@JanaBallweber fragte in diesem Thread https://mastodon.social/@JanaBallweber/116256922242782331 warum es uns Männern scheinbar so schwer fällt etwas zu schreiben wenn es um Epstein, Pelicot, Ulmen, etc. geht.

Ja, warum eigentlich?
Zu jedem Scheiss geben wir ungefragt unseren Senf dazu, sehr oft ohne auch nur den Hauch einer Ahnung zu haben. Warum also schweigen wir hier?

Ich hab den Post von Collien Fernandes gelesen. Ein unglaublich mutiger Post. Wahrscheinlich ein, in Erinnerung bleibendes, Zeitzeugnis. Ich habe lange mit meiner Frau darüber gesprochen und wir haben einige Kommentare gelesen.
Ich habe mich dann entschieden etwas dazu zu schreiben. Hier bei Mastodon. Aber ich wusste nicht was. Ich wusste nicht wie. Stattdessen habe ich ein Eisvogelfoto gepostet. Aber es fühlte sich falsch an. Falsch weil ich schweige. Aber warum? Warum fällt es mir so schwer dazu etwas zu sagen?
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Wohl weil ich eigentlich über mich reden müsste, über meine Versäumnisse, meine eigenen Fehler, meine Momente in denen Lachen über einen anzüglichen Spruch leichter war als ihn zu kritisieren. Und den Moment in dem ich selber noch einen sexistischen Spruch oben drauf setzte weil mir das Ranking in einer Gruppe wichtiger war, als einer Frau Rückendeckung zu geben deren Unwohlsein mir absolut bewusst war. Momente in denen mir der Mut fehlte einzugreifen wenn übergriffig agiert wurde, obwohl mir bewusst war, dass den meisten Frauen gar keine Wahl gelassen wird diesen Mut aufzubringen. Sie müssen einfach. Sie müssen mehr Mut aufbringen einfach nur um durch eine Stadt zu laufen, als ich bereit bin aufzubringen um solidarisch zu sein.

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Es gibt so viele Facetten des Arschlochseins und wir Männer sind so hochbegabt was das angeht. Wir nennen uns Feministen weil unsere Frau neben der Care-Arbeit auch noch Lohnarbeit machen kann und reduzieren unseren Beschäftigungsumfang dann, nicht um unseren Teil beizutragen, nein um Selfcare zu betreiben und ins Gym zu gehen. Wir können so unfassbar selbstgefällige Arschlöcher sein und wir haben dafür sogar unsere eigenen Orte geschaffen. Fussballvereine, Stammtische und Freiwillige Feuerwehren, alles Orte um uns gegenseitig darin zu bestätigen wie scheisse wir sind. Wir grölen und schreien und prügeln und hetzen und poltern, wir sind laut und fies und manipulativ und böse.

Und wenn wir was sagen müssten ...

...wissen wir nicht was.

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Wir machen die Welt für die Hälfte der Bevölkerung zu einem kaum zu ertragenden Ort und besitzen dann noch die Dreistigkeit uns über Frauen zu echaufieren die den Mut aufbringen sich dagegen zu wehren. "Aber nicht alle Männ.." Doch! Halt einfach dein Maul! Solange wir nicht jeden Mann in die Schranken weisen der sich scheisse benimmt, solange sind wir alle ein Teil dessen.

Und über die physische Gewalt die wir ausüben, in Partnerschaften und in der Öffentlichkeit habe ich noch gar nicht gesprochen.

Die Scham muss die Seite wechseln. Ja. Aber wie kann es sein, dass wir in einer Welt leben in der die Scham überhaupt auf der Seite der Opfer und nicht auf der Seite der Täter zu finden ist? Das ist das Patriachat. Einer Struktur die es uns Männern ermöglicht Arschlöcher zu sein. Immer und immer und immer wieder.
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Vielleicht fällt es mir daher schwer etwas dazu zu sagen. Weil ich ein Teil des Problems bin. Ja, es bedarf Kraft sich als Mann dagegen zu stellen, aber, sry Jungs, noch nicht mal im Ansatz so viel Kraft wie sie jede Frau aufbringen muss um einfach nur zu leben.

Ich schäme mich. Gar nicht hauptsächlich für die anderen Männer die etwas so unfassbar bösartiges getan haben, sondern für mich der in den tausenden kleinen Momenten geschwiegen hat.

