TechBros und ihre starken Schwestern

Der grosse überall aneckende Kapitalismus-Erklärer Tomasz Konicz publiziert jetzt beim schweizerischen Online-Magazin “Untergrundblättle”. Dort habe ich dies mit Interesse gelesen:

Abschied von der Illusion des Konsumenten-Kapitalismus: Auf dem Altar des Techno-Gottes – Ausblicke auf neue Formen der Krisenkonkurrenz in der aufziehenden autoritären Ära des allseitigen spätkapitalistischen Mangels.”

Wie so oft bei diesem Autor verzichtet er auf eine Strategiediskussion. Welche Möglichkeiten politischen, und letztendlich menschlichen Eingriffs in die beschriebene Entwicklung gibt es? Das könnte sein grandioses analytisches Gedankengebäude an vielen Stellen zum Einsturz bringen. Denn genau solche Politik muss entwickelt werden. Und ja, ich gestehe, dass ich recht vergeblich nach geeigneten durchsetzungsstarken Träger*inne*n solcher Politik suche.

Konicz bleibt gedanklich bei dem hängen, was Georg Seesslen/taz so benennt: “Bevor man sich, mit den bescheidenen Mitteln, die jeder Einzelne hat, an die schwere Aufgabe einer Verteidigung der Demokratie macht, muss man sich wohl zweier Dinge versichern, nämlich erstens, dass es dafür noch nicht zu spät ist (die Fatalismus-Falle), und zweitens, dass es dafür immer noch genügend aufrechte und mutige Menschen gibt, für die und mit denen es sich lohnt (die Misanthropie-Falle).”

Da sage ich “Yessir!”

Und nun zu den Schwestern

Starke Frauen sind schon über das Bescheidwissen hinaus und handeln.

Merle Groneweg (Interview)/Jacobin: »Auch ich war ein Tech Bro« – Tech Bros greifen nach der Macht. Aya Jaff war eine von ihnen. Im Interview spricht sie darüber, was diesen Typus zu autoritärer Politik gravitieren lässt und warum Digitalisierung nicht Abhängigkeit von Big Tech bedeuten muss.”

Und

Susanne Götze, Annika Joeres/Blätter: Abhängigkeit als Waffe – Wie fossile Energien Europas Sicherheit gefährden – und was dagegen zu tun ist – Europäische Politikerinnen und Politiker versprechen, uns mit Aufrüstung vor aggressiven Autokraten zu schützen. Gleichzeitig aber verschärfen sie durch das Ausbremsen der Energiewende Europas Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten – und machen unsere Gesellschaften damit hochgradig angreifbar. Dabei gibt es längst Wege, das zu ändern.”

Autorin Annika Joeres kenne ich persönlich aus gemeinsamer Bloggerei bei den “ruhrbaronen” und aus der guten alten Zeit der taz-nrw. Dort habe ich sie professionell und menschlich hoch schätzen gelernt. Ich würde glatt tippen, dass die Werke der beiden Jürgen Trittin gut bekannt sind.

TechBros und ihre starken Schwestern – Beueler-Extradienst

„Grünes Militär“

Die Lösung aller Krisen?

Der Ukraine-Krieg dauert fast vier Jahre. Dessen Ende ist nicht in Sicht. Viele weitere Kriege gefährden Frieden und persönliche Sicherheit überall auf der Welt. Diese Kriege konterkarieren zudem die Bemühungen, die Klimakrise zu bremsen und wirkungsvolle Gegenmaßnahmen umzusetzen.

Es erstaunt daher wenig, wenn sich zwei renommierte und kritische Klimapolitik-Journalistinnen mit einer Streitschrift „Die Sicherheitslüge“ zu Wort melden. Wohin führen Analyse und Empfehlungen von Susanne Götze und Annika Joeres?

