#CLCamp26 Erlebnisse und Erkenntnisse
Auf der Heimfahrt vom diesjährigen #CLCamp26 war ich so überwältigt vom Barcamp-Erlebnis vor Ort, dass ich, anstatt die sich schon verflüchtigenden Erinnerungen an meine eigenen Sessions zu notieren, ein schnelles Stimmungsbild tippte.
Am Wochenende danach fühlte ich mich erschöpft. Zwei übervolle Tage zollen ihren Tribut. Mittlerweile hat mich der Arbeitalltag wieder, aber der Vibe meines Heimfahrt-Beitrags ist nicht verflogen. Gerade in der täglichen Arbeit bin ich umso dankbarer, dass es die Corporate Learning Community gibt … über die ich immer wieder behaupte, dass sie mir seit 2017 neue Perspektiven auf und deshalb Freude an meiner Profession gegeben hat. Es ist unbedingt notwendig, zumindest einmal im Jahr die täglichen Berufs-Konstellationen und das eigene berufliche Wirkfeld gemeinsam mit Mitwirkenden nicht aus direkter Projekt- oder Vertriebs-Perspektive zu betrachten, sondern sich gegenseitig mit Überzeugungen, Zweifeln, Einsichten oder nur lose verpackten Kritik zu konfrontieren, die das grundlegendere Verständnis für unsere Branche und deren Spielregeln weiten. (Mehr dazu schreibe ich in meinem CLC-Buchbeitrag „Eine Verteidigung der Corporate Learning Community“).
Auch dieses Jahr wieder hatte ich Sorge, dass der zerstörerisch wütende „KI“-Bullshit die Sessions dominiert. Die Sorge war berechtigt. In jedem Slot gab es Sessions, in denen Grifter irgendwelche „KI“-Zaubertricks exerzierten. Dennoch schien es mir, dass der Begriff „KI“ in der individuellen Vorstellungsrunde deutlich weniger dominierte als noch letztes Jahr, und dass ich im direkten Gespräch Verbündete fand, die mit ähnlichem Entsetzen wie ich auf die Zerstörung blicken, die die gesellschaftlich-politischen „KI“-Narrative der Tech-Nationalist:innen, der LinkedIn-Bros aber auch der diese Narrative übernehmenden Anwender:innen weiterhin anrichten. „Ich hab mal die KI gefragt“ … diesen intellektuellen Offenbarungseid habe ich glücklicherweise seltener gehört als noch die letzten Tage. Und in den Pausengesprächen mit Community-Mitgliedern, die entsprechende Sessions besucht hatten und daraus berichteten, offenbarte sich, dass die Argumente der „KI“-Grifter immer fadenscheiniger und ihre Tricks immer durchschaubarer werden.
Die Barcamp-Magie des Zwischen-den-Sessions und Drumherum
Bevor ich einige der von mir besuchten Sessions rekapituliere, blicke ich auf meine Notizen, die ich zwischen den Sessions gemacht habe.
Die Hashtags der Vorstellungsrunde schienen mir so sehr geprägt von zwischenmenschlichen Anliegen, wie schon lange nicht mehr. Sind viele von uns der „Digitalisierung“ und des „KI“-Theaters müde? Sehnen wir uns nach Erfahrungen des situativen Spielraums und der Begegnung? (Ja, vielleicht bin ich gerade auch beeindruckt von meiner Anreiselektüre: „Situation und Konstellation“ von Hartmut Rosa.)
Drückt sich diese gefühlte Digital-Müdigkeit auch dadurch aus, dass die Vorort-Tickets des Barcamps endlich mal wieder ausverkauft waren und nicht annähernd so viele Online-Teilgebenden und -Sessions angeboten wurden wie vor Ort? Dass es einen beliebten „roten Raum“ ohne Technik gab, in dem ich mich so verbunden fühlte wie in manchen Sessions 2017 und 2018, die konsequent auf menschlich-körperlich-aufmerksames und ganz analoges Improvisieren setzten?
Der Ruf nach ‚echten Begegnungen‘ mag abgestanden klingen und in der täglichen Arbeit liegt es mir völlig fern, ihn unreflektiert nachzuplappern. Ich schätze es, nicht mehr für eine einstündige Powerpoint-Präsentation morgens um 5 Uhr von Berlin nach München und nachmittags wieder zurück fliegen zu müssen (was haben wir damit jahrelang angerichtet?). Ich respektiere gut organisierte Online-Meetings und sowohl aus privaten als auch aus dienstlich-ökonomischen Gründen ist es mir ein Anliegen, nicht unnötig Kraft und Geld in vermeidbare Reisetätigkeit zu versenken, die besser in die gute Konzeption und Moderation von Online-Events investiert wäre. Gute Begegnungen sind online möglich und erstrebenswert. Hybrid-Meetings sind im geschäftlichen Kontext oft ein sinnvoller Kompromiss, insbesondere dann, wenn dadurch die Beteiligung diverser Interessensvertreter:innen ermöglicht und erhöht wird. Im Barcamp-Kontext sehe ich das anders. Wenn es uns möglich ist, Barcamps in regelmäßigen Abständen durchzuführen, plädiere ich vehement für einen Wechsel zwischen Onsite-only und Online-only. Barcamp-Hybrid ist für mich weiterhin ein schlechter Kompromiss, der uns unnötig belastet und einhegt und mir auch rein ökonomisch wenig sinnvoll scheint.
Trotz oder gerade wegen meiner Hybrid-Skepsis bin ich begeistert, wie wir es diesmal das erste Mal seit dem Twitter-Aus geschafft haben, wieder einen lebendigen, begleitenden und das Barcamp erweiternden semi-synchronen Digital-Layer zu weben – im Fediverse! Das Orga-Team und mehrere Teilgebenden haben sich sehr ins Zeug gelegt, schon im Vorfeld die Aufmerksamkeit auf Mastodon und insbesondere unsere eigene colearn.social-Instanz zu lenken. Vor Ort gab es eine Mastowall, Simon und Karlheinz haben eine Mastodon-als-Lernbooster-Session angeboten, auf Flyern und in regelmäßigen Hinweisen wurde auf das Fediverse hingewiesen und es wurde ein Beitrags-Wettbewerb ausgelobt. Während der Veranstaltung haben sehr viele Community-Mitglieder neue Accounts angelegt und die Timeline mit dem #CLCamp26 Hashtag war während des Events und ist auch jetzt im Nachgang noch lebendig. Harald hatte sogar den Community-übergreifenden #colearn Hashtag in selbst gesägten Holzbuchstaben auf die Bühne gestellt. Während letztes Jahr mehr LinkedIn als Mastodon genutzt wurde, hat sich das dieses Jahr erfreulicherweise gewandelt und auf LinkedIn blieb es dafür vergleichsweise ruhig. Ich habe Hoffnung, dass wir mit dem diesjährigen Engagement den Wechsel ins Fediverse wirklich vollzogen haben. Und vielleicht haben auch die Community-Mitglieder, die die letzten Jahre noch sehr sporadisch auf Mastodon posteten, diesmal Gefallen daran gefunden? Ich hoffe sehr, dass das Engagement auch zwischen den Barcamps aufrechterhalten wird.