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@Laszlo Danke, dass du hin guckst, dass du versuchst zu verstehen, dass du deine Gedanken laut sagst. Wenn du damit wenigstens einen Mann erreichst, der dann das gleiche tut, ist schon etwas gewonnen.
@fantasiafragile Erstmal fasse ich mir damit an die eigene Nase. 🤷
@Laszlo Das ist auch gut so. Leider bleibt es eben bei vielen dabei - darum mein Dank, dass du weiter gehst.
@Laszlo Danke, dass du es trotzdem aufgeschrieben hast. Und danke auch an @ErnasKind für ihren Anteil daran.
@UlrikeHeiss @Laszlo
Ich glaube der ist gar nicht so groß.
Seiner Mama gebührt der größte Dank.
🥰
@Laszlo Einfach nur: danke!
Dankeschön 🌸 @Laszlo
Mich freut's echt, mal so etwas zu hören und zu lesen. Ist ein kleiner Ausgleich für die ganze Scheiße, die frau sich ein Leben lang anhören und erleben darf.
@Laszlo Gut, dass du das geschrieben hast und dass du dir diese Gedanken machst. Und - ja, dieses große Ganze, Komplexe existiert, und wenn man es erkennt ist es leicht sich komplett hilflos zu fühlen.
Und dann ist Zeit, es wieder runterzubrechen auf einzelne, wiederkehrende Situationen. Und da was zu tun.

@Laszlo
☝🏻
Danke fürs in Worte fassen.
Du hast absolut Recht

Dazu Stellung zu beziehen heißt sich mit eigener Verhalten auseinanderzusetzen.

Zu erkennen wann man sich selbst sexistisch und misogyn verhalten hat
Die Situationen in denen man bei Freunden, Kollegen oder Bekannten nicht eingegriffen hat.
Die Momente in denen man fremde Männer nicht kritisiert hat.

Und sorry, ich glaube dass sind alle Männer. Ich kenne keinen, inklusiv mir selbst, der da nicht mit gemacht hat.

@realn2s „… mitgemacht hat“ Ist das Vergangenheit? Komplett? Wenigstens für dich?@Laszlo
Ich frage, weil es immer so scheiß lange dauert, wenn man/frau das eigene Verhalten ändern will. Und dann schleichend wieder in alte Muster verfällt.

@exil_inselette @realn2s

Mit Sicherheit ist es ein Weg den ich noch beschreite und mit Sicherheit verhalte ich mich während dieses Weges weiterhin oft falsch. Aber meine persönliche Situation, beispielsweise das Zusammenleben mit einem Transsohn, einer schwerbehinderten Ehefrau und einer sehr aufgeschlossenen modernen Familie sensibilisiert mich schon sehr. Trotzdem werde ich weiterhin Dinge tun die ich im Nachhinein bereuen werde. Ich bemühe mich es wenige sein zu lassen.

@exil_inselette @Laszlo
Du triffst den Nagel auf den Kopf.
Es ist leider nicht Vergangenheit.

Bei der eigenen Verhaltensänderung fällt man leicht auf alte Muster zurück 😬
(Dann kann man(n) nur um Verzeihung bitten, Wiedergutmachung leisten und es das nächste Mal besser machen 🥴)

Dazu kommt auch, dass man davon ausgehe muss, dass man gar nicht alle sozialisierten sexistischen Verhaltensweisen erkennet🥴

Es ist ein Prozess. Zuhören, lernen, sich selbst und die Gesellschaft ändern. Und ja, wenn er schneller ginge und nicht soviele Schleifen enthalten würde, wäre es mir lieber. Ich sehe aber keine Alternativen

@Laszlo Danke für die Worte
@Laszlo sollte ich mich für Ghislaine Maxwell entschuldigen, weil ich eine Frau bin? Oder für irgendein anderes weibliches Monster?
Nope. Warum wird es von einem Mann erwartet?
@elsa Es geht in meinem Text nicht um die Monster. Es geht darum dass wir Männer Männern widersprechen die ständig im Alltag glauben Sexismus und Bevormundung und Mansplaining wären ok.
@Laszlo wie oft wirst du es machen, wenn sie dich ausgrenzen?

@elsa Ich mache es zu selten.
Ich mache es öfter als früher.

Deswegen habe ich diesen Text geschrieben. Er ist gemeint als Kritik an mir selbst.

