Festival-Fazit: DOK Leipzig 2024
Am Sonntag ging die 67. Ausgabe des Internationalen Leipziger Festivals fĂŒr Dokumentar- und Animationsfilm, kurz DOK Leipzig, mit einem Besucher:innen-Rekord zu Ende. Besonders in Zeiten, in denen sich das Kino noch nicht von Corona erholt hat, hat mich das sehr gefreut. Mein letztes ârichtigesâ DOK war tatsĂ€chlich 2020 â mitten in der Pandemie und deshalb auch nur online. Deshalb hat es mich dieses Jahr sehr gejuckt. Also habe ich mich fĂŒr drĂŒben sechs Tage lang ins Kino gesetzt und mich vorrangig durch deutsche und internationale Wettbewerbsfilme geschaut. 13 Sichtungen sind es letztlich geworden.
Bevor ich zu den Filmen komme: Danke an das groĂartige DOK-Team und vor allem den zahlreichen Volunteers, die das DOK Leipzig 2024 (fĂŒr mich) zu einem sehr smoothen und angenehmen Festival gemacht haben.
Was hingegen weiterhin eine international verbreitete Festivalkrankheit zu bleiben scheint, ist der Programmkalender aus dem vergangenen Jahrtausend. Ich möchte doch einfach nur meine Wunschfilme markieren, dann einen Plan mit sich nicht ĂŒberschneidenden Screenings bekommen und das dann bitte als iCal downloaden können.
Was gabâs stattdessen? Eine Seite, bei der man im Darkmode nicht alle Kontrollelemente richtig sieht und deshalb erstmal laaange verzweifelt sucht, bis man das checkt und bereits gebuchte Tickets wieder löschen kann. Ich weiĂ, als Presseheini, der keinen Cent fĂŒr die Tickets zahlt, ist das ziemliches Mimimimi. Aber wer umdisponieren musste, kam schnell in die BreÂdouilÂle, weil auf die Akkreditierung nur fĂŒnf Tickets gleichzeitig gebucht werden konnten.
Anyways, kommen wir zu den Filmen. Ich habe viele Stimmen gehört und gelesen, die den beiden Dokumentarfilm-Wettbewerben in diesem Jahr nur ein mittelmĂ€Ăiges Zeugnis ausstellen konnten. Mit meinem kleinen gesehenen Querschnitt wĂŒrde ich mich dem anschlieĂen. NatĂŒrlich gab es trotzdem auch wirklich ĂŒberragende Filme.
Moria Six (2024)
von Jennifer Mallmann
https://www.youtube.com/watch?v=whuCTNkQVzo
Ein erschĂŒtternder wie niederschmetternder Film, der zeigt, wie im Auftrag der griechischen Regierung und EuropĂ€ischen Union systematisch geltendes Recht gebrochen wird. Fick dich, Festung Europa! Eines der hier gezeigten Nachfolgelager von Moria wird von der Verwaltung stolz als âsichererâ bezeichnet. Sicher ist hier vor allem eins: dass sichergestellt wird, den geflĂŒchteten Menschen den letzten Rest ihrer WĂŒrde zu nehmen. Das Lager ist ein Orwellscher Fiebertraum und ein Ort, an dem die wenigen verbliebenen Grundrechte dieser Menschen beerdigt werden.
Formal weckt MORIA SIX tatsĂ€chlich Erinnerungen an THE ZONE OF INTEREST. Es sind die starren, kĂŒhlen und mit einem erdrĂŒckenden Dröhnen unterlegten Bilder, die hier eine quĂ€lend unangenehme und gleichzeitig fesselnde AtmosphĂ€re erzeugen. Die Kamera fĂ€ngt in einer Ă€sthetischen Unvermeidbarkeit Bilder ein, die unweigerlich an die dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte erinnern. Ob dieses Stilmittel gerechtfertigt ist, ist streitbar. Aber es zwingt, sich intensiv mit diesem humanitĂ€ren Armutszeugnis auseinanderzusetzen und eine Haltung zu entwickeln, die ĂŒber ein âJaja, schon schlimm da. Anyways, was lĂ€uft auf Netflix?â hinausgeht.
