Passender Nachtrag zu #2MR, Konferenz für demokratiestärkende soziale Medien:
Warum Ricarda Lang nicht das Fediverse nutzt

@Buendnis90 https://gruene.social/@Buendnis90/116550550676423561

GritM_Buendnis_OST (@[email protected])

Attached: 1 video Ich habe #RicardaLang bei der #3 Social Media Academy der @boell gefragt, warum sie nicht im #Fediverse ist — extra für die #Netzbegrünung 🎥🌿 Antwort: „Ist eine Kapazitätenfrage“ Vielleicht können @[email protected] und unsere netzpolitischen MdBs dazu nochmal mit Ricarda sprechen — und die #Netzbegrünung hilft einfach beim Einstieg ins #Fediverse 😌 #DigitaleSouveränität #Netzpolitik #BündnisOST @GrueneBundestag

gruene.social
@Buendnis90 Vor ein paar Tagen ging mir auf, dass sich das Fediverse mit der soziologischen sozialen Netzwerkanalyse erklären lässt, also als Netz von Netzen, das von schwachen Beziehungen zusammengehalten wird. Der Effekt ist, dass sich die Medienarbeit von Spitzenpolitikern dramatisch verändern dürfte und sehr viel stärker in Richtung Organizing gehen wird. Reichweite und Relevanz hängen von funktionierenden Beziehungen zu einer Vielheit von Gatekeepern ab. Siehe https://chaos.social/@plinubius/116523865199976459 1/x
Plinubius 🇪🇺 (@[email protected])

@[email protected] Mir fällt zu dem, was Du schreibst, die Theorie der Stärke schwacher Beziehungen ein (siehe Ronald Burt und Mark Granovetter). Das ist Teil der soziologischen sozialen Netzwerkanalyse (SNA). Entscheidend ist, in untereinander durch schwache Beziehungen vernetzten Personennetzwerken zu denken. Die schwachen Beziehungen bestehen zwischen "Gatekeepern". Sie zu kennen und die Beziehung zu ihnen zu pflegen ist der Schlüssel. Darum mein Interesse für CiviCRM. 1/3 @[email protected]

chaos.social
@plinubius
Gerade deshalb verstehe ich nicht, warum so viele Politiker:innen mit dem Fediverse fremdeln. Das ist doch sozusagen ihr täglich Brot. Genauso funktioniert politische Arbeit in der analogen Welt nämlich auch.
@Buendnis90
@C_Ottenburg Ich denke, sie fremdeln damit, weil sie diese politische Arbeit, die Du und ich im Sinn haben, de facto gar nicht leisten. Sie sind m.E. in aller Regel in einer relativ begrenzten und selbstbezüglichen Blase unterwegs. Mir fällt das deutlich auf, wenn ich zu CiviCRM berate. Nimm bloß mal Sherpa als Beispiel. Es ist kein Zufall, dass da keine Affinität besteht. Die versuchen unisono One-way-Kommunikation ohne Beziehung zu produzieren, sind aber eigentlich isoliert. @Buendnis90
@plinubius
Politik, wie ich sie bei der SPD erlebt habe und (nicht ganz in dem Ausmaß) auch bei Volt erlebe, besteht aber genau aus dem Agieren in einem Netz schwacher Beziehungen. Das Knüpfen und der Erhalt dieses Netzes erfordert immens viel Zeit und Anstrengung. Wer Teil dieses Netzes ist, läuft daher immer Gefahr, Beziehungen aufzugeben, die hier nicht nützen, und sich dadurch noch mehr im Netz (bzw. der Blase) zu verheddern.
Vielleicht ist aber deshalb auch das ...
-> 2
@Buendnis90

@plinubius
Versprechen von "Reichweite per Proklamation" der algoritmengetriebenen Plattformen so attraktiv, weil es scheinbar die Möglichkeit eröffnet, mit viel weniger Aufwand Erfolg zu haben und noch über die eigene Blase hinauszuwirken.