Gute Veranstaltungen reichen über den eigentlichen Event-Zeitraum hinaus. Sie werden bereichert und bereichern die Vor- und Nachbereitung und alles, was sie ungeplant und unorganisiert anstoßen. Die Aufregung darüber im Netz, das kanalisierte Interesse der Teilgebenden schon lange im Vorfeld, die Inspiration, die sie den Teilgebenden für die Tage und Wochen danach mitgeben, das Sprechen darüber, die durch sie ausgelösten Begegnungen, all das, worüber ich hier schreibe (und dass ich überhaupt schreibe!). Der im letzten Abschnitt erwähnte digitale Layer trägt maßgeblich dazu bei.
Als ich nach Gabrieles und meiner Session zu „Lernressourcen“ (mehr dazu weiter unten) meine Mastodon-Timeline aufrief, stellte ich erfreut fest, dass die Session, während sie lief, durch mehrere Teilgebende aufmerksam dokumentiert und kommentiert worden war. Wenn Teilgebende während Deiner Session auf ihre Handys starren, ist das in der Corporate Learning Community ein gutes Zeichen! Eine Reihe an Beiträgen stach heraus: Markus Metz, der online zugeschaltet war und sich während der Session im Hintergrund hielt, hatte den Austausch aufmerksam verfolgt und ihn in der ihm eigenen kurzen, prägnanten und reflektierten Art in mehreren Beiträgen zusammengefasst und weitergesponnen.
Ebenfalls über Mastodon organisiert fanden sich Frauke, Christian Kaiser, Felix Harling und ich zu einem Austausch über Art of Hosting zusammen. Ich hatte Fraukes „Art of Hosting“-Erwähnung in der Vorstellungsrunde mitbekommen und dann auf ihrem Mastodon-Profil wiederentdeckt … und ein paar Nachrichten später hatte sich unsere kleine spontane Austauschgruppe gefunden. So funktioniert Peermatching im Fediverse! Und schon zu Beginn des Camps kam Felix auf mich zu: Er hatte mitbekommen, dass ich mich im Sommer für das Art of Hosting Training in Bad Boll angemeldet hatte … so wie er auch. Dort werden wir uns also wiedersehen. Ich freue mich schon jetzt darauf!
Kein Matching benötigte der Austausch mit Johanna Brühl. Ihre damals auf dem CLC19-Barcamp in Koblenz eingebrachte „Wandelgang“-Session hatte ich noch in guter Erinnerung … obwohl ich sie damals wegen einer parallel stattfindenden Session gar nicht besuchen konnte. Schon damals hatten wir uns zum Lernen beim Spazierengehen ausgetauscht, einer Leidenschaft, die ich mit ihr und anderen Mitgliedern der CLC teile. Sechs Jahre und eine spaziergangreiche Pandemie später konnten wir nahtlos daran anschließen. Besonders resonierte Johannas derzeitige Auseinandersetzung mit der „Lernenden Stadt“ in mir. Über (auch physische) Lernräume und -orte spreche ich z. B. regelmäßig mit Peter Überfeldt. Johannas Begriff „Lernende Stadt“ deute ich für mich einfach mal als antikapitalistische, psychogeographische Ausdehnung der „Lerndenden Organisation“ auf unsere Habitate in der Klimakrise … und weil ich den Begriff von Johanna im Zusammenhang mit Persönlichem Wissensmanagement hörte, packe ich mir gleich einen ganzen Rucksack weiterer Assoziationen hinein, über die ich nachdenken möchte: Kollektives Gedächtnis und kollektive Intelligenz, Stadt als Geschichtsschreibung und Museum, architektonische Wissensanker etc … . Ganz unabhängig von diesen Ideen, die der Austausch mit Johanna in mir angestoßen hat, haben wir uns zur Gründung eines Sketchnoting-lernOS-Lernzirkels verabredet. (Und mittlerweile habe ich einige dieser Gedanken auch in meinen regelmäßigen Austausch mit Peter übernommen … verbreite die Ideen aus dem #CLCamp26 also weiter …).
Am Wochenende nach dem Barcamp überraschte und erfreute Heidi Milke-Erlwein auf LinkedIn mit einer Sketchnote, in der sie die von ihr besuchten Sessions (unter anderem meine Sessions zu Lernressourcen und Informelle Lernräume) prägnant zusammengefasst und ebenfalls weiter verarbeitet hatte. Diese Sketchnote ist ein Fundgrube, die ich ebenfalls noch weiter erschließen möchte, sobald ich die Zeit dazu finde.
Und am folgenden Montag schrieb Stephanie Reiner ebenfalls auf LinkedIn eine Verarbeitung ihrer Inspirationen aus unserer Lernressourcen-Session mit umfassenden Hinweisen zum Weiterforschen. Bisher waren Gabriele und ich ja ganz hemdärmelig unterwegs gewesen, während Stephanie zum Thema promoviert. Schon direkt nach der Session hatte sie wertvolle Quellenhinweise auf unserem Etherpad platziert, die sie nun im LinkedIn-Beitrag sortiert, aufbereitet und kommentiert hat.
Auf diesem #CLCamp26 ist meine Art, Notizen zu machen, völlig aus dem Ruder gelaufen. Ich manchen Sessions habe ich meine Notizen direkt auf Mastodon gepostet, in anderen in meine Notizen-App getippt, wieder andere als Sprachnotiz eingesprochen. Es ist ein Chaos, das es entdeckend zu ordnen gilt. Nein, keine „KI“ wird mir das abnehmen und ich freue mich darauf, auch wenn es vielleicht noch Wochen dauern wird.
