Lernressourcen

Wir, Gabriele und Johannes, wollen auf dem #CLCamp26 eine gemeinsame Session zu „Lernressourcen“ anbieten.

Den Start in die Vorbereitung machen wir mit diesem Blogbeitrag … der vielleicht auf die Session neugierig macht, vielleicht Einstiegs- oder Anknüpfungspunkte setzt, vielleicht zu Widersprüchen aufruft und hoffentlich – zuerst einmal durch das Schreiben für uns beide – das Feld weitet für das, was „Lernressourcen“ alles sein könnten.

Als wir beschlossen, die Session anzubieten und dazu mit einem kooperativem, gemeinsamem, ineinandergreifenden und aufeinander Bezug nehmendem Schreibprozess zu starten, notierten wir uns die folgenden Fragen, die auch zu Beginn unserer Session stehen könnten:

  • Was bedeuten Lern-Ressourcen?
  • Wie können auf Lern-Ressourcen aufgebaut werden, wie können diese ausgebaut werden?
  • Wann weiß ich, welche Lern-Ressource ich in welchem Umfang zum Einsatz bringe?
  • Wie mache ich mir meine Lern-Ressourcen bewusst?
  • Welche Arten von Lern-Ressourcen gibt es überhaupt?

Und vielleicht leiten sich aus unserem folgenden schriftlichen Austausch vorab für uns und für Session-Teilgebende weitere Fragen und Ideen ab?

Aus welchen Perspektiven blicken wir jeweils auf den Begriff „Lernressourcen“?

Diesen Beitrag schreiben wir kooperativ. Jede:r von uns ergänzt Ideen, die wir dann gemeinsam in einen Fluss bringen. Daraus entsteht im Schreibprozess ein inspirierendes Ping-Pong auf einem gemeinsam beschriebenen Collabora Online Dokument auf Gabrieles Nextcloud. Wir schreiben uns gegenseitig in die Texte, lesen immer und immer wieder und ergänzen. Ich habe das Gefühl, wir könnten endlos so weitermachen, aber irgendwann, am 2. März um 18 Uhr, setzen wir uns einen Schlusspunkt, kopieren den kooperativ geschriebenen Text als Sessionankündigung in unsere jeweiligen Blogs (und werden dabei sicher weitere Stellen finden, die wir überarbeiten … denn der Text bleibt lebendig und beschreibbar).

So haben wir es heute besprochen: und um 18:00 Uhr ist also Schluß für heute und für den aktuellen Stand unseres Schreibgesprächs. Das wird spannend, da es für die Zukunft gesehen zwei Versionen geben wird, da sich unsere beiden Blogs ja nur von der Ferne her kennen und sich nicht synchronisieren.

Aber sie pingen sich gegenseitig an. Die gute alte Pingback-Tradition der Webblogs. Oder kann Dein Blog das nicht, Gabriele? 😛 Ich hab noch fünf Minuten, dann ist Schluss mit Tippen und wir veröffentlichen ….

Ich, Gabriele, gebe hier einen persönlichen Einblick zu meiner Lernerfahrung. Meine eigene Lernerfahrung basiert vor allem auf der Erkenntnis, dass die meisten Organisationen in denen ich beschäftigt war, mein zur Verfügung stehenden Ressourcen nicht erkannten und/oder fördern konnten oder wollten. So habe ich mich immer selbst auf den Weg gemacht, gelernt, verworfen, aufgebaut, aufgefrischt, neu gelernt … . Seit ich Menschen wie Johannes kenne und in einen regelmäßigen Austausch zu selbstgewählten Themen gehe, verstehe ich, wie Lernen mit anderen funktionieren kann und was es für mich bedeutet, in den Austausch mit anderen gehen zu dürfen. Auch dann, wenn ich keine Expertin auf diesem Gebiet bin. Keine Grenzen. Manche Bedarfe entstehen erst durch das darüber sprechen. Manche Gedanken werden zu Ideen, Konzepten oder führen zu Erkenntnissen, wenn man sie das erste Mal mit anderen teilt. Das hat mich mutig gemacht die letzten Jahre und so lerne ich als Soloselbständige so vor mich hin, lass mich treiben und mäandere mich gemächlich durch die unterschiedlichsten Wissensgebiete. Meine Neugier sucht sich wie ein Fluß ihren Weg. Was ich mache? Das ändert sich ständig. Gerade mache ich mal wieder eine Ausbildung. Und überhaupt denke ich gerade: Vielleicht sollte mich mal mit dem Thema Flüße beschäftigen?

Jedenfalls empfinde ich den Austausch mit Johannes immer als sehr gewinnbringend.

Das beruht auf Gegenseitigkeit, Gabriele. Sonst hätten wir das hier nicht gestartet.

Ich, Johannes, erschließe mir die Vielfalt von „Lernressourcen“ ebenfalls aus unterschiedlichen Richtungen und Zugängen … wie Du, Gabriele, und jetzt im Miteinander, der wichtigsten Lernressource – aber ich möchte nicht vorgreifen.

Da ist meine berufliche Perspektive als Corporate Learning Berater auf die Vielfalt von Lern-Ressourcen. Hier mache ich regelmäßig die Erfahrung, dass Lernangebote oft wenig bewirken, wenn sie isoliert und ohne die konzeptionelle Einbeziehung des systemischen Umfelds betrachtet werden. Mitarbeitende nutzen die Angebote nicht, Aufwände verpuffen, Lernen wird als Hürde empfunden oder Lernbedarfe werden nicht einmal erkannt. Mein Motto aus IT-Qualifizierungen ist „Die User sind nie schuld“, denn so gut wie nie „sitzt das Problem vor dem Bildschirm“ (wie ich diesen despektierlichen Spruch verabscheue!), sondern fast immer werden Bedarfe und deren Ursprünge zu isoliert betrachtet, wird Blaming geübt statt wertvolle Hinweise auf u. a. Ressourcenbedarfe zu erkennen.

Und dann ist da der Blick auf Ressourcen, mit dem ich an Gabrieles Einstieg anknüpfen möchte: Das Erkennen, Erkunden und Erfahren der Möglichkeiten, die uns menschlich ausmachen, die uns zusammenbringen und uns gemeinsam gegen Widrigkeiten angehen lassen. Das, was eigentlich in uns steckt, und sich so oder so seinen Weg bahnt. Flüsse sind ein Bild, das mir gefällt, Gabriele! Flüsse bahnen sich ihren Weg, prägen Territorien und werden zu Grenzziehungen missbraucht, sind Lebensadern und können zerstörerisch sein. Manche sind wild, manche betoniert-eingehegt. Vielleicht irgendwann mal eine Session zu „Lernflüssen“? Heute aber erst einmal Ressourcen!

Unsere gemeinsame Lern-Historie

Nein, den Start in die Vorbereitung unserer Session machen wir natürlich nicht mit diesem Blogbeitrag, sondern schon viel früher: Seit langer Zeit denken, recherchieren, reden und schreiben Gabriele, Gratian, Silvia und ich gemeinsam mit einer weiteren Mitwirkenden an einem lernOS-Leitfaden zum Thema „Gesellschaftliches Engagement und Beteiligung“. In einer geplanten Woche dieses Leitfadens gilt es, sich der Ressourcen bewusst zu werden, die in das eigene Engagement eingebracht werden können.

In diesem Zusammenhang begannen wir, uns intensiver mit dem Begriff „Ressourcen“ auseinanderzusetzen … denn zu Beginn stand ein produktives Missverständnis*, weil wir jeweils an ganz andere Begriffsbedeutungen dachten.

*genau! Ich verstehe jetzt was Johannes mit Ressourcen meinte (meine Weiterbildung klopft gerade an). Für mich war es zu diesem Zeitpunkt aber die Ressource „Zeit“ dicht gefolgt von „Energie“. Wann habe ich überhaupt Zeit und dann auch noch Energie um mich mit Themen zu beschäftigen. Im Hintergrund stand bei mir der Gedanken, dass es zu unterschiedlichen Lebensphasen unterschiedliche Ressourcen zur Verfügung stehen, die mir lernen oder Beteiligung ermöglichen. Ich werde es weiter unten nochmals thematisieren.