Die beiden Autorinnen kritisieren die Regierungen in Berlin und Brüssel, die „unaufhörlich von Sicherheit“ (22) redeten, jedoch nichts unternähmen gegen die wachsende Abhängigkeit von Energieimporten. Die Entwicklungen seit 2020 (Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg, Handelskonflikt mit den USA, Hitzewellen und Unwetterkatastrophen) seien Ausdruck einer bedrohlichen Polykrise. Die Unabhängigkeit von Rohstoffimporten sei zur Frage des Überlebens (26) geworden. Sicherheit und Unabhängigkeit dürften allerdings nicht wie bisher „vorwiegend diplomatisch und militärisch“ (32) angestrebt werden. Vorrangig sei es vielmehr, die Energiewende unbedingt fortzuführen. Mit der Abkehr von Öl und Gas wäre auch für eine „nachhaltige Verteidigung“ (40) gesorgt.

Was sich zunächst eingängig liest sowie einleuchtend und überzeugend klingt, erweist sich als eindimensionaler Lösungsansatz. Das Büchlein basiert auf einer durchgängigen Sichtweise im Sinne eines „the evil is always and everywhere“. Zu den „Bösen“ zählen die Autorinnen neben Putin und Russland alle anderen üblichen Verdächtigten: Orban, Saudi-Arabien, Katar, Aserbaidschan, in Europa schon seit langem die fossilen Energiekonzerne sowie die rechten Parteien wie die AfD; hinzu gekommen seien aus dem Westen Trump, Vance, die US-Tech-Milliardäre. Sie alle eint das Feindbild der Erneuerbaren Energien. Öl und Gas seien ohnehin „untrennbar mit autoritären Regimen“ (62) verbunden, die „unsere“ (westlichen) Demokratien bedrohten. Weil bundesdeutsche Politikerinnen wie etwa Ex-Kanzlerin Merkel, die EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen und Kanzler Merz den Nutzen der Erneuerbaren Energien nicht angemessen zu würdigen wüssten, gehörten auch sie als Nicht-Belehrbare (ebenso die noch aktuellen Entspannungspolitik-Anhängerinnen und -Anhänger in der SPD) in diese Gruppe.

Wer sind nun die „Guten“? Hier bleiben die Aussagen der Autorinnen eher vage. Die „Guten“ zeichneten sich dadurch aus, dass sie sich gegen alles „Böse“ wenden. Vor allem das Erringen der Energie-Unabhängigkeit sei für sie ein unabdingbares Ziel; zudem eine selbstständige EU als „souveräner Akteur“, die sich „als demokratische Bastion zwischen den Muskelprotzen China, Russland und den USA“ behaupte (32). Bleiben damit nur Politikerinnen und Politiker aus den Reihen der Grünen (Baerbock, Hofreiter, Nanni, Nouripour) verstärkt durch Strack-Zimmermann, Roth und Kiesewetter sowie durch PR-Leute wie Gaub, Major, Masala und Neitzel? Oder sind „die Guten“ vor allem „Wir“ – die Leserinnen und Leser –, die den Autorinnen in ihrem Streit (gegen wen?) folgen (sollen)?

Es führt in die friedens- und klimapolitische Irre, den gebotenen Ausbau der Erneuerbaren Energien dem vorrangigen Ziel der eigenen sicherheitspolitischen Selbstbehauptung unterzuordnen, um mit diesem Allheilmittel aus der konfliktgeladenen Weltlage herauszukommen. Einen Militärapparat auf Basis Erneuerbarer Energien anzustreben und diesen als „nachhaltig“ anzupreisen – welch ein Hohn für die zahlreichen Menschen, die seit 1990 in lokalen Initiativen oder Energiegenossenschaften unverzagt gegen den massiven Einfluss der Lobbyisten in den Energiekonzernen, in der Politik und in den Medien für den bisher erreichten Stand beim Umstieg auf Erneuerbare Energien gesorgt haben.
100% Erneuerbare Energien demokratisieren die Energiepolitik, befrieden die Interessenkonflikte um Rohstoffe auf unserem Planeten und sind „ein netter Nebeneffekt“ (81) für den Klimaschutz, wie es der Bürgermeister von Großbardorf, einer 100%-Erneuerbare-Energie-Gemeinde in der Nähe von Schweinfurt, der Autorin Susanne Götze im Gespräch verriet. Die grundlegenden Vorteile des zügigen Energietransfers von den fossilen zu 100% Erneuerbare Energien lassen sich in den zahlreichen Büchern von Hermann Scheer (1944 – 2010) nachlesen. Seine Texte geben weiterhin hilfreiche Orientierungen für politisch Handelnde: kommunal, regional, bundes- und weltweit.

