Wenn mir irgendwer erzählt, dass die Schulpflicht verteidigt werden muss, um die Demokratie zu erhalten, dann bringt mich diese Person so ziemlich zum Lachen. Ich würde ja zustimmen, wenn Schulen Orte wären, wo #Demokratie gelebt wird, wo die Schüler*Innen tatsächlich demokratisch sozialisiert werden. Aber doch nicht in der autoritären Institution Schule, da wird Demokratie nicht verteidigt.
@teufel100
Es ist zumindest Glücksache.
@die_Ergo schwierig. Es ist wohl eine Glückssache, wenn da ein paar Menschen herauskommen, die unter Demokratie wirklich mehr verstehen als das, was wir heute haben ;)
@teufel100
Meine Tochter hat Glück, die Schule nimmt Demokratie sehr ernst.
@die_Ergo ja, aber sind die Strukturen demokratisch organisiert, können die Schüler*Innen dort Mitentscheiden, können die dort also Demokratie leben? Oder lernen die dort auch eher nur das Konsumieren von Demokratie, weil sie einmal im Jahr irgendwie eine Klassensprecher*In wählen dürfen?
@teufel100
Da sie erst seit den Sommerferien da ist, kann ich zu konkreten Sachen noch nicht viel sagen, aber mein Eindruck ist, dass die SchülerInnen darin gefördert werden sich eine eigene Meinung zu bilden und Verantwortung für sich zu übernehmen.

@die_Ergo hmmm ... naja, eigentlich sollten ja alles Schüler*Innen, wenn sie die Schule verlassen, in der Lage sein, sich eine eigene Meinung zu bilden und ja, das ist wichtig für die Demokratie. Es ist doch aber nur ein Baustein von vielen, denn du musst in einer Demokratie auch in der Lage sein, deine Meinung auch zu vertreten, für diese einzustehen und dich auch mal Widerständen zu stellen. Gleichzeitig musst du die Konsensfähigkeit trainieren, weil Konsensentscheidungen ja doch nachhaltiger sind als Mehrheitsentscheide. Deswegen nachhaltiger, weil alle Mitgenommen und ernst genommen werden.

Und dann ist es halt auch wichtig, dass das auch gelebt wird in der Schule. Wenn die Entscheidungen, die ja auch die Schüler*Innen betreffen, immer von Oben kommen, dann lernen Schüler*Innen genau das, nämlich dass die Entscheidungen von Oben kommen, von Autoritäten und dann bist du halt wieder bei Menschen, die Demokratie nur konsumieren, weil sie denken, dass das Kreuz alle paar Jahren auf einem Stückchen Papier schon genug ist.

@teufel100

Du meinst doch nicht etwa Hagel (CDU BW)?

@teufel100
Das hängt doch aber immer sehr davon ab, was denn die Alternative ist.
Zunehmend beobachten wir #Schulverweigerer aus politisch-extremistischen, zusätzlich zu den schon immer bestehenden christlich-fundamentalistischen Gruppen.

Im Blick darauf erscheint mir die #Schulpflicht als ein #Freiheitsrecht für Kinder, wenigstens für ein paar Stunden am Tag etwas anderes als die angstverzerrte Sicht der Eltern kennenlernen zu können.

Mehr dazu:
https://www.confessio.de/artikel/112

Wieviel „Welt“ vertragen Christen? - Podium auf dem 31. Kirchentag zu Schulverweigerern aus religiösen Gründen

Es ist noch eine kleine Schar, aber ihre Zahl wächst in letzter Zeit deutlich an: Menschen, welche die öffentlichen Schulen für derart verdorbene und schädliche Einrichtungen halten, dass sie ihre Kinder selbst zu Hause unterrichten möchten. Die deutsche Rechtslage erlaubt das nicht.

Confessio
@confessio darum ging es aber nicht in meinen Beitrag, es ging um den Bezug auf Demokratie!

@teufel100
Ja, das stimmt und ich stimme auch vollkommen zu, dass das hierarchische System der Schulorganisation an sich nicht zur Demokratierziehung beiträgt. @afelia hat darauf ja auch immer wieder hingewiesen.

Dennoch müssen wir die Situation nicht nur mit einem besseren Ideal, sondern auch mit einer schlechteren Realität vergleichen. Darum wollte ich 1. diesen Aspekt mit beisteuern und 2. einen Aspekt FÜR die Schulpflicht benennen.

@confessio aber mein Beitrag war ja kein Beitrag gegen die Schulpflicht, sondern gegen die Verknüpfung von Schulpflicht und Demokratie.

Wenn wir aber über Schulpflicht schreiben, dann bin ich der Meinung, dass ein Recht auf Bildung und Schulen als angstfreie Lernräume durchaus auch ohne Schulpflicht funktionieren würden. Dafür müssen Kinder natürlich die Möglichkeit haben, ihr Recht auf Bildung gegen den Willen der Eltern durchzusetzen. Da das schwierig ist, wäre es schon ein Fortschritt, wenn Schulen zu angstfreien Lernräumen werden würden, ganz ohne die Schulpflicht abzuschaffen.