(Spoiler: Zeit, Energie, Lebensphasen, Beteiligung … das schält sich, wenn ich diesen Text gerade kurz vor dem Publizieren noch einmal durchlese, doch als brauchbarer Rahmen für das meiste heraus, das wir betrachten und zum Ende hin abbinden. Deine erste Intuition war also ziemlich treffend, Gabriele!)

Und noch früher dachten, recherchierten, redeten und schrieben Gabriele und ich um das Thema „Feministische Lernpolitik“ herum … in einem Social Learning Space, der wiederum aus einer Session von Gabriele auf dem #CLC23 Barcamp der Corporate Learning Community entstand und uns viele Monate regelmäßig zusammenbrachte, bis wir sie wieder auflösten. In dieser Zeit entstand eine beeindruckende Material- und Ideensammlung auf unserem Online-Whiteboard, auf die ich heute immer noch zugreife. Auch das Whiteboard für unser lernOS-Thema „Gesellschaftliches Engagement und Beteiligung“ ist weit über den Bildschirmrand befüllt mit gegenseitigen Empfehlungen, PDF-Dokumenten, Skizzen und Kata-Beschreibungen. Eine brauchbare Sammlung an (wild zusammengetragenen, wenig geordneten) Lernressourcen.

Die Betrachtung unserer Lernressourcen hat für mich u. a. mit der Untersuchung folgender Fragen zu tun: Was uns im bereits zurückliegenden Lernprozess …

  • grundsätzlich die Möglichkeit verschafft, uns zusammenzufinden und uns einem gemeinsamen Thema zu widmen … und nach den ersten Schritte auch weiter zu machen,
  • unser Wirkungsfeld geöffnet und gehalten,
  • Energie im Prozess geschenkt,
  • das Gefühl von Fortschritt und Entwicklung vermittelt (nicht auf der Stelle treten, sondern immer neue Quellen, Zugänge, Ideen und Wirkungsfelder zu betreten)?

Und was hat dazu geführt, dass wir unser gemeinsames, in der Gruppe stattfindendes Engagement zum Thema „Feministische Lernpolitik“ nach einigen Monaten beendeten … und dass unsere lernOS-Entwicklungsgruppe nicht mehr so viele regelmäßig aktive Mitglieder umfasst wie zu Beginn?

Ich vermute, all diese Fragen – und viele mehr, die wir auf unserer Barcamp-Session im Ressourcen-generierenden Austausch mit den Teilgebenden finden werden – haben mit (Lern-)ressourcen zu tun.

Zukünftig möchte ich mich auch durch weitere Recherche damit auseinandersetzten, welche Verständnisse von „Lern-Ressourcen“ in Lerntheorien und Didaktik gängig sind. In diesem Einstieg, in dem wir uns die assoziativen Bälle zuwerfen, haben wir bewusst auf den Verweis auf Theorie verzichtet.

Ich sowieso. Theorie ist wichtig, aber ich bin bekennende Frau praktischer Anwendungen. Habt ihr vielleicht schon gemerkt. Ich lerne durch ausprobieren. So bin ich übrigens auch eine phantastische Köchin geworden.

Und auch beim Kochen braucht es gute Zutaten, Gabriele ….

Inhalte / Materielles

In meiner täglichen Arbeit wird unter (Lern-)ressourcen meist Materielles verstanden, speziell „Content“: Die Rohstoffe in der Produktion, die weiter verwertet werden, als auch die Lerninhalte, die wir als Lernende rezipieren, verarbeiten und darüber intern unser Wissen aufbauen. Texte, Videos, e-Learning-Inhalte, Folien, Podcasts … . Unsere digitale und auch analoge Welt ist übervoll mit Lernressourcen dieser Art. Das Internet als (noch, wenn auch durch AI-Slop und Plattformkapitalismus bedrohte) unerschöpfliche Quelle für Lernressourcen, die (ebenfalls durch Austeritätspolitik bedrohten) Stadtbibliothek, Museen und weitere Kulturorte. Inhalte können teuer produziert oder gekauft werden oder als Commons frei verfügbar sein. Letzteres wird im Corporate Learning oft ignoriert. Tauglich sei’s, wenn’s für Geld eingekauft und als Eigentum ins Lernmanagementsystem eingeschlossen und als Lernmaßnahme ausgehandelt dort zugewiesen wurde. Die unendlichen Möglichkeiten, kontinuierlich mit frei verfügbaren und sich permanent durch die Nutzung und Anreicherung im Lernkontext anreichernden Inhalten zu lernen, die durch das Engagement von Freiwilligen bereitgestellt werden, werden ignoriert.

Ach spannend. Also jetzt haben wir schon drei verschiedene Dimensionen des Begriffs Ressource: Der Lern-Inhalt (Content), die Lern-Verfügbarkeit (zeitliche, räumliche, finanzielle) und der persönlichen Ressourcen (Neugier, Offenheit, Quelle …).

Aber diese begriffliche Einengung von „Lernressourcen“ ist natürlich bei weitem nicht ausreichend.

In meinen eingangs beschriebenen Lernerfahrungen sind mir beispielsweise die Gespräche mit meinen Mitlernenden, das geteilte und Energie schenkende Gefühl, ein gemeinsames, von uns allen als sinnvoll empfundenes Ziel zu verfolgen und die dadurch längerfristig gestärkten Beziehungen viel wichtiger als die Quellen und Buchtipps, die wir auf unseren Online-Whiteboards zusammengetragen haben.

Jetzt hake ich wieder ein. Ja, wir haben Whiteboards bis an die Kante befüllt und auch für mich sind diese gemeinsam mit anderen entstandenen Whiteboards immer wieder Quelle der Rückkehr und des wieder treiben lassens. Schon wieder drängt sich das Flußbild auf … . Statt Whiteboard sollte es nun ein kollaborativer Text sein, in dessen Mitte wir uns nun eben befinden. Beide schreiben wir parallel über unsere Lernressourcen.

(Ich behaupte ja immer, und hatte dazu vor Jahren auch mal eine Barcamp-Session initiiert, dass ich durch Schreiben lerne. Schreibend schöpfen wir gerade von überall her aus unseren verschiedenen Lernressourcen und schreiben sie fort und größer … und schon trägt mich Dein Fluss-Bild mit …)

Und gestern haben wir uns getroffen und fast wäre es passiert, dass wir wieder in ein anderes großes Thema abgedriftet wären. Zu Beginn des Textes habe ich mir die Frage gestellt, was meine persönlichen Lernressourcen sind und eine die vielleicht euch und auch mich selbst überrascht hat, ist die hier im Anschluß folgende:

Popkultur/Subkultur

Neues hören, neues sehen, warum hören Menschen jahrzehntelange die gleiche Musik? Musik ist mein „Mitgestalter“. Kunst und Literatur auch, aber Musik am meisten. Ich stehe auf die Ressource Subkultur und Popkultur. Sie taugt mir für alles: Kreativität, Menschen die sich verbinden, bewegen. Pop- und Sub-kulturelle Begegnungsstätten in Form von Clubs, Vereinen, Bewegungen verbinden Menschen und Gedanken. Werden zu Strömungen und können niedrigschwellig Inhalte vermitteln. Vielleicht ist Pop-/Subkultur das „kulturelle“ Gegenstück zum schmutzigen Populismus rechter Parteien. Ich schweife ab. Jedenfalls bietet zumindest die Subkultur Schutzräume in denen ich mit anderen, die sich im selben Kultur-Raum befinden Möglichkeiten des Austauschs, Betrachtens des Lebens durch eine andere Brille. Mich ausprobieren kann. Abgrenzung ist eine der Lernerfahrungen und Ressourcen die darin schlummert. Ich muss nicht immer so sein, wie es andere von mir erwarten. Aber auch, bei der Popkultur, Teil einer größeren Bewegung zu sein. So ganz genau weiß ich noch nicht was ich damit sagen will, vielleicht ist das eine der „Quellen“ der persönlichen Ressource (siehe oben). Ich baue an dieser Stelle auf Johannes und übergebe in seine analytische Gedankenwelt 🙂