„Grünes Militär“ – Beueler-Extradienst

#Leseswert ! Sehr gute Analyse von #AnnikaJoeres die ich gerne teile!
Nach Urteilen geraten oft die Richter unter Druck, nicht die Täter
In #Frankreich soll mit #NicolasSarkozy erstmals ein Ex-Präsident ins Gefängnis. Die Liste der verurteilten Politikgrößen wird immer länger. Über Ursachen und Folgen #dieZeit
https://www.zeit.de/politik/ausland/2025-09/frankreich-nicolas-sarkozy-korruption-skandal-jacques-chirac-marine-le-pen
Korruption in Frankreich: Nach Urteilen geraten oft die Richter unter Druck, nicht die Täter

In Frankreich soll mit Nicolas Sarkozy erstmals ein Ex-Präsident ins Gefängnis. Die Liste der verurteilten Politikgrößen wird immer länger. Über Ursachen und Folgen

DIE ZEIT

Neues über das Spahn

Über “Das Spahn” schrieb ich vor wenigen Wochen “mir geht es um die Struktur und das System, für das dieser Politikertypus Gesicht und Fassade ist”. Darüber hat ein paywallbewehrtes Exklusivmedium nun neue Details ans Licht gebracht, die René Martens/MDR-Altpapier uns Gebührenzahler*inne*n zugänglich macht:

Unparteilichkeit ist die neue Parteilichkeit – Die CDU hätte 2023 beinahe eine Firma mit dem ‘Nius’-Mäzen gegründet. Die 20-Uhr-‘Tagesschau’ wird immer lockerer, und das ist problematisch. Die BBC stranguliert sich selbst.”

Über das Spahn und den Nius-Finanzier hatten die Correctiv-Autorinnen Annika Joeres und Gabriela Keller vor rund einem Monat diese im negativen Sinn erregende Recherche publiziert, ganz ohne Paywall. Und ich fragte mich, warum mich das nicht überrascht. Darüber immerhin weiss ich heute mehr.

Wir sehen hier die strategischen Strippenziehereien zur Vorbereitung dessen, was die kurzzeitig (2001-02) amtierende und schnell von Männercliquen weggemobbte NRW-Regierungssprecherin Miriam Meckel heute mit dem Bandwurmungeheuer Aufmerksamkeitsautoritarismus benennt.

Ich weiss nicht, wie es Frau Meckel beim Schreiben ging. Kundige Freunde vermuten sie hinter “St. Gallener Klostermauern”. Ich hingegen fühlte mich beim Lesen an Meckels ehemaligen Boss und noch ehemaligeren Förderer Wolfgang Clement erinnert. Der war – im ambivalenten Sinn der Begrifflichkeit – seiner Zeit immer zu weit voraus …

Ich kenne auch eine ehemalige Bonner Dezernentin, nach der er mal “Aktenordner geworfen” haben soll. Sie dementierte, aber ich schweife ab … In meiner Anwesenheit hatte er nur nie Zeit zum Zuhören.

Neues über das Spahn – Beueler-Extradienst

#Lesenswert !
Endlich mal eine gute recherchierte Analyse des Waldbandgeschehens in den #Corbières in der deutschen Presselandschaft ! War auch Zeit !
"Waldbrände in Frankreich: "Ich kehre zurück in eine Mondlandschaft"
An Frankreichs westlicher Mittelmeerküste wütete der größte Waldbrand seit 75 Jahren. Nun stehen riskante Hitzetage bevor – und die Bürgermeister suchen nach Schuldigen. " #dieZeit #AnnikaJoeres #Waldbrand #feuxdeforets #wildfire
https://www.zeit.de/wissen/2025-08/url-waldbraende-frankreich-hitze-karte-situation-bevoelkerung
Waldbrände in Frankreich: "Ich kehre zurück in eine Mondlandschaft"

An Frankreichs westlicher Mittelmeerküste wütete der größte Waldbrand seit 75 Jahren. Nun stehen riskante Hitzetage bevor – und die Bürgermeister suchen nach Schuldigen.