Da meine Kolleg:innen Katharina Vögl-Duschek und Johannes Wendt mir mir an diesen Freitag in einem internen „Fridays for Learning“ unsere #CLCamp26-Eindrücke mit anderen Kolleg:innen teilen werden, dient mir dieser Blogbeitrag als Start, die von mir besuchten Sessions zumindest flüchtig zu rekapitulieren und festzuhalten. Wir gehen rein.
Die 16 Stellhebel erfolgreicher Learning Circles (Nele Graf und Carla Rockenstein)
Der Raum war überfüllt. Lernzirkel – ein alter Hut? Nicht für die Teilgebenden! Die Vorerfahrungen waren unterschiedlich. Einige Teilgebende waren mit Lernzirkeln noch überhaupt nicht vertraut, andere sind WOL-Pioniere der ersten Stunde oder bilden selbst Lernzirkel-Coaches aus. Nele und Carla gaben eine kurze Einführung in das Format und legten dabei passend zum CLC-Kontext besonderen Wert auf die Planung und Durchführung interner Lernzirkel in Unternehmen. Ihre Aussage, dass Lernzirkel viele Probleme anderer Formate lösen, kann ich besonders gut nachvollziehen … insbesondere dann, wenn sie integrativ in umfassende Lernkonzepte eingebunden sind und darüber z. B. eine zeitliche Struktur in den Lernprozess bringen und Austausch- und Reflexionsräume schaffen. Nele kritisierte, dass viele Lernansätze immer noch viel zu sehr alleinstehend konzipiert und angeboten werden. Gerade in der Verschränkung klassischer Angebote mit Zirkeln liegt die Musik!
Christian Kaiser betonte, dass Boxenstopps, in der die einzelnen Lernzirkel zusammenkommen und sich synchronisieren, bei der Organisation des selbstorganisierten Lernens helfen können … gerade dann, wenn das anwendende Unternehmen damit noch nicht vertraut ist. Aber zum Selbstläufer würden Lernzirkel dadurch leider noch nicht – dazu braucht es aktive Unterstützung.
Auf die Frage einer Teilgebenden, wer Lernzirkel leite, weist Nele hin: Facilitator sollten sich möglichst schnell überflüssig machen. Es gibt viele Möglichkeiten, Guidance zu geben … zu Beginn vielleicht noch über unterstützende Personen, später dann nur noch über den Lernzirkel-Leitfaden. Die Freiheitsgrade können immer weiter gesteigert werden.
Nele bestätigte viele Aspekte, die Claudia Schütze und ich in unserer LERNLUST-Podcastfolge #51 // Willst Du mit mir zirkeln? bereits besprochen hatten – z. B. dass ein überschaubarer Gesamtzeitraum von z. B. sechs Treffen in vielen Unternehmen passender ist als die vollen 12 Wochen, die meist für Verstetigung von Verhalten empfohlen wird. Bedenkenswert ist in diesem Zusammenhang auch Neles Hinweis, dass je nach Thema und Gruppe die Taktung der Zirkeltreffen unterschiedlich sein sollte: Für manche Themen und Gruppen sollte die Regelmäßigkeit der wöchentlichen Treffen beachtet werden, andere Themen und Gruppen benötigen ggf. längere Abstände zwischen den Treffen, um dazwischen praktische Erfahrungen zu sammeln.
Es gibt Lernzirkel, deren Mitglieder sich auch nach Ende des Zirkels als Freunde jahrelang regelmäßig weiter treffen und nie wieder mit Lernzirkeln aufhören. Ich kann das aus eigener Erfahrung bestätigen. Dennoch sei es für Lernzirkel gerade innerhalb von Unternehmen schwer, sich zu verstetigen, weil das Format leider immer noch dem verbreiteten Bild von „Arbeit“ entgegenstehe, berichtet Christian.
Bei Lernzirkel-Initiativen, die einen unternehmensübergreifenden Austausch anstreben (für mich einer der wertvollsten Aspekte des Zirkelns!), springt die Bedenkenträgerei leider noch viel schneller an. Die Vorstellung, dass sich Mitarbeitende aus ggf. formal im Wettbewerb zueinander stehenden Unternehmen vertrauensvoll treffen, scheint für viele Führungspersonen Geheimnisverrat gleichzukommen Auch fehle es an offenen Möglichkeiten, Mitzirkelnde zu finden, wird beklagt. Leonid Letzner hat den Peerfinder ja leider eingestellt. Wie könnten wir das Fediverse dafür nutzen, Lernzirkelwillige zusammenzubringen?
Volkmar Langer berichtete, dass sein Unternehmen bei einer großen Behörde Lernzirkel-Coaches ausbildet und Lernzirkel-Initiativen begleitet.
Es war ermutigend, in der Session so viele Stimmen und Praxisbeispiele aus Unternehmen zu hören, die Lernzirkel im Einsatz haben oder Interesse daran zeigen. In den vergangenen Jahren hatte ich hin und wieder die Befürchtung, dass das Format an Attraktivität verlöre. Zumindest in der Session war davon nichts zu spüren. Ich freue mich, dass auch meine Kolleg:innen und ich weiterhin entsprechende Initiativen bei Kunden und intern haben … und für demnächst planen wir auch, uns in einem „Fridays for Learning“ tief in Neles Buch „Die Kraft der Learning Circle“ zu vergraben … denn das ist ein wirklich umfassendes Manual!
Das CLC Buch: Was geht noch? (Jochen Robes)
Auf diese Session freute ich mich besonders, denn hier wollten wir ein Thema zum Abschluss und gleich in eine zweite Runde bringen, das mein vergangenes Jahr prägte: Unser 15-Jahre-CLC-Buch „Gemeinsam lernen, gemeinsam wachsen“. Vor einem Jahr auf dem #clc25 kamen wir zusammen, beschlossen das gemeinsame Schreiben eines Buches, arbeiten über das Jahr daran … und waren pünktlich zum nächsten Barcamp damit fertig.
