Prozess gegen LKW-Fahrer wegen fahrlässiger Tötung

Vor dem Amtsgericht Berlin-Tiergarten ist der Prozess gegen einen Lkw-Fahrer wegen fahrlässiger Tötung mit einer Geldstrafe beendet worden. Der 62-Jährige soll im Sommer vor zwei Jahren in #Berlin #Marienfelde eine Radfahrerin überrollt haben.

Radfahrerin totfahren macht 6.300 Euro 🤒

Interessant, wie der Sachverständige erklärt, warum gerade vorsichtige, langsame Radfahrende gefährdet sind.

https://www.ardmediathek.de/video/rbb24-abendschau/prozess-gegen-lkw-fahrer-wegen-fahrlaessiger-toetung/rbb/Y3JpZDovL3JiYl84ODA4ZjcwYi0yMjQyLTRhOTAtOTNhMy1jNGYwNTcxNmI5MmZfcHVibGljYXRpb24

#Verkehrswende #Radverkehr

rbb24 Abendschau: Prozess gegen LKW-Fahrer wegen fahrlässiger Tötung - hier anschauen

Vor dem Amtsgericht Berlin-Tiergarten der Prozess gegen einen Lkw-Fahrer wegen fahrlässiger Tötung mit einer Geldstrafe beendet worden. Der 63-Jährige soll im Sommer vor zwei Jahren in Marienfelde eine Radfahrerin überrollt haben. Laut Anklage hat er ein schwer einsehbares Verbotsschild übersehen. Beitrag von Norbert Siegmund

@stekopf

Bemerkenswert ist doch, dass ein einfacher Zusammenhang, der so viele Tote in Deutschland zu verantworten hat, erst jetzt von einem Gerichtsgutachter öffentlich beschrieben wird.

https://www.geogebra.org/calculator/mgfpdgwc

Der blaue Punkt lässt sich bis zur Kollision ziehen. Das Opfer fährt mit Vorfahrt und bleibt im toten Winkel bis es tot ist.

@IngridAusOL @thijs_lucas @Trojaner @mrxlix @lerk @MiBro

#visionzero #auto #verkehrswende #verkehrssicherheit #urbanität

@stekopf
Das heißt nicht, dass der Fahrer dadurch entlastet wird. Es heißt nur, dass er drei Komplizen hatte: die Verkehrspolitik, die Justiz und die Autoindustrie. In der Rechtsprechung nennt man das bedingten Vorsatz. Zu berücksichtigen wäre, dass die Industrie von der Unsicherheit ungeschützter Verkehrsteilnehmer*innen auch einen geldwerten Vorteil hat, und seit 2000 gegen Assistenten lobbyiert.

@thijs_lucas @Trojaner @IngridAusOL
@mrxlix @lerk @MiBro

#visionzero #auto #verkehrswende

@dezeti ich glaube, das ist noch viel schlimmer. Ich glaube nicht, dass das so ein Ursachenanalyse erst jetzt beschrieben ist. Solche Gutachten dürften der Standard für jeden solcher Prozesse sein, vielfach im Jahr.

Eine grundlegende Problematik ist, dass aus diesen vielen Einzelfällen keinerlei systematischen Lösungsansätze abgeleitet werden.
@stekopf @Trojaner @IngridAusOL @mrxlix @lerk @MiBro

Die Analyse wird ausschließlich auf den Fahrer gerichtet und mit seiner Verurteilung wird der Fehlerabstellprozess beendet, auch wenn der bestenfalls ein Symptom im Einzelfall beseitigt. Die grundlegenden Mängel bei Fahrer*innenausbildung, -kontrolle, Infrastruktur, Personalführung, Flottenmanagement usw. bleiben unberührt, sind aber alle wesentliche Glieder der Fehlerkette.
@dezeti @stekopf @Trojaner @IngridAusOL @mrxlix @lerk @MiBro

@thijs_lucas
@dezeti

Alles #Einzelfälle - wie in anderen Zusammenhängen auch.

Viele Verantwortliche tragen ihre A-Säule als Brett vor dem Kopf oder Balken im Auge und bleiben lieber beim Tunnelblick, sonst wird der Änderungsdruck noch unerträglich.