Im Prinzip Familie (2024)
von Daniel Abma
https://www.youtube.com/watch?v=HtRsYHRn3iM
Direkt habe ich an HERR BACHMANN UND SEINE KLASSE denken mĂŒssen. Denn wahrscheinlich vermögen es nur solche Langzeitbeobachtungen, derartige Themenkomplexe auch auf einer rein emotionalen Ebene zumindest teilweise erfahrbar zu machen. Denn rein rational betrachtet ist dieser Stoff natĂŒrlich schnell durchdrungen. Aber wenn ein Film sich die Zeit nimmt, einfach mal dabei zu sein und nicht mit Fragen das Spielfeld abzustecken, dann entsteht nicht nur Verstehen, sondern letztlich auch VerstĂ€ndnis. Und das baut auch Vorurteile ab.
Tarantism Revisited (2024)
von Anja Dreschke und Michaela SchÀuble
https://www.youtube.com/watch?v=sZuG9SOHXi4
FĂŒr den westlichen Blick ist dieser Film eine absolute Ăberraschung und auch Irritation. Denn man ist zwar vor allem von der katholischen Kirche allerlei Hokuspokus gewohnt, aber durch einen Spinnenbiss fortan von der Tarantel besessene Frauen, die sich nur einmal im Jahr wĂ€hrend eines ekstatischen Rituals wortwörtlich freitanzen können, das ist noch mal ein anderer Schnack.
Und so beginnt es: Als Dokument eines absurden Rituals vermeintlich religiös Indoktrinierter, stets mit der Kritik an Fundamentalismus, antiaufklĂ€rerischer UnterdrĂŒckung und institutionalisierter Religion im Subtext.
Aber dann schĂ€lt sich der Film noch einmal und eröffnet eine unerwartete Perspektive auf die von der Tarantel besessenen Frauen. Denn es wird immer klarerer, dass sie sich dieses UnterdrĂŒckungsinstrument der Kirche ermĂ€chtigt haben und es nun dafĂŒr einsetzen, patriarchalen Strukturen zu entkommen.
Der Filme hĂ€lt sienem Publikum klug den Spiegel vor. Denn einen leicht abschĂ€tziger Blick auf diese an solchen Quatsch glaubenden Menschen â ob nun gespielt oder nicht â, werden wohl viele mindestens einmal werfen.
Spielerinnen (2024)
von Aysun Bademsoy
https://www.youtube.com/watch?v=eYLSBVMc_3A
Eine sehr herzlich-warme Geschichte ĂŒber SolidaritĂ€t und die enorme Wichtigkeit gemeinsamer Ankerpunkte, die ĂŒber den einen Moment in der Zeit hinaus StabilitĂ€t, Gemeinschaft, Halt und Kraft geben.
Wovon ich auĂerdem ĂŒberzeugt bin: Dieser Film muss mit einem möglichst groĂen Publikum gesehen werden. Denn selbst bei meinem Screening, im vergleichsweise weltoffenen Leipzig mit Festivalpublikum, wurde super viel gelacht. Bezeichnend und absolut entlarvend ist dann, in welchen Momenten gelacht wurde. Denn ich frage mich, was so lustig daran sein soll, wenn ein Vater ĂŒber Wohnort und Beziehungsstatus seiner volljĂ€hrigen Tochter entscheiden will und das auch noch unverhohlen in die Kamera sagt. Es zeigt, wie tief eine abschĂ€tzige Haltung gegenĂŒber aus anderen Kulturkreisen stammenden Menschen in uns sitzt.
Es ist ein âHahaha, schau mal, die gehen ja noch wie im Mittelalter miteinander umâ, wĂ€hrend das Patriarchat hier genauso die Gesellschaft bestimmt â nur eben in anderen AusprĂ€gungen.
Bildet Banden!
Twice into Oblivion (2024)
von Pierre Michel Jean
https://vimeo.com/1012450457
Es ist nicht leicht von TĂ€ter*innen abzustammen und es ist nicht leicht, von Opfern abzustammen â in etwa so bringt einer der Protagonisten dieses Films das ganze Spannungsfeld sehr treffend auf den Punkt. Denn wie umgehen mit diesem Trauma, dieser unbeschreiblichen Ungerechtigkeit, wenn den TĂ€ter:innen nicht mehr beigekommen werden kann? Wenn sie genau wie Ăberlebende sterben, bis niemand mehr von den Taten berichten kann und sich auch mangels offizieller Anerkennung schlieĂlich alles im Sande verlĂ€uft?