Wenn ich Deinen hymnischen Einstieg lese, möchte ich vielleicht gar nicht analytisch werden, sondern ebenfalls an Selbst-Erlebtes anknüpfen. Pop- und Subkultur scheint mir eine wichtige, biografisch geprägte Lernressource zu sein (und auch hier freue ich mich auf eine in der Session fortgeführte Vertiefung … denn die Betrachtung dieses Ressourcenfelds wird umso greifbarer, je vielfältiger und durch eigenes Erleben geprägter die Stimmen dazu sind). Mit vielen von dem, was ich heute kann, auf dem ich mit meinen Kompetenzen aufbaue, was mir wichtig ist, was mich „resilient“ macht (sorry für die Verwendung dieses oft so problematisch missbrauchten Wortes) und was mir mein soziales Netzwerk erschließt, hat Ursprung in Subkulturen, in denen ich als Jugendlicher Zugang fand oder die ich mir jetzt erst mit Mitte 40 erschließe. Subkulturen, Popkulturen, Gegenkulturen schaffen uns ästhetische Ausdrucksmöglichkeiten, öffnen Arenen der inspirierenden Imitation, erweitern unseren Werkzeugkasten, ermöglichen gegenseitige Unterstützung und stärken uns im Miteinander. „Each one teach one“, eine der wichtigsten Lernressourcen.

Der Begriff der Gegenkultur ist hier noch wichtig! Danke für’s einbringen Johannes. Den Subkultur speist sich auch aus Widerstand. Das ungesagte das unfassbare sichtbar machen und sich dagegen wehren. Gegenwehr gegen Systeme, die beschränken. In meiner Generation die Haltung der 50-60er Jahre, die einen bestimmten Weg für junge Frauen vorgeschrieben haben: Heiraten, Kinder bekommen und bloß nicht zu viel Bildung. Hier in eine Anti-Haltung zu gehen, ist nicht unbedingt der einfachste Weg, wenn du jung bist. Den es bedeutet auch Einsamkeit, Unverständnis, Bestrafung, Ausgrenzung, Verzweiflung sowie ungefragte Tipps und Empfehlungen von Außenstehenden („mach es dir doch nicht so schwer“, „wie du wieder aussiehst … ist doch kein Wunder dass ….“) und nicht zuletzt auch schlechte Noten. Ich weiß wovon ich spreche. Aber am Ende bin ich doch daran gewachsen, da es immer einige wenige Mitstreiter:innen gab. Und daran schließt jetzt wunderbar das folgende Thema an, dass von Johannes eingeleitet wird.

Netzwerke, Freundschaften, Bekanntschaften und Vorbilder

Wir lernen zuallererst durch unser Streben nach Sozialisation … auch wenn uns im Corporate Learning immer wieder etwas anderes verkauft werden soll. In Interaktion mit Menschen lernen wir wie nebenher, auch auch durch die im vorherigen Abschnitt schon angesprochene Imitation. Unsere Lern- und Netzwerkpartner:innen öffnen und halten einen Resonanzraum für unsere Kompetenzen und nehmen unseren sozialen Entfaltungsdrang auf. Sie inspirieren uns als Vorbilder immer wieder. Sie sind die Ressourcen, die Lernen lebendig und erfahrbar machen und katalysieren … und es gleichzeitig ermöglichen, Ressourcenknappheit zu überwinden und formale Einhegungen/Beschränkungen zu unterlaufen. Lern-Netzwerke ermöglichen einen Aufstand gegen verordnetes Nicht-Lernen! … und schaffen damit die Grundlage für das, was Gabriele und ich hier tun. Und insbesondere ermöglichen uns Lern-Netzwerke Zugang zu Entwicklungen, die uns bisher verborgen blieben, nicht nur über den oft erwähnten „Flurfunk“ oder den Gerüchte-Handel „in der Kaffeeküche“.

Neugier

Ich war letzte Woche auf der Beerdigung einer guten Freundin von früher. Alles sehr traurig. Was hat das mit meinen Lern-Ressourcen zu tun? Ich habe Feststellungen gemacht an diesem Tag. Meine Freundin war aus einem intellektuellen Haus und ich weiß nun, was ich ihr zu verdanken habe und welche Türen sie mir öffnete. Ich war zu diesem Zeitpunkt zwar auch schon eine Leseratte und habe verschlungen was es gab. Im Bücherbund (die älteren unter uns wissen noch – Schallplatten gab es da auch) kaufte meine Mutter für mich Bücher, die für sie selbst sonderbar klangen und keinen Sinn ergaben. Dennoch war es diese Freundin, die meinen Hunger nach neuem bediente und erfüllte, Politik, Kunst, Literatur – Musik brachte ich als Element ein. Und damit bin ich bei der ersten persönlichen Lernressource: Neugier und Bereitschaft. Und ich frage mich, sind wir nicht alle von Geburt an neugierig? Wollen in Erfahrung bringen wie man laufen kann, sprechen kann? Und ich frage mich auch, wann und wo versiegt die Neugier bei so vielen Menschen?

Da bin ich optimistisch. Unsere Neugier versiegt nie, bei keinem Menschen. Leider wird sie durch äußere Gewalt oft so unterdrückt, dass sie kaum wahrnehmbar scheint. (Allerdings bevorzuge ich seit einiger Zeit den Begriff „Lernlust“ mit seinem bewusst lustvollem Klang, denn die „Gier nach Neuem“ hat mir die Neugier in Zeiten von turbokapitalistisch getriebenem Wachstumsdrang nach leerer „Innovation“ im Klang etwas dissonant werden lassen.)

Außerdem merke ich, auch in Zusammenhang mit anderen, dass sich leider teilweise ein bißchen Arroganz/Ärger/Unverständnis/Unmut bei mir einschleicht, wenn ich verstehe das jemand eben irgendwie stehengeblieben ist vor 30 Jahren. Oft fragen genau die mich dann: „wie bist Duuu den da hingekommen wo du jetzt bist?“ In dem langgezogenen „Du“ und dem darauffolgenden fragenden „da“ schwingt oft eine kleine Ungläubigkeit mit, da ich ja nicht einmal Abi habe und keine akademische Ausbildung (wobei ich hier immer gerne einfüge, dass ich an 2 Kunstakademien über die Begabtenprüfung aufgenommen wurde). Oder das jemand stehen bleiben wird die nächsten Jahre: „die (hier eine Zahl einfügen) Jahre sitze ich noch ab in dem Unternehmen XY, auch wenn mein Job langweilig ist“. Die Hybris der Viel-Interessierten. Geht das nur mir so?

Hmmm …. beschleichen mich da eher Traurigkeit und Ärger gegenüber den Strukturen, die das Lernen und die Lernressourcen von Menschen so verschleiern können, und den verinnerlichten Bewertungsmechanismen, die oft dahinterstecken? Wie gesagt, ich bin optimistisch (und umso wütender, wenn uns irgendwelche KI-Grifter einreden wollen, unsere menschlichen Lernressourcen hätten im unsäglichen Vergleich mit irgendwelchen Bullshit-Automaten nun nicht mehr die Kraft und Möglichkeit, die sie haben und immer haben werden.)

Zu Ärger, Hybris und Wut – auch diese Begriffe möchte ich auf meinen Merkzettel für die #CLCamp26-Session setzen: Ungesteuert und ziellos lähmt sie und lässt unsere Lernressourcen versiegen. Zielgerichtet eingesetzt kann sie uns ungeahnte Kraft und regelrechte Gier nach Lernen spüren lassen. Es gibt Themen, zu denen ich alles in mich aufsauge, was ich finden kann – um argumentativ gewappnet zu sein und Gegen-/Verteidigungsmaßnahmen parat zu haben. Negative Emotionen können Lernressourcen sein.