2/2
@Buendnis90

@C_Ottenburg Ok, ich war vielleicht zu scharf. Mir gefällt der Gedanke, dass "Politik machen" Beziehungsarbeit ist. So lese ich, was Du geschrieben hast. Und Du nimmst auf, was ich als #Reichweitenangst beschreibe, die daraus folgt, dass SocialMedia Erfolg ohne viel Aufwand verspricht.
@Buendnis90
@plinubius
Ich glaube, dass mehr zusammenkommt, nämlich
1. das Versprechen der kommerziellen Plattformen, dass "alle" da wären (oder zumindest die "relevanten" Gruppen) und der Mythos, dass "niemand" im Fediverse sei,
2. das Versprechen der Kommerziellen, dort sei alles einfach und der Mythos, das Fediverse sei technisch und "schwierig",
3. die Lüge der Kommerziellen, die unsichtbare Hand der Algorithmen werde Reichweite schaffen und der Mythos im Fediverse nicht gesehen zu werden.
@Buendnis90
Hi @C_Ottenburg @plinubius @Buendnis90,
ich denke, das sind schlicht Seilschaften alter weißer Männer, die nostalgisch verklärt und besoffen von eigener Relevanz selbstgenügsam in ihrer eigenen Blase verbleiben. Die "Reichweite" unter Kollegen ist wichtiger als der Kontakt zur Bevölkerung. Wie die SED 1989.
P.S.: die Demokratie kennt keine "relevanten Gruppen".
@mro
Dieses "ich denke" hat bestimmt seine Gründe. Warst du mal n einer Partei, oder woraus speist sich dein Eindruck? Ist deine Kritik eher, dass männliche Politiker zu viel plappern oder zu selbstbezogen kommunizieren?
Das zu wissen, wäre hilfreich, um einzusortieren wie sich dein Beitrag gewichten lässt. In diesem Faden geht es schließlich um Veränderungen. Genau gesagt, diskutieren wir, wie sich Dinge besser gestalten lassen.
@plinubius @Buendnis90
Hi @C_Ottenburg @plinubius @Buendnis90,
im wesentlich speist sich das aus den Krümeln, die zwischen den Zeilen der Erklärungen von Profis aus Politik und Medien, warum sie exklusiv(!) bei Werbeplattformen sind, herausbröselten: Um dort "die Leute" zu erreichen und "abzuholen" (wohin?). Noch nie schien dabei https://indieweb.org/POSSE durch. Die erreichten vermeintlichen "Leute" sind die Medien-Bubble - bei Twitter waren Altmaier, Lobo & Co., aber kaum eine Privatperson (in Saudi Arabien schon, in DE nicht).
Bei den genannten ist mir das egal, bei Dunja und Robert schmerzt es.
Noch dazu legen sie sich bei #GAFAM in's gemachte Bett und übersehen, daß das keine Marktplätze sind, sondern Shopping-Malls. Mit Hausordnungen. Da kannst Du nicht deine politische Arbeit drauf aufbauen, da ist nix unabhängig oder gemeinwohlorientiert.
Ich beobachte das seit dem Ende des Google Reader und hab' mich immer wieder auf Bühnen gestellt: https://media.ccc.de/v/35c3-9566-lightning_talks_day_2#t=3337 oder https://fair.tube/w/jgF8cFw5u4K1puFNscWcQh
POSSE

POSSE is an abbreviation for Publish (on your) Own Site, Syndicate Elsewhere, the practice of posting content on your own site first, then publishing copies or sharing links to third parties (like social media silos) with original post links to provide viewers a path to directly interacting with your content.

