Ich hadere, ob ich in der Befragung für meine Bachelorarbeit das Geschlecht erheben möchte.

Ich untersuche Fragestellungen zum Thema Wahrnehmung von Return-to-Office und auf der einen Seite würde es mich für meine Auswertung brennend interessieren, ob es messbare Unterschiede gibt (und dann natürlich, ob es Erklärungsansätze wie Vereinbarkeit von Care-Arbeit und Beruf gibt).

Auf der anderen Seite ist das eine sensible Information, bei der ich eine Erhebung nur machen möchte, wenn sinnvoll. 🥲

Mein betreuender Prof ist dabei überhaupt nicht hilfreich. Der fand es schon fragwürdig, dass ich (wenn ich erheben möchte) dem Leitfaden des Instituts für Psychologie der Humboldt-Universität für die
sensible Erhebung von Geschlecht in Fragebögen folgen möchte.

Wenn es nach ihm gingen würde ich nur "männlich, weiblich, divers" fragen.

Das kommt davon wenn man Studiengänge zwischen BWL und Psychologie fummelt.

@Kurorori Du hast ein grobes Problem, wenn du da zu differenziert fragst, weil du keine Auswertungen bei n < 2-3 machen kannst ohne die Menschen zu exposen.
@eingemaischt Ja, auch fettes Datenschutzproblem.
@Kurorori Ich habe das bei meiner Bachelor-Arbeit zum Thema Lernverhalten/E-Learning/Lernapps gemacht. Alter/Geschlecht/Studiengang als "demographische" Angaben abgefragt und jeweils die Option auf "Keine Antwort" gegeben.
Ich glaube, dass niemand auf die Beantwortung der Fragen verzichtet hat. (Total ca. 250 Teilnehmende).
@V4N4D1S Das ist tatsächlich unter Umständen eine Herangehensweise mit der ich die Diskussionen mit dem Prof kurz halten kann, wenn wir sonst keine Einigung finden. Welche Formulierung hast du für die Frage verwendet?
@Kurorori "Geschlecht?" "Jahrgang?" "Studiengang?"
Habe auch gefragt, ob sie im 1/2, 3/4, 5/6, 7/8 Semester sind.
@Kurorori Ich hab kurz nachgeschaut, bei mir gab es keine messbaren Unterschiede bei den Antworten. Mit den demographischen Angaben habe ich aber verifiziert ob die Auswertung repräsentativ für die Gesamtheit aller Studis sein könnte.
@Kurorori Im Sinne der Datensparsamkeit wäre natürlich der Verzicht auf eine Umfrage oder auf die Erfassung demographischer Angaben am sinnvollsten, danach die Schaffung von Kohorten usw.
Im Sinne des Erkenntnisgewinns würde ich zuerst die Standards der Hochschule befolgen, falls es keine gibt die einer bekannten Hochschule im Studienfach.
Im Worst-Case kannst du ein Kapitel zur Erläuterung deines Entscheids formulieren.

@V4N4D1S Das verstehe ich nicht. Wenn ich keine Daten erhebe, kann ich meinen Bachelor nicht über das Thema schreiben.

Kohortenbildung würdest du auf Basis welcher Parameter tun? Geburtsjahr/Dauer der Erwerbstätigkeit?

Die offizielle deutsche Standardliteratur, auch an meiner Uni, erhebt Geschlecht oft nur dichtom, daher hier meine Frage an Menschen die ebenfalls Erhebungen durchführen nach Realerfahrungen, damit ich es besser machen kann.

@Kurorori Kannst du die Forschungsfrage ohne die Sammlung von Personendaten empirisch beantworten?

Ich habe bei mir keine Kohorten gebildet, sondern nach Jahrgang gefragt, die Befragung von Standard-Studis ist aber vmtl. langweilig weil eine grosse Menge in etwa gleich alt sein wird.
Im Bezug auf die von dir erwähnte Care-Arbeit wäre es evtl. interessant explizit (oder implizit) danach zu fragen, d.h. Geschlecht, Anzahl Stunden Care-Arbeit, Anzahl Stunden Haushalt, Nebentätigkeiten während HO.

