1/ „Die Statistik zur politisch motivierten Kriminalität wird erst seit 2001 geführt, heißt es.“

Wot? Ernsthaft?

„So starben im Februar 1970 sieben jüdische Bewohner eines Altenheims in München – der Täter ist bis heute unbekannt.“

„Und 1992 wurde in Frankfurt/Main die jüdische Garderobenfrau Blanka Zmigrod durch den Rechtsextremen John Ausonius erschossen.“

„Das Oktoberfestattentat fand damals nur drei Monate vor dem Mord an Lewin und Poeschke statt und wurde ebenfalls von einem Mitglied der Wehrsportgruppe Hoffmann verübt.“

https://www.taz.de/!6139431

Antisemitischer Doppelmord in Erlangen: „Es ist ein Armutszeugnis“

Vor 45 Jahren erschoss ein Neonazi den Rabbiner Shlomo Lewin und seine Frau Frida Poeschke. Die Bundesregierung beerdigt nun die Aufklärung.

TAZ Verlags- und Vertriebs GmbH

2/ „Bei einer unangemeldeten Demonstration von rund 1000 Bürgern hielten zwei Personen ein Transparent mit dem Satz „Wir trauern um die Opfer der faschistischen Mörderbande“ hoch und wurden festgenommen. Ab 1. Oktober ging das Fest weiter; Umsatzverluste blieben aus.“

Hm. Festgenommen. 1980 war doch aber nach 1968, wo dann ja alles prima gewesen sein soll.

„Kanzlerkandidat der Unionsparteien war der bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß (CSU). Strauß hatte die Wehrsportgruppe (WSG) Hoffmann jahrelang als wenige „Spinner“ und „Verrückte“ bezeichnet, denen erst öffentliche Warnungen Bedeutung verschafft hätten, und kontinuierlich jede von ihr ausgehende Gefahr bestritten. Im Januar 1980 hatte Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP) die WSG gegen den Willen der CSU bundesweit verboten. Noch im März 1980 hatte Strauß das Verbot als unverhältnismäßig kritisiert und lächerlich gemacht, Straftaten von WSG-Mitgliedern bestritten, ihren Waffenbesitz verharmlost und verlangt, den Gründer Karl-Heinz Hoffmann „in Ruhe“ zu lassen. Bayerns Innenminister Gerold Tandler hatte das Verbot für unnötig erklärt: Die WSG habe „schon wegen ihrer äußerst geringen Mitgliedschaft niemals eine echte Bedrohung unseres Staatsgefüges dargestellt“.[10] Im September 1980 antwortete Tandler auf eine Reporterfrage nach der Gefahr rechtsextremer Terroranschläge: „Ihre Sorge sollte sich in erster Linie gegen den Linksextremismus wenden.“ Bei rechtsradikalen Gruppen solle man keine „Schattengefahr“ aufbauen.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Oktoberfestattentat

Oktoberfestattentat – Wikipedia

3/

Noch mal hierzu:

„Die WSG habe „schon wegen ihrer äußerst geringen Mitgliedschaft niemals eine echte Bedrohung unseres Staatsgefüges dargestellt“

Das ist unglaublich. Man möge mal den Artikel zur #WehrsportgruppeHoffmann lesen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Wehrsportgruppe_Hoffmann

Das waren 400 bis 600 Nazis, die bewaffnet im Wald rumrannten.

Also DAS hat es in der DDR ganz sicher nicht gegeben.

„Auch diejenigen Medien, die die Haltung der CSU angriffen, teilten den Grundkonsens, dass der Rechtsextremismus die demokratische Gesellschaft nicht gefährde. Diese Deutungen bestimmten die Rezeption des Attentats für lange Zeit.“

Das ist nicht nur Hufeisen, sondern einfach Verharmlosung der Nazis.

Alles, was jetzt kommt, hat eine wunderbare Kontinuität von 1945 an.

Wehrsportgruppe Hoffmann – Wikipedia

4/ Karl-Heinz Hoffmann ging dann irgendwann ins Gefängnis.

„Im September 1983 wurde Hoffmann als Auftraggeber des Erlanger Doppelmords angeklagt. Das Landgericht Nürnberg-Fürth begann die Hauptverhandlung erst im September 1984. Es verurteilte Hoffmann am 30. Juni 1986 wegen Geldfälschung, Freiheitsberaubung, gefährlicher Körperverletzung sowie Vergehen gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz zu neuneinhalb Jahren Freiheitsstrafe, sprach ihn aber vom Verdacht einer Mordbeteiligung frei.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Karl-Heinz_Hoffmann_(Rechtsextremist)

Rechtzeitig 1989 wurde er wegen guter Führung und günstiger Sozialprognose vorzeitig entlassen:

„Im November 1988 versuchte Hoffmann, mit einem Hungerstreik Hafterleichterungen zu erzwingen. Am 14. April 1989 lehnte das Landgericht Bayreuth seine vorzeitige Freilassung ab, weil eine „günstige Sozialprognose“ fehle. Zu befürchten sei, dass er sich danach wieder in die rechtsextreme Gemeinschaft einordnen werde. Der Hungerstreik gleiche einer Nötigung, also jener Handlungsweise, für die er unter anderem verurteilt worden war. Im Juli 1989 bescheinigte die Justizvollzugsanstalt St. Georgen-Bayreuth Hoffmann jedoch eine „beanstandungsfreie Führung“ und einen „zuverlässigen und fleißigen Arbeitseinsatz“ in der Haft. Nach Hoffmanns Anhörung entschied das Oberlandesgericht Bamberg, ihn auf vierjährige Bewährung vorzeitig zu entlassen. Sein Hungerstreik sei nur Ausdruck der „Verzweiflung“ über nicht gewährte Erleichterungen gewesen. Er habe geäußert, dass er „keine Uniformen mehr sehen“ könne, „in Ruhe zusammen mit seiner Frau leben“ wolle und sich seine Interessenlage genauso geändert habe wie „die seiner früheren Kameraden“. Somit habe er „glaubhaft zu erkennen gegeben“, dass er sich von seiner Vergangenheit losgesagt und eine günstige Sozialprognose habe. Er erhielt keine gerichtlichen Auflagen und musste keinen festen Wohnsitz nachweisen. Zwei Tage vor dem festgesetzten Termin ließ die Justizvollzugsanstalt ihn frei. Er wohnte zunächst wieder auf Schloss Ermreuth.“

1989 ging er zurück nach #Kahla in #Thüringen, kaufte die halbe Stadt auf und stellte Nazis Räume zur Verfügung und half beim Aufbau von Strukturen:

„Parallel zu seinen Geschäften nahm Hoffmann wieder Kontakt zu früheren WSG-Mitgliedern auf, darunter Bernd Grett und Anton Pfahler, die nun zur NPD gehörten. Pfahler war der frühere WSG-Waffenlieferant; auf seinem Privatgelände fand man 1998 Maschinenpistolen, Handgranaten, Munition und NS-Propaganda für einen politischen Umsturz. Ferner hatte Hoffmann Kontakt zum „Stahlhelm“-Mitglied Klaus Kämpf, der seine handsignierte Biografie „Verrat und Treue“ vertrieb.[4] In Hoffmanns „Gerberstube“ trafen sich junge Neonazis, darunter Ralf Wohlleben vom „Thüringer Heimatschutz“, aus dem die Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (#NSU) hervorging.“

Niemand hat was gemerkt, keiner wollte was sehen. In Kahla wusste man aber, wer die Wohnungen vermietet, wem die Häuser gehören.

Karl-Heinz Hoffmann (Rechtsextremist) – Wikipedia

5/ „Ebenso aufgelistet wird der Anschlag auf die Synagoge und den Kiezdöner in Halle mit zwei Toten im Oktober 2019. Oder die Ermordung einer vierköpfigen Familie in #KönigsWusterhausen im Dezember 2021 durch den Familienvater, der eine jüdische Weltverschwörung annahm.“

Hallo? @tazgetroete? Ist das journalistische Ausgewogenheit? Haben im Osten noch ein paar Tote gefehlt, so dass #KonradLitschko die aus #KW noch mitzählen musste?

„Ermordung einer vierköpfigen Familie“? Wie man dem verlinkten Artikel von Konrad #Litschko entnehmen kann, handelte es sich um einen erweiterten Suizid eines höchstwahrscheinlich psychisch kranken Familienvaters, der mit einem gefälschten Impfausweis aufgeflogen war.

https://taz.de/Mann-toetet-Familie-in-Brandenburg/!5821430/

Selbst wenn irgendwas mit einer jüdischen Weltverschwörung eine Rolle gespielt hätte, müsste die Kategorie dann ja irgendwie antisemitisch motivierter Selbstmord gewesen sein und nicht antisemitscher Mord. Die Getöteten waren jedenfalls keine Juden.

#Antisemitismus

Mann tötet Familie in Brandenburg: „Übersteigerte Befürchtungen“

Nachdem seine Frau mit falschem Impfpass auffliegt, tötet ein Mann in Brandenburg seine Familie. Er stand offenbar der Querdenken-Szene nahe.

TAZ Verlags- und Vertriebs GmbH

6/ „Die Morde von Senzig vom 4. Dezember 2021 werden von der Polizei als antisemitisch motivierte Tat eingestuft. Damit ist es das politisch motivierte Tötungsdelikt mit der höchsten Opferzahl in der Geschichte des Bundeslandes #Brandenburg.“

https://www.opferperspektive.de/aktuelles/vier-todesopfer-antisemitisch-motivierter-gewalt-in-senzig

Auf der Webseite steht genauer, was wie eingestuft wurde. Diese Information fehlte in der
@tazgetroete

Ich halte es dennoch für falsch, diese Tötungen mit Morden an jüdischen Menschen in einen Topf zu werfen.

