das schwierige für insbesondre junge leute, die heute das links-rechts-spektrum navigieren, ist zu verstehen, dass diejenigen, die ihre "agency" und ihren "individualismus" nach außen tragen (dubai bewohner*innen, crypto influencer*innen, hussle bros), die wirklichen "non player character" in aktuellen welt sind.

es sind die, die alle zu "schafen" erklären, die die größten schafe sind, völlig ferngesteuert durch geld, clout und aufmerksamkeitsströme. es sind gestreamlinete kapitalismus-zombies.

gerade als junger mensch ist die suche nach agency (in wirklichkeit: nach selbstwirksamkeit) enorm wichtig.

für eine bestimmte gruppe junger leute konnte "fridays for future" eine zeitlang eine linkes "agencyangebot" machen. "komm, zusammen retten wir die welt."

das war naiv und seit die erzählung an der betonwand des fossilismus zerschellt ist, haben viele sich abgewendet und hecheln anderen agency-simulationen hinterher. crypto ist zwar noch naiver, aber legt sich nicht mit den eliten an.

und ich fürchte, das ist die eigentliche lektion, die die jugend, aus fff mitgenommen hat und mit ein grund für den rechtsruck ist:

sich mit den starken anlegen, ist dumm. du musst du versuchen, auf ihre seite der gleichung zu kommen.

wie gesagt, das ist noch naiver, aber so "abkürzungen" wie crypto oder der aussicht "ki entrepreneur" zu werden, lassen das nicht unerreichbar aussehen.

also wird gehusstled, die eigene empfindsamkeit und kreativität unterdrückt und gemacht, was alle machen

was man der jugend also anbieten muss, ist ein fulcrum, an dem es sich wieder lohnt, zu hebeln.
@mspro fulcrum musste ich erstmal googeln 😁
@lies_das hab einen langen explainer dazu geschrieben: https://mspr0.de/die-hebelfulcrums-mechanik/
Die Hebel:Fulcrums-Mechanik | H I E R

@mspro „Geh doch mal hebeln.“ Wenn das zum Jugendwort 2027 wird, besteht Hoffnung. 🌻

Mal ernsthaft in die Runde gefragt, vielleicht bin ich doof oder systemblind, aber zeichnet sich in dieser Alterskohorte irgendwo schon ein potenter Fulcrum ab? Für mich ist die zone so mit shit geflooded, dass ich nichts mehr erkennen kann.

@sherold es gibt immer irgendwo ein fulcrum, aber das zu finden, ist nicht unsere aufgabe, sondern ihre.
@mspro stimmt. und nicht nur nicht unsere aufgabe, ich würde ein fulcrum wahrscheinlich auch gar nicht erkennen können (kohorteneffekt).
@sherold ja und der mut und die notwendige "naivität" ihn auch zu benutzen.

@mspro #WasFehlt ist ne Linke Antwort auf die Abgoebbeleien von NSAfD & Co.

@mspro Du siehst ernsthaft Überschneidungen zwischen denjenigen, die bei FFF aktiv waren und der Cryptobro-Szene? Würde mich sehr wundern.
@_tillwe_ ja durchaus, wobei das ja keine personelle überschneidung erfordert. sie sie sehen ja, was in ihrer alterkohorte so passiert, auch wenn sie nicht freitags mitmarschiert sind.
@mspro Hm. Mir verschmiert das zu sehr die massiven Differenzen innerhalb von "Jugend" (vgl. die starken Wahlergebnisse von Erstwähler*innen sowohl links wie auch rechts).

@_tillwe_ @mspro Strukturell sind da schon massive Überschneidungen, nicht nur zwischen Klimaaktivismus und Crypto, sondern durchaus allgemeiner zwischen diversen linken Weltsichten und Crypto.

(…, wobei Crypto gar nicht so jung sind. Das sind im Wesentlichen mittelalte, weiße Gen-X- und Millenial-Dudes.)

Das Angebot „Die Welt ist offensichtlich im Arsch. Wir bieten Dir eine Weltsicht, in der Du zur Elite gehörst, die _weiß_, wie es besser geht. Wir bieten Dir an, _recht_ zu haben!“ ist schon bei linken Welterklärungen sehr, sehr ähnlich zu Crypto-Welterklärungen.

@mspro Da stimme ich dir fast zu, bis auf das "naiv" - denn FFF hat ja bis einschließlich 2019 schon ordentlich Druck gemacht. Doch dann kam Corona, Ukraine, Inflation, Rechtsruck... Ich glaube FFF hatte schon das Potenzial, etwas zu bewegen (wurde ja anfangs auch durchaus wohlwollend rezipiert). Es war einfach nur sehr unglückliches Timing.
@lu_leipzig das hat nichts mit timing zu tun, sondern alles mit millioneninvestition in gegenkampagnen (springer, fdp, cdu, nius) und wer das immer noch nicht checkt, wird weiter gegen dieselben wände rennen.
@mspro Das eine schließt das andere ja nicht aus. Die Gegenkampagnen waren ja nicht Schuld an Corona. Und ja, Gegenwind wird es immer geben, aber das ist doch kein Grund es nicht zu versuchen?

@lu_leipzig natürlich musst du es weiter versuchen, aber doch nicht auf dieselbe gescheiterte art?

ein neuer angriff müsste als erstes die fossilmafia direkt angreifen, öffentlich entlarven, delegitimieren und politisch unfähig schießen. doch dafür gibt es aktuell keinen plausiblen pfad.

@mspro @lu_leipzig Wie war das? »Wahnsinn ist, wenn man immer wieder das Gleiche tut und dabei andere Ergebnisse erwartet.«
@mspro Ja aus vergangenen Fehlern lernen ist unbedingt erforderlich, das stimmt. Ich bin persönlich nicht genug im Klimaaktivismus drin um beurteilen zu können, ob diese Schlüsse nicht schon gezogen wurden. Ich könnte mir aber vorstellen, dass Corona usw. dem Ziel im Weg standen, wirksam mediale Aufmerksamkeit für das Thema zu erzeugen. Wer es probiert hatte war ja die Letzte Generation, aber auf eine dermaßen unpopuläre Art und Weise, dass es wohl rückblickend betrachtet eher ein Eigentor war.