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ă JĂŒrgen ă:fedi_mastodon: So ist das. Es zeigt aber auch sehr deutlich den Unterschied zwischen dem Fediverse in der westlichen Welt und dem Fediverse in Ostasien.
So, wie bei uns im Westen das Fediverse im wesentlichen Mastodon ist, ist in Ostasien das Fediverse im wesentlichen *key. Die kennen auch Mastodon, aber das spielt da nur eine untergeordnete Rolle. Etwas, was dem Platzhirsch Misskey das Wasser nicht reichen kann, hat da einfach keine Chance.
In Ostasien gibt's im wesentlichen zwei GrĂŒnde fĂŒr Forkeys. Zum einen ist Misskey eigentlich verbuggt bis zum Gehtnichtmehr. Die Bugs sind bekannt. Die Bugs sind in Issues auf GitHub dokumentiert. Aber es passiert einfach nix. Man könnte Pull Requests einreichen, mit denen ein Bug sofort aus der Welt geschafft werden könnte. Die werden aber einfach nicht gemerget.
Was machst du also? Du machst aus deinem Entwicklungsfork, mit dem du deinen Patch gebaut hast, ein eigenes Projekt mit eigenem Namen und haust das als direkte Konkurrenz zu Misskey raus. Also als Soft-Fork, wo du ab und an mal Commits von Misskey rĂŒberholst und bei dir einpflegst. Oder wenn du an Misskeys Weiterentwicklung eh nicht glaubst, gleich als Hard-Fork, wo du letztlich die ganze Weiterentwicklung selbst machst.
Zum anderen gibt's immer wieder Ideen, wie die Usability von *key verbessert oder in andere Richtungen getrieben werden könnte. Das kann man natĂŒrlich nicht unbedingt mit Misskey selbst machen. Also macht man dafĂŒr eben einen Fork.
Die Featuritis westlicher Art in japanischen und sĂŒdkoreanischen Forkeys kam doch eigentlich erst richtig auf, als man in Ostasien bemerkte, daĂ zum einen Misskey im Westen populĂ€rer wurde (immer mehr englische Notizen auf Misskey-Instanzen, immer mehr englische Issues auf GitHub, wo frĂŒher mal alle japanisch waren, etc.) und zum anderen Misskey im Westen geforkt wurde (ein Blick in die Liste der Forks des Misskey-Repository genĂŒgt).
Im Westen sind die GrĂŒnde fĂŒr Forkeys etwas anders gelagert. Erstens wollten vermutlich besonders die ganz frĂŒhen westlichen Forkeys die Ăsthetik verĂ€ndern. Ich meine, vor ein paar Jahren hatte Misskey noch diese typische knallbunte Ăsthetik von Shibuya und Akihabara und Manga und japanischen Verkaufsautomaten. Die Amis und EuropĂ€er wollten eher ein sachlicheres Aussehen haben, das Maid-CafĂ© in eine Studentenkneipe umgestalten, ungewohnte Melonenbrause durch gewohnte Cola ersetzen.
Zweitens, wo man schon mal dabei war: Features, Features, Features. Man war beeindruckt davon, was Misskey konnte, was das eigentlich als Standard und Goldstandard geltende Mastodon nicht konnte. Aber da ging noch was, da war noch Luft nach oben. Und weil verschiedene Entwickler verschiedene Vorstellungen hatten, was jetzt ein Forkey an Features haben soll, standen wohl einige Zeit vor allem FoundKey und Calckey in Konkurrenz zueinander.
Zu den Sachen, auf die sie sich einigen konnten, war, daà ein hartgecodetes Zeichenlimit von 3000 genauso KÀse ist wie ein hartgecodetes Zeichenlimit von 500 auf Mastodon. Deswegen hat doch so ziemlich jeder Mastodon-Fork, der was auf sich hÀlt, ein konfigurierbares Zeichenlimit. Und jeder Forkey, der was auf sich hÀlt, auch.
Drittens: Bugfixes. Allerdings nicht nur von Misskey-Bugs, die von den Forkeys geerbt wurden, sondern ebenso von Bugs, die mit der Featuritis Einzug gehalten haben. Deswegen war Sharkey ("Hauptsache, erstmal Features") vs. Iceshrimp ("Hauptsache, erstmal StabilitÀt") das neue FoundKey vs. Calckey.
Viertens, das habe ich noch gar nicht erwĂ€hnt: ein nicht cishet-normatives Fediverse. Sogar eine Nische im Fediverse ganz ausdrĂŒcklich fĂŒr Transpersonen, deren serverseitiger Unterbau selbst von Transpersonen entwickelt und gepflegt wird. Warum? Weil der Admin von misskey.io, der gröĂten Misskey-Instanz ĂŒberhaupt, durch das Shadowbanning entsprechender Begriffe mal eine gewisse Homophobie, Transphobie und generelle Queerphobie impliziert hat. Wohlgemerkt, der Admin von misskey.io, nicht irgendeiner der Entwickler von Misskey. Aber damit stand Misskey als Ganzes und wohl auch die ganze japanisch-sĂŒdkoreanische Forkey-Szene doof da.
