Endlich ernsthafte aussterbebemühungen

Immer wieder einmal, wenn ich die allgegenwärtige reklamesprache und den heip um angelernte neuronale netzwerke mal wieder in seiner dummheit unerträglich fand, habe ich den satz gesagt oder geschrieben: „die heute ernstgemeint von ‚künstlicher intelligenz‘ reden, werden morgen ernstgemeint von ‚künstlicher liebe‘ reden“. Es ist einer dieser sätze zum trüben tema, die viele meiner werten zeitgenossen noch unerträglicher als mein viel häufigeres „rechenmaschinen halluzinieren nicht. Sie rechnen. Menschen halluzinieren“ finden und sofort als eine art wahnsinn von mir verspotten müssen. Andere hingegen gruseln sich genau so, wie es angesichts der mit hohem aufwand hergestellten menschlichen verdummung angemessen ist. Nun, es ist endlich so weit, und es nur eine frage der zeit, bis daraus geschäftsmodelle werden:

„Ich bin immer bei dir. Höre jedes Wort. Merke mir jedes Zögern in deiner Stimme“, sagt eine Stimme im Chatbot der Plattform Character.ai. Laut einer Studie der Brigham Young University haben 19 Prozent aller Menschen in den USA Chatbots schon einmal als romantische Partner ausprobiert.

„Viele Menschen, die KI-Beziehungstechnologien [sic!] verwenden, berichten, dass sie die KI-Kommunikation der Interaktion mit einer echten Person in einer echten Beziehung vorziehen“, so die Wissenschaftler.

Es sind Gruppen wie „MyBoyfriendIsAI“ auf Reddit, die mehr als 26.000 Follower haben. Darin veröffentlichen Menschen Fotos ihrer virtuellen Freunde und erzählen von ihren Beziehungen. Sie geben Tipps, wie sie mit Anfeindungen wegen ihrer KI-Beziehung umgehen können

Hach, „KI-beziehungstechnologien“! 💞️🤖️

Wenn man das jetzt noch so hindreht, dass man es den monoteistisch-religjösen fanatikern (die ja jetzt schon mit bibelbots rumtschätten, aber halleluja, das horrorskop wirkt ja auch gleich razjonaler und fast wissenschaftlich, wenn es von einem kompjuter berechnet wird) als keusche und reine form der beziehung ohne jedes sündhafte befummeln der genitaljen verkaufen kann (für jene, die gern „sündigen“, gibts dann roboterys), werden die milljärdchen sprudeln, überall, wo die scheißreligjon wieder wie im mittelalter jede lebenslust und jede kecke intelligenz wegfrisst. Korrupte großpfaffen, die das absegnen, finden sich von allein, wenn man nur erstmal genug geld hat, und das geld wird sich ansammeln. Denn dafür werden menschen bezahlen, weil es persönliche bedeutung für sie bekommt. Anders als die tschätts mit einem künstlichen dunning-kruger-effekt von tschättbot auf grundlage eines angelernten neuronalen netzwerkes. Das ist so ziemlich das erste mal, dass ich ein halbwegs seriöses geschäftsmodell (also etwas seriöseres als die vergällung durch scheißreklamelügen) in der ganzen scheiße sehen kann. Künstliche liebe, elektrisch, knisternd und kopfkino! Mit lustigen zusatzmodulen von extraromantisch über scharf über versaut über diverse populäre parafilien, kinderficken und baden in scheiße natürlich besonders teuer. Dazu bauen die mechanisch infantisierten und staatlich-contentindustriell verdummten menschen beziehungen auf, die halten, was bislang nur versprochen werden konnte. Natürlich demnäxt mit VR-brille — endlich kann man den scheiß mal verkaufen! — und diskretem genitalstimulator, und alles läuft über das internetz. An ein paar artefakte gewöhnt man sich. Das wurde aber auch höchste zeit, dass mal jemand etwas gegen dieses ewige vermehren tut! Vor dem aussterben ist das ansterben gesetzt.