DIE ZEIT

Das Spahn

Warum Neutrum? Zwar will ich mein tiefstes Inneres nicht von Schwulenfeindlichkeit freisprechen, aber mir geht es um die Struktur und das System, für das dieser Politikertypus Gesicht und Fassade ist. Der echte Mensch Jens Spahn ist mir persönlich nie begegnet. Über den weiss ich nichts. Ich weiss nur (zu viel) über die öffentliche Person dieses Namens. In den meisten, den allermeisten Fällen ist das nicht die*der*das Gleiche. Obwohl: von Markus Söder wurde es mir bezeugt von seriösen Mitmenschen, die sich längere Zeit mit ihm in einem Raum aufgehalten haben. Wie furchtbar … aber ich schweife schon wieder ab.

Die Kolleg*inn*en von Correctiv haben schon häufiger ein gutes Gespür für Agendasetting gezeigt. Dass sie diesem Spahn einen Mehrteiler widmen, halte ich für verdienstvoll und augenöffnend.

Bundeskanzlerin Merkel versuchte sich diesem vorwitzigen Prinz-Charles-Typen zu erwehren, indem sie ihn zum Bundesgesundheitsminister machte. Das hat den meisten Inhaber*inne*n dieses Staatsamtes die weitere politische Karriere gekostet. Auch bei Spahn hätte das nahegelegen, wie die Correctiv-Autorinnen Annika Joeres und Gabriela Keller zeigen. Doch die Verhältnisse sind nicht mehr so. Merz wird dieses Jahr 70 – Spahn ist 45. Sic! Die CDU ist so eingeschmolzen – da ist niemand mehr, die*der diesem klischeegewordenen Typen den Weg versperrt.

Mir macht das Angst um die Demokratie. Spahn ist ein Typus, wie ich mir schon Jahre vor seiner Geburt CDU- oder FDP-Karrieristen (Frauen können wir in dem Zusammenhang vernachlässigen) vorgestellt habe. Sieht – wie soll ich das nichtdiskriminierend ausdrücken? – nicht sooo gut aus, hat von nichts ‘ne Ahnung, aber zu allem was zu sagen, und denkt nur an sich. Wenn das alle täten, wäre ja an alle gedacht.

In der Schule habe ich solche Typen politisch bekämpft. Mein schönstes Geschenk zum Abitur war die Wahl des linken Gegenkandidaten aus unserer Jugendzentrums-Initiative gegen den Schülerunion-Schülersprecher an meiner Schule. An der Hochschule (Uni Bonn, Fachschaft Politikwissenschaft und Studentenparlament) waren die Wahlsiege gegen Stephan Eisels RCDS die schönsten Erlebnisse. Der beständige Wahlverlierer wurde später – auch nur kurz – Redenschreiber von Helmut Kohl.

Im Management der 80er-Friedensbewegung in der West-BRD war ich in verschiedenen Funktionen mittendrin, wie auch in der BRD-Anti-Apartheid-Bewegung, in der in meiner Politbiografie grösste substanzielle Erfolg, die Beseitigung des rassistischen Apartheidsystems in Südafrika, gefeiert werden konnte.

Verglichen damit waren die späteren Kommunalwahlerfolge der Grünen in Bonn eher kleinere wiederkehrende Feiertage. Dass eine Freundin von mir Oberbürgermeisterin wurde und ist, freut mich heute noch. Auch wenn sie in diesem Amt viel zu arbeiten und wenig zu lachen hat. Wird sie von einem Spahn-Typ abgelöst? Bald werden wir es wissen.

Hinter der Witzfigur lauert die Systemgefahr

Kennzeichen des real existierenden Kapitalismus ist die Tatsache, dass die zu wählenden Politiker*innen*typen mediengerecht modelliert werden. Sie sind die Ausführenden weit mächtigerer Hinterleute und Auftraggeber*inne*n. Denen geht es um weit “Grösseres” als Demokratie. Sie lieben die Apokalypse. Und bevor sie über sie kommt, wollen sie sie lieber selbst initiieren und steuern. Sie sind die real existierende Gefahr für die Menschheit.

