Lesestoff #Literatur

https://generation89.de/2024/15-03-20/

14.02.20

Im Treppenhaus ist mir jemand von oben entgegen gekommen, als ich gerade die Tür aufsperrte. Der Haarschnitt erinnerte mich verdächtig an meinen unter der Mütze – ob er das vielleicht war? Manfred? Dann war er schon an mir vorbei, aber guckte nach der Drehung auf dem nächsten Treppenabsatz kurz zu mir zurück und lächelte! Das nächste Mal spreche ich ihn einfach an. So, das ist jetzt beschlossene Sache.

In der Klinik drehte sich heute alles um die Frage nach dem Betriebsfasching in einer Woche. Ich dachte, ich höre nicht richtig. Da steht eine mögliche Pandemie vor der Haustür, und wir rufen „Wolle mer de reinlasse“? Als medizinisches Personal? Ich versteh’s nicht.
Ja, auch mir würde jetzt jede Ablenkung gut tun, aber die gibt es doch auch anderswo, ohne sich selbst oder seine Mitmenschen in Gefahr zu bringen. Nur weil wir noch wenig über das Virus wissen, steckt es uns doch trotzdem an, wenn sich ihm die Gelegenheit dazu bietet.
„Spielverderber“ nennen sie mich. „Mit den Haaren wohl auch den Rock’n’Roller abgeschnitten“ und „als nächstes hört er wohl mit dem Rauchen auf.“
„Tröt“, sage ich und ging zurück an die Arbeit. „Die Lufthansa fliegt ja auch nicht mehr nach China.“
Die Nazis in Thüringen, alles kein Thema, nicht mal am Rande, würde nur allen die Stimmung vermiesen, genau wie ich. Für einen Mottowagen kommt es auch zu spät. Ein fahrender Cartoon-Strip für vormittags Angetrunkene, die sich mit Süßigkeiten bewerfen lassen. Weil die Kinder noch keinen Alkohol saufen dürfen. Aber wehe sie gehen freitags demonstrieren, als gäbe es für die Narren unter der Woche frei. Möchte nicht wissen, wie viele da zufällig krank feiern. Wird wahrscheinlich in keinem Jahr je wieder so richtig sein, wie in diesem (krummer Satz).
Montags demonstrierende „besorgte Bürger“ sind ebenfalls etwas komplett anderes. „Besorgte Bürger“, das klingt so viel freundlicher als Nazis. Es sind verdächtig ähnliche Parolen, die gebrüllt werden, hier und da auch mal wieder mit Fackeln dabei, aber es beim rechten Namen zu nennen lässt einen ja wie die Bösen dastehen, da will man nicht dran erinnert werden.
In der Schule hieß es schon damals von einigen: „Wir können es nicht mehr hören! Immer wieder die Nazis.“ Und so ist es auch gekommen, nicht wahr? Die sind heute auch nicht gegen die Antifa wegen dem Anti darin, sondern weil sie den Faschismus nicht mehr als Gegner heraushören. Wahrscheinlich halten sie das Fa für Duschgel. Was haben diese Linksgrünversifften eigentlich gegen Seife? Aber stimmt schon, die sehen manchmal ein wenig ungepflegt aus, ha ha ha.