Schon auf der Anreise zum #CLCamp26 verfolgte ich auf Mastodon, wie die Teilgebenden das Buch als Anreiselektüre im Gepäck hatten und darin lasen:
Zum Aufbau der Initiative an sich wie auch zu Arten, das Ergebnis multimedial weiter zu erschließen, habe ich so viele Ideen, dass ich ihnen einen eigenen Beitrag widmen möchte. Jochen Robes und ich haben dazu vor kurzem auch einen Beitrag für die Zeitschrift „Das kuratierte Dossier“ (Schwerpunktthema „Knowledge and Co-Creation“) der Gesellschaft für Wissensmanagement eingereicht, der Anfang Mai erscheinen wird.
Christian Kaiser meinte, ein bekannter Vorwurf gegenüber Barcamps sei, dass diese sich oft in Gequatsche ohne Ergebnis erschöpfen würden. Das Buch sei Beweis für das Gegenteil. Jochen meinte, Barcamp-Sessions sollten schon versuchen, mit einem Ergebnis zu schließen … warum das dann im Anschluss nicht aufgreifen und weiter daran arbeiten? Ich schließe mich Christian und Jochen an: Für mich ist so ein Buchprojekt ein Prototyp dafür, wie sich Wissensarbeit als Gruppenprozess zwischen zwei Fix-Terminen selbstorganisieren kann: Wenn wir uns in einer Barcamp-Session (oder einem anderen Veranstaltungsformat) sortieren und wissen, dass wir uns in einem Jahr wiedertreffen, lohnt es sich, die Zeit dazwischen zu planen. Wenn jeder auch nur einen Beitrag als ‚Zwischenbericht‘ und eigener Weiterverarbeitung schreibt, auf Video aufnimmt oder anderweitig veröffentlicht, lässt sich daraus ein gemeinsames, die Gruppe stärkendes, neue Beziehungen, Debatten oder Verbindungen schaffendes Ergebnis wie unser Buch erstellen. Damit wird aus unserem Buchprojekt eigentlich ein neues Großgruppenformat … eine Art Mischung aus Open Space, Barcamp und Community of Practice vielleicht? (Christian brachte auch noch das „Harvesting“ aus Art of Hosting ein … die gemeinsame Ernte aus dem Gruppenprozess. Darüber werde ich im Sommer in meinem Training mehr erfahren …)
Wie könnten wir diesen Charakter der gemeinsamen, aber asynchronen Arbeit zwischen zwei Synchronevents auf andere Lernansätze übertragen? Das interessiert mich sehr, darüber möchte ich weiter nachdenken!
Was machen wir jetzt mit dem Buch-Ergebnis? Ideen haben wir genug. Tanja Laub schlug eine Art Community-Stammtisch vor, in dessen Rahmen die Autor:innen ihre Beiträge vorstellen. Stef Halimi betonte, dass wir die ursprünglich im Rahmen unseres Online-Booklaunch geplanten Kurzpräsentationen unserer Beiträge noch durchführen sollten (eigentlich wollte ich dazu ein kurzes Video aufnehmen … vielleicht mache ich das noch?). Ich würde gerne vertiefende Podcast-Episoden mit den Autor:innen aufnehmen, um ihnen ausreichend Raum zu geben, die Geschichten hinter ihren Beiträgen hörbar zu machen.
Im zweiten Teil der Session stellte Jochen seine Idee für das nächste Projekt vor: Ein Buch über persönliches Wissensmanagement. Dazu hat er mittlerweile auch einen Aufruf auf das Blog der Corporate Learning Community gesetzt. Natürlich werde ich wieder mitmachen und kann es kaum erwarten, mit der Arbeit loszulegen! Meine Ideen und Ansprüche sind wieder übervoll. Gerne würde ich diesmal auch mehr Energie in die Gestaltung stecken, als mir dies beim letzten Mal möglich war (ich bin immer noch beeindruckt von Buchkunstwerken, die ich auf der Leipziger Buchmesse in den Händen hielt …).
Jochen schlug vor, den Schreibprozess eventuell über konkrete Leitfragen zu strukturieren. Ich könnte mir auch eine Art Blogparade vorstellen (eine Idee, die ich schon das letzte Mal eingebracht hatte). Jochen verwies außerdem darauf, dass sich das Thema ideal eigne, um mehrere Communities zusammenzubringen – z. B. die gfwm und die loscon, die sich ja ebenfalls intensiv mit Wissensmanagement auseinandersetzen.
Herwig Kummer brachte die berechtige Frage ein, wieso sich eine Community, die ja gerade vom Austausch und dem Wissen-Teilen lebt, ein Buch über persönliches und damit zunächst individuelles Wissensmanagement schreiben sollte. Jochen antwortete, dass gerade in Communities wie der unseren das individuelle, selbstorganisierte Lernen und Wissensmanagement eng verbunden sei mit dem Community-Lernen und -Wissensmanagement. Ich teile diese Idee … und denke zurück an meine zeitweilige tiefere Beschäftigung mit PKM-Ansätzen wie Zettelkasten etc., bei der mich gerade der Aspekt reizte, wie wir unser eigenes Wissensmanagement nicht nur nach außen transparent einsehbar machen, sondern wirklich öffnen und zu einem gemeinsamen Wissensmanagement machen können. Simon Dückert erwähnte die Verbindungen zum Personal Learning Environment (PLE) und Personal Learning Networks (PLN). Mir fällt die LERNLUST-Folge #40 ein, die ich mit Christian Huber und Claudia Schütze zu dem Thema aufgenommen hatte. Und mit Johanna Brühl sprach ich über ihre Themen „Lernende Stadt“ und Communities of Practice, und welche Beziehungen beides zum Persönlichen Wissensmanagement habe. Ich bin mir sicher, dass Rahmenthema unseres nächsten Buches ist wieder so konkret und offen zugleich, dass es einen produktiven Rahmen für unsere Autor:innen in 2026 schafft. So viele Ideen, wann legen wir los? Erste Session für das #CLCamp27 steht bereits … 😉
Lern-Ressourcen: Was verstehen wir darunter und wie erschließen wir sie? (Gabriele Schobeß, Johannes Starke)
Unsere eigene Session, radikal hybrid, wie Harald Schirmer bereits beim Pitch feststellte: Gabriele im Online-Raum, ich vor Ort. Eigentlich begann unsere Session schon im Vorfeld in unserem kooperativen Schreibprozess, der in unserem gemeinsamen Artikel mündete.
In der Session tauschten wir uns aus: Was sind Lern-Ressourcen? Welche gibt es? Wie können sie auf- und ausgebaut werden? Wie mache ich mir meine Lern-Ressourcen bewusst?