Da hast du Recht! Eine Ressource die man zuerst gar nicht so recht anschauen möchte, aber auf den zweiten Blick eine neue Welt öffnet. Einmal aus dem von dir aufgeführten Blick der Verteidigung, aber auch aus dem Widerstand der sich in einem regt, wenn andere wenig Zutrauen zu dir in einer Sache habe. Und den Neid* möchte man hier an dieser Stelle der unangenehmen Seite der Lernressourcen nicht missen wollen, oder?

*Erinnert mich daran, dass mir immer noch eine neutral klingende Alternative für den Begriff „Neid“ fehlt. Oder brauche ich den gar nicht? Könnte „Lern-Neid“ auch eine positiv-inspirierende Lernressource sein?

Vielleicht greift im Lernkontext auch der Begriff FOMO auch wenn schon alt und abgedroschen besser wie Neid. Was meinst du Johannes, hast du schon mal erlebt das irgendjemand auf LinkedIN eine abgeschlossene Ausbildung oder ein cooles Event postet und du dabei gedacht hast: „Warum zur Hölle ist mir das nicht eingefallen? / Habe ich das nicht gemacht!“. Dann gibt es zwei Optionen: Erkennen, dass das genau das ist was man jetzt tun möchte und man tut es ODER ein paar Tage später feststellen, dass es nicht wichtig für die eigene Weiterentwicklung ist.

Jedenfalls, wenn man die dunkle Seite aus dieser Blickrichtung erkundet und reinhüpft in unbekannte Gewässer, vermeindlich dunkel und voller Gefahren, einfach weil du es jetzt genau so tun musst. Du erkundest das Feld und bekommst Sicherheit. Und jetzt kommt auch noch der Mut* ins Spiel, wieder als positives Element sozusagen. Als Gegengewicht zu Wut, Widerstand, Neid. Das braucht es dafür auch. Sich den Dingen und den Themen stellen, neue Wege gehen zu wollen. Notfalls auch erst einmal alleine, den negative Gefühle zu teilen, ist gar nicht einfach und werden deswegen oftmals erst mit sich selbst ausgehandelt und erst dann wieder geteilt, wenn eine vertretbare Basis für Austausch vorhanden ist. So ist es zumindest bei mir.

*Mut ist ein zweischneidiger, teils übergriffiger Begriff, wenn er eingefordert wird – wie so oft im Corporate Learning. Ich möchte von niemandem, der abhängig angestellt ist, erwarten, beim Lernen „mutig“ sein zu müssen. Ich möchte Sicherheit verspüren, Vertrauen in mitlernende Kolleg:innen haben können und die Regeln und Verträge, innerhalb derer wir agieren, kennen und sie anwenden. Und ich weiß natürlich, dass Du auf eine andere Art von Mut anspielst, Gabriele … den Mut, der aus starker emotionaler Verbundenheit zu etwas erwächst, richtig?

Ja, aus der Sicht von abhängig angestellten, ist das nachvollziehbar. Und ich meine aber trotzdem den Mut, etwas zu wagen. Auch mal was zu lernen, was im Moment vielleicht nicht passend ist und nicht auf deinen Karrierepfad einzahlt.

Offenheit

Voilá. Braucht es noch einen Überleitung zur Offenheit fragte Johannes im Text und hier ist sie: meine spontane und mal wieder intuitive Eingebung zu Offenheit. Übrigens auch als sehr guten Anschluss zum Thema „Mut haben, sich den Dingen zu stellen“. Ich verspüre bei uns beiden eine gewisse MüdiKIte und das mit Recht. Also wir mit unserer menschlichen und erfahrungsbasierten LLM haben doch hier einen Text erarbeitet, der so mit egal welcher KI nicht entstanden wäre. Und Spaß machte es auch. Zu verdanken ist das doch unserer Offenheit und dem loslassen können. Der Lust gemeinsam Gedanken weiterzuspinnen. Und unbedingt auch dem gegenseitigen Vertrauen, dass wir uns entgegen bringen, einen solchen Text gemeinsam zu erstellen. Das ist nicht in jeder Konstellation möglich.

Ja, das gemeinsame Schreiben mit Dir erschließt mir mehr von dem, was nicht im Text selbst steht, als die Buchstaben, Wörter und Sätze, die auf dem Bildschirm erscheinen. Wir schreiben in unseren gemeinsamen Kontext, in unser Vertrauen zueinander und in die zukünftige Barcamp-Session hinein. Das ist viel mehr als der Blogpost selbst. Lernressource „Kontext“? Lernressource „Das, was drumherum passiert“? Lernressource, sich Orientierung zu verschaffen, in alle Richtungen zu blicken, gedanklich auf die Reise gehen zu können?

Reisen bildet. Ich möchte aber sagen nicht jede Art von Reisen bildet. Ich kenne Menschen die waren schon auf der ganzen Welt. Wenn du dich dann aber innerhalb eines abgeschlossenen Ressorts bewegst, dann – keine Bildung. Reisen ist kein Ort, du kannst auch auf einem Quadratmeter Erde auf Reisen gehen. Alles nur in ganz klein und fast nicht sichtbar. Moose, Flechten und Pilze sind so ein Ort, den es in keinem Reisebüro zu buchen gibt. Vielleicht ist die wichtigste Lern-Ressource in diesem Zusammenhang, dass nicht nur das vermeintlich wichtige einen zum Ziel bringt, sondern auch die Seitenzweige und Themen, die im ersten Moment nicht als wichtig erscheinen, aber in anderem Kontext auf einmal Sinn ergeben. Pilze zum Beispiel. Von Pilzen kann man viel über Vernetzung und Kommunikation lernen.

Pilze sind ein faszinierendes Thema, Gabriele, bei dem es mich sofort juckt, zum Bücherregal zu treten und ein paar Beispiele literarischer Verarbeitung zu suchen. Lass uns das später nachreichen …

Aber auch Deine Worte zum Reisen. Zwei Deiner Sätze widersprechen sich nach meinem Verständnis. Ich behaupte – und unterstelle Dir aufgrund des direkt anschließenden Satzes – dass Du das auch so siehst: Auf jedem noch so kleinen und abgeschlossenen Areal, auch im Liegestuhl des Ressorts, lässt sich Bildung erfahren. Es kommt auf den eigenen Blick und Fokus an. In einem unserer ersten persönlichen Gespräche (auf der re:publica …. 22?) erwähnte ich die Situationistische Internationale, die Meisterschaft darin entwickelten, alltäglich Vertraute und durch das „Spektakel“ völlig vereinnahmte Orte zu Lernorten umzugestalten – durch Praktiken des Dérive oder Détournement (Schreck! Das hast du doch so nicht gesagt! Jetzt muss ich hier mittem im Text noch Ecoisa befragen!), die sich als ein bewusstes „Auf-die-Reise-gehen“ sehen und Situationen schaffen beschreiben lassen können. Situationen, um kreativ und kraftvoll Unterdrückung sichtbar zu machen und Veränderung einzuleiten … auch wenn es nur eine temporäre kreative Umdeutung ist.

Da hast du mich ertappt. Da ergieße ich mich einfach mal kurz sehr populistisch zu meinen Vorbehalten gegenüber Pauschalreisenden, die sich überwiegend in abgeschotteten Ressorts oder auf Kreuzfahrtschiffen bewegen und möglicherweise sind tatsächlich 1-2 darunter, die sich rein zu antrophologischen Studien dort bewegen und somit also mit einem Bildungsauftrag unterwegs sind. Eventuell bin ich auch einfach nur ein bißchen neidisch auf diejenigen, die mal kurz dahin und dorthin reisen, während meine Reisen überwiegend mit meiner riesigen internationalen Kochbuch-Sammlung stattfinden. Da behindert manchmal mein Schubladen-Denken und meine Arroganz, meine Kreativität beflügeln sie gleichzeitig, zumindest in meinem Schreib-Prozess gehören spitze und übertriebene Seitenhiebe stilistisch für mich dazu. Beim Schreiben wurde mir übrigens auch sehr frühzeitig Kreativität diagnostiziert. Und während ich also vor meinem inneren Auge als Antrophologin mit Klemmbrett und Bleistift auf einem Kreuzschiff Feldbeobachtungen mache, schiebt sich die nächste Ressource ins Blickfeld.

