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Diese wirklich überhand nehmende Müdigkeit zerstört jeden Plan. Ich stehe heute z.B. erst um 10.00 Uhr morgens auf. Weil ich nachts, oder vielleicht eher am sehr frühen Morgen, gegen halb sechs vielleicht, von den Schmerzen geweckt werde, dann aber erstaunlicherweise immer wieder eine Position finde, in der die Schmerzen nicht so sehr wüten, und dann umgehend einschlafe. Ich träume ich hätte sehr dickes, volles Haar, ich träume wir haben eine Ferienwohnung gekauft.
Gelingt es mir dann endlich aufzustehen, laufe ich nach den ersten Tassen Kaffee wie ein aufgezogenes Duracell Äffchen durch die Gegend. Überdreht und scheinbar ohne Plan. Z.B. fange ich an Tagebuch zu schreiben, dann fällt mir aus unerfindlichen Gründen ein, wie gut ich Dag Solstad gefunden habe, als ich vor Jahren ein Buch von ihm las, wie ich das Gefühl hatte, dass das wirklich „anders“ war. Ich recherchiere im Katalog der örtlichen Bibliothek und tatsächlich; sie haben außer dem Buch, mit dem ich Solstad vor Jahren entdeckt habe, andere Bücher von ihm, die ich noch nicht kenne. Dabei liegen hier Stapel voller interessanter Bücher, die ich lesen möchte. Dabei rast die Zeit, bis ich zur Arbeit aufbrechen muss und eigentlich hatte ich doch noch so viel vor. Wollte noch so viel erledigen, denn wenn ich nach lächerlichen vier Stunden Arbeit nach Hause komme, bin ich erschöpft als hätte ich wer weiß was geleistet. Und tatsächlich beginnt dann wieder alles von vorne. Die bleierne Müdigkeit vereitelt jeden Plan.
Manchmal bemerke ich, wie die Zitatgeschichten sich aufeinander beziehen, ein Thema, einen roten Faden wieder aufnehmen, als würden sie versuchen, sich zu verbinden, zu einer Geschichte zusammen zu wachsen. Und das rot der Tulpen, die hier auf der Fensterbank stehen, ist phänomenal. Um mit guten Nachrichten, mit positiven Beobachtungen zu enden, die es ja immer, der größten Müdigkeit zum Trotz, auch gibt.
#DagSolstad #Müdigkeit