Online dokumentierte und reflektierte Markus Metz sehr aufmerksam und präzise in kurzen Mastodon-Beiträgen mit. Im Raum entwickelten die Teilgebenden konstruktiv aufeinander aufbauende Sichtweisen auf das Thema und brachten viele Beiträge ein, die ich leider nicht mehr alle aus dem Gedächtnis rekonstruieren kann, die aber die enorme Vielfältigkeit und das Potenzial des Themas greifbar machten.
Wir sprachen über Infrastrukturen, die aufgebaut werden und die Lernressourcen erschließen lassen und selbst Ressource sind … die aber auch davon bedroht sind, zu veröden, wenn sie nicht mehr aktiv gepflegt werden … im Unterschied zu einer Art Perpetuum Mobile des Lernens, das sich selbst Lernressourcen nutzend und dabei neue generierend antreibt und verstetigt.
Wie pflanzen wir Samen, die weiter und weiter wachsen, auch wenn wir selbst nicht mehr aktiv das Wachstum unterstützen? Ist das möglich .. und erstrebenswert? (Erinnerung an Neles Lernzirkel-Session, in der bemerkt wurde, dass Lernzirkel nicht von alleine viral gehen …).
Wir sprachen über Knappheit und über Verschwendung von Lernressourcen. Gerade die Verschwendung kann in Zeiten eines Überangebots an manchen Lernressourcen auch bewusst oder sogar lustvoll sein. Teilgebende berichteten aber auch davon, dass äußere Rahmenbedingungen (z. B. befristete Stellen) auch dazu führen, dass Lernressourcen nicht sinnvoll eingesetzt werden können.
Wir sprachen über gegenseitige Unterstützung, die Ressourcenvermehrung durch menschliche Beziehungen und den Möglichkeiten, auf diesen Beziehungen aufzubauen. In gewisser Spannung dazu stehen mögliche Expert:innen-Zuschreibungen, die Gabriele und ich anfangs spürten, die wir aber schnell auflösen und in das gemeinsame und miteinander stattfindende Erkunden des Themas überführen konnten.
Über Rückmeldungen z. B. auf Social Media (und sei es nur ein Sternchen …) als Ressourcen hatten Gabriele und ich bisher noch gar nicht nachgedacht. Thematisiert wurden auch die Bedingungen, unter denen bestimmte Ressourcen entstehen/aufgebaut werden: Welche Ressourcen stehen hinter den Ressourcen? Aufgeworfen wurde die Frage von Relevanz … ob Ressourcen dauerhaft bestehen bleiben sollten oder ob es auch gut sein kann, wenn Ressourcen vergehen.
Sehr viele weitere Ideen brachte Stephanie Reiner ein, die in ihrer Promotion eine Ressourcentaxononie entwickelt hat. Ich zitiere aus dem Text, den sie auf unser Session-Etherpad gestellt hat:
„Ich habe in meinem Promotionsprojekt eine Ressourcentaxonomie für den digitalen Arbeitskontext entwickelt, basierend auf der Literatur der Job Demands-Resources Modell/Theorie. Eine Ressourcentaxonomie ist ein Klassifizierungssystem (eine Art Ressourcenmodell), das dazu betragen soll, die Variation der Ressourcenausstattung übersichtlich darzustellen. Eine Ressourcentaxonomie findet insbesondere Anwendung (oder ist hilfreich) zum Erkennen und Aktivieren von Ressourcen (z.B. im Psychotherapeutischen Kontext, in der sozialpädagogischen Praxis oder im Coachingbereich).
Die entwickelte Ressourcentaxonomie umfasst folgende Ressourcendimensionen:
Im Nachgang zur Session hat Stephanie ihre äußerst hilfreichen Hinweise in einem LinkedIn-Beitrag mit ausführlichen Hinweisen zu wissenschaftlichen Perspektiven ergänzt. Was für ein Geschenk! Tausend Dank auch an dieser Stelle, liebe Stephanie! Ich freue mich sehr, auch zukünftig weiter mit Dir und Gabriele an dem Thema zu arbeiten und werde mich bei Dir melden!
Ganz besonders interessiert mich der von Stephanie mit zwei Quellen-Hinweisen versehen Ressourcen-Kreislauf (oben bereits angesprochen), denn im klassischen Corporate Learning denken wir oft in Einbahnstraßen: Konsumieren gegebener externer Lernressourcen in Form von Lernmaterialien, die zum internen Aufbau von Wissen führen. Dabei können wir doch weiter handeln (z. B. während und auch nach dem Besuch externer Veranstaltungen das Reflektierte und Gelernte in einem eigenen Beitrag weitergeben, ganz nach dem Vorbild von Stephanie oder nach Seek>Sense>Share von Harold Jarche.)
Im letzten Absatz ihres LinkedIn-Beitrags schreibt Stephanie: „Lernressourcen verändern sich über Lebensphasen hinweg (z.B. verfügbarer Zeit). Soweit mir bekannt ist, fehlt hierzu bislang ein systematischer Überblick in der Literatur. Daher möchte ich die im Rahmen meines Promotionsprojekts entwickelte Ressourcentaxonomie nach Abschluss um lebensphasenbezogene Perspektiven erweitern.“ Hier denke ich an viele Hinweise, die ich mir vor Jahren beim Lesen von Teresa Bückers prägendem Buch „Alle Zeit“ notiert hatte, zuvorderst an die darin mehrfach erwähnte 4-in-1-Perspektive von Frigga Haug, aber auch weniger auf gesellschaftlicher Ebene, sonder deutlich konkreter am Arbeitsalltag in Unternehmen die Löffel-Theorie und damit verbunden das oft viel zu eng auf WCAG-Kriterien und gesetzliche Anforderungen reduzierte Thema Barrierefreiheit. Damit möchte ich auch weiterarbeiten …
Vor kurzem habe ich mich mit Gabriele abgestimmt. Gabriele hat bereits ein Workshopkonzept entwickelt, über das sich Teilnehmende ihrer individuellen Ressourcen bewusst(er) werden und diese sichtbar machen können. Ich habe vor, das Thema aus organisational-struktureller Perspektive weiterzudenken und in einer Art Landkarte darzustellen, die die Analyse unterstützt (vielleicht berührt das dann auch Stephanies Taxonomie und ich stimme mich dazu mit ihr ab?) Und wenn wir dann beide an einem bestimmten Punkt sind, wollen wir unsere beiden Perspektiven wieder zusammenführen und … wer weiß … vielleicht in einer Nachfolgesession oder einem nächsten kooperativen Schreibprozess miteinander sprechen lassen?