Vielleicht war es ein Fehler in der Schule den Fokus auf die Monstrositäten zu richten, es von der Endlösung her zu denken, den Vernichtungslagern. Das kann niemand fassen. Wir haben das Pferd von hinten aufgezäumt und dann tritt es einen in den Bauch. Niemand hat versucht uns zu erklären, wieso unsere Großväter und Großmütter dort mitgelaufen sind. Die Bilder muss man irgendwie zusammenbringen können, die Süßigkeitenspender und die Gaskammern.
Erst beim Quellenstudium in der 10. Klasse bekam man eine Ahnung. Da haben wir vergilbte Seiten aus den Archiven gelesen, Zeitungsartikel, und da war endlich eine Nummer kleiner, auf nachvollziehbare Größe geschrumpft. Alles ein bisschen langweilig, wie die Tagespolitik heute auch. Mahnende Stimmen gab es früher ja auch, nur hielt man die genauso für übertrieben und überspitzt, wie heute.
Das Wegsehen und nicht mehr hören können muss aber noch früher begonnen haben, und an die Wurzel des Übels hat sich niemand heran gewagt, weil es bis in jede Familie reicht, selbst wenn sie nur im richtigen Moment weggesehen haben. Allerdings mindestens 12 Jahre lang. „Heute habt ihr als Hausaufgabe, dass ihr euch von den Großeltern erzählen lasst, wann sie das erste Mal einen Juden abfällig angesehen haben.“ Das hat kein Lehrer gewagt. Aber da ist sie, die Wurzel. Eine Wurzel. Und die Großeltern hätten ihre Großeltern fragen müssen, warum … uns so weiter, und es werden auch dann immer „die anderen“ gewesen sein, die Hexen verbrannt haben. Denunziert haben sie sich bestimmt selber. Das haben sie in ihren Geständnissen ja selbst bestätigt, und wer wolle da heute widersprechen?
Wenn man diesen Nachbarschaftsneid, wenn man die Gier und Missgunst begreift, die man durch eine einfache Denunziation an der richtigen Stelle – Inquisitor hier, Gestapo da – aus der Welt schaffen kann, und deren Nachlass man dann obendrein günstig ersteigern kann, etwa unter Parteibuchträgern mit Vorkaufsrecht weit unter Wert, dann hat man sich das doch auch ein bisschen verdient, oder nicht? Diese Woche sollt ihr als Hausaufgabe fragen, wo wir diese tollen, alten Möbel eigentlich her haben. Seit wann genau sind die in Familienbesitz? Also unserem? Sowas kostet heute ein Vermögen, also früher noch viel mehr, aber da waren wir doch angeblich viel ärmer? Gebt euch nicht mit „Ach, da gab es diese Wohnungsauflösung in der Straße …“ als Antwort zufrieden, denn beim einen oder anderen werden dort früher mal Juden gelebt haben. Bei alten Möbeln läuft es mir kalt den Rücken runter. IKEA mag ja hässlich sein, aber für mein Gewissen deutlich besser. Wenn es nicht gerade die sind, die in der DDR für den Westen zusammengeschraubt wurden.

Wir haben ihnen echt so viel zu verdanken, den Nazis. Wären sie nicht gewesen, würden wir nicht noch bis heute Fliegerbomben ausbuddeln, die die Alliierten über uns ausgestreut haben, wie Süßigkeiten. Man wünschte sich beinahe, dass sie heute ihre Arbeit von damals wieder aufnehmen würden, und die rechten Blindgänger entschärfen würden.

Halt, es gibt doch eine Sache, die ich Nazis zu verdanken habe: ohne ihre Hilfe hätte ich Daniel wohl nie kennengelernt. Er und seine Eltern waren damals nur knapp dem Oktoberfestattentat in München entgangen. Sie hatten den Knall noch auf dem Weg in die U-Bahn gehört, auf der anderen Seite der Wiesn, so hat er es mir erzählt. Deswegen sind sie von dort weg gezogen. Das war zwar nicht der alleinige Grund gewesen, aber was wohl den finalen Ausschlag gab.
Wir lernten uns erst am Gymnasium kennen, weil er erst auf die Alkofener Grundschule ging, und leider nicht an die Ritter Tuschl in Vilshofen, wie ich. Sein Vater hatte dort in der Nähe seine erste Stelle, glaube ich – ach, ist ja auch egal jetzt.
Habe kurz überlegt, ob ich Picknick am Valentinstag anschaue, aus irgendeinem Grund habe ich seit einer Weile Lust den mal wieder anzuschauen. Alle paar Jahre geht mir das so. An den Panflötenklängen liegt es sicher nicht, die mochte ich nie, obwohl sie in diesem einen Fall irgendwie in den australischen Busch passten. Vielleicht ist es wegen Walentyna? Wobei, das ist genau wie Birdy auch kein Film, den ich gerade mit ihr gucken möchte. Sonst glaubt sie womöglich, ich würde sie spurlos verschwinden lassen wollen. Trotzdem zieht mich etwas zu ihm hin, als könnte ich jetzt mehr verstehen, als die letzten Male. Ich habe ihn als perfekt in Erinnerung, obwohl er ja so wirkt, als hätte ich mal wieder vergessen das Ende mit aufzunehmen. War wahrscheinlich auch so, aber dann muss ich mich eventuell bei Mutter entschuldigen, denn auf der DVD hört er genauso auf.