Wie kann dieses Leid gelöst werden? Ob das die Kunst, wie der Film mit seinen Protagonist*innen teilweise zu ergrĂŒnden versucht, vermag, weiĂ ich nicht. Und ich glaube, der Film weiĂ das auch nicht. Was er hingegen genau weiĂ: was Gerechtigkeit bedeutet.
Drei Dokumentarfilme, an die ich hier immer wieder denken musste: Katharina Thomsâ WIDERSTAND IST PFLICHT sowie THE ACT OF KILLING und THE SOUND OF SILENCE von Joshua Oppenheimer.
Le cinquiÚme plan de La Jetée (2024)
von Dominique Cabrera
La JetĂ©e, the Fifth Shot · DOK Leipzig Cabreras Cousin entdeckt sich selbst in Chris Markers âLa JetĂ©eâ: ein Foto von ihm und seinen Eltern auf der Aussichtsplattform des Flughafens Orly. 1962 waren sie dort aus Algerien angekommen. www.dok-leipzig.de
Eine Reihe von ZufĂ€llen, die fast schon zu gut sind, um wahr zu sein â zusammengebunden in einer Art heiterer cinephiler Schnitzeljagd. Dass dieses Thema ausgerechnet Dominique Cabrera in den SchoĂ fĂ€llt, ist einer dieser genialen ZufĂ€lle.
Letztlich dreht sich diese Spurensuche um die Macht der Bilder, nicht nur Geschichten zu erzĂ€hlen, sondern auch Geschichten in der Zeit einzufrieren, sie Generationen ĂŒberdauern und dann wieder auftauen zu lassen. Doch dann können diese Geschichten durch die Finger rinnen und laufen Gefahr, auf ewig zu versickern.
Was diesen Film so faszinierend macht, sind die familiÀren Verflechtungen Dominique Cabreras mit Chris Marker und die konsequent persönliche Perspektive. Man könnte dem Film eine gewisse Eitelkeit und Hang zur Nabelschau vorwerfen. Das wÀre jedoch fehlgeleitet, denn letztlich ist es genau das, was der Film braucht und was ihn so sympathisch macht.
Miralles (2024)
von Maria Mauti
https://www.youtube.com/watch?v=w9qdsyD-vek
Ich mag Filme, die von mir bisher sehr stiefmĂŒtterlich behandelte Arten kĂŒnstlerischen Ausdrucks fĂŒr mich aufschlieĂen. Hier ist es eben die Architektur, die ich zuvor als sehr elitĂ€res, nur sehr wenig demokratisiertes Medium gesehen habe. Daran hat auch dieser Film nicht viel geĂ€ndert. Aber er hat mir eine neue Perspektive eröffnet, die ĂŒber meine sehr durch Ă€sthetische Kriterien geprĂ€gte Betrachtungsweise von Architektur hinaus geht.
Jetzt ist mir klar geworden, dass die eigentliche Kunst nicht zwingend das Objekt ist, sondern wie die Menschen in dessen Umgebung dazu in Beziehung gesetzt werden, wie sie sich durch das Bauwerk bewegen. Das sind auch die Momente, die Architekt*innen nur erahnen, aber nie mit Sicherheit vorhersagen können. Das resoniert total mit meiner Haltung zu Kunst: Ist das Werk einmal in der Welt, gehört es nicht mehr den KĂŒnstler*innen, sondern dem Publikum. Die Deutungshoheit haben nur die Rezipient*innen.
Vielleicht hat mich hier deshalb auch das Voiceover so gestört. Denn dessen Text hat den Denkraum doch arg eingeschrÀnkt und den ganzen Film auf Schienen ohne Weichen gesetzt.