Twin-Transformation als Default für zukunftsfähige und resiliente Bildungskonzepte (Henning Klaffke)
In dieser Session gab Henning einen Einblick in das Forschungsprojekt „Nachhaltige Bildung in der IT-Aus- und Weiterbildung (NABIT)“ zum Aufbau von Nachhaltigkeitskompetenz in der Lehre. Er berichtete von den drei Forschungszielen:
Harald Schirmer legte m. E. mit seiner Frage einen Finger in die Wunde der klassischen BWL-Ausbildung: Wie lehrt die Hochschule das Thema Twin Transformation, wenn Ressourcenverschwendung so grundlegend im BWL-Lehrplan verankert ist?
Mich lies die Session ernüchtert zurück. Die beiden grün-kapitalistischen Betrachtungsfelder „Green IT“ und „Green IS“ sind mir viel zu klein und zu isoliert betrachtet:
Applied Improv – ein Multitool für Embodied Learning (Frederic Gülbeyaz)
Meine schönsten Erinnerungen an vergangene Barcamps sind die, in denen wir unsere Körper zum Lernen einsetzten – denn unsere Körper sind eine Lernressource, die wir in der Wissensarbeit vielleicht besonders stark vernachlässigen? Ich schrieb darüber an vielen anderen Stellen ausführlich, z. B. hier. Durch das Hybrid-Setup ist Embodied Learning in den letzten Jahren vernachlässigt worden – aber diesmal hatten wir ja den roten Raum ohne Technik und mit der Möglichkeit, ihn ganz mit unseren Körpern zu bespielen … ohne Kamera.
In unserer Improtheater-Session ging es um das spielerische Feiern unerwarteter Entwicklungen, Ausprobieren neuer Handlungsweisen und Sich-Auffangen-Lassen in der Gruppe … im „Improtheater, das fremd geht“ AKA „Unternehmenstheater“ oder „Applied Improv“. „Raus mit den Ideen. als Gegenprinzip zur Scham“ – dazu ludt uns Frederic in seiner Session ein, die mir in Erinnerung ein Lächeln der Zuversicht für zukünftige Dramatisierungskompetenz auf die Lippen legt.
(Foto von Frederic Gülbeyaz)CLC goes Podcast (Giovanna Lo Presti, Katrin Zinke und Nicole Reese)
Der Podcast der CLC war in den letzten Jahren nicht mehr sonderlich lebendig. Zu den Barcamps erschienen viele Episoden mit Session-Reflexionen … ansonsten passierte nicht mehr so viel, wie in früheren Zeiten. Es gäbe doch so viele Möglichkeiten, die Wissens- und Erfahrungsvielfalt der Community hier hörbar zu machen! Ein gutes Podcastgespräch hat so viele Ähnlichkeiten mit einer guten Barcamp-Session, ermöglicht es, Menschen beim Denken zuzuhören und eignet sich einfach sehr gut als Lern- und Entwicklungsinstrument in Unternehmen, wie ich in diesem Blogbeitrag ausführlich beschrieben habe.
Deshalb möchte ich gerne zukünftig dazu beitragen, die Möglichkeiten des CLC-Podcasts experimentell zu entdecken, denn die Startchancen könnten für einen ‚offiziellen‘ Community-Podcast kaum besser sein.
In der Session gaben Giovanna, Katrin und Nicole einen Überblick über ihre Ideen für die zukünftige Ausgestaltung des Podcasts (z. B. mit Event-Begleitung/Auswertung, Interviews, Beiträgen aus den Regionalgruppen, Lernimpulsen oder Buch-Reviews) und befragten die Teilgebenden nach ihren Erfahrungen mit Podcasts. Viel interessanter als die formalen Fragen waren jedoch die kontroversen Debatten in der Session, was ein CLC-Podcast sein soll und welche Funktionen er erfüllen könnte.
Genannt wurden u. a.: Agendasetting und Reichweite (für unsere Themen austehen und ‚hörbar‘ werden), Lernmedium und Experimentierraum, Stimmen- und Expertise-Bibliothek, niedrigschwellige Dokumentation.
Besonders heiß debattiert wurde das Thema „Zielgruppe“. Hier gibt es stark auseinanderlaufende Sichtweisen, was ein Community-Format sein und liefern soll. Diese Diskussion hatten wir bereits beim CLC-Buchprojekt. Manche Teilgebenden plädieren für eine konsequentere Definition unserer Zielgruppen und bewusstere Ausrichtung an deren Bedarfen. Ich bin da ganz anderer Ansicht und stimme mit Karlheinz Pape überein, der die Grundidee der CLC betont: Teilen, nicht Senden! Wir sollten uns deshalb ganz bewusst nicht um Zielgruppen kümmern, sondern das, was uns in der Community beschäftigt und was wir erarbeiten, zur Verfügung stellen. Falls es außerhalb der Community Hörer:innen (oder Leser:innen) gibt, die das interessant finden, werden sie zu uns kommen. Wenn nicht, ist das auch ok.
Diese Haltung bestimmt auch die weitere „Formatierung“: Sobald wir unsere Medien als Medien des Teilens und nicht des Sendens begreifen, betrifft die Frage der „Taktung“ nicht mehr das ‚bedienen‘ einer Zielgruppe, sondern wird zu einer Hilfestellung für uns selbst … z. B. um uns regelmäßig daran zu erinnern, selbst an unseren Themen weiter zu arbeiten. Mir ist es völlig egal, welche Taktung Hörer:innen von uns erwarten: Wenn -wie im Nachgang zu einem Barcamp- in schneller Folge ein ganzer Haufen an Kurzepisoden erscheint und dann mehrere Wochen nichts, ist das völlig in Ordnung. Ich schätze viele Podcasts als eine Art „Bibliothek der Stimmen“, aus der ich mich gerade interessierende Themen oder Perspektiven auswähle und mich hineinhören kann, ganz unabhängig davon, wann die Episode ursprünglich erschienen ist. Auch ergänzend zu unserem Buch könnte ich mir vorstellen, dass wir parallel zu fast allen Beiträgen begleitende und vertiefende, Hintergrund schaffende Gespräche mit den Autor:innen aufnehmen und diese auf einen Schlag oder innerhalb kurzer Zeit veröffentlichen … Hauptsache ist, sind stehen online und können bei Bedarf parallel zur Lektüre aufgerufen werden.