Über den Klimawandel sind sie gedanklich hinweg. Sie organisieren ihre Flucht – für den Fall der Fälle. Ob Neuseeland oder Mars – das entscheiden die Herren dann, wenn es so weit ist.

Sie hassen die Menschheit, weil sie sich selbst hassen. Jeder Mensch kennt sich selbst am besten. Aber viele neigen dazu, die entsprechenden Erkenntnisse zu verdrängen und/oder auf andere zu projizieren. Von sich selbst abspalten, Aggression gegen ein Aussen richten. Viele Männer schaffen das, nicht so viele Frauen.

Daraus ergibt sich das Welt- und Menschenbild von Peter Thiel. Aber nicht nur ihm. Und es ist kein US-Phänomen. Hier heissen die Dunkelmänner Christian Angermayer oder Frank Gotthardt, Letzterer Milliardär geworden durch Ihre und meine Krankenkassenbeiträge. Nie gehört oder gesehen? Siehste!

Jens Spahn oder sein Spezi Richard Grenell sind nur die wahrgewordenen Klischees des angestrebten neuen demokratiebefreiten Herrschaftssystems.

Noch ist diese Entwicklung aufzuhalten. Wenn sie sich durchsetzt, dann, weil die demokratischen, die liberalen und linken Kräfte nicht nur zu schwach, sondern zu dumm sind. Sie treten für die Interessen der arbeitenden Mehrheit ein, und sind zu dumm, das dieser Mehrheit verständlich zu machen. Die billigen Besserwisser geben den bösen Herrschenden das Kapitalismus die “Schuld” daran. Aber was glaubt ihr denn, was die anderes im Sinn haben, als ihre Herrschaft zu sichern und auszubauen? Seit über 200 Jahren ist das wissenschaftlich erforscht und publiziert. Keine Zensur konnte das verhindern. Weltkriege wurden deswegen gekämpft und Millionen starben dafür.

Und am Ende soll ein von der AfD-mitgewählter Bundeskanzler Spahn stehen? Wenn es zu meinen Lebzeiten so weit kommt, höre ich auf. Nicht zu leben, aber zu arbeiten.

Das Spahn – Beueler-Extradienst

Möchtegern-Trump, Möchtegern-Thiel

Milliardäre ohne Schleimallergie

Die Hoffnung hält mich aufrecht, dass Jens Spahn für einen Möchtegern-Trump einfach zu doof ist. Andererseits war das ja bei Trump selbst auch kein Amtshindernis. Wie kommichdrauf? Mein Freund Jupp Legrand, mit dem ich einst gelegentlich in Bonn Fussball gespielt habe, er war Rechtsaussen bei der ASG Uni Bonn, die meine alten Freunde Mike Mennen (2017 verstorben) und Klaus Kleinöder mitgegründet haben, und späterer Geschäftsführer der Otto Brenner Stiftung, heute Rentner, nahm sich freundlicherweise die Zeit, mich darauf hinzuweisen. Und sogar die nachdenkseiten, die sonst keine Gelegenheit auslassen, Correctiv zu beschimpfen, haben es getan. Zu Recht.

Annika Joeres, Gabriela Keller: Netzwerk mit Nebenwirkungen: Jens Spahn und der Milliardär – Tech-Milliardär Christian Angermayer hat zum Teil über Firmen knapp 300.000 Euro an die CDU gespendet. Er gilt als Trump-nah und soll gut mit Jens Spahn verdrahtet sein. Als Investor hat er offenbar indirekt von einem millionenschweren Covid-Arznei-Deal der Bundesregierung profitiert. Teil 1 einer Serie über die Netzwerke des CDU-Fraktionschefs Spahn.”

Annika Joeres ist mir aus der frühen taz-nrw sowie aus gemeinsamer AutorInn*enschaft bei den “ruhrbaronen” gut bekannt. Für die Seriosität dieser sympathisch angenehmen Kollegin bin ich mich bereit zu verbürgen.

Für die Nase Spahn aus Ahaus – selbst dort gibt es aussergewöhnlich liebenswerte Menschen, Christoph Strässer hat sogar dort geheiratet – bürgt mutmasslich niemand mit Verstand. Spätestens nach dieser Lektüre nicht mehr. Und den scharfen Hund, der hinter ihm die Strippen zieht, Christian Angermayer, den kannte ich überhaupt nicht. Sein Wikipedia-Eintrag wird zwar von einer Suchmaschine noch angezeigt, ist aber verschwunden.

