Wo habt ihr im Alltag außerhalb der "staatlichen Stimmabgabe" Demokratieerlebnisse?

Meine These:

- Im Bezug auf Wohnen: WG intern und Eigentümer*innengemeinschaften - ja, vielleicht? Alles andere (Mietwohnung, EFH) - nope.

- In Bezug auf Arbeit: Die wenigsten. Sozialarbeiter*innen vielleicht als Beispiel, fast alles andere als Gegenbeispiel?

- Im ehrenamtlichen Engagement - kommt drauf an.

- Im Sport - kommt drauf an

- Zu Hause - bei den einen mehr, bei den anderen weniger

- ???

Also, ich vermute, dass die meisten im Alltag wenig Demokratie erfahren.

@johnnythan
Das Thema Arbeit sollten wir auch zeitnah angehen, finde ich.
@johnnythan Fokussiere nicht nur auf kollektiv verbindliche Entscheidungen, sondern auch und vor allem auf den Prozess der kollektiven Beratung. Eltern mögen vermeintlich allein entscheiden, aber wohl nicht immer gegen die Kinder. Ebenso vermeintlich Arbeitgeber, die aber selten oder nie ohne die Informationen, Planungsleistungen und sonstige Einschätzungen aus ihren Teams auskommen. Suche eher nach der Informationsbeschaffung und -verarbeitung und betrachte Entscheiden als informell beeinflusst

@plinubius Das wirft bei mir die Frage auf: Ist jede Beteiligung Demokratie? Ab wann ist es eine demokratische Erfahrung? Können wir Situationen mit einer Punkteskala bewerten und alles über Y Punkte ist eine Demokrattierfahrung?

Ich würde momentan noch denken, nur weil ich gefragt werde (wie in deinem Beispiel des Arbeitgebers, der Informationen, vielleicht sogar Meinungen von den Angestellten abholt) ist es noch keine Demokratie.

@johnnythan Die Frage, was eine "Demokratie-Erfahrung" ist, wie man "Demokratie erfährt", ist eine harte Nuss. Selten die Momente, in denen man persönlich an einer Mehrheitsentscheidung teilnimmt. Mir kommt der Gedanke in den Sinn, dass demokratische Beteiligung ähnlich wie Geld eine Sache sozialen Vertrauens ist: Indem der andere sichtbar in den Prozess vertraut, vertraue auch ich dem Prozess. Die Erfahrung könnte also eher das Vertrauen in den Prozess meinen, als den der Entscheidungsfindung.
@plinubius Das finde ich einen sehr guten Gedanken, Danke. Ich werde den ein wenig in mir wälzen :)
Exzerptnotizen zu Luhmann, Niklas: Vertrauen. Ein Mechanismus der Reduktion sozialer Komplexität. 2. erw. Aufl. Stuttgart 1973 | Plinubius

@johnnythan In der Gewerkschaftsarbeit und in meinem Amateurfunkverein
@johnnythan tatsächlich an der Arbeit. Es gibt natürlich eine Zielvorgabe von der Geschäftsleitung, aber was genau wir machen und wie, handeln jeweils die Beteiligten untereinander aus. - Ist aber bei Softwareentwicklung vermutlich einfacher als in anderen Branchen.
@johnnythan Sehr oft bei der politischen Willensbildung zu Fachthemen. Heute noch beim Gespräch zusammen mit dem #DGB, der #AWO, der #CDU und #HWK/ #IHK für ein gemeinsames Thema für Azubis. Und sowas habe ich häufig. #demokratie #rockt
Akkoma

@johnnythan jedes mal, wenn ich frei meine Meinung äußere und dabei nicht darüber nachdenke, was wohl Vater Staat dazu sagt

@tueflti Redefreiheit ist sicherlich ein hohes Gut der Demokratie. Ist freies Reden bereits eine ausreichende Demokratieerfahrung? Oder muss ich (durch Reden oder anderen Dinge) auch wirklich etwas mitbestimmen dürfen?

Anders: Reden alleine ist noch keine Selbstwirksamkeit. Oder?