Karlheinz, ich und weitere Teilgebende haben sich auch dafür eingesetzt, ohne zu große Überformatierung zu podcasten. „Einfach machen“, diese oft missbrauchte Forderung, ist im Podcast sehr zuträglich. Ein Handy reicht im Zweifel aus, geschnitten werden muss kaum. Es braucht m. E. keinen Jingle und keinen kreativen Titel, keinen Redaktionsplan, kein Zielgruppenbewusstsein, keine Längenvorgaben, keine allzu lange Vorbereitung. Eine kurze Vorabstimmung oder auch ein spontanes Gespräch sind genau richtig. Unsere Hörer:innen können ja selbst wählen, in welche Stimmen sie sich hineinhören möchten und was sie skippen. Jedes Ähm, jede Pause transportiert wertvolle Informationen, die erhalten bleiben sollten und die ein Transkript nicht enthält. Podcasts sind ein Medium, um Sprechdenken zu fördern und in Lernartefakte zu bringen. Lasst uns unseren Podcast als echtes Lernmedium nutzen, „Unfertiges“ teilen, mit seinen Möglichkeiten spielen!
In der Session wandert die Debatte leider immer wieder zu der Frage zurück, wie Zuhörer:innen gewonnen werden könnten. Diese Frage langweilt mich. Und selbst wenn wir den Podcast ausschließlich für uns machen sollten und keine Zuhörerschaft außer uns selbst haben: Das ist völlig in Ordnung! Diese Haltung versuche ich, mir auch für meinen Blog hier zu bewahren: Schön, wenn Du das gerade liest. Danke für Deinen Rückmeldung. Aber eigentlich ist es mir egal. Ich habe sämtliche Logs ganz bewusst abgeschaltet und nicht die geringste Ahnung, ob sich irgendjemand auf diesen Blog verirrt. Ich schreibe das hier, um meine eigenen Gedanken in eine für mich passende Ordnung zu bringen und einen Anlass zu haben, die vielen Ideen, Begegnungen und Notizen aus dem #CLCamp26 für mich zu rekapitulieren. Allein das Wissen, dass es jemand lesen KÖNNTE, gibt mir die nötige Disziplin, es zu tun. Allein das Wissen, dass mir jemand zuhören KÖNNTE, gibt mir die Disziplin, ganze Sätze zu formulieren (ich habe gemerkt, wie ungleich schwerer es mir fällt, meine Notizen zu einer Session im Nachgang als Sprachnachricht einzusprechen, als einfach kurz mit Gabriele zu telefonieren und sie gemeinsam Revue passieren zu lassen. Leider haben Gabriele und ich unser Telefonat nach unserer Session nicht aufgezeichnet … das wäre für meine Rekapitulation viel hilfreicher gewesen als meine eigenen Sprachnotizen.)
Die Vorteile des Sprechdenkens im Dialog mit einer Gesprächsperson betonte auch Sabine Stock und brachte ein, dass in Podcast-Gesprächen produktive Reibung entstehen darf. (Das Thema Konflikt und Reibung als Lernressourcen hatten wir auch in unserer Lernressourcen-Session besprochen!)
Bei einem geäußerten Ideenkomplex von zwei Teilgebenden hatte ich den Bedarf, ganz klar meine eigene Position auszudrücken: Es kamen die Vorschläge, „Dialoge“ mit KI-Bots zu führen bzw. aufgenommene Episoden in NotebookLM „weiterzuverarbeiten“. Falls der Podcast irgend einen dieser Wege einschlagen sollte, und sei es nur als „Experiment„, wäre ich definitiv nicht mehr beteiligt. Besonders irritert hat mich der Einwurf einer Teilgebenden, das Einspeisen von Folgen in NotebookLM könne ich sowieso nicht verhindern. Ich nehme das als Ausdruck vulgärer Machtdemonstration, dieses Silicon-Valley-„We don’t care“, die über das „KI“-Narrativ immer mehr Verbreitung findet (und die z. B. Jürgen Geuter hier sehr gut beschrieben hat). Leider wurden auf dem #CLCamp26 auch die Artikel aus unserem Buchprojekt entsprechend ‚verwertet‘. Als ich im Vorfeld meinen Protest äußerte, hat Simon Dückert immerhin meinen eigenen Beitrag aus seiner Web-Version des Buches entfernt und dementsprechend aus dem Datensatz, der in seiner Session verwendet wurde. Deshalb ist mein Beitrag also nur noch im Buch selbst, in der eBook-Variante und separat hier auf meinem Blog zugänglich. Durch das „KI“-Narrativ wird die ganze Welt nur noch auf Trainingsdaten für LLMs eingeengt. Die Achtung von menschlicher Ausdrucksweise, kreativem Schaffen, kulturellem Kontext und Entstehungsprozessen wird geschleift … und auch unsere Community trägt leider dazu bei. Ja, ich „kann das nicht verhindern“ … aber ich kann immer wieder dafür eintreten, dass wir einander mit Achtung vor unserer Arbeit (und ihrer Integrität) begegnen, und selbst wenn das ein Kampf gegen Windmühlen sein und bleiben sollte.
Nach der Session konnte ich nicht umhin, direkt ein paar Gedanken zur Session in einer Mini-Podcast-Aufnahme zu verarbeiten, zu der mich Ernst einludt. Bin gespannt, wann sie erscheint!
(Foto von Frederic Gülbeyaz)Vom Käfig zum Kompass (Felix Harling)
„Beyond Teaching ist einfach gesagt. Aber die Sinnkrise der Wissensarbeiter:innen ist real, auch unter uns, oder? Was passiert, wenn du nicht nur deine Formate, sondern dich selbst hinterfragst? Eine Session über Irritation als Wegweiser und das, was Brüche lehren, wenn man sie lässt.“ Schon diese Sessionankündigung von Felix hat stark in mir resoniert (aus vielerlei Gründen, die vielleicht auch hier in diesem Beitrag oder auch sonst in meinem Blog immer wieder anklingen?) … und umso mehr die Art, wie ich Felix schon vor seiner Session in unseren Pausengesprächen kennenlernte. Zudem fand die Session im geliebten ‚Roten Raum‘ ohne Technik statt .. also ein Pflichttermin für mich!