Kreativität

Manchmal erschließen sich zwischen den Werkzeugen und Wissensinseln Verbindungen und es werden Verknüpfungen sichtbar, die dann wie ein klarer Weg vor einem liegen und sich verbinden, wie zwei ineinander fließende Flüße. Vielleicht ist das der Übergang zu der beschworenen Serendipity – übrigens ein Wort das ich zum ersten Mal von Johannes hörte. Jedenfalls je umfangreicher das zusammengesammelte, umso klarer das Gesamtbild. Und zum Weg passt die Bewegung im Raum.

Bewegung

Lernen beim Gehen im Wald, meinem dritten Raum. Bewegung als Zündstoff für neue Ideen und Verbindungen. Richtungswechsel und Perspektivenwechsel beim Gehen als Impuls die Denkrichtung zu verändern. Manche Ideen können nicht zu dir kommen und entstehen nur dann, wenn du dich auf sie zu bewegst. Und das darf jetzt auch gerne wieder auf die Meta-Ebene gehoben werden. Ich übergebe an Johannes.

Das Recht auf Spazierengehen ist für mich tatsächlich eine mir persönlich wichtige Lernressource. Aus genau den Gründen, die Du bereits erwähnt hast. Weiterhin finde ich faszinierend, wie beim Durchgehen durch Orte Erinnerungsanker gesetzt werden. Ich erinnere mich auch Jahre später noch an bestimmte Podcast-Fragmente, die ich an einer bestimmten Hausecke, einem bestimmten Baum … irgendwann einmal hörte. An Telefonate, die ich spazierengehend führte. Emotionen, die ich durchlebte, Gedanken, die ich trug.

Orte

Deshalb bin ich auch überzeugt: Lernen braucht Orte. Ob der Raum wirklich „der dritte Pädagoge“ ist können wir an anderer Stelle diskutieren. Klar scheint mir: Orte prägen das Lernen. Sei es der Klassenraum mit Möblierung für den Frontalunterricht, der Kreativraum in hippen Startups oder die Street-smartness fördernde „Straße“ in ihrer schillernden Ausprägungsvielfalt.

Haben wir einen Ort irgendwann fertig entdeckt … so detailliert erkundet, dass es nichts neues mehr zu entdecken, keine neue Perspektive mehr einzunehmen, keine Umgestaltung mehr vorzunehmen gibt? Ich vermute nicht. Eine meiner intensivsten Lernerfahrungen der letzten Jahre fand in einem fast völlig leeren Theater-Probenraum statt, der von uns beliebig und immer wieder neu mit Bedeutungen befüllt werden konnte. Fast nichts war ‚vorgebaut‘, alles war möglich auf dieser leeren, aber für uns gegen außen geschützten Bühne.

Werkzeugkasten

Ich weiß von mir, dass mein Interesse versiegt, wenn ich etwas „ergründet“ habe. Wenn ich den Kern erfasst habe, also ca. 20-60%. Dann zieht es mich weiter zur nächsten Wissensinsel. Das zu verstehen, und das ich irgendwann mal den Begriff „Scanner“ Persönlichkeit geschenkt bekommen habe, ist ein weiterer Baustein meiner Lernressource. Heute erlaube ich mir weiterzuziehen. Früher habe ich an meinem Durchhalten gezweifelt. Das ich an nichts dranbleiben kann. Heute habe ich meinen Werkzeugkasten, der ist zwar umfangreich, bei manchen Werkzeugen weiß ich noch nicht ganz genau wie sie funktionieren, aber ich weiß wo ich es finde und um es anzuwenden, darf ich mich nochmal damit beschäftigen.

Was ich gerade nicht beantworten kann, ist die Frage wie ich auf diese Ressourcen zugreife. Hier muss ich leider gestehen, dass ich bei bestimmten Themen in eine Art „Flow“ komme. Dann ist es ein Selbstläufer und was ich erarbeiten will, was ich mir neu erschließen möchte, entsteht fast von alleine.

Oftmals in tagelangen (und leider auch nächtelangen) Denkprozessen entstehen meine Texte und Ideen. Ich bin die Texterin und Konzeptionerin der Dunkelheit. Wenn alle anderen schlafen bilden sich in meinem Kopf Worte, Sätze, Blogbeiträge, Headlines, entstehen Workshop-Landschaften und – Lernformate.

Mir scheint, Du hast einen für dich gut funktionierenden Zugang zu Deinen Ressourcen gefunden? In manchem, was ich lese, finde ich mich selbst wieder (das Umherhüpfen zwischen Themen und die Qual bei der Vorstellung, mich mehrere Jahre intensiv und fokussiert mit genau einer Fragestellung beschäftigen zu sollen). Früher, als Student, habe ich selbst in der Nacht geschrieben. Das funktioniert seit vielen Jahren überhaupt nicht mehr, weil sich meine Tagesroutinen und die (externen) Anforderungen an meinen Tag-Nacht-Rhythmus geändert haben.

Ja, das stimmt. Ich kann mich auf mich verlassen. Ich weiß, dass ich auch 5 vor 12 noch eine Idee, einen Geistesblitz haben werde, der funktioniert. Hätte nur gerne weniger Spontanität drin und ein System, dass ich mit anderen teilen kann. Schreiben tu ich nicht in der Nacht. Nur wenn mir ein wirklich geniale Idee einfällt für einen Kunden. Dann stehe ich auf, schreib die Idee auf ein Board und buche die Anzahl Stunden auf das Kundenkonto, die dem Wert der Idee entsprechen und das fühlt sich gut an.

… was verdeutlicht, wie relativ und flexibel Zeit gehandhabt werden könnte, als Arbeits- und als Lernressource. Wird es im Corporate Learning selten, wenn mit „Lernzeitbudgets“ etc. hantiert wird.

Zeit

Denn was Lernen neben sozialen Resonanzräumen und Gesundheit (dazu weiter unten mehr) besonders benötigt, ist Zeit. Ist Lern-Zeit die Grund-Ressource, ohne die alle anderen Ressourcen nichts sind? Gleichzeitig ist Lern-Zeit konstant rar. Unsere Gesellschaft ist so aufgebaut, dass kaum Zeit für bewusst selbst-organisiertes und -gestaltetes Lernen bleibt. Lernzeit ist notorisch fremdbestimmt (in der Regelschule, der Ausbildung oder Bologna-geprägten Universität, in verordneten Seminaren, Weiterbildungen oder Umschulungen). Andere bestimmen für uns, WANN wir Lernen sollen, dürfen oder angeblich sogar müssen – egal, ob uns die Zeit dafür gerade passend erscheint und wir Lernlust spüren. Lernzeit ist die Zeit im Seminar. Lernzeit ist geblockt im Kalender. Lernzeit wird eben nicht als die Zeit gesehen, in der Du in der Nacht aufstehst und eine Idee notierst … oder wachliegst und Gedanken wälzt. Und Lernzeit wäre … zumindest für mich … auch sehr oft die Zeit, die gerade nicht verfügbar ist, weil dies und das und jenes erledigt werden muss.

Ich stelle für mich selbst fest, dass meine Lernlust regelrecht aufblüht, wenn ich längere Zeit am Stück für mich habe. Auch deshalb nehme ich mir jeden Sommer den Luxus der ganzen großen Ferien. Damit habe ich nicht nur die gesamten sechs Wochen mit meiner Familie, sondern spüre auch, wie meine Lernressourcen wieder wachsen. Ich entdecke im Alltag verschüttete Interessen, spüre meine Selbstwirksamkeit und nehme mir unendlich viele Lernprojekte vor … die dann erwartungsgemäß im Herbst zwar meist wieder einschlafen, aber allein die Erkenntnis, dass sie in mir als Lernressource schlummern und durch mehr verfügbare Zeit spürbar werden, ist sehr beruhigend.