Wenn sich alle Nazis im Osten umbringen, haben wir dann die höchste Opferzahl in der Geschichte des Bundeslandes?

Und wenn ich mich umbringe, ist das dann ein linker Mord?

„Oder die Ermordung einer vierköpfigen Familie in Königs Wusterhausen im Dezember 2021 durch den Familienvater, der eine jüdische Weltverschwörung annahm.“

Der Familienvater hat drei Menschen und dann sich selbst umgebracht. Also könnten höchstens drei als Mord gezählt werden.

Man müsste wohl eher eine Kategorie politisch motivierte (erweiterte) Suizide aufmachen.

Vier Todesopfer antisemitisch motivierter Gewalt in Senzig (Königs Wusterhausen)

Pressemitteilung Die Morde von Senzig vom 4. Dezember 2021 werden von der Polizei als antisemitisch motivierte Tat eingestuft. Damit ist es das politisch motivierte Tötungsdelikt mit der höchsten Opferzahl in der Geschichte des Bundeslandes Brandenburg.

BERATUNG FÜR BETROFFENE RECHTER, RASSISTISCHER UND ANTISEMITISCHER GEWALT
@stefanmuelller @tazgetroete Ich finde erweiterten Suizid einen sehr schwierigen Begriff, insbesondere wenn man ihn, so wie Du hier, von Mord abgrenzt, weil der Suizid die Morde nicht ungeschehen macht. Wo wäre dann die Grenze zu einem Terroristen, der erst mehrere andere umbringt und dann sich selbst? Und in der Pressemitteilung ist die Rede von fünf aufgefundenen getöteten Familienmitgliedern, also waren es wohl vier Morde und ein Suizid.

@stralau

Ja, danke für den Hinweis auf die Pressemitteilung:

https://www.opferperspektive.de/aktuelles/gruendliche-untersuchung-der-morde-in-senzig

„Mittlerweile wurde öffentlich bekannt, dass in diesem Haus ein Mann seine Frau und seine drei Töchter erschossen haben soll. Es liegen zudem Anhaltspunkte dafür vor, dass sich der Vater, eventuell auch beide Elternteile, in Kreisen sogenannter „Querdenker“ bewegt haben. Durch die Staatsanwaltschaft Cottbus wurde öffentlich bekannt gemacht, dass es einen Abschiedsbrief gebe. In dem Brief soll als Motiv der Tat benannt werden, dass die Frau bei ihrem Arbeitgeber einen durch den Mann besorgten gefälschten Impfnachweis vorgelegt habe, was aufgefallen sei. Aus diesem Grund hätten die Eltern eine Inhaftierung und den Entzug ihrer Kinder befürchtet. Diese im Abschiedsbrief formulierte Begründung lässt befürchten, dass die Tathandlung von politischen Verschwörungsmythen gelenkt war.“

Also: Es war eine wahnhafte Überreaktion wegen dem aufgeflogenen Impfausweis. Es stimmt natürlich, dass das alles nur wegen dieser Schwurbelthesen passiert ist. Hm.

Ja, Du hast Recht, erweiterter Suizid ist schräg. So als würde einem die Familie gehören und man hätte ein Recht drauf, die mitzunehmen.

Das ist aber der Fachbegriff:

https://de.wikipedia.org/wiki/Suizid#Erweiterter_Suizid

Wichtig wäre zu wissen, ob die Frau das wollte. Dann wäre es noch mal anders, denke ich. Nicht viel anders, weil die Kinder ja nichts dafür können.

Aber ich denke, dass die Sache insgesamt dennoch anders liegt, als wenn jemand mit ner Pistole an ner Tür klingelt und dann jemanden erschießt, weil er/sie jüdisch ist. Wenn man annimmt, dass die Person seine Frau und seine Kinder geliebt hat, und davon zeugt ja die Angst, dass sie ihm weggenommen werden könnten, dann ist die Tat anders einzuordnen. Eine Verzweiflungstat aufgrund einer irrwitzigen Verschwörungstheorie.

Opferperspektive e.V. fordert gründliche Untersuchung der Morde in Senzig (Königs Wusterhausen)

Pressemitteilung Potsdam, 9. Dezember 2021 Mit großer Betroffenheit haben die Mitarbeiter:innen der Opferperspektive e.V., wie auch andere Menschen in Brandenburg, am Samstag aus den Medien erfahren, dass in einem Haus in Königs Wusterhausen fünf Mitglieder einer Familie erschossen aufgefunden wu...

BERATUNG FÜR BETROFFENE RECHTER, RASSISTISCHER UND ANTISEMITISCHER GEWALT
@stefanmuelller Fachbegriff ist ja die Frage zu welchem Fach. Ich denke, erweiterter Suizid ist vielleicht psychologisch interessant, auf keinen Fall aber rechtlich oder moralisch.