Jetzt, wo ich darüber nachdenke, könnte das heute morgen genauso gut einer der Partygäste gewesen sein, den ich nicht gleich wiedererkannt habe, aber dem dafür umgekehrt das Ergebnis auf meinem Kopf gefallen hatte.

© Jens Prausnitz 2023

#Belletristik #Bücherbubble #Buchtipp #GeschenkterGaul #Kapitel #Leseprobe #Lesestoff #Literatur

https://generation89.de/2024/14-02-20/

Das mit der diversen Autor*innenschaft ist vielleicht ein kühne Behauptung, weil ich nicht soo viel aus dem Verlag habe. Aber was hier vor mir liegt: der #FusionText ("Ich war auf der Fusion, und alles, was ich bekam, war ein blutiges Herz") von #HengamehYaghoobifarah .

Und das ist ja schon ein #Klassiker.

Und zwar nicht von einem weißen Dude, also genau das, wovon wir mehr brauchen.

#Vielfalt #Lesen #Bookstodon #BücherBubble #NeueKlassiker

Hab mir gestern einen Tag in den Carolus Thermen gegönnt. Das ist deutlich angenehmerer Schweiß, als nach einem Albtraum. Ob die das als Werbespruch für sich benutzen würden, bezweifle ich allerdings. So entspannend das war, warum fühlt sich so ein Wellness-Tag für mich nach Parallelgesellschaft an? Als würde ich dort nicht hingehören. Bin ja eh nur Besucher. Vielleicht liegt es an den Säulen, dann denke ich an römische Senatoren, die einander hinterrücks erdolchen, und ich bin halt nur eher der Typ Sklave, der erst die Trauben vorbeibringt, dann das Blut in der Sauna aufwischt und sich kurz selber hinsetzt, weil grad keiner guckt. Nichtsdestotrotz bin ich jetzt entspannter.
Oder war ich, bis ich die ersten Schlagzeilen aufgeschnappt habe: Laut WWF sind bis jetzt über eine Milliarde Tiere in den Feuern in Australien gestorben. Viele gleich im Feuer, andere danach verhungert, weil es nichts mehr zu fressen gab. Nein, auch nicht gegrillt, ha ha.
Auch das eine Parallelwelt. Das passt doch alles nicht zusammen! Ich kann es nacheinander im gleichen Kopf denken, aber keine Handlung für mich daraus ableiten. Spenden, wählen gehen, demonstrieren … all das reicht offensichtlich nicht. Und jetzt? Bin ich wieder verspannt.

Mit Mutter telefoniert. Ich soll sie morgen nach der Arbeit abholen kommen.
Eine. Milliarde.
Nein, nicht Ameisen oder Insekten, sondern Koalas, Kängurus, Wombats und andere Fledermäuse. Das geht mir nicht in den Kopf. Die Aufnahmen der verletzten wilden Tiere, die sich bereitwillig von Menschen anfassen und helfen lassen, zerreißen einen. Wobei das aus Sicht der Tiere vielleicht eine „jetzt ist’s eh schon wurscht“ Haltung ist. Aber mein Bauchgefühl sagt mir, dass es ein „wir sitzen alle im gleichen Boot“ Gedanke ist, der hierhin gehört. Die Arche brennt. Kann das mal jemanden den Christen stecken?
Ich möchte auf etwas einprügeln und hole die Drumsticks heraus, die ich zu Weihnachten bekommen habe. Irgendwo müsste noch mein Übungspad im Schrank sein, aber ich kann es nicht finden. Darum habe ich in Kissen gekloppt, die wenig überraschend jeden Rebound vermissen lassen. Auf dem Tisch hätte ich den zwar, aber dann auch garantiert viele kleine Dellen drin. Das hätte mir früher nichts ausgemacht, aber jetzt hält mich doch etwas zurück. Was noch schlimmer ist: selbst für Kissen bin ich zu sehr außer Form, physisch wie rhythmisch.
Für das Tablet gibt es eine App, wo man dann mit den Fingern trommelt. Ernsthaft jetzt? Und da dann mit dem großen Zeh die Bassdrum spielen, oder was? Das ist doch albern. Ich will alles aus mir rauslassen, und dann überkreuze ich verkrampft die Finger – fast so, als würde ich darauf warten Handschellen angelegt zu bekommen.
Seit ich bei Lukas war, fehlt mir da etwas. Habe sogar damit angefangen mir Schlagzeug-Videos anzusehen, nur um dann nicht selber proben zu können, obwohl es mir in den Gliedern juckt. Wo sollte ich auch mein Set hinstellen? Oder nur dafür einen Proberaum mieten? So weit ist es dann doch noch nicht.