Allerdings kann diese Sehnsucht nach Lernzeit auch ausgenutzt werden. Wie oft nehme ich war, dass das Versprechen von Lernzeit in Unternehmen missbraucht wird – als Pflaster über disfunktionaler Planung, schlechten Arbeitsbedingungen und Überlast. Lernzeit wird dann zur zermürbenden Möhre-vor-der-Nase, die nie erreicht wird, aber immer ergriffen werden könnte, wenn denn die Arbeitsdisziplin stimme. Und selbst wenn sie im Kalender steht, gnädig gewährt, steht da doch immer noch die nicht erledigte Tätigkeit in Konkurrenz, die noch schnell fertig gestellt wird, unter dem Schutzmantel des ‚Nicht stören, hier wird gelernt’.

Wenn der Tag zu viel Inhalt hat, aus Erwerbsarbeit, Care-Arbeit und einem kleinen Rest Selbstfürsorge – oder nennen wir es kleine Pause, da ist Lernen nicht machbar. Ich erinnere mich an Zeiten, als diese Kombination es lediglich ermöglichte seufzend und traurig die Decke anzustarren. Dies ist die Realität von vielen, vermute ich. Und in der Lebensphase in der Johannes steckt, ist es wirklich schwierig ungeplante spontane Lernzeiten unterzubringen. Möchte jetzt gerne schreiben, dass das besser wird. Aber leider, leider, erst mal Nein. Deswegen finde ich es sehr inspirierend was Johannes dazu schreibt. Sich gezielt die Lernzeiten-Fenster zu schaffen und zwar nicht als „festes Fenster“ sonder so, dass Selbstwirksamkeit erfolgen kann und die freigeschaufelte Zeit nicht zugeschüttet wird mit anderen Todos, die darauf warteten erledigt zu werden (Aufräumen, Einkaufen, Räder wechseln, …). Es ist jetzt 11:30 Uhr und ich werde jetzt eine Runde durch den Wald drehen, diesen Beitrag im Kopf haben und später wieder anschließen.

„Wie schaffen wir unseren Mitarbeitenden Lern-Zeit?“ ist die Frage, die mir (neben der zur ominösen „Lern-Kultur“, auf die ich noch eingehen werde) in Beratungssituationen am häufigsten gestellt wird.

Die Zeitfrage ist in Betracht auf die „Teppich-Etage“ noch relativ einfach finde ich. Schwierig wird es bei den Beschäftigen auf dem „Hallenboden“ oder die mobil unterwegs sind. Hier müssten Einschnitte gemacht werden in die „Produktivitätszeit“, was bei heutigen Auslastungen und Effektivitäts-Steigerungen schwer zu handhaben und zu vertreten ist. Am Ende ist es doch auch hauptsächlich Vertrauen, auf das gebaut werden muss. „Ich stelle Lebenszeit und Arbeitskraft zur Verfügung und werde diese optimal für dich liebes Unternehmen zum Einsatz bringen“ steht da im krassen Konflikt zu „ … und am Ende wird beim Homeoffice womöglich auch noch nebenher Wäsche gewaschen!?!“.

Ja, wir betreten hier ein neues Konfliktfeld, in dem das oft postulierte Mantra „Lernzeit = Arbeitszeit“ wie ein fernes Echo aus dem Elfenbeinturm wirkt. Natürlich bemüßigen sich alle, auch die Arbeit auf dem „Hallenboden“ lern-reich zu gestalten. Als Lippenbekenntnis. Die Realität sieht oft anders aus, und „Lernzeit“ wird in Pausenzeiten oder die Freizeit versteckt (natürlich nicht offiziell). Wie erkämpfen wir uns Lern-Zeit?

Gesundheit(en)

Neben der zur Verfügung stehenden Zeit und dem sozialen Netzwerk ist Gesundheit (oder sind „Gesundheiten“ … ich möchte mich, ähnlich wie mit „Zukünften“, auch mehr mit der bewussten Verwendung des Begriffs Gesundheit im Plural auseinandersetzen, um die problematische Binarität Krank – Gesund zu hinterfragen) die dritte ganz zentrale Lernressource – und diejenige, die in den meisten Lernkontexten krass ignoriert wird. Die körperliche und seelische Verfassung, die wir in Lernprozesse einbringen, ist darauf so prägend wie fast nichts anderes.

Das sind Barrieren, die uns den Zugang zu Lernsettings verwehren. Das ist unsere menschliche Neurodiversität, die ignoriert wird. Das ist das unterschiedliche Maß an Kräften, die wir insgesamt einbringen und auf unsere unterschiedlichen Anforderungen im Alltag verteilen können.

All das wird in vielen konventionellen Lernsettings oft ignoriert oder als Nice-to-have betrachtet, dabei sollten alle Betrachtungen hier starten.

Gesundheit ist aber ein wesentlicher Bestandteil. Wer im Burnout steckt, Depressionen hat, oder in einem Suchtverhalten steckt, kann nicht lernen. Jedenfalls nicht gut.

Ich denke, doch, auch aus solchen Situationen erwächst Lernen. Nur ein gänzlich anderes, das eine eigene Betrachtung verdient – denn mir liegt es fern, Lernen aus Leid irgendwie faschistoid zu glorifizieren.

Finanzielles

Am Ende sind wir also bei den Elefanten angelangt. Zeit, Gesundheit … und das liebe Geld. Dass Lernen durch finanzielle Ausstattung gefördert oder durch Einsparung stark erschwert werden kann, scheint intuitiv einleuchtend. An dem Punkt waren wir schon zu Beginn, im Abschnitt „Inhalte / Materielles“. Im Corporate Learning taugt das, was etwas kostet und sich in einem definierten Zeitraum messen und bewerten lässt … die Return-on-Investment-Logik. Ebenso bekannt, dass wir lebenslang unterschiedlich finanziell begütert mit entsprechend unterschiedlichen Zugängen zu anderen Lern-Ressourcen (Zeit, Gesundheiten, Inhalte etc etc ….) durch die Welt laufen.

Wir sollten uns stark dafür machen, Lernen gebührend finanziell auszustatten. In der Schule, in außerschulischen Realitäten von Kindern und Jugendlichen, während des Aufwachsens, am Arbeitsplatz und außerhalb der Erwerbsarbeit, im sozialen Miteinander, im politischen Gefüge und in Situationen, in denen wir ganz besonders auf Unterstützung anderer angewiesen sind. Ja, es mag abgegriffen sein und aufgrund seiner Verwurzelung in einer neoliberalen Verwertungslogik auch angreifbar, gehört im Rahmen dieser Logik aber immer wieder betont: Investitionen in Bildung rechnen sich!

Ich mag hier gerne noch die Brille der Soloselbständigen reinbringen. Was für außenstehende leicht aussieht, wenn ich im Erstgespräch gute Ideen einbringe und relativ schnell ein Grobkonzept erstelle, ist das Ergebnis vorab geleisteter Lerneinheiten, die mir in Gänze niemals gezahlt werden können. Deswegen erlaube ich mir, diese bei Beauftragung anteilig in Rechnung zu stellen. Nach eigenem ermessen, aber so dass meine Vorableistung unabhängig vom Auftrag honoriert wird.

Feminismus

Feministischer Blick auf die Ressource, als Auszug unserer Feministischen Lernpolitik? Was braucht es um Lernen gut zu gestalten aus der Blickrichtung Feminismus?

Hinweis in eigener Sache. Das endet jetzt hier sehr plötzlich.