In ihren feuchtesten Träumen träumen diese Figuren von einem Kapitalismus, wie ungefähr diesem:

Chris Dite (Interview)/Jacobin mit Ivan Franceschini, Ling Li und Mark Bo: Die Online-Scam-Industrie fußt auf Sklavenarbeit – Mit dem Versprechen auf einen guten Job angelockt, werden Menschen in Südostasien in Scam-Fabriken festgehalten und zur Online-Betrügerei gezwungen. Eine brutale Industrie, die Milliarden umsetzt – und in Krisenzeiten besonders schnell wächst.” Tja, dumm gelaufen, China schon wieder weit vorne.

Was bin ich froh, dass ich schon so alt bin.

Möchtegern-Trump, Möchtegern-Thiel – Beueler-Extradienst

Plötzlich alles anders

Der nackte Mann in Paris und das deutsche Desinteresse – Best of 17. April 2023

Petra Erler hat eben so schön die unschönen Ablenkungsmanöver beschrieben. Wie kommichdrauf? Die “Zeitenwende” – war die so ein Manöver? Unter Kaperung des Begriffes wird der Blick auf die Weltveränderungen kraftvoll abgewendet. Diesen Eindruck hinterlässt unsere Regierung auf mich. Und unsere Opposition mit dem Versuch, die Regierung darin zu übertreffen.

Ich fange mal oben mit dem Wichtigsten an. Eine Planetenbevölkerung, die überleben will, sollte die Gefahren kennen, die ihr drohen. Das ist an erster Stelle der menschengemachte Klimawandel. Die Zeit, diesen Fehler zu korrigieren, ist bekanntlich arg knapp. Das könnte überflüssig werden, wenn ihm ein Dritter Weltkrieg als Atomkrieg noch zuvorkommt. Dieses Risiko droht, wäre aber leichter beherrschbar, politischer Wille vorausgesetzt. Hier eine realistische Risikoanalyse von Michael T. Klare/TomDispatch/telepolis: Wie wahrscheinlich ist eine chinesische Invasion in Taiwan? – Die Spannungen zwischen Washington und Beijing nehmen zu. Stellen Sie sich eine Welt vor, in der die USA mit Diplomatie auf China zugehen, ohne einen verheerenden Krieg zu orchestrieren. Unmöglich?”

Und die EU, noch unter Führung von “Flinten”-Uschi? Sie wurde von der deutschen Regierung, bevor ihr jemand zuvorkommen konnte, kraftvoll enteiert. Solche fundamentalen Krisen der einstigen “Gemeinschaft” jucken die deutschen Regierenden nicht – das sind halt Kollateralschäden, die Klaus Bachmann (bei der Berliner Zeitung hinter Paywall, hier bei telepolis offen zugänglich) beschreibt: China: Während Baerbock die Moralkeule schwingt, spricht Macron die Wahrheit aus – Die Empörung über Macrons Aussagen in China ist typisch deutsch. Und arrogant. Jeder sollte wissen: In Asien endet Baerbocks wertegeleitete Außenpolitik.”

Diesen Streit innerhalb der deutschen herrschenden Klassen beschreibt auch Tomasz Konicz/Jungle World: Industrieführer und Politiker streiten über die künftige deutsche China-Politik: Richtung Rivalität – China bindet sich enger an Russland und belastet damit die deutsch-chinesischen Beziehungen. Auf das China-Geschäft will die deutsche Industrie aber auf keinen Fall verzichten.”

Was kommt dabei “unten raus” (zit. Helmut Kohl)? Die Panik des französischen Atomstaates, der sich Italien vergleichbar nach ganz weit rechts zu wenden droht (womit FDP und AfD ihren Zielen weit näherkommen als hierzulande): Bernhard Schmid/Jungle World: Die französische Regierung will den Ausbau der Atomkraft beschleunigen: Abhängig vom Atomstrom – Die französische Nationalversammlung hat ein Gesetz beschlossen, das den Neubau von Kernreaktoren erleichtert. Die Betreiber­gesellschaft EDF fordert, auch jahrzehntealte AKWs weiterlaufen zu lassen.”