Die Zwillinge haben durchgebimmelt. Eigentlich nur Dennis, aber man hat trotzdem immer das Gefühl, dass Clara nicht weit ist. Oder umgekehrt. Als wüssten sie immer genau wo der andere gerade ist.
„Wo steckt denn Clara?“, wollte ich wissen.
„Keine Ahnung. Wahrscheinlich wieder im Kino mit Mario.“
„Du klingst gar nicht mehr so ablehnend“, stellte ich vorsichtig fest. „Was bleibt mir denn auch anderes übrig? Alle haben ihn über die
Feiertage ins Herz geschlossen, Mama auch. Und sogar Papa.“ Dennis seufzte und fügte kleinlaut hinzu: „Selbst ich. Brauchst gar nicht so zu grinsen!“
„Entschuldige.“ Ich konnte nicht anders. Es ging also auch anders. Haben wir doch etwas aus den Fehlern unserer Eltern gelernt? Nadine und Daniel auf jeden Fall. Sie legten den frisch Verliebten keine Steine in den Weg, ja sie luden Mario in ihr Zuhause ein, und selbst Dennis ist der lebende Beweis, dass jeder Groll mit der Zeit verschwindet. „Warum funkst du mich eigentlich an?“
„Ich wollte mich noch für den Gutschein bedanken …“
„Ja, ja, kein Problem. War ein bisschen aus der Verlegenheit heraus, dass ich nicht wusste welche Spiele gerade angesagt sind. Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, ob du überhaupt noch zockst.“
„Über die Feiertage schon, ich bin widerwillig Dirt Rally 2.0 gefahren.“
„Wieso widerwillig?“
„Lach bitte nicht, aber um mir von Mario nicht meine Echtzeit- Strategie Spiele madig machen zu lassen. Er meint die hätten nichts mit richtiger Politik und der echten Welt zu tun.“
„Gibt es denn kein Spiel, in dem man in der überfüllten S-Bahn sitzt und versucht ein Buch zu lesen? Und dann darf man irgendwann Fernzüge benutzen?“
„Sehr witzig“, sagte Dennis müde. „Er kann viel besser über alles reden, und ich mag mich nicht streiten. Darum spiele ich lieber heimlich.“
„Und dann bist du vom vielen Autofahren schon zu müde?“
„Ja. Ich vermisse es sogar ein bisschen aus den Open-World- Ballerspielen rausgewachsen zu sein.“
„Tut mir leid.“
„Ich glaube, ich bin deswegen ein bisschen gekränkt“, gestand Dennis. „Weil so einfach sind die wirklich nicht. Man muss alles in Balance halten, wenn man nicht mit Gewalt durchgreifen will, was auch nur reicht, bis man gewonnen hat – aber wie ginge das Leben hinterher weiter? Verstehst du, was ich meine?“
„Du musst dich nicht dafür rechtfertigen was dir gefällt. Lass ihn reden.“
„Wenn das nur so einfach wäre …“ Er schnaubte. „Weißt du, das ist immer so ein bisschen von oben herab, weil er älter ist.“
„Du meinst das wäre wegen der vier Minuten, die Clara vor dir auf die Welt gekommen ist?“
„Nein, das ist es nicht.“
„Das renkt sich schon noch ein“, ermunterte ich ihn.