Ach ne, das war ein fulminanter Start, der noch lange nicht zuende ist, sondern doch nur als Auftakt für unsere Session geplant ist, Gabriele. In unserer Session öffnen wir den Lernraum mit allen Teilgebenden. Vielleicht schreiben ja einige davon auch im Nachgang noch weiter, so wie wir? 🙂

Eigentlich sollte ich hier einen Abbinder schreiben, der sich mit der Ressource Feminismus beschäftigt und unser Thema Lernressourcen abrundet. Ich mag aber viel lieber erzählen, wie wir zwischendurch auf Literatur gekommen sind und ich fand, dass unser Austausch mich an Stephanie Sargnagels Buch „Iowa“ erinnert mit den Fußnoten von Christiane Rösinger. Johannes lacht und sagt „das Buch war super witzig!“. Fand ich auch. Und vielleicht ist es doch ein bißchen die feministische Klammer, die unseren Austausch wieder schließt. Beim Erstellen dieser letzten Zeilen kam mir noch in den Kopf: Lernressource Humor? Scherz beiseite. Humor ist zumindest ein verbindendes Element und macht gemeinsames Lernen zu einem Erlebnis. Jedenfalls zwischen mir und Johannes, wie wir es hier beim gemeinsamen Schreiben und Denken erlebt haben.

Update, 9.3.2026: Gabriele hat den gleichen Beitrag ebenfalls auf ihrem Blog veröffentlicht: https://www.schobess.de/post/perspektiven-auf-lern-ressourcen

#CLC23 #CLCamp26 #eine

#Ratingen #NRW

#Update
16.15 Uhr: Die Sperrung der Räumungszone für die #Entschärfung einer #Weltkriegsbombe in der Ratinger #Innenstadt muss aus #organisatorischen #Gründen um #EINE #Stunde auf 18 Uhr #verschoben werden. Ab diesem #Zeitpunkt darf sich niemand mehr in dem #Bereich im #Umkreis von 300 Metern rund um den #Fundort aufhalten.
https://www.stadt-ratingen.de/

#Bombenfund

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Eine Releases Session Dedicated To Anarcho-Antiquarian Bookstore

Eine, the solo project of Ivan Ščapec (Seine, litl itali, Vlasta Popić), now translated into electric impulses and analog synths, closes 2025 with the Tajni desk session. The session was filmed in a unique anarho-antikvarijat to save books from destruction, directed by Marina Uzelac. Featuring two songs, ‘Bubamara’ (Seine) and ‘Sve’ (solo eine), the release is a continuation of his experimental alt-rock/electronic format, and announces a busy 2026 starting with a concert in Zagreb.

https://youtu.be/q9ogB5SNL0A?si=ciaVQTAL7SdUmOUp

#eine #indie #music #news

Ahnenforschung an der Eine: Wie zwei Waliser in Aschersleben nach ihren Vorfahren suchen

#Aschersleben. Der Waliser Wayne Connolly-Brooks sucht in Aschersleben gemeinsam mit seinem Cousin Barry Jarvis Hinweise auf seine Vorfahren. Hilfe bekommt er dabei von einer Frankfurterin.

https://www.mz.de/lokal/aschersleben/ahnenforschung-an-der-eine-wie-zwei-waliser-in-aschersleben-nach-ihren-vorfahren-suchen-4149071 (€)

#paywalled #Ahnenforschung #MitteldeutscheZeitung #Eine #WayneConnollyBrooks #BarryJarvis #Wales #PeggyMalbares #Auswanderung

Spurensuche: Ahnenforschung an der Eine: Wie zwei Waliser in Aschersleben nach ihren Vorfahren suchen

Aschersleben/MZ - Irgendwann wollen Menschen wissen, woher sie kommen, wer ihre Vorfahren waren. Hilfe finden Ahnenforscher oft in Internetarchiven. Doch mitunter kommen sie nicht weiter. In der Facebook-Gruppe „Wir sind Aschersleben“ hat sich nun eine Frau gemeldet, die für einen Bekannten nach...

mz.de
Über 12.000 Gewinner*innen: Aktion Mensch überrascht am 5. November

Aktion Mensch verleiht 1 Million Euro und unterstützt soziale Projekte.

DieSachsen.de - News aus Sachsen
Eine zweifelhafte Ehrung: Das Unternehmen FWW24 UG versendet Fake-Zertifikate für Büchersammlungen – inklusive Rechnung · Leipziger Zeitung

Unerwartete Post sorgt derzeit für Ärger und Verunsicherung bei Verbraucher*innen. Absender ist die FWW24 UG, eine Plattform, die die digitale Verwaltung

Leipziger Zeitung
@demiguru @restorante @crandel @alerque @Zenie @weavejester #eine #zwei #zmacs #emacs #lisp #lispmachine Dan Weinreb's thesis describes EINE and ZWEI, the software for Zmacs, the Emacs editor on the MIT Lisp Machine: https://github.com/MITDDC/eine-1975-1981/blob/main/eine/7007637/arc.thesis/th.64
eine-1975-1981/eine/7007637/arc.thesis/th.64 at main · MITDDC/eine-1975-1981

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❤️ ❤️ 90.000 Klicks auf Karte mit 1.000 Fahrrad-Reparatur- und Service-Stationen

90.000 Klicks! Ein ❤️-liches Danke: ■ an alle Interessierten, die auf diese Karte draufschauten ■ an alle, die uns Informationen zum Eintrag in die Karte übersandten / zur Verfügung stellten Und weiter geht's, gerne auch mit Deiner Hilfe!!

Worin bestehen die technisch-wirtschaftlichen Fortschritte der vertikalen Ost-West-Agri-PV?
#Sie kann mit wählbarem, großem Abstand im Bereich von 10m schnell und billig gebaut werden.
#Sie kann leicht rückgebaut und anderswo aufgebaut werden.
#Der bifaziale Aufbau nutzt die Module von der Vorder- und Rückseite, Halbierung der Modulkosten!
#Eine Ost -West Ausrichtung ergibt ohne Batteriespeicher bessere Vermarktung des Stroms als eine Süd -Sufständerung.
#Eventuelle Wartungsarbeiten sind leicht

Unpopular opinion: Wir retten die Autoindustrie von morgen nicht mit Autos von gestern.

Meine uneingeschränkte Solidarität gilt den 100.000 VW-Beschäftigten, die am Montag gegen geplante Werksschließungen und Lohnkürzungen streikten. Es ist leider ein vertrautes „Spiel“, das hier gespielt wird. Ausgerechnet Jene, die am wenigstens mit den Managementfehlern der Vergangenheit und Gegenwart zu tun haben, sollen die Zeche für dieses Versagen zahlen, während das obere Management nicht im Ansatz auf die Idee kommt, selbst solidarisch Gehaltsverzicht zu üben oder mit den Aktionär*innen über mögliche Sparszenarieren auf Dividenden-Seite zu sprechen. Erhielten diese doch spannenderweise mit 4,5 Milliarden Euro einen Betrag, der nun eindeutig im „Säckel“ von Volkswagen fehlt, neben den Rückstellungen in Milliardenhöhe für die Transformation, die gern auch als „Verluste“ missgedeutet werden.

Dennoch: Mir geht der Fokus, der hier vor allem auch von der Gewerkschaft als Vertretung der Arbeiter*innen gewählt wird, nicht weit genug. Streik gegen Entlassungen und Standortschließungen ist ein nachvollziehbarer, aber in meinen Augen nicht zielführender Streik. Denn es gilt zu klären: Wofür streiken wir? Und streiken wir „nur“ als VW-Angestellte oder als große Gemeinschaft von Klimabewegung bis „würdevoll altern“. Uns allen fehlt eine gute Basismobilität, da in zu vielen Regionen von Deutschland nur gut lebt, wer einen Führerschein und ein eigenes Auto mitbringt. Das ist ein Zustand, der gegen das Grundgesetz und alle Klimaurteile gleichermaßen verstößt.