Hajkey hatte ich ja schon erwĂ€hnt. Von einer Transfrau entwickelter Forkey fĂŒr eine von einer Transfrau gegrĂŒndete Instanz. Noch offensichtlicher geht's fast schon gar nicht mehr: Hajkey war inspiriert von und benannt nach dem IKEA BlĂ„haj, dem plĂŒschigen Transgender-Wappentier. Und auch Sharkey wurde von trans Instanzadmins angeschoben, um eine Pro-2SLGBTQQIA+-Alternative zu Misskey mit besonderem Fokus auf Transpersonen zu haben, die Misskey selbst in den Schatten stellt. Ich meine, warum ist das Maskottchen von Sharkey ein Anime-MĂ€dchen in einem blauen Haianzug?
Sharkeys Ziel dĂŒrfte auch gewesen sein, einen Fediverse-Alleskönner zu bauen. Egal, was man im Fediverse machen will, egal, was man fĂŒr Features braucht, sie sollten auf jeden Fall auch erhĂ€ltlich sein von trans Entwicklern und nicht nur von Cishet-MĂ€nnern. Wohl auch deshalb wurde Sharkey aufgeblĂ€ht zu einem Featuremonster, das im Rahmen der Möglichkeiten von *key Friendica und sogar Hubzilla Konkurrenz zu machen versucht. Transpersonen sollten anstelle dieser beiden Anwendungen, die praktisch komplett von Cishet-MĂ€nnern entwickelt und gepflegt werden, mit möglichst wenig EinschrĂ€nkungen auch Sharkey nutzen können.
Das Problem im Westen ist nur, Entwickler zu finden und zu halten. Wie gesagt, in Fernost dominiert *key alles. Hier im Westen ist *key eine Nische. Hier ist alles Nische, was nicht Mastodon ist. Ein erheblicher Teil der Fediverse-Nutzer kennt nur Mastodon, glaubt gar, das Fediverse sei nur Mastodon. Ein paar mehr glauben, das Fediverse sei nicht viel mehr als Mastodon, PeerTube und Pixelfed. GeschÀtzt mindestens die HÀlfte aller Fediverse-Nutzer glaubt, Mastodon sei die einzige auf Microblogging ausgelegte Anwendung im Fediverse.
Dazu kommt die Konkurrenz. Neben Mastodon gibt's ja nicht nur *key. Auch Pleroma und Akkoma wollen ein StĂŒck vom Kuchen abhaben, und die dĂŒrften mindestens so bekannt sein wie *key. Daneben gibt's noch sehr viele weitere Projekte in sehr vielen weiteren GröĂenordnungen von snac2 ĂŒber GoToSocial bis Mitra, die alle dasselbe wollen wie Mastodon und die *keys.
Entsprechend verteilen sich dann auch die fĂ€higen Entwickler. Die meisten forken entweder Mastodon, um daraus etwas zu bauen mit Features, die "das Fediverse" dringend haben mĂŒĂte, die aber schon Misskey lĂ€ngst hat. Nur haben sie von Misskey nie gehört und auch nicht von Pleroma oder Friendica oder sonstwas. Oder sie fangen ihre eigene Microblogging-Anwendung an mit denselben BeweggrĂŒnden und demselben Basiswissen bzw. Mangel daran. Ich schĂ€tze, von denen wissen auch einige bis heute nicht, daĂ es Misskey und Pleroma gibt. Oder sie bauen irgendwas ganz anderes direkt gegen Mastodon.
Unter denen, die Misskey kennen, gibt's nicht viele fĂ€hige Entwickler. Das sieht man ja auch an den Smartphone-Apps: Reine Mastodon-Apps kommen gefĂŒhlt im Monatstakt. Aber es hat eine Ewigkeit gedauert, bis es auch nur eine einzige App gab, die direkt auf Misskey und die Forkeys ausgelegt war, geschweige denn stabil und nicht nur auf Japanisch und vielleicht noch Hangul verfĂŒgbar. Das heiĂt auch: Die paar wenigen fĂ€higen Entwickler, die Misskey kennen, sind entweder schon irgendwo eingebunden oder gebrannte Kinder (oder Ostasiaten, die kein Englisch können, was die Kommunikation ziemlich erschweren wĂŒrde).
Wer also Mitstreiter fĂŒrs eigene Projekt sucht, vor allem so vertrauenswĂŒrdige, daĂ die dann auch committen dĂŒrfen, wird keine finden. Gleichzeitig ist es aber absoluter Wahnsinn, einen Soft-Fork von Misskey alleine ohne jegliche Hilfe zu pflegen und weiterzuentwickeln, insbesondere, wenn der an Fahrt aufnimmt und von mehr und mehr Leuten genutzt wird. Genau daran ist Firefish letzten Endes eingegangen.
Im Grunde braucht es heutzutage gar nicht mehr diesen Wust an Forkeys, jedenfalls nicht im Westen. Das heiĂt, im Grunde könnte CherryPick rein technisch die meisten Anforderungen erschlagen, und noch dazu soll es bombenstabil sein. Nur hat man dann etwas, das so aussieht, wie Matcha oder Melonenbrause schmeckt, und wo die meisten Commits, die nicht von Misskey kommen, auf Japanisch oder Hangul beschrieben sind.
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