Tracing Light (2024)
von Thomas Riedelsheimer
Tracing Light · DOK Leipzig Ohne Licht gĂ€be es kein Kino â und kein Leben. In seiner Suche nach dem Ursprung der Bilder taucht der Film in zwei Welten ein, die den Zauber des Lichtes ergrĂŒnden: Die Physik und die Kunst. www.dok-leipzig.de
Zweifelsohne sind das wunderschöne Bilder und viele tolle, kleine Beobachtungen, die hier eingefangen wurden. Und es ist auch spannend zu sehen, wie nah Kunst und Wissenschaft als vermeintlich gegensĂ€tzliche Arten, die Welt wahrzunehmen, doch eigentlich sind. Denn je mehr beide Felder miteinander verschrĂ€nkt werden, desto klarer wird: Es scheint einen Punkt zu geben, ab dem Wissenschaft zur Kunst und Kunst zur Wissenschaft wird. Beide eint wiederum das Streben danach, eine Beschreibung fĂŒr das Unbeschreibbare finden zu wollen.
Meiner Meinung nach gelingt dem Film jedoch keine wirklich produktive Tiefe. Viele Erkenntnisse zu entweder zu banal und derart komplex, dass der Film aufhört zu versuchen, das zu erklÀren.
Vielleicht waren es auch zu viele Worte, die den Film haben stolpern lassen. Weil das genau die Momente unterbricht, in denen die Kamera in schwelgerischen Motiven badet und so Raum zum FĂŒhlen und Erfahren dessen ist, wofĂŒr es noch keine richtigen Worte zu geben scheint.
Nicht umsonst haben mich viele Bilder an den Monolithen aus 2001: A SPACE ODYSSEY oder Ăric Rohmers LE RAYON VERT mit dem letzten grĂŒnen Leuchten der Sonne, bevor sie hinter dem Horizont verschwindet, denken lassen. Aber diese fast schon metaphysische Ebene erreicht TRACING LIGHT nicht. Vermutlich will er das auch noch. Aber wahrscheinlich ist genau das sein Fehler.
Flowers of Ukraine (2024)
von Adelina Borets
https://www.youtube.com/watch?v=QR-798yxa4E
Diese sich auch in den Bildern abzeichnenden Kontraste zwischen dieser etwas schrottigen Oase auf der einen und der sozialistisch-realistischen Architektur auf der anderen Seite entfalten eine besonders ab dem Moment eine eindrĂŒckliche Wirkung, ab dem Russland Angriffe auf Kyjiw flog. Denn es ist ironischerweise Putins Angriff, der hier anscheinend wieder etwas mehr Einigkeit schafft.
Der Film ist aber auch Charakterstudie eines Menschen, einer Frau, die die Sowjetunion, deren Fall und die nachfolgende Zeit im ehemaligen sowjetischen Satellitenstaat Ukraine erlebt hat. Einer Frau, die sinnbildlich fĂŒr Generationen steht, die Staat und AutoritĂ€ten ĂŒber weite Strecken ihres Lebens nie trauen konnten. Das hat etwas nachhaltig zerstört â oder eben gar nicht erst gedeihen lassen.
So ist die Protagonistin â nicht im umgangssprachlich abwertenden, sondern im wertfreien Wortsinne â asozial. Sie glaubt, als einzige alles besser zu wissen â nicht, weil sie ĂŒberheblich ist, sondern weil sie es Jahrzehntelang fĂŒr sich besser wissen musste, um ihr Leben zu bestreiten.
Nur ist diese Erkenntnis nicht sonderlich neu und ich bin mir nicht sicher, was mir dieser Film sonst noch anbietet. Ich bin mir nicht mal sicher, wie authentisch die Szenerie wirklich ist. Denn die Kamera ist so nah dran, dass sich die Protagonistin mehrmals offensichtlich selbst ĂŒberinszeniert. Selbstinszenierung lĂ€sst sich mit einer Kamera in der NĂ€he natĂŒrlich nie gĂ€nzlich ĂŒberwinden. Aber hier hĂ€tte etwas mehr Distanz gutgetan, glaube ich.
Sonnenstadt (2024)
von Kristina Shtubert
Sonnenstadt · DOK Leipzig In der Einöde Sibiriens hat sich eine Glaubensgemeinschaft ihre Musterstadt erschaffen. Eine Langzeitstudie und postsowjetische ErzĂ€hlung, wĂ€hrend die Militarisierung des Landes nĂ€her rĂŒckt. www.dok-leipzig.de
Es ist schon interessant und zu einem gewissen Grad auch faszinierend, nicht nur von auĂen auf eine solche kultartige Gemeinschaft blicken, sondern mittendrin sein und die vielen Geschichten so vieler auf unterschiedliche Art und Weise gebrochener Leben und/oder Biografien erfahren zu können. Nur zu neuen Erkenntnissen hat das bei mir irgendwie nicht gefĂŒhrt. Zu Ă€hnlich sind sich dann doch die Strukturen dieses Kults und denen eines jeden anderen.