IndieWeb
@mro
Verstehe ich das richtig: Im Unterschied zu @plinubius sprichst du also nicht mit Politiker:innen selber?
Du warst auch nie Mitglied einer Partei, sondern beziehst dein Wissen aus einer Außenperspektive, die du über Dritte bekommst?
Und dieses Wissen vermittelst du durch Vorträge an Menschen, die selbst keinen Draht in die Politik haben?
Bist du dir sicher, dass du nicht selbst Teil einer hermeneutisch in sich geschlossenen Blase bist?
@Buendnis90
Hi @C_Ottenburg @plinubius @Buendnis90,
nein, das verstehst Du nicht richtig. Ob ich je #Parteimitglied war tut nichts zur Sache, #Politik findet nicht nur in Parteien statt. Art 21 #GG.
@mro
Dann bitte ich um Erklärung. Eine Verneinung besagt nichts über das, was ist.
@plinubius @Buendnis90
Hi @C_Ottenburg @plinubius @Buendnis90,
Di willst eine Erklärung für die Erklärung? Hast Du sie denn gelesen? War sie verständlich? Oder gibt's Fragezeichen? Welche? In die Links geschnuppert?
So wird das schwierig, aber ich danke für das Interesse.
@mro
Alles. Du sprichst von "Krümeln" die du zusammengelesen hast (ohne Quellen zu nennen) und hast Kurzvorträge auf offenen Bühnen gehalten, wo jede:r Statements abgeben kann.
Dein Engagement bleibt vage, du bringst keine Impulse für Änderungen, beanspruchst aber die Anerkennung als Experte.
Vergiss es.
@plinubius @Buendnis90
@C_Ottenburg @mro Ach, nun seid doch nicht so! Mindestens eine Quelle hat Marcus genannt, nämlich den Verweis auf das POSSE-Konzept. Außerdem ist sein Hinweis, das Politik wirklich verstörend ist, wenn sie mit ihrem Content #GAFAM bespielen, sehr klar. Findet Ihr nicht, dass die Entscheidung, sich an unserer Demokratie nicht zu beteiligen, erstaunlich verbreitet ist? Eine reife Leistung, rechnet man die Aversion mal den Parteien als den theoretischen Beteiligungsagenturen an. @Buendnis90
@plinubius
Allgemein finde ich die verbreitete Ablehnung von allem, was als "politisch" gilt, und den damit verbundenen Mangel an Bereitschaft, sich auf irgendeiner Ebene verbindlich einzubringen, besorgniserregend. Noch problematischer finde ich allerdings die immer mehr um sich greifende generelle Abwertung aller politischen Akteur:innen - unabhängig von Person, Parteizugehörigkeit und Rolle. Beides hängt meiner Meinung nach zusammen,
-> 2
@Buendnis90

@plinubius
denn die Entfremdung begünstigt die Abwertung, die durch andere Akteure (wie TechBros, MAGA, Putin ...) noch befeuert wird.
Du hast m. E. völlig recht, wenn du dafür die Parteien in die Haftung nimmst.

Gleichzeitig greift es nach meiner Überzeugung zu kurz, denn - in dem Punkt stimme ich @mro zu - Parteien sind nicht die einzigen politischen Akteure und man muss kein Parteimitglied sein, um sich politisch zu engagieren.

-> 3
@Buendnis90

@plinubius
Die Frage müsste also lauten: Wie können Parteien Teil eines Diskurses werden, der Menschen dazu bringt, sich wieder politisch engagieren zu wollen. Wie schaffen wir diese Öffnung und ein Umfeld, das einlädt, sich einzubringen? Parteien haben da eine besondere Verantwortung, gefragt sind m. E. aber auch Gewerkschaften, Kirchen und andere Non-Profit-Organisationen. Bei Wirtschaftsverbänden wäre umgekehrt die Frage, wie sich deren Macht und Einfluss begrenzen lässt.