@Laszlo Ich frage mich eher warum es einigen so leicht fällt. Schließlich muss man sich schon in tiefste Abgründe einlesen, um das Ausmaß solcher Fälle zu erfassen. Nützt mein Kommentar dazu was? Kurze Antwort "Nein.".
Sexistisches Verhalten im persönlichen Umfeld, ja, da sag ich was - da bringt es auch was.
Bei Fremden, nur wenn es sicher ist oder eine Betroffene Unterstützung braucht. Nutzt vielleicht.
Man kann sich besser Verhalten, ist aber nicht für alle anderen Verantwortlich.
@Laszlo Danke für deine klaren Worte.

@Laszlo Respekt, dass du dich der Selbstreflexion stellst und das öffentlich tust. Es ist so wichtig für uns alle.

Ich glaube nicht, dass man ohne einen Schritt der Selbstbegegnung die Chance hat, sich in der nächsten Situation mit Gruppendruck anders zu verhalten.

Und für diese Situation wünsche ich dir, dass dir dieses Posting und die Replys den Rücken stärken.
✊🏾

@silkjag Danke für deine Antwort. Vielleicht stärkt es mir den Rücken, mir in den Situationen, in denen ich den Mund aufmachen sollte, zu vergegenwärtigen wie ungleich schlimmer die Situation für Frauen ist.

@Laszlo Ja, das auch.

Ich habe eine Allergie gegen Schuldkulte jeglicher Art. Und diese Vergleiche, so wichtig sie als Bewusstmachungsinstrument sein mögen, tragen meiner Meinung nicht lange genug. Spätestens wenn sich das innere System gegen die Schuldgefühle zu wehren versucht, kann das Ganze schwierig werden.

Disclaimer: Beruht auf eigener Erfahrung und muss nicht für alle und jede Situation stimmen.

@silkjag Da hast du wahrscheinlich recht. Ich bin wohl noch in der Phase der Bewusstmachung.

@Laszlo Total wichtige Phase und alles was dabei hilft, mitnehmen. Man kann da auch nichts abkürzen.

Ich reagiere einfach reflexhaft auf bestimmte Konstellationen und will damit nicht sagen, dass dein Weg falsch ist.

@silkjag Hab ich auch nicht so empfunden.

Sprich - bei mansplaining hast du noch Luft nach oben.
🤦

Sry.

@silkjag
@Laszlo
Bei der Frage nach "Schuld" halte ich mich an die Ärzte - es ist nicht meine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist, aber ich kann einen Beitrag zur Änderung leisten. Nicht aus Schuldgefühl sondern aus meinem Selbstvertrauen heraus und weil ich es kann. Natürlich bedeutet das, dass ich eine Situation zunächst mal als solche erkennen und korrekt einschätzen muss, aber dafür muss man(n) "einfach nur" Frauen zuhören und glauben, wenn sie über Erlebnisse reden, die ich nie mache.
@Laszlo Danke für dieses klaren Worte.
@Laszlo Danke. Ich hätte es selbst nicht so gut schreiben können. Und ja, ich muss zustimmen.
@Laszlo danke dafür, dass du was sagst. Sind leider noch immer viel zu wenige.
@GritGernhardt Ja. Es sind zu wenige.
@Laszlo @JanaBallweber Vielen Dank für Dein ausführliches Statement, ich denke, dass viele Männer sich mehr oder weniger darin wiedererkennen. Selbst allen Menschen gleichermaßen mit Respekt zu begegnen, ist ein Anfang, aber es reicht halt nicht, solang noch soviele “Männer” unterwegs sind.

@Laszlo @JanaBallweber

Das Probelm heißt Männlichkeit. Dieses kulturelle Kontrukt ist geradezu mystisch aufgeladen und führt vor allem dazu, Jungen und Männern Angst zu machen: Angst nicht männlich (genug) zu sein, Angst sich nicht männlich (genug) zu verhalten, Angst das erreichte Maß (woran auch immer festgemacht) wieder zu verlieren.

@Blacky Vor allem führt es dazu dass Frauen leiden. Und das ist gerade das Thema. @JanaBallweber

@Laszlo

da stimme ich dir vollständig zu

@Laszlo @JanaBallweber

Solange die gererellen gesellschaftlichen Spielregeln sich weitestgehend mit den Anforderungen an Männlichkeit decken, werden die Andrew Tates oder Ulmens dieser Welt immer leichteres Spiel haben als diejenigen, die versuchen die SPielregeln zu ändern. Leider!