„Wahrscheinlich ist er deinetwegen nur nervös, weil du deine Schwester auf eine Art und Weise kennst, die er nie verstehen wird. Vielleicht merkt er nicht einmal, dass er das kompensiert, indem er dir Dinge madig macht.“
„Danke, Smörre“, sagte Dennis. „Da ist aber noch was. Weißt du, Clara macht seit sie Mario kennengelernt hat Fotos von sich vor dem Spiegel wie sie auf ihr Telefon guckt.“
„Du meinst Selfies?“
„Nein, da würde sie in die Kamera schauen. Sie fotografiert ihr Spiegelbild. Von weiter weg, verstehst du? Dass man mehr von ihr sieht? Sie kontrolliert wie ihr Körper aussieht, in welcher Pose.“
Das war mir in der Klinik auch schon begegnet, wenn auch nicht als Krankheitsbild, sondern als übliches Verhalten von Mädchen in dem Alter. Ich dachte zuerst, das sei heute besser als früher, als sie ihr Spiegelbild noch ohne Telefon studiert haben, weil die Bildschirme so klein sind, aber die zoomen dann herum und sehen nur noch Problemzonen. Die Filter machen es noch schlimmer. Und es bleibt nicht mehr im eigenen Kinderzimmer, sondern die Meinung der halben Welt wird eingeholt. Was für eine Pest.
„Niemand geht mit Bilder aus“, sagte ich zu Dennis. „Eine Frau ist schön, wenn sie sich in ihrem Körper wohl fühlt. Da gibt es keine Problemzone mehr, sondern nur noch Amazone.“
„Das gefällt mir – darf ich dich zitieren?“
„Nur zu. So wie du deine Schwester anguckt und sie dich, so müssen das auch alle anderen tun und aushalten. Wenn nicht, sind sie eh nicht die Richtigen für euch.“

Das erinnert mich daran, als die Zwillinge gerade in den Kindergarten gekommen waren, und wir zu Hause zum ersten Mal gemeinsam Pizza backen wollten. Weil sie sich auf keinen Belag einigen konnten, durften beide ihre eigene nach Lust und Laune belegen. Während sich die Nebelschwaden aus Mehl in der Küche langsam wieder legten, wurden sie endlich ruhiger, aber Dennis schien etwas auf der Seele zu liegen. Man konnte es ihm ansehen.
„Soll ich doch noch Salamischeiben abschneiden?“ Bot ich ihm an. Dennis presste die Lippen fester aufeinander und schüttelte den Kopf.
„Er isst keine Salami mehr, seit er weiß, dass dafür Tiere sterben müssen“, erklärte Clara für ihren Bruder.
„Ah, ok. Gibt ja auch genug andere leckere Sachen, die man auf die Piz…“
„Es geht überhaupt nicht um die Pizza, sondern um Gesine! Die ist doof! Und häßlich!“
„Dennis, wie fändest du es, wenn jemand so über deine Schwester reden würde?“
Clara sah auf und ihren Bruder betreten an.
„Da weiß ich ja, dass es nicht stimmt, aber Gesine ist doof. Und wie sie dann immer guckt, da werde ich wütend.“
„Stimmt das?“, fragte ich Clara.
„Ich hab nicht mit ihr gespielt.“
„Das tut eigentlich eh nichts zur Sache“, sagte ich kopfschüttelnd und fuhr fort, „weil … also hast du das überhaupt laut gesagt? Also im Kindergarten?“
„Weiß nicht.“

Ich sah Clara an, deren Blick zwischen mir und Dennis hin und her ging, dann nickte sie kaum wahrnehmbar.
„Das hast du gehört? Ihr wart doch draußen!“
„Du warst so laut …“
„Ok, dann möchte ich, dass du dich morgen bei ihr entschuldigst“, sagte ich mit so viel Autorität, wie ich aufbringen konnte.
„Was? Wieso denn? Sie hat doch gemogelt, und zu früh mit dem Suchen angefangen.“
„Aha, ihr habt also Verstecken gespielt?“
„Ja.“
„Und die anderen haben sich schneller verstecken können, als du?“ „Vielleicht.“
„Woher weißt du denn, dass sie gemogelt hat?“
„Weil ich’s gesehen hab. Als ich ein anderes Versteck suchen musste.
Sie hat durch ihre Finger geguckt. So.“ Dennis machte es vor und fächerte seine mehlgepuderte Hand vor dem Gesicht auf.
„Verstehe. Aber was du nicht verstehst ist, dass Mädchen ein Gedächtnis wie Elefanten haben. Sie vergessen nichts, was jemals zu ihnen gesagt worden ist. Auch wenn es nur ein Spiel war.“
„Sie ist aber trotzdem häßlich! Und Martin sagt das auch!“
„Dennis, dir gefällt nur Gwen von Ben 10“, stellte ich fest. „Und die ist nicht mal echt.“
„Stimmt nicht!“
„Doch“, widersprach Clara.
„Clara, das war ein Geheimnis!“
„Das war noch nie ein Geheimnis, das sieht man dir an. Aber glaubst du, dass das so bleibt? Das du nur Zeichentrickmädchen magst? Wenn ihr größer seid, dann erkennt ihr euch kaum wieder. Dein Geschmack ändert sich, genau wie bei der Salami.“
„Ich will Gesine nicht auf meiner Pizza!“
„Das … so habe ich das nicht … was ich sagen wollte ist, dass sie in ein paar Jahren das schönste Mädel der Klasse sein kann, und du dich dann für Mädchen interessierst.“
„Das passiert nie! Versprochen!“, sagte Dennis mit großer Erleichterung in der Stimme.