Dass das auch eine strategische Sackgasse ist, dämmert den Herrschenden in Frankreich und ihrem Präsidenten längst. Die sind ja nicht blöd. Aber vielleicht sind sie tot, bevor “es” so richtig “heiss” wird: Annika Joeres/Blätter: »Wir können nur noch beten«: Frankreich nach der Winterdürre – Frankreich hat eine dramatische Winterdürre hinter sich. Doch Macron regiert an der Realität der Klimakrise vorbei.” Die Dürre (1,80 m Bodentiefe) in Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt ist übrigens immer noch nicht weg. Im Rheinland haben wirs (noch) besser. Aber Spanien und Frankreich sind nah – ökonomisch schon da! Ob das Wasser von AKWs, Braunkohle oder Tesla verbraucht wird – weg ist weg.

Die Welt dreht sich weiter: Brasilien

Das hatten sich die Genossen Steinmeier und Scholz mit ihrem einstigen Klienten Luiz Inácio Lula da Silva wohl etwas anders vorgestellt. In Sachen China-Beziehungen und Friedensvermittlung zog er mit hoher Tempodifferenz an ihnen vorbei. Und nun auch noch das: Anton Landgraf/Jungle World: Die brasilianische Staatsanwaltschaft geht wegen Menschenrechtsverletzungen gegen Volkswagen vor: Unsoziale Nachhaltigkeit – Dem VW-Konzern werden schwere Menschenrechtsverletzungen in Brasilien vorgeworfen. Aktivisten fordern von ihm nun, seine Schuld anzuerkennen.” Von Lustreisen für Konzernvorstände (u.a. Herr Hartz) und Betriebsräte auf die Anklagebank – ist das nicht etwas zu hastig? Das war aber so nicht verabredet – oder wer war für die Portugiesisch-Übersetzung zuständig? Und wer für die Werteleitung?

Wenn Namibia dafür inspirierend war, bin ich mitschuld. Und stolz drauf.

Mediathekperle “Killing Eve”

Abonnent*inn*en können hier ihre Lektüre beenden. Ich habe Sie gestern schon im Newsletter darauf hingewiesen.

Haben Sie das schon gesehen? Killing Eve. Sie müssen nicht warten, bis den James-Bond-Leuten was zeitgemässes einfällt. Es ist schon da, produziert von BBC-America, Mastermind ist die Drehbuchautorin und executive producer Phoebe Waller-Bridge (auch: “Fleabag”). Ob sie unter ihrer Hochbegabung leidet? Ich weiss es nicht, vorstellen kann ich es mir. Jedenfalls ist sie nicht arm, bei den Tantiemeneinnahmen. Und “Überraschung”: laut Wikipedia wurde sie als Drehbuchautorin für den nächsten “Bond” verpflichtet. “Fleabag” ist aus der ARD-Mediathek raus, aber “Killing Eve” ist auch mit der ersten Staffel noch im Mai in der ZDF-Mediathek (nur zwischen 22 und 6 Uhr – oder Daten verschenken). Ich habe gestern die dritte Staffel gebingewatched – und es nicht bereut (Festplattenrecoder, also am helllichten Tag ohne Datenabtritt).

Fazit dieser erstklassigen Agentinnenserie (Männer mitgemeint): Geheimdienste sind wie Familien – sie ziehen eine Spur traumatisierender Verwüstungen hinter sich her, und zerstören sich selbst.

Plötzlich alles anders

Der nackte Mann in Paris und das deutsche Desinteresse - Best of 17. April 2023 Petra Erler hat eben so schön die unschönen Ablenkungsmanöver beschrieben.

Beueler-Extradienst
Jahresrückblick 2022: Die besten Bücher - Sammlung - Lesering.de

Ein angespanntes und aufgeregtes Jahr neigt sich dem Ende zu. Neben Offenen Briefen, überspitzter Kriegsrhetorik und mühseligen Grabenkämpfen, brachte das Jahr 2022 auch viele aufwühlende Neuerscheinungen hervor. Aus unseren diesjährigen Besprechungen haben wir zehn Sachbücher und belletristische Werke ausgewählt, die wir hier noch einmal empfehlen möchten.