@stekopf @thijs_lucas

https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/auto-kaufen-verkaufen/kauftipps/rundumsicht/

.. aber offenbar weiß die Autoindustrie ganz genau, dass es keine Einzelfälle sind. Wieso kommt das nicht bei der Justiz und Politik an. Das klingt für mich schon nach einem Hilfeschrei:
"Reguliert mich bitte, ich bin eine Gefahr für die Öffentlichkeit!"

Rundumsicht bei Autos: Tops und Flops | ADAC

Breite A-Säulen und hohe Seitenlinien, die SUV aus Gründen der Crash-Sicherheit brauchen, schränken den Durchblick ein. Wir haben die Rundumsicht von 200 Pkw untersucht.

@dezeti @stekopf ich glaube, nur auf die A-Säule zu oder auch nur die Fahrzeuge zu fokussieren greift zu kurz.

In der Theorie lassen sich alle Fahrzeuge sicher bewegen. Auch ein großer LKW für den Fernverkehr im wuseligen Innenstadtverkehr. Die Problematik ist viel komplexer.

@thijs_lucas @stekopf

Da sehe ich, dass ich es auch nicht optimal formuliert hatte. Die Frage muss lauten:

"Warum werden bei den 5 Stufen zum autonomen Fahren nicht die einfachsten physikalischen und psychologischen Rahmenbedingungen berücksichtigt?"

#autonomesFahren

@dezeti ist deine Frage vielleicht, "warum setzen wir nicht mehr Automatisierung bis hin zum autonomen Fahren für aktive Sicherheit ein?"

@stekopf

@thijs_lucas @stekopf

Ich halte an der Wiener Konvention fest, dass ein verantwortlicher Mensch hinter dem Lenkrad oder am Zügel sitzen muss. Es gibt für mich aktuell überhaupt keinen Anlass über die Freigabe von Robotern im öffentlichen Raum zu diskutieren, ausser dem, dass das ohne demokratische Legitimation, ohne öffentliche Debatte von zwei mächtigen Industriekartellen gerade durchgedrückt wird.

Wofür ich plädiere sind digitalisierte Fahrlehrer, die auch nach der F.Prüfung bremsen können.

@dezeti @stekopf okay. das verstehe ich. Quasi ein Bremsassistent, der sich nicht durch den eigentlichen Fahrer übersteuern lässt?
@thijs_lucas @stekopf
Genau! Wichtig sind realistische Stufen für den digitalen Fahrlehrer, der später gerne auch ein 2.Lenkrad haben darf, falls er seine Fahrprüfungen bei der Leistungs- und Bremskraftregelung bestanden hat.
Das bedingt, dass die Kontrolle zwischen digitalem Fahrassistent und Fahrer*in bidirektional ist. Der Mensch bleibt verantwortlich und kann bei längerem Nichteingriff offline Haftpfl.+Punkte sammeln. Und er kann sie reklamieren, falls das System sie ihm grundlos verwehrt

@dezeti ich sehe rechtlich das Problem, dass Hersteller dann auch in Produkthaftung gehen können müssen, wenn ihr System versagt. Ein Grundproblem der Automatisierung. Entweder ist der Fahrer verantwortlich und hat die volle Kontrolle und kann die Maschine jeder Zeit übersteuern oder die Maschine entscheidet und dann geht die Verantwortung an den Hersteller. Das ist dann quasi-autonomes Fahren, wenn auch nur in Einzelfällen.

@stekopf

@dezeti @stekopf

Was ich mir vorstellen kann:

Bremsassistenten werden verpflichtend und Bremsen, wenn es notwendig wird. Wenn der Fahrer übersteuert wird das dokumentiert und wenn es zu einer Kollision kommt, geht es nicht mehr um fahrlässige Tötung sondern zumindest um Tötung mit bedingtem Vorsatz.

@thijs_lucas @stekopf

Ich tummel mich selten im Strafrecht. Aber ja, so in etwa.
Beim Abbiegen z.B. dürfte der Fahrer den Eingriff einer "blöden KI" übersteuren. Aber erst nach einem Stopp! Und mit einem Hinweis auf die Ursache des Eingriffs sowie einem Warnsignal für die Aussassen.

Die Dokumentation dient allen Seiten: dem Fahrer, dem Halter, den Herstellern, den Geschädigten dazu, ihre Rechte bei unteren Behörden, der Versicherung außergerichtlich oder durch alle Instanzen durchzusetzen.