@johnnythan meiner Ansicht nach ist freie Rede eine ausreichende Demokratieerfahrung, da bspw Wahlen oder Vereinswesen auch unfrei gesteuert sein können. Durch freie Rede bestimme ich auch immer die Meinung der Menschen mit, mit denen ich rede. Kann ich bspw damit keinen Effekt erzielen, weil es keine freien Wahlen gibt, ist die freie Rede auch keine Demokratieerfahrung. SWErwartung hat nichts mit einer realen Handlung zutun und ist rein subjektiv also auch in Rede umgesetzt
@johnnythan disclaimer: das ist ein durchaus umstößliche wenig feste Ansicht

@tueflti Danke fürs Antworten. :)

Ich habe glaube ich etwas an deiner Antwort nicht verstanden. Das hier ist also eine Verständnisfrage.

Ich lese in deinem Toot zuerst, dass zur Demokratieerfahrung freie Rede ausreicht¹, dann, dass freie Rede alleine, also ohne freie Wahlen, nicht ausreicht².

¹ "[...] ist freie Rede eine ausreichende Demokratieerfahrung [...]"

² "[...] weil es keine freien Wahlen gibt, ist die freie Rede auch keine Demokratieerfahrung."

@johnnythan das würde ich schon so sehen allerdings würde ich es andersrum auch so sehen, weshalb für mich freie Rede eine Demokratieerfahrung ist, da ich mir freie Rede ohne freie Wahlen nicht vorstellen kann. Daher würde ich sagen ist freie Rede ein Indiz (kein Beweis) für eine Demokratie, weshalb es eine Demokratieerfahrung sein könnte.
Ich frage mich auch, wie frei die Redefreiheit oder auch Handlungsfreiheit sein muss/darf.

@johnnythan Achtung ‼️ Trigger Suizid ‼️

Wenn ich bspw vor einem Arzt von Suizid spreche auch wenn ich 85 bin werden Maßnahmen getroffen, die dies zu verhindern suchen. Gehört das zur Einschränkung der Redefreiheit auch wenn die Einschränkung keinen Einfluss auf meine Fähigkeit hat Demokratie zu leben?

@johnnythan komme gerade von einer Bürgerbeteiligung meines kleinen Teilorts für die Stadtentwicklung ...
@GratianRiter Super. Es ist gut, dass so etwas mehr und mehr kommt und auch angenommen wird. (Der Vollständigkeit halber: Es gibt auch einige Kritik an der konkreten Ausgesaltung von manchen Beteiligungsprozessen. Aber die Richtung ist doch schonmal ganz gut.)
@johnnythan Ja, habe auch Qualitätunterschiede feststellen können. Der Prozess wurde auch in der Kernstadt schon durchgeführt, da hatte das noch mehr Tiefenschärfe. Wobei man auch dazu sagen muss, dass dort die Verhältnisse entsprechend komplexer sind. Aber es ist gut, dass es sowas gibt, und ich kann nur empfehlen teilzunehmen, wenn es sowas gibt, oder es auch anzustossen, dass es sowas gibt.
@johnnythan Ja, als BR
@schattenreiter BR = Betriebsrat? Ja, da sicherlich.
Aber lass mich fragen: Innerhalb des BR oder auch in Zusammenarbeit mit den Unternehmenseigentümer*innen?
@johnnythan Ich würde das grundsätzlich bejahen. Natürlich gibt es Konflikte und rote Linien .... aber auch Kooperation.
@johnnythan
In diversen Projekten in denen ich mitmache (LUG Reutlingen, Verein, BGE Projekten, ...)
Problem: Viele wollen sich nicht einbringen, sondern warten lieber auf Ansagen oder haben Angst sich verbindlich einzubringen (also etwas verbindlich zuzusagen).
Zuschauen, Konsumieren, vielleicht mal etwas liken und natürlich Kommentare schreiben 😇
Aber es gibt sie, die Menschen die sich einbringen wollen. Ein paar habe ich im Fediversum gesehen. Oder hier darüber gelesen, dass es sie gibt? 🙃
Ich hege die Hoffnung, dass es noch Hoffnung gibt - für die Mehrheit.

@lichtschnuppe Dein Punkt "Viele wollen sich nicht einbringen, sondern warten auf Ansagen" ist ein Teil dessen, woher die Frage bei mir kam.

These: Demokratische Beteiligung muss gelernt werden.

Vor allem wenn es um mehr geht, als ab und zu Kreuze zu setzen.