„Und was wenn doch? Klar, du kannst dir das jetzt nicht vorstellen, aber deswegen kann es trotzdem so kommen. Das ist wie mit Windpocken. Die willst du auch nicht haben und kriegst sie trotzdem. Und wenn du dann auch andere Mädchen als deine Schwester toll findest, aus … Gründen, dann werden dir deine heutigen Worte morgen auf die Füße fallen.“
„Als wäre ein Elefant darauf getreten?“, fragte Dennis verunsichert. „So ähnlich.“
Dennis guckte nachdenklich zu seiner Schwester. „Wenn dich einer doof oder häßlich nennt, hau’ ich ihm auf die Nase.“ „Ich weiß“, sagte Clara.
„Aber du würdest es trotzdem nicht vergessen?“ „Weiß ich nicht. Es würde weh tun.“
Dennis sah mich an. „Du meinst, das hat Gesine weh getan?“ „Bestimmt. Oder hat dich ihr Bruder verhauen?“
„Die hat keinen, sie … oh.“
Jetzt war der Groschen gefallen.
„Das wollte ich nicht.“ Dennis ließ die Schultern hängen. „Ich guck sogar selber heimlich durch die Finger, wenn ich dran bin. Aber nur ein bisschen.“
„Das ist also gar nicht so doof, oder?“
Dennis schüttelte den Kopf.
„Und Martin?“
„Ach der sagt zu allen, dass sie häßlich sind. Weil er sich immer im gleichen Schrank versteckt.“
Wir lachten und holten die erste fertige Pizza aus dem Ofen.
Am nächsten Tag holte ich die beiden wieder vom Kindergarten ab. Dennis war eingeschnappt. „Weißt du was? Mädchen sind doof!“
„Was ist denn passiert?“
„Ich hab mich bei Gesine entschuldigt.“
„Und dann?“
„Dann hat sie gesagt, ich sei noch blöder als Martin!“
„Autsch.“ Ich konnte mir das Grinsen kaum verkneifen.
„Das ist überhaupt nicht lustig! Ich rede kein Wort mehr mit ihr! Nie!“
In gewisser Weise behielt er damit sogar recht, lag aber doch falsch.
Nadja erzählte Wochen später am Telefon, dass Dennis mit einem Mädchen beim Doktor spielen erwischt worden sei.
„Was? Im Kindergarten?“
„Ja“, bestätigte Nadja. „Sie haben sich im gleichen Schrank versteckt.“
„Heißt das Mädchen zufällig Gesine?“
„Doch, wieso … woher weißt du das?“

