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Sinn und Form ist vor einigen Tagen angekommen, nicht nur die aktuelle Ausgabe, sondern zusätzlich eine aus dem Jahr 2013. Als hätte derjenige, der den Versand für mich vorbereitet hat, genau gewusst, warum ich jetzt doch wieder ein Abo für ein Jahr abgeschlossen habe, welcher Beitrag ausschlaggebend dafür gewesen ist, welchen ich jedenfalls mit dem allergrößten Interesse gelesen habe. Denn auch dieses Heft, das vor 13 Jahren erschienen ist, beinhaltet ein Interview mit Péter Nádas. (Ich erinnere mich, wie er, es war noch bevor die Übersetzung der Parallelgeschichten ins Deutsche abgeschlossen war, mit seiner Übersetzerin Christina Viragh in Bielefeld war. Und zwar nicht auf der großen Bühne, sondern in einem recht kleinen Raum. Ich erinnere mich wie freundlich und interessiert er gewesen ist. Und wie unbegreiflich ich es bis heute finde, dass das Publikum aus vielleicht 30 Menschen bestand. Freundlich, aber sichtlich irritiert, fragte Nádas an diesem Abend: Sind das alle?) Das ältere Interview gefällt mir besser, es ist umfangreicher. Jörg Magenau, der es damals mit Péter Nádas führte, fragt häufig nach, während das aktuelle Interview, von Ralph Schock geführt, bestimmte Themen abarbeitet, aber seltsamerweise nie nachfragt, wenn Nádas Themen anreißt, die – zumindest ich – sehr gerne weiter ausgeführt lesen würde. (beim erneuten Lesen stelle ich fest, dass das so nicht stimmt. Es war ein Thema, das nicht wieder aufgegriffen wurde von Schock, nämlich der Holocaust. Und das ist vermutlich bezeichnend. Immer noch). Aber vielleicht hat er nachgefragt und das Interview ist sehr viel umfangreicher (was wahrscheinlich ist) und es wurde dann redaktionell entschieden, was wegfällt, und was gedruckt wird. In beiden Interviews erzählt Nádas wie er sich mit dem Buch der Erinnerungen aus der Depression geschrieben hat, wie er andererseits dieses Buch nie hätte beenden können, wenn er nicht parallel dazu bereits an den Parallelgeschichten gearbeitet hätte.

Es ist ein Zufall, dennoch erscheint es logisch und konsequent, dass als Lesezeichen (in beiden Interviews spricht Nádas vom Chaos) ein Zettel mit dem Wort „orientierungslos“ dient.

Was mich immer noch stört, an dieser im Grunde wunderbaren Zeitschrift, ist der Männerüberhang, daran hat sich leider im Laufe der Jahrzehnte kaum etwas geändert. (Ich habe nachgesehen; es hat sich doch etwas geändert, in der Ausgabe von 2013 waren zwei Frauen vertreten, mittlerweile beträgt der Frauenanteil ungefähr ein Drittel) Immer wieder ist das der Grund, warum ich sie nicht länger abonniere. Immer wieder stehen dann aber Beiträge darin, die so wertvoll sind, dass ich sie doch wieder abonniere. In der aktuellen Ausgabe neben dem Interview mit Nádas, das gewissermaßen erweitert wird durch den Beitrag von Zsófia Bán, die ebenfalls viel von Nádas erzählt, ziemlich erschütternde Details, wie z.B. das, dass Nádas Vater seine Kinder ursprünglich ebenfalls erschießen wollte, bevor er sich dann doch entschied allein aus dem Leben zu gehen.

#ChristinaViragh #PéterNádas #SinnUndForm
SINN UND FORM – Beiträge zur Literatur

Literatur- und Kulturzeitschrift für Prosa, Gedichte, Gespräche, literarische, philosophische und theologische Essays.

Marc Degens: Im Lapidarium

Herr Geiser »geht mit Marc Degens mit, in Selfie ohne Selbst, durch Freundschaft und Verrat, Treue, Milde, Wut«.

Marc Degens: Öffentlicher Dienst
Ein Geburtstagskind im Mai: Johannes R. Becher - Biografie

Wenn ein Kind eines Amtsrichters zur Sprache findet, kann das eine Flucht sein – oder eine Anklage. Johannes R. Becher, geboren am 22. Mai 1891 in München, entschied sich früh für beides. In ihm stritten Autorität und Aufbegehren, Gehorsam und Gestaltungswille. Dass er literarisch früh an Heinrich von Kleist Maß nahm, ist mehr als eine ästhetische Entscheidung – es war eine Seelenverwandtschaft. Wie Kleist suchte Becher den Punkt, an dem Denken und Fühlen in der Sprache explodieren. ...

Lesering.de

"Daß alle diese Leute, die Lebenden wie die Toten, keine Gelegenheit hatten, gesehen zu werden, daß das Leben ihnen keine Chance ließ, zu bleiben, erinnert zu werden, im Licht zu stehen, daß ihr Normalsein sie dem schlichten menschlichen Interesse entzog, schien mir ungerecht. Man musste von ihnen und für sie sprechen..."

Maria Stepanowa

Zitiert nach Sinn und Form, 2024/2, S.275

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Neu im Blog: Berliner Straße – Begegnung mit Uwe Timm

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Beglückwünschen wir uns doch zum 75. Jubiläum von #sinnundform !

I do love getting contributor copies... here's the latest issue of Sinn und Form, which contains three of my self-translations:

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