In keiner anderen Session habe ich so wertvolle Gespräche über unsere Professionen, unsere beruflichen Situationen und unsere Positionierungen gegenüber Branchenentwicklungen führen können. Auch methodisch war das schnell getaktete Vorgehen inspirierend und für mich ein kleiner Ausblick auf das, was ich im baldigen Art of Hosting Training erwarte.
Aber nicht nur für meine persönliche Entwicklung, auch für meinen professionellen Wertbeitrag bei meinem Arbeitgeber war diese Session inspirierend … und lässt mich an manches Denken, was ich in meiner Selbstberatung im Rahmen meiner Ausbildung zum Systemischen Organisationsberater über meine Arbeit herausgearbeitet habe.
Grob zusammengefasst (und damit all das ignorierend, was in den Brüchen und Zwischenräumen auch auf dieser Session wirklich stattgefunden hat), lässt sich Felix methodisches Vorgehen folgendermaßen zusammenfassen – und ich stütze mich hier auf das abfotografierte Flipchart:
Informelle Lern-Räume im Rahmen von IT-Einführungen (Johannes Starke)
Das Thema meiner zweiten Session, die ich selbst angeboten habe, beschäftigt mich beruflich gerade besonders intensiv. Gerade im Rahmen von IT-Einführungen passiert in Unternehmen und durch deren Mitarbeitende, die sich mit neuen IT-Prozessen konfrontiert werden, sehr viel geplantes und ungeplantes (… oder passiert eben gerade sehr wenig, je nachdem aus welcher Perspektive man es betrachtet). Ich war zunächst untröstlich, dass parallel zu meiner Session Trainerinnen des ADAC ebenfalls eine Session zum IT-Trainingsvorgehen anboten, auf der ich gerne aufgebaut hätte – und umso erfreuter, dass sich eine dieser Trainerinnen dann in meiner Session befand und dort sehr aktiv teilgab. 🙂
(Foto CC-BY von Martina Cervenkova)Die Idee und den Hintergrund zu meiner Session habe ich in diesem Blogbeitrag zusammengefasst, auf den ich bereits im Vorfeld erfreuliches Feedback erhielt. Ich hatte das Gefühl, dass ich mit dem Session-Thema ein äußerst wichtiges (und für viele schmerzvolles) Feld angesprochen habe.
Leider habe ich es als Sessionhost ohne zweite Person nicht geschafft, parallel Notizen zu machen, habe auch im Nachgang wenig Dokumentation zu meiner Session gefunden und mir zum Ende des Tages keine Zeit mehr genommen, meine Erinnerungen als Sprachnotiz aufzunehmen. Schade, da ist einiges verloren gegangen.
In Erinnerung ist mir, dass wir ausführlich über Workarounds und Umgehungstaktiken gesprochen haben, die Mitarbeitende an den Tag legen, um neu-eingeführte Systeme nicht zu nutzen .. und primär über formale Mittel, dem Einhalt zu gebieten.
Ein großes Thema war auch M365 und insbesondere die Einführung und Nutzung von Teams. Hier sprachen viele Teilgebenden ihre Erfahrungen an.
Ein Teilgeber berichtete von erfolgreichen Floorwalker-Initiativen, die regelmäßig anstupsen/erinnern und auf Angebote aufmerksam machen, ohne diese und die Beteiligung daran zu stark zu formalisieren.
Einigen konnten wir uns darauf, wie wichtig es ist, Balancen zwischen Formalität und Informalität herzustellen und auszuhalten … und dass diese Balancen in unterschiedlichen Bereichen immer wieder neu gefunden und hergestellt werden müssen. Es gibt keine Best Practice … und umso mehr motiviert mich diese Erkenntnis, auch zukünftig weiter intensiv an dem Thema zu arbeiten!
Physische Lernreisen für Kleingruppen (Julia Methe)
Diese ganz spontan zum Abschluss des Camps initiierte Session von Julia war für mich eins von vielen Highlights des Camps. Die spontanen Sessions sind oft die besten, weil sie nicht mit langen Präsentationen beeindrucken wollen, sondern eine Idee einbringen, die dann befragt, besprochen und weiterentwickelt wird.
Julia berichtete von einem Ansatz, den sie und ihre Kolleg:innen im Rahmen der Neueinführung eines IT-Tools in einem bundeseigenen Betrieb initiiert hatten … und den sie für uns auf ein irgendwo in der Hochschule aufgetriebenes altes Metaplanpapier scribbelte.
Der Ansatz bot einen Rahmen, um die neuen IT-Prozesse körperlich zu erfahren, erklärt zu bekommen und zu besprechen. Das lief ähnlich ab wie auf einer Schnitzeljagd: Kleingruppen von 4-5 Leuten wurden mit ausgedruckten Prozessbeschreibungen über den Betriebs-Campus geschickt. Die Prozessbeschreibung war gleichzeitig eine Wegbeschreibung. An bestimmten Stationen wurden die Gruppen von Mitarbeitenden empfangen, erhielten Instruktionen und Hilfestellung in der Beantwortung von Fragen auf dem Zettel. Die Gruppendynamik wurde u. a. durch wechselnde Verantwortung im Wegfinden und Fragenbeantworten aktiviert.
Im Folgejahr wurde der Ansatz weiter genutzt. Statt eines IT-Prozesses wurden Unternehmensstrategie und -aufbau vermittelt. Außerdem wurde HR mit dem Ziel involviert, den Ansatz auch für das Onboarding zu übernehmen.
Der Ansatz war eine Idee, die im Rahmen der „Campus Week“ eingebracht wurde. Jeder Bereich beteiligt sich dabei mit eigenen Beiträgen.
Julias Vorstellung stieß auf großes Interesse. Mehrere Teilgebende offenbarten, dass sie selbst davon träumen, so etwas in ihrem eigenen Unternehmen umzusetzen. Ich bin einer davon 😉 Eine Mischung aus Schnitzeljagd, Gallery Walk, Prozess-Simulation und verkörperter Intervention … mit Vernetzung und gegenseitiger Unterstützung, die im klasisschen Training ja oft in den Hintergrund treten. Grundsätzlich ließe sich das Vorgehen auch mit Action Bound oder Self-Service-Terminals umsetzten, würde dann aber einen anderen Charakter annehmen.
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