Hier galtâs der Kunst und nicht dem Skandal: RĂŒckblick auf die Bayreuther Festspiele 2025
Phillip Richter
Die diesjĂ€hrigen Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth sind so harmonisch wie schon lange nicht zu Ende gegangen. Die Zeiten der groĂen Skandale wie etwa dem umstrittenen Hakenkreuz-Tattoo von Evgeny Nikitin, dem HitlergruĂ von Jonathan Meese oder FĂŒhrer-Diskussionen im Libretto des Lohengrins scheinen vorĂŒber zu sein. Auch eine mit fadenscheinigen BegrĂŒndungen absagende Primadonna sowie pikiert vom GrĂŒnen HĂŒgel abreisende Dirigenten hat es im Sommer 2025 nicht gegeben. Selbst die Neuinszenierungspremiere der Meistersinger von NĂŒrnberg wusste kaum anzuecken und wurde wohlwollend bis enthusiastisch bei den Wagnerianern aufgenommen. Redakteur Phillip Richter von DAS OPERNMAGAZIN wagt einen RĂŒckblick auf einen friedlichen Festspielsommer voller gesanglicher StĂ€rken und einen Ausblick auf das 150-jĂ€hrige FestivaljubilĂ€um im Jahr 2026. [âŠ]
Bayreuther Festspiele: Eine âWalkĂŒreâ auf Irrwegen
Elena Deinhammer
[caption id="attachment_30928" align="alignleft" width="200"] Bayreuther Festspiele 2025/DIE WALKĂRE/Michael Spyres, Jennifer Holloway, Kinderstatisterie derBayreuther Festspiele/Foto © Bayreuther Festspiele/Enrico Nawrath[/caption]
Einer der GrĂŒnde, warum âDer Ring des Nibelungenâ auch inhaltlich fĂŒr anhaltende Faszination sorgt, ist wohl die Tatsache, dass es sich trotz oder vielmehr gerade wegen der allzu menschlichen Götter und Gestalten um âein Drama der Gegenwart und nicht eines aus ferner und sagenhafter Vorzeitâ handelt. Wie viele Mythen vermag es auch Wagners Tetralogie, im Gewand einer sagenhaften Geschichte von grundlegenden gesellschaftlichen Dynamiken und (zwischen)menschlichen Problemen zu erzĂ€hlen, sodass ihr Kern in jeder Gegenwart von Bedeutung, somit ĂŒberzeitlich, zeitlos ist. Diese Aussagekraft des âRingsâ, auch seine vielfĂ€ltige Symbolhaftigkeit sind fĂŒr Regisseure ein Paradies, in dem man sich inhaltlich wie gestalterisch austoben kann. Ob man die Handlung des âRingsâ als Kapitalismuskritik im Sinne der Revolution verstehen will, wie es Bernard Shaw, Autor der zitierten Zeile, bereits vor ĂŒber hundert Jahren tat, Aspekte der Naturausbeutung hervorhebt, den Fokus auf die problematische Familienkonstellation legt oder die zwischenmenschlichen Beziehungen und Bestrebungen auf elementarste Weise in den Vordergrund rĂŒckt â all dies, und vieles mehr, ermöglicht einem der schier unendliche Reichtum, den der âRingâ in sich birgt. Regisseur Valentin Schwarz hatte, wie er selbst schreibt, die Intention, ausgetretene Wege zu verlassen und Neues im Dickicht zu entdecken. Auch im vierten Jahr seiner Bayreuther Inszenierung gelangt man jedoch zu dem Eindruck, er habe nicht nur bekannte Wege innerhalb der Tetralogie, sondern den gesamten Wald verlassen und neue StraĂen gepflastert, die sich zwar gelegentlich kreuzen, letztlich aber immer weiter auseinander und von dem, was Wagner sich hier in höchster KomplexitĂ€t erdachte, wegfĂŒhren. Dass es jedoch gerade lohnend sein kann, bekannte Wege feinfĂŒhlig neu zu entdecken, zeigte hingegen Simone Young, die gemeinsam mit der ĂŒberzeugenden Besetzung trotz Irrwegen und Sackgassen der Regie fĂŒr eine musikalisch höchst bewegende âWalkĂŒreâ sorgte. (Rezension der besuchten Vorstellung v. 16. August 2025)
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Bayreuther Festspiele 2025: âDas Rheingoldâ
Ursula Hartlapp-Lindemeyer
[caption id="attachment_30918" align="alignleft" width="300"] Bayreuther Festspiele 2025/DAS RHEINGOLD/Olafur Sigurdarson (Alberich), Ya-Chung Huang (Mime) und Kinderstatisterie der Bayreuther Festspiele/Foto: ©Bayreuther Festspiele/Enrico Nawrath[/caption]
Dekonstruktion einer Oper in Bayreuth
Simone Young am Pult und ein exquisites Solistenensemble sorgten mit dem Bayreuther Festspielorchester fĂŒr eine exzellente musikalische Umsetzung von Wagners Partitur. Das gezeigte KonversationsstĂŒck im Setting einer feudalen Villa mit einem glitzernden Pool, spĂ€ter einer chicen KindertagesstĂ€tte mit acht braven MĂ€dchen und einem ungezogenen Bengel, der mit Ketchup rumspritzte, wollte allerdings so gar nicht zur Musik passen, die man woanders schon als Entstehungsmythos der Schwerindustrie gesehen hat. Valentin Schwarz fasst den âRingâ als eine Parabel ĂŒber die Konkurrenz zwischen dem Lichtalben Wotan und dem Nachtalben Alberich auf, aber Richard Wagner hat in seiner Partitur sehr viel mehr ausgedrĂŒckt. (Gesehene Vorstellung: Derniere am 15. August 2025)
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(CP aus Bluesky)
đ200 Jahre #Bruckner (geb. 4.9.1824)đ
Heute höre ich seine Sinfonien komplett.
#SimoneYoung
#StaataoperHamburg
Abends kann ich zu #GĂŒnterWand ĂŒbergehen đ
Schreck geh weg: âGötterdĂ€mmerungâ bei den Bayreuther Festspielen
Lynn Sophie Guldin
Diesen Sommer geht bei den Richard-Wagner-Festspielen in Bayreuth in ânurâ zwei DurchgĂ€ngen die Welt unter. Die Inszenierung des Ring des Nibelungen von Valentin Schwarz macht, wie in den Vorjahren, Krach. Nicht alles ist schlecht, aber das wenige Gute ertrinkt hoffnungslos im ĂŒberladenen Rest. Von der UnfĂ€higkeit, das Publikum teilhaben zu lassen â wenn da [âŠ]
https://opernmagazin.de/schreck-geh-weg-goetterdaemmerung-bei-den-bayreuther-festspielen/