Was nur am Rande ErwÀhnung findet, ist die Tatsache, dass es nach der Implosion der Sowjetunion offenbar eine regelrechte Welle an Jesus imitierenden Gurus gab, die sich in Siedlungen fernab der Zivilisation zur gottgleichen Gestalt erhoben. Aber dieses PhÀnomen lÀsst sich nicht entlang der intimen Langzeitbeobachtung einer Gemeinschaft erzÀhlen. Und die Gemeinschaft, diese Menschen lassen sich mit dieser NÀhe nicht erzÀhlen, wenn erst ein abstraktes und damit distanziertes Religionssoziologie-Seminar abgehalten werden muss, um diese kultartigen Strukturen aufzudröseln.
Es ist also brutal schwer, hier eine Balance zu finden. Ich bin mir noch nicht sicher, ob das SONNENSTADT gelingt. Dass es trotzdem ein bemerkenswert empathischer Dokumentarfilm geworden ist, der seine Protagonist*innen nicht einmal verurteilt, steht jedoch zu keiner Sekunde zur Debatte.
Simply Divine (2024)
von Mélody BoulissiÚre und Bogdan Stamatin
https://www.youtube.com/watch?v=mwTZeBly9cY
Schöne Idee, dieser wiederaufgetauchten Fotos mit diesen trĂ€umerisch animierten und elegant gemalten Animationen in einen neuen, persönlichen Kontext zu setzen. Gleichzeitig wird die erzĂ€hlerische Kraft von Fotografien dekonstruiert und eine neue Szenerie erdacht, die sich kurz vor oder nach dem Auslöser hĂ€tte zutragen können. Oder eben auch nicht. Es ist das verflĂŒchtigende Moment der Bilder, das hier gleichzeitig so viel Trauer und so viel Hoffnung schĂŒrt.
Truth or Dare (2024)
von Maja Classen
https://www.youtube.com/watch?v=7nDY0OEl_w0
Hat mich erstaunlicherweise nur halb abgeholt. Mir hat hier irgendwie eine klare Handschrift und/oder eine noch gröĂere Ambition gefehlt. Denn von Stil ĂŒber Ăsthetik bis hin zu einzelnen Protagonist*innen war das unglaublich nah an dem, was etwa Paulita Pappel seit unzĂ€hligen Jahren macht. Von daher war ich ein bisschen enttĂ€uscht, weil mir TRUTH OR DARE keine wirklich neuen Impulse gegeben hat. Aber das kann und will ich dem Film nicht ankreiden. Denn was und wie hier IntimitĂ€t und SexualitĂ€t verhandelt wird, ist keineswegs schlecht, sondern richtig und wichtig. Ich glaube, ich bin einfach nicht das richtige Publikum gewesen.
Lichter der StraĂe (2024)
von Anna Friedrich
https://www.youtube.com/watch?v=55sKh_Z-W2s
Schön, dass Anna Friedrich so nah an ihre Protagonist*innen ran kommte. Nur ist diese NĂ€he praktisch ausschlieĂlich rĂ€umlicher Natur. Wir erfahren nichts zur Motivation dieser Menschen, haben keine Ahnung, was sie antreibt und wo sie hinwollen. Dieser Dokumentarfilm ist leider der Inbegriff von OberflĂ€che und zu schĂŒchtern, den Finger auch mal in Wunden zu legen. Denn sind manche dieser LebensentwĂŒrfe nicht nur durch das Profitieren von einem System, aus dem eigentlich ausgestiegen werden soll, möglich? Etwas mehr journalistische Konfrontation hĂ€tte dem Film gut getan. Aber so zerfasert alles und lĂ€sst sich am Ende nicht mehr elegant zusammenbinden.
https://andrepitz.de/2024/11/06/festival-fazit-dok-leipzig-2024/
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