„Ach, ich hatte so eine Ahnung.“ Dann erzählte ich ihr die Vorgeschichte und musste dabei viele Pausen machen, weil Nadja Tränen lachte.
„Da kommt er nach mir“, meinte sie am Ende und ich war froh, dass sie nicht sehen konnte, wie ich rot wurde.
Zu der Zeit hatte Nadja wieder damit begonnen in einem Hostel auszuhelfen. Zunächst nur in Teilzeit, später fest. Sie liebte von Anfang an den Kontakt mit Menschen aus aller Welt, in erster Linie junge Menschen, die sie an sich selbst und Daniel erinnerten, wie sie 1990 in Berlin angekommen waren, mittel- und planlos, in Wohncontainern. Die genossen heute eine ungekannte Freiheit, fühlten sich überall sicher, suchten sich vergeblich auf Selbstfindungsreisen, von naiv bis abgebrüht, von bekloppt zu genial war alles dabei. Sie arbeitete an der Rezeption und wurde so oft gefragt was man in Berlin ansehen sollte, wie man hierhin oder dorthin kam, dass sie anfing davon genervt zu sein, und manche absichtlich in die falsche Richtung schickte.
Am liebsten waren ihr die gewesen, die selbst nicht wussten, was sie ansehen sollten, die vom Angebot und der Größe der Stadt überfordert waren. Denen war sie gerne ein Kompass, schickte sie in ein Museum oder eine Bibliothek – Hauptsache an einen Ort, wo sie zunächst mal mehr in sich selbst hinein horchen konnten.
Dabei hörte sie selbst immer besser zu, was die Neuankömmlinge erzählten, wo sie herkamen, welche Sprachen sie wie gut beherrschten, welche Lieder sie sangen, sah manchen bereits an ihrem Gepäck an, wie sie tickten, und entwickelte ein intuitives Gespür dafür, was sie erleben sollten. Es sei wie nach einem fehlenden Puzzlestück zu suchen, das von der Tischkante gerutscht war, beschrieb Nadja ihre Einstellung. Noch vermisste es niemand, so sehr am Anfang der Motivsuche standen viele. Ein Puzzle ohne Schachtel, ohne Bild, das einen anleitet, ohne gucken. Was Nadja ihnen gab, war ein Stück vom Rahmen, eine Kante, an der sie sich stoßen würden, wo es für sie nicht weiter ging. Eine Perspektive, etwas wogegen man mit dem Rücken gelehnt stehen konnte, und einen Überblick auf das bekam, auf das man in seinem Leben Einfluss hatte. Je mehr sich dann vor einem ein Bild formte, desto mehr löste man sich von der Wand hinter sich, ja stieß dieses Puzzlestück selbst wieder ein zweites Mal vom Tisch, und konnte sich mit genug Erfahrung nun auch in die Richtung ausdehnen, wo es zuvor nicht weitergegangen war.
Manche Gäste hatten sich über Nadja beschwert, andere sich überschwänglich bedankt, so dass die Geschäftsleitung nicht so recht wusste, was sie von diesem Feedback halten sollten, beschäftigten sie aber weiter. Das war ihr Glück, denn Nadja wurde mit der Zeit immer besser, in dem was sie tat, und als dann die ersten Gäste kamen, die aufgrund der Empfehlung anderer ihretwegen dort abstiegen, obwohl es billigere Hostels in der Stadt gab, bot man ihr eine Vollzeitstelle an.
„Für mich ist das wie der Weltraumbahnhof, auf den ich immer wollte. Aber nicht um Kosmonautin zu sein, nicht um selbst zu den Sternen zu reisen, oder um deren Reisen vom Boden aus zu betreuen, sondern … ich weiß nicht, wie ich es sagen soll – die Karte, das Navigationssystem, die Versorgungskapsel?“
„Die Gäste offenbaren dir ihre geheimsten Lichter, und du eröffnest ihnen Räume, in die nur sie hinein scheinen können. Du bist ihr Leitstern. Wie für Seefahrer auf dem Meer, die die Orientierung verloren haben, lichten sich die Wolken und weist ihnen den Weg.“
Trotzdem hatte Nadja ihr Studium beendet, aber sich dagegen entschieden dort eine Karriere anzustreben. Daniel war erst nicht so begeistert gewesen, aber andererseits verdienten beide jetzt auch ohne Studium gut genug, um sich über die Runden zu bringen. Über die Jahre musste ich auch immer seltener einspringen, und die Besuche verlagerten sich wie von selbst mehr in die Richtung der Schulferien. So haben wir zu dritt die Carearbeit bestritten, und ich kann noch immer nicht glauben, dass sie bald volljährig sind.

© Jens Prausnitz 2023

https://generation89.de/2024/08-01-20/

#Belletristik #Bücherbubble #Buchtipp #GeschenkterGaul #Kapitel #Leseprobe #Lesestoff #Literatur

08.01.20 – Generation '89