Eine Freundin von mir wollte mal auf Italienisch 100g Wurst bestellen. Stattdessen bat sie um "ein Bett aus Mortadella". Der Metzger bekam einen Lachkrampf.

Lustig, oder? Finde ich auch. Aber solche Geschichten sind der Grund für meine Fremdsprachenangst. 🧵

Die deutsche Fehlerkultur, in der ich aufgewachsen bin, hat ihren Teil dazu beigetragen. In der Schule war Grammatik heilig, Perfektion viel wichtiger als einfach sprechen können. Das prägt mich bis heute.
Diese irrationale Angst vor Fehlern in Fremdsprachen hat sogar einen wissenschaftlichen Namen: Xenoglossophobie. Klingt fancy, ist aber echt anstrengend.
Nur bei Englisch ist es für mich anders. Ein Schüleraustausch in Polen hat für mich da alles verändert. Meine Partnerin Aurelia und ich wollten uns einfach verstehen - und es gab weit und breit keine Grammatikpolizei.
Die Forschung bestätigt: Beim Sprachenlernen ist Verständigung wichtiger als Korrektheit. Sprache ist ein Werkzeug zur Kommunikation, Perfektionismus trennt Menschen eher. Ich wünschte, DAS hätte ich in der Schule gelernt.
Eine Bekannte von mir wollte mal eine Briefmarke in Tel Aviv kaufen und verlangte versehentlich einen Pimmel. Sie hat's mit Humor genommen. Das würde ich auch gerne. Wie gewöhnt man sich Perfektionismus ab und Humor an? Kennt ihr das Problem?
In jedem Fall: Danke fürs Lesen! Falls dir dieser Thread gefallen hat, folge mit gerne 🤝 ✨
@bojerlanski das hindert mich, auch nur 1 Wort Französisch zu lernen oder zu sprechen oder nach Frankreich oder Belgien zu fahren.

@bojerlanski

Diesen Effekt kann man sich durchaus zunutze machen. In einigen Ländern haben die Menschen im Schnitt offenbar sehr große Henmungen, dass ihr Englisch nicht ausreichend sei (Frankreich, Spanien abseits der Touripfade).

Würde ich ein Gespräch auf Englisch beginnen, bekommt man meist die Zähne nicht auseinander. Fange ich auf Spanisch an, bereitet das wohl körperlichen Schmerz und ist so offensichtlich schlechter als mieses Englisch, dass schlagartig gewechselt wird.

@Saupreiss @bojerlanski
Meinen wohl am häufigsten genutzten französischen Satz hat mir damals mein amerikanischer Gastbruder beigebracht (der dann später Dozent für Französisch und Spanisch am Community College wurde): "Je parle français comme une vache espagnole..." 

@tetrapyloctomist

😂

Mein Vorschlag ist eher, sie das selbst herausfinden zu lassen.

@bojerlanski

@bojerlanski
Mir hat Reisen geholfen: vorallem in kl. Gruppen oder alleine.

Mit Menschen eine Fremdsprache sprechen, die beide nicht gut beherrschen: Oft war das Englisch, Französisch und 2x Latein

Mit Menschen kommunizieren, ganz ohne Sprache. Weil es keine gemeinsame Sprache gibt. Das hatte ich in Spanien, Thailand, Malaysia und Indien. Nach 10min wird es lustig. Nach 3 Tagen geht es erstaunlich gut und wir lachten uns gemeinsam schlapp.

Letzteres kann man gut im Freundeskreis üben :-)

@bojerlanski Aber sowas von. Englisch geht mittlerweile, aber Türkisch (das ich lesend einigermaßen beherrsche) überhaupt nicht.
@bojerlanski Hm, ich wünschte, ich hätte einen guten Tipps für Dich. Hab ich nicht, wollte Dir aber schreiben, dass ich eine Weile darüber nachgedacht habe. Ein guter Tipp kam ja schon, den ich wohl auch gegeben hätte: Viel mit Leuten sprechen, deren Muttersprache die Sprache, in der gesprochen wird, auch nicht ist. :-)
@bojerlanski Bei der Sache mit der Briefmarke und dem Pimmel habe ich mich gefragt, ob sie da nicht viel eher jemand veräppelt hat. hast du mal nachgeforscht, ob sich diese Worte wirklich ähnlich sind. Falls das ein Scherz gewesen wäre, dann hätte mir dafür ehrlich gesagt auch der Humor gefehlt.
@bojerlanski Hatte als Schülerin auch das Problem, dass meine Englischlehrerin so penetrant auf Grammatik rumgeritten ist, dass ich mich nicht sprechen getraut habe. Im Urlaub in New York musste ich dann, weil meine Eltern kein Englisch konnten und irgendwie hat man mich verstanden. Über die Teenagerjahre habe ich mir eine gewisse Schmerzfreiheit angelegt, mit der ich bisher ganz gut auch sprachlich fahre im Urlaub :-)

@bojerlanski erinnert mich an die Geschichte von Douglas Adams aus "Die letzten ihrer Art", als ein Tontechniker in China ein Kondom brauchte, um ein Mikrofon wasserdicht zu machen. Der Verkäufer riet zur Pille...

Bei mir reichts, mit meinem Namen in ein englischsprachiges Land zu reisen um die Einheimischen in Schwierigkeiten zu bringen, vierbuchstabige Worte auszusprechen.

Mit anderen Worten: ich bin da entspannter als die 😀

@bojerlanski
Oh ja, kenne ich gut. Im Thailändischen gibt es diverse solche Fußangeln. Je öfter ich hinein tappte, umso mehr lernte ich darüber einfach zu lachen. War mir aber auch nicht einfach.
@bojerlanski Mir hilft manchmal einfach der Perspektivwechsel: Wenn ich mit jemandem spreche, der/die nur schlecht Deutsch spricht, finde ich das überhaupt nicht schlimm oder lustig, sondern ich versuche, dass wir uns möglichst gut verstehen. Wahrscheinlich, so denke ich mir das, geht es den allermeisten Menschen auch so.