3/3
@Buendnis90

@C_Ottenburg Ich bevozuge deshalb den Begriff "politische Vereine", auch für Parteien. Mein Vorschlag ist, nach vorn zu schauen. Ich glaube, die Beschäftigung mit den in der medialen Öffentlichkeit installierten oder um Installation bemühten Personen oder Parteimarken ist müßig. Die Tendenz zur Abwertung von Personen und Parteien ist lediglich der Aufmerksamkeitsökonomie geschuldet. Zukunftsträchtig ist allein das Projekt, individuell politische Arbeit zu normalisieren. 1/2 @mro @Buendnis90
@C_Ottenburg Politische Vereine sehe ich dabei lediglich als Infrastrukturanbieter individueller politischer Arbeit. Die Abgeordneten und Delegierten werden darin nur als Scharnierstellen zwischen der individuellen politischen Arbeit und den Gremien interessant, zu denen sie Zugang haben. Ich kann mir vorstellen, dass wir irgendwann Leute wählen, die nie in der Zeitung stehen, weil jeder sie im eigenen Horizont als produktiv erlebt und allein dadurch "will". 2/2 @mro @Buendnis90
@plinubius
Das wird schwierig. In Frankfurt sind die kleinsten Kommunalparlamente die Ortsbeiräte. Der OBR 10, in dem ich Mitglied bin, umfasst fünf sehr verschiedene Stadtteile, in denen rund 45.000 Menschen wohnen.
Die können mich gar nicht alle kennen, geschweige denn aus persönlichem Kontakt als kompetent und wirksam erleben.
Ohne mittelbare Kontakte, Hörensagen und Vertrauen in andere geht es nicht. Deshalb ist Lokaljournalismus so wichtig.
@mro @Buendnis90
@C_Ottenburg Ja, aber ich denke, genau dieses Konzept des (Lokal)journalismus und auch des "in-Beziehung-stehen" der Delegierten verändert sich. Briefings zu Polity und Policy werden glaube ich sehr relevant. Ich halte es für einen Irrtum, alle Gemeinten wüßten um Kontexte, Arenen, Spielregeln, Diskussionsstand, Ziele und Mittel. Mitnichten! Und dann werden "Verteiler" anders werden. Kontextbewußter. Adressatenbewußter. 1/2 @mro @Buendnis90
@C_Ottenburg Was mich immer schon fasziniert ist, wie wenig sich Journalismus als mein Lieferant begreift, wie wenig er mich als Kunde kennt, wie wenig er meinen Informationsbedarf als Ressource entwickelt. Ist die Annahme, es ginge um meine Aufmerksamkeit, nicht eigentlich erstaunlich primitiv?
Und was, wenn es mir gelingt, (Lokal-)journalismus durch andere Korrespondenzpartner zu ersetzen, z.B. durch die Delegierten, die zu meiner Sache arbeiten? 2/2 @mro @Buendnis90
@plinubius
Die Delegierten müsstest du mir noch mal erklären. Meine ersrmte Assoziation waren Delegierte zu einem Parteitag. Aber das ist vermutlich nicht die von dir gemeinte Bedeutung, oder?
@mro @Buendnis90
@C_Ottenburg Delegierte = alle die irgendwo hingeschickt werden. Von Parteitag bis Europaparlament. Anders ausgedrückt: Immer dann, wenn nicht alle gleichzeitig hinkönnen und also Arbeitsteilung greift. "Mein" MdB entlastet mich von der Aufgabe, selber hin zu müssen. @mro @Buendnis90
@plinubius
Ich kann sagen, dass meine Partei auch maßgeblich an meiner Meinungsbildung mitwirkt- insbesondere in Themen, mit denen ich mich sonst nicht Super-intensiv beschäftigt habe.
Ich denke also, dass Parteien über Infrastrukturanbieter hinausgehen: als relevanter Debattenraum. Vermutlich geht auch noch einiges mehr, wenn Dinge gut laufen.
@C_Ottenburg @mro @Buendnis90
@FlippoFlip Der "Debattenraum" ist Teil der Infrastruktur. In der Wertkette politischer Arbeit ist es die Wertschöpfungsstufe der Sammlung/Dokumentation von Information und die Wertschöpfungsstufe der Interpretation der Infos. Wenn Dich Deine Partei auf diesen Wertschöpfungsstufen erfolgreich auch in Prozesse einbindet, die für Dich eigentlich randständig sind, spricht das für die advokatorische Leistung der Struktur, einem Thema mehr Aufmerksamkeit zu beschaffen. @C_Ottenburg @mro @Buendnis90
@plinubius
Nach meiner Definition ist Infrastruktur üblicherweise die Vorraussetzungen für eine Wertschöpfung, aber nicht unmittelbar daran beteiligt. Und gute Beratung ist ziemlich wertvoll. Aber sonst: ja.
@C_Ottenburg @mro @Buendnis90
@FlippoFlip Oh, die Wertschöpfung im Debattenraum besteht in der Meinungs- und Willensbildung. Für die nachgelagerte Wertschöpfungsstufe des operativen Handelns liefert der Debattenraum Sinnkonstruktion und Entschlossenheit. Das ist doch ziemlich sauber getrennt. Die Wertschöpfung besteht nicht so sehr im Debattenraum selbst (obwohl man natürlich auch den herstellen muss). @C_Ottenburg @mro @Buendnis90
@plinubius
Da stimme ich zu. Deshalb rede ich auch viel über Politik - weil es normal sein sollte. Schließlich ist ein funktionieres Gemeinwesen auch im Interesse jedes und jeder Einzelnen. Die einzigen Ausnahmen sind die paar Milliardäre, die sich bei Bedarf die benötigte Unterstützung zukaufen können.
@mro @Buendnis90