Karneval im WDR

mit Update 12.11.

Seit 1976 lebe ich im Rheinland. Rund 15 Jahre war ich darauf bedacht, mich immer zum Karneval in sichere Regionen zu verziehen – das war meistens Ostfriesland. Erst mit dem, was vor 30 Jahren das “Arsch huh”-Konzert in mir veränderte, gelang mir eine gemässigte Integration in die fremde Kultur. Weiterer wichtiger Impulsgeber dafür war die “Stunk-Sitzung”, zu deren Tradition es damals gehörte, in den vom WDR gesendeten Aufzeichnungen zensiert zu werden. Den Piepser, als Jürgen Becker über Kardinal Meißner sagte “Aber ene Arschloch ese doch!”, habe ich auf VHS-Cassette. Die Stunksitzung freut sich immer über jede WDR-Zensur – eine bessere PR konnte sie sich gar nicht ausdenken.

Was bedeutet es nun, wenn einer am 11.11. eine Versammlung/Sitzung einlädt? Klare Sache: hoffentlich kommt keine*r und es geht schnell vorbei. Annika Joeres, Frederik Richter (beide correctiv) und Anne Burgmer (KStA) werden von der PR-Abteilung des Intendanten wahrscheinlich mittlerweile als gefährliche invasive Insekten angesehen. Mir als Leser setzen sie dagegen einen kritischen Impuls, der nicht – wie bei dem berechenbaren Hanfeld/FAZ – immer die ökonomischen Interessen von einem Dutzend Verlegermilliardär*inne*n verfolgt, die so gut zum Hamburger Übersee-Club passen würden. So eine Betriebsversammlung? Puuh …

Sie sind drin

Roland Appel erinnerte sich in einer E-Mail an Freund*inn*e*n und Bekannte an das “Arsch huh”-Konzert vor 30 Jahren und kommt zu dem Schluss: “Und was mich erschreckt: Es ist schlimmer geworden, die Anstifter sitzen inzwischen bei uns im Parlament, in Italien regieren sie gar. Wann tun wir endlich etwas wirkungsvoll dagegen?” Mein Vorschlag, so makaber er auf den ersten Blick klingt: von Österreich lernen.

Vorgestern berichtete das ORF-Nachrichtenmagazin ZIB2 (“Weitere brisante FPÖ-Chats”), das Gegenstück zu den ARD-Tagesthemen, mit, wenn es Armin Wolf ist, weit hochklassigerer Moderation und Interviewtechnik, über sich selbst und die Infiltration der zeitweiligen Regierungspartei FPÖ. Haben Sie sowas schon mal in der ARD gesehen? Ich kenne vergleichbares nur von Zapp – und die sind aus dem TV-Programm weitgehend rausgeflogen. Wie schon in den 70er Jahren das vom WDR produzierte “Glashaus” – eine Archivöffnung wäre lehrreich.

Kriegsopfer Snowden

Whistleblower? Im Krieg? Muss wohl ein Putin-Freund sein. War sein Freund Hans-Christian Ströbele nicht auch einer? Danke an netzpolitik.org. Es ist möglich, einen klaren Kopf zu behalten.

Katastrophe Lanz

Die Zeit ist knapp. Für “Lanz” habe ich keine. Götz Eisenberg/telepolis hat für mich geguckt. Plasberg geht übrigens in Rente. Wie schön.

ARD/ZDF-WM der Schande

Wenn Sie noch – wie ich – überlegen, was, wie viel, ab wann Sie einen TV-Glotzblick auf die Qatar-WM werfen, hat Roberto De Lapuente/overton hier die Argumente, es nicht zu tun. “Es ist furchtbar, aber es geht”???

Update 11.11.

Zum Verlauf der WDR-Betriebsversammlung gibt es einen paywallfreien SZ-Bericht von Christian Wernicke.

Karneval im WDR

mit Update 12.11. Seit 1976 lebe ich im Rheinland. Rund 15 Jahre war ich darauf bedacht, mich immer zum Karneval in sichere Regionen zu verziehen - das war meistens Ostfriesland.

Beueler-Extradienst