@Kurorori Oder Nebentätigkeiten während HO vielleicht in Kategorien (Care, Haushalt, Hobbies, ...)

Geschlecht nur als Abfrage M/W halte ich für veraltet. Mind. "Keine Angabe" oder "Anderes Geschlecht" würde ich hinzufügen.

@Kurorori ich frage mich ob da wirklich Geschlecht ausschlaggebend ist und nicht Aufgaben/Rollen, die gesellschaftlich überwiegend mit dem Geschlecht assoziiert werden. Würde es den Umfang sprengen das im Detail abzufragen und Geschlecht einfach außen vor zu lassen?
@couchsofa Jein. Die Standard-Fragebogenkonstruktionsliteratur empfiehlt die Erhebung als eindeutiges Item auch später für Signifikanztests in den Stichprobengrößen. Dann ist weiter das Problem das ich im Bachelor weitestgehend bereits validierte Fragebögen benutzen sollte und je nachdem wie ich erhebe/wie ich das ausgestalte damit eine neue Skala einführe die dann nicht valide ist und die Erklärung/Herleitung dazu einfach (1/2)

meinen Umfang sprengt.

Ich werde entweder versuchen zu erreichen, dass ich es einfach nicht erhebe (muss der Prof zustimmen 🥲) oder ich werde es sprachsensibel erheben.

@Kurorori ach schade, ich hatte nicht gedacht, dass das so strikt geregelt ist. Das Fass in einer Bachelorarbeit nicht aufzumachen ergibt dann schon Sinn :/

@Kurorori Für eine BackToOffice Fragestellung ist das Geschlecht möglicherweise relevant. Also

m [ ]
w [ ]
div [ ]
nix [ ]

da ist für jeden was dabei und Outen ist freiwillig.

@Kurorori Ich würde Unterschiede erwarten, u.a. wegen sexueller Belästigung im Büro.

(Meine Erfahrung mit Datenerhebung beschränkt sich aber darauf, dass ich vier Jahre lang Psychologie studierende IT-technisch bei ihnen Erhebungen unterstützt habe.)

@Kurorori wie, über welche Medien, Wege hast Du denn vor, Deine Befragten zu erreichen?
Ich denke das ist bei deiner berechtigten Frage hier entscheidend.
@wolf Würde es bei dir für die Beantwortung meiner Überlegung einen Unterschied machen ob ich z.B Online oder Paper-Pencil befrage?
@Kurorori ich kann mir beide Möglichkeiten vorstellen, ist aber auf Papier ungleich schwieriger, bei den Befragten Anonymytät zu gewährleisten, was ich als gegeben sehen wollte.

@Kurorori
Falls es hilft:
- Firmen, die zur regelmäßigen Befragung verpflichtet sind*, fragen dies ab. In deren Fall gehen die Daten dann auch an der Firma zurück, in aggregierter Form, ich meine die Mindestgröße einer Gruppe ist dabei 5 oder so.
- in Deutschland gibt es 4 anerkannte Geschlechtseinträge; m, w, d, und den gestrichenen Eintrag. Ich würde denken in deinem Fall reicht das auch (trans*-spezifisch ist eh schwierig oder?)

* Siehe https://www.dguv.de/de/praevention/themen-a-z/gefaehrdungsbeurteilung/index.jsp

DGUV - Prävention - Themen A bis Z - Gefährdungsbeurteilung

Beurteilung von Gefährdungen der Beschäftigten bei der Arbeit

@Kurorori (ich hab dein Post so verstanden, dass du nach Rat fragst, sorry falls das nicht deine Absicht war)
@Namnatulco Achso ja klar ich fragte explizit publik, weil es hier garantiert Menschen gibt die sich auch schon mal mit der Fragestellung beschäftigt haben 🙂‍↕️