Ich bin jetzt aus der Behörde raus, sitze im Auto und rekapituliere mein Leben...
Ich bin schon sehr lange selbstständig und habe im Laufe der Zeit viel Gewerbe- und Einkommenssteuer überwiesen. Ein bisschen war ich da auch stolz drauf überdurchschnittlich beitragen zu können und ich habe Steuersparmodelle immer abgelehnt, weil ich es für asozial halte. Inzwischen nicht mehr...
Es ist nicht so, dass es das erste Mal ist, dass ich mit Behörden zu tun habe und mir ist auch klar, dass Verwaltung notwendig ist und diese nur bedingt einem Effizienz- und Wirtschaftlichkeitsdenken unterworfen sein kann. Was ich aber in den letzten 10-15 Jahren beobachte ist ein Aufblähen der Verwaltung ohne gesellschaftliche Benefits. Im Gegenteil, der Nanny-Staat greift immer mehr um sich, immer übergriffigere Vorschriften bis weit in's Private und gleichzeitig sitzen sich massenhaft Leute auf irgendwelchen Versorgungposten ihre Är**** breit. Bevor der Vorwurf kommt, nein ich bin nicht gegen eine Regulierung der Wirtschaft, aber die X. Statistik, die ich ausfüllen muss ohne dass sie mir oder der Gesellschaft etwas bring, diese ganzen Parasiten bei IHK und Co. behindern mehr als was sie nützen. Darum geht es mir.
Es ist nicht nur die aufgeblähte und ineffektive Verwaltung, egal ob kommunal, Bund oder auch die Verbände und Berufsgenossenschaften. Was mich mindestens genaus nervt ist die ganze Fördermittelvergabe. Ich habe erst einmal nichts gegen Fördergelder, auch wenn sie grundsätzlich bedeuten leistungsfähigen Unternehmen Ressourcen zu entziehen um sie unwirtschaftlichen Projekten zu geben. Im Gegenteil, das kann ein nützliches Instrument sein um gesellschaftliche oder auch wirtschaftliche Entwicklungen zu steuern. Mir geht's hier erstmal vorrangig um die Wirtschaftsförderung.
Vor ein paar Jahren habe ich mich aktiv in eine kleine e.G. eingebracht. Dort bin ich das erste Mal seit den 1990ern auf eine Spezies gestoßen, von der ich dachte, dass sie ausgestorben sei: Die Fördergeldglücksritter. Die haben keine Idee, die sie gefördert haben wollen, sondern sie schauen sich an was es für Fördertöpfe gibt und "entwickeln" genau dafür ein angepasstes "Projekt", sacken für ein paar Monate oder vielleicht auch mal zwei Jahre Gelder ein und wenn die auslaufen, suchen sie sich das nächste. So kommen sie von Datamining zur Blockchain und sitzen heute vermutlich an KI-Projekten. Gesellschaftlicher Wert ist null, wirtschaftlich ebenso. Das Ziel irgendwas wirtschaftlich funktionieren zu bekommen ist die absolute Ausnahme.
Aber auch bei den Verwaltungsleuten der e.G. habe ich ein paar Sachen gelernt. Lieber schaut man wo man mehr Geld herholt, als dass man Ausgaben senkt und irgendwann war der ganze Apparat total aufgebläht. Dass man damit die wenigen, die tatsächlich Geld für die e.G. verdient haben, vergrault hat, hat die erst dann interessiert, als das Geld alle war.
Vermutlich ist das ein verbreitetes Mindset bei Verwaltungsleuten und aus sich heraus wird keine Verwaltung selbstkritische Maßstäbe ansetzen, was ihren Umfang angeht und damit auch ihre Effizienz.
Mich hat das zu dem Schluss gebracht, dass Steuersparmodelle angebracht und auch moralisch gerechtfertigt sind. Erst wenn die Einnahmen wegbrechen, wird es Reformen geben.
Ich habe auch keine Hoffnung mehr in die Politik, im Gegenteil. Jede Regierung versucht möglichst viele ihrer Buddies in irgendwelche Versorgungsposten zu heben und nach jeder Legislaturperiode ist der Apparat wieder 10-15% gewachsen, obwohl sie vorher Bürokratieabbau versprochen haben.
Wenn es sowas wie eine radikale FDP gäbe, inzwischen würde ich die wählen.