Zudem wundert es mich, dass der letzte Massenstreik bereits sechs Jahre her ist, kein gutes Zeichen, wird von externen Beobachter*innen doch schon lange angemahnt, dass die Industrie die überfällige Transformation entschlossener gestalten solle. Ich kann nicht beurteilen, wie hier die internen Prozesse gelaufen sind, ich weiß aber durch meine Besuche vor Ort in Wolfsburg, dass es nicht wenige progressive „Arbeiter*innen“, aber auch Verwaltungskräfte gibt, die sich für die Transformation des Konzerns zum klima- und sozial gerechten Lösungsanbieter von Mobilität einsetzen. Gern empfehle ich hier die Dokumentation „VW steht für VerkehrsWende”, der im Rahmen eines zweijährigen aktivistischen Projektes in Wolfsburg entstanden ist.

Zitat:

Im August 2022 ging eine Handvoll kreative Aktivist*innen für zwei Jahre in die „Höhle des Löwen“, nach Wolfsburg, ins Herz der Automobilindustrie. Ihr Ziel: Den automobilen Konsens aufbrechen – durch kreative Kampagnen und bunte Aktionen gemeinsam mit kämpferischen Arbeiter*innen ein Möglichkeitsfenster öffnen.

Der Film versammelt von Betriebsräten bis hin zur Bevölkerung Stimmen, die mit und nicht gegen Volkswagen die notwendige Veränderung gestalten wollen, auch um die Attraktivität ihrer Region und die Wirtschaftskraft der Industrie nicht zu gefährden. Ihre Teilnahme am Projekt und am Film abgesagt haben leider Manager*innen, Betriebsratsvorsitzende und Vertreter*innen der automobilen Clans innerhalb der Aktionär*innen.

Das Absurde: Profite der Volkswagen-Eigentümer von Wolfgang Porsche bis zum fossilen Emirat Katar sprudeln ungebremst weiter. Daher stellt sich den Beteiligten aus dem Volkswagen-Konzern im Film auch die Frage, wer Besitzer*in des Unternehmens sein sollte? Kurzfristig profitorientierte und fern den Mitarbeiter*innen agierende Kapitalist*innen oder die Arbeiter*innen selbst, die weit mehr Offenheit und Fachwissen für die Transformation mitbringen? Mir ist bewusst, dass solche Fragen schnell als Träumerei und unrealistisch abgetan werden, ich aber sehe es als realitätsverweigernd an, den Schlingerkurs ins Markt-Aus weiter als den richtigen Weg anzupreisen.

Seien wir ehrlich: Die Krise der Automobil-und Zulieferindustrie ist schon Jahre, wenn nicht sogar schon ein Jahrzehnt alt.

Davon zeugt auch mein eigener Blog:

25. August 2020: Klimakrise – Autokrise

4. Mai 2020: Offener Brief eines Automechanikers: Nie wieder Abwrackprämien!

Eine Maßnahme, die vielleicht schon vergessen wurde – weil es derlei zu viele gab?
8. April 2020: Aussetzen der Mehrwertsteuer auf Autos ist nicht zukunftsgestaltend.

6. Februar 2020: Arbeitsplätze zu halten, verhindert Zukunftsfähigkeit.

8. Januar 2020: Was bedeutet die „Brandrede“​ von Herbert Diess für VW – und die Branche?

Oder auch im Podcast:

4. Dezember 2022: Patrick Kaczmarczyk: Warum beruht der „Erfolg“ der Autoindustrie nicht auf Innovation, sondern auf Rechenkünsten?

9. Oktober 2022: Christian Endt: Warum müssen wir 2025 aufhören, Verbrennerautos zu bauen?

19. Juni 2022: Christoph Krachten: Warum hinkt die deutsche Autoindustrie Tesla seit Jahren hinterher?

17. Dezember 2023: Grant: Why do we live in a nanny state and what role plays the disinformation of corporations that sell us sugar, cars and fossil energies?

Allein in den vergangenen fünf Jahren wurden an die 60.000 Stellen ins Ausland verlagert oder
vernichtet. 773 000 Menschen arbeiten nach eigenen Angaben in der Autoindustrie. Zum Vergleich: Aktuell arbeiten allein in Pflegeheimen 814.000 Menschen. Diese haben aber aufgrund ihrer geringeren Einkünfte sehr viel weniger Lobby. Da sie „nur“ pflegen und nichts „bauen“, da auch die Arbeitsplätze, die ihnen nachgelagert sind, nicht in dem euro-wertigen Maße schaffen.

Erinnern Sie sich an den ersten Autogipfel bei Angela Merkel, als uns eine Millionen Elektroautos in 2020 versprochen wurden? Von der seltsamen Bebilderung in der FAZ mal abgesehen: Das ist 11 (!!!!) Jahre her! Kaufprämien wurden damals sogar noch ausgeschlossen. 2019 sagt Robert Habeck in einem Doppelinterview mit dem damaligen Volkswagen-Chef Herbert Diess: „Wenn Sie 2025 kein E-Mobil für unter 20.000 Euro anbieten, dann werden Sie – so fürchte ich – im Markt scheitern.“

Und das sind nur zwei von vielen Aussagen und Hinweisen, die die deutsche Autoindustrie eher ignorierte als sich zu Herzen nahm. Man kann von der Managementkompetenz eines Diess halten, was man will: Vollelektrisch war sein Kurs. Vielleicht war dies auch einer der Gründe, warum er frühzeitig gehen musste?

Wo aber liegen nun die Lösungen!?

Und jetzt kommt der Teil des Textes, wo Sie bitte alle paar Sekunden „das ist doch unmöglich!“, „Sie Träumerin!“ oder Schlimmeres denken, gern laut ausrufen. Denn das gehört dazu, wenn Menschen wie ich Vorschläge unterbreiten – Menschen, deren Imagination mit großer Freude und Detailgenauigkeit jeden Tag eine gute Zukunft für alle entwirft. Und dabei immer mehr wunderschöne Facetten entdeckt, die ergänzend noch mehr Menschen mitnehmen.

Einigen wir uns erstmal auf ein paar Ziele?

Das klappt meistens noch ganz gut, da fast alle von diesen ja sogar schon in Verträgen stehen, die innerhalb unseres Landes oder gar mit anderen Ländern unterschrieben worden sind.

Mobilität ist unverzichtbarer Teil des täglichen Lebens. Verkehr ist jedoch auch einer der größten Verursacher von Treibhausgasen in Deutschland. Um den Anforderungen des Pariser Klimaschutzabkommens und dem Ziel des Bundes-Klimaschutzgesetzes für 2030 gerecht zu werden, muss der Verkehr in Deutschland seine Treibhausgasemissionen bereits in den kommenden Jahren schnell und drastisch mindern. Umweltbundesamt

2023 verursachte der Verkehrssektor 146 Millionen Tonnen CO2⁠-Äquivalente und verantwortete damit 22 % (!!!) aller Treibhausgasemissionen Deutschlands. Dieser Anteil ist im Vergleich mit dem Referenzjahr 1990 um neun Prozentpunkte gestiegen. Und das, obwohl Motorentechnik sich verbesserte. Der Grund: Immer größere und damit immer schwerere Pkw .

Handelsblatt: VW, BMW und Mercedes setzen verstärkt auf Luxus und Masse. Baureihen wie CLA und S-Klasse werden immer wuchtiger. Experten warnen derweil vor Verschleiß von Straßen und Brücken.) Mit nur 10,9 % Minderung gegenüber 1990 hat der Verkehr seine Emissionen dabei – verglichen mit anderen Sektoren – deutlich weniger verringert.

Laut einer Studie der Umwelt-NGO Transport & Environment (T&E) werden Neuwagen in Europa im Durchschnitt alle zwei Jahre 1 cm breiter. Laut T&E wird sich dieser Trend aufgrund der steigenden Verkäufe von SUVs fortsetzen, sofern der Gesetzgeber nicht Maßnahmen ergreift. In vielen Ländern ist bereits etwa die Hälfte der verkauften Neuwagen zu breit für den Mindestparkplatz auf der Straße. Dazu habe ich auch bereits einen Podcast aufgenommen:

Prof. Petra K. Schäfer: Wie ist das denn nun mit der Vorschrift, dass Parkplätze breiter werden müssen?

#Eine