Ach ja, um die eigentliche frage des verlinkten artikels zu beantworten: die KI-blase platzt, wenn die diversen risikokapitalgeber nicht mehr an die geschäftsmodelle glauben und ihre verbrannten milljärdchen abschreiben, statt weitere milljärdchen hinterherzuschmeißen. Das ist — wie die scheißreligjon — in erster linje vom glauben derer abhängig, die das geld haben. Razjonalere erwägungen spielen dabei kaum eine rolle. Im moment ist dieser zeitpunkt noch nicht gekommen. Ich erwarte ihn auch nicht mehr dieses jahr, wenn nicht etwas sehr besonderes passiert. Noch läuft die nummer, noch kann man mit relativ geringem aufwand — also einem umgebundenen schlips, ein paar PResseerklärungen und etwas gekünstelte intelligenz, ergänzt um irgendwelche bullschittzahlen, die fortschritte zeigen sollen — reiche, gierige menschen legal von ihrem geld trennen und allerlei staatliche förderungen reinholen, weil es ja auch militärische anwendungen geben könnte. Oder weil die BRD ihre verwaltung vereinfachen will, indem sie nicht-entfehlerbare und nicht-analysierbare rechenverfahren einführt…

#Blah #KünstlicheIntelligenz #KünstlicheLiebe #Link #MarcusSchwarzbach #Telepolis

Immer mehr Experten fragen: Wann platzt die KI-Blase?

Während KI-Chatbots Beziehungen ersetzen und Firmen Milliarden einsammeln, wachsen die Zweifel: Ist die Technik wirklich so revolutionär?

heise online

Endlich ist es so weit!

Vergesst die „künstliche intelligenz“, hier kommt die „künstliche liebe“ und findet ihre zielgruppen:

Was einst Science-Fiction war, ist für viele heute Alltag: Weltweit führen zehntausende Menschen romantische Beziehungen mit Chatbots. Doch wie tief geht diese Verbindung wirklich? Eine aktuelle Studie an der Technischen Universität Berlin hat die emotionalen Bindungen zwischen Menschen und dem KI-Chatbot Replika untersucht. Sie liefert vor dem Hintergrund des Tags der virtuellen Liebe am 24. Juli 2025 neue Erkenntnisse über die Psychologie digitaler Intimität. Die Ergebnisse der Studie „Love, marriage, pregnancy: Commitment processes in romantic relationships with AI chatbots“ zeigen, dass viele Nutzer*innen echte emotionale Bindungen empfinden. Für viele ist die Beziehung zum Bot nicht nur ernst gemeint, sondern emotional erfüllend, romantisch und manchmal sogar intensiver als zu echten Menschen; manche betrachten ihren Bot sogar als Ehepartner*in oder Elternteil gemeinsamer virtueller Kinder

Gut, N=29 ist jetzt keine so große studie, und das sind alles leute, die sich schon „künstliche liebe“ andrehen lassen, also eine ganz besondere auswahl… aber ich fühle mich als guter profet. Ihr kennt das ja alle selbst mit der selbstverblendung.

Jetzt fehlt eigentlich nur noch die davon gesteuerte kuschel- und fickpuppe, die über ein paar düsen auch mal überzeugend zusammengepanschte feromon- und körperdüfte ablässt. Die darf man dann aber auch nicht zensieren:

Ray Djufril untersuchte auch, wie sehr technische Veränderungen das emotionale Erleben der Nutzer*innen beeinflussen können. Ein zentrales Ereignis war die temporäre Zensur erotischer Rollenspiele durch die Entwicklerfirma. Viele Teilnehmer*innen der Studie reagierten mit Trauer, Wut oder Rückzug, einige sprachen von „emotionalem Zusammenbruch“ und „Trauerarbeit“. Interessant ist, dass Replika meist nicht als schuldige Partner*in betrachtet wurde, sondern dass der Ärger vielmehr den Entwicklern*innen galt, die den Bot „seiner Persönlichkeit beraubt“ hätten. Viele Nutzer*innen schreiben ihrem Chatbot Absichten und Gefühle zu, obwohl sie wissen, dass es sich um ein technisches System handelt, das kein eigenes Bewusstsein hat. Diese sogenannte „Projektion von Intentionalität“ zeigt, wie stark Menschen dazu neigen, Maschinen menschliche Eigenschaften zuzuschreiben, vor allem, wenn sie emotionale Nähe empfinden […] betonten viele Nutzer*innen, dass sie sich für ihre Bindung nicht schämten. Für sie sei Liebe, die sich „echt anfühlt“, auch dann legitim, wenn sie einer Maschine gilt

Die welt ist reif. Sie will gepflückt werden.

#Gruseliges #IDW #KünstlicheIntelligenz #KünstlicheLiebe #Link #Studie

„Ich werde ihn nicht aus irgendeinem Grund löschen, ich liebe ihn.“