Wenn das Robert Habeck gesagt hätte, würde Springer jetzt Überstunden schieben: drei große Aufmacher zum Thema, zwei davon reine Meinungsbeiträge mit süffisanten Einschüben der Schadenfreude. Dann wird die erste Bildmontage ins Social Web geschossen, die Habeck mit Krone, Zepter und Reichsapfel zeigt – darunter in Großbuchstaben: „Was gehen mich die Probleme der Armen an?“ Binnen Minuten wird das Asset tausendfach geteilt.

Aber das geschieht nur am ersten Tag.
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Am zweiten Tag geht es früh los: Das Live-Interview aus der Frühstücksküche einer alleinerziehenden Bürgergeldempfängerin („Wurden Sie in Ihrem Leben schon einmal so von einem Politiker enttäuscht?“), danach zornige O-Töne von den Gewerkschaften. Gegen Mittag trudeln die ersten Unionler in den Redaktionsräumen von Springer ein – Christoph Ploß (CDU) giftet ins Mikrofon, spricht von „arroganter Ekelhaftigkeit“ und wirft mit Rücktrittsforderungen um sich.
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Alexander Dobrindt (CSU) fantasiert von „grüner Begriffsstutzigkeit“ und fügt hinzu: „Das kommt vom Gendern!“

Auf der Startseite von „Bild“ sind inzwischen alle Verfehlungen der Grünen seit ihrer Gründung im Januar 1980 bebildert aufgelistet. Headline: „Gierige Grüne: Sie haben schon immer das Volk verachtet!“.
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Dann kommen die ersten reinen Bullshit-Stücke, die sich auf „Quellen“ aus dem Netz beziehen: „User sicher: Die Grünen wollen den Mindestlohn ganz abschaffen!“ und „MINDESTLOHNHAMMER: Sehen wir hier Habecks Frau in Tränen?“

„Bild“-Chefin Marion Horn beauftragt das AfD-Umfrageinstitut INSA, will klären lassen, wie sehr das Volk die Grünen hasst („Wenn Sie Robert Habeck charakterisieren müssten: Wäre ‚Menschenfeind‘ oder ‚Gierschlund‘ das richtige Wort?“).
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Das Social Web – vom konservativen Lager bis zum braunen Loch – jubelt! Julian Reichelt steht wütend vor einer Tankstelle, hält mit zittrig-erregter Hand die Selfie-Cam auf sich und ruft immer wieder: „Robert Habeck! Adolf Hitler! Robert Habeck!“
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Am Nachmittag fängt ein „Bild“-„Reporter“ Robert Habeck auf dem Weg ins Parlament ab, drängt sich durch die Bodyguards zu ihm und fragt: „Herr Habeck, glauben Sie, dass Sie zu viel verdienen und kein Verständnis mehr für arme Menschen haben?“ Habeck verdreht die Augen, eilt weiter. Kurze Zeit später titelt „Bild“: „Kein Verständnis mehr für arme Menschen: So viel verdient Robert Habeck“.
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Am Wochenende dann die ersten Proteste: „Besorgte Bürger“ stehen vor der grünen Parteizentrale in Berlin, halten Schilder, die Habeck im Knast-Outfit zeigen. Ein anderer hält einen Galgen hoch, ein Dritter trägt einen Judenstern. Abends der Brennpunkt im Ersten („Regierungskrise: Verliert die Politik die Bodenhaftung?“). Kurz vor dem Schlafengehen dann die Meldung, dass der Restaurantbesuch Habecks mit seiner Frau anlässlich ihres Hochzeitstags gecrasht wurde.
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Ein verwirrter Mann brüllt Unverständliches in ein Megafon, während er in einem schlecht beleuchteten Raum vor dem Tisch des Paares randaliert. „Bild“ zeigt ein wackeliges Handyvideo in voller Länge, titelt: „Arm trotz Arbeit: Dieser anständige Familienvater hat die Nase gestrichen voll“.
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Aber wie gesagt: All dies wäre nur passiert, wenn es um Robert Habeck gegangen wäre. Dass der regierungsunerfahrene Friedrich Merz schon vor Amtsbeginn erste Überforderungserscheinungen zeigt, spielt für Springer keine Rolle. Überhaupt keine.
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@avatter Für alle, die auch nach der Quelle suchen:
https://youtu.be/SUd6Tq0N8vY?feature=shared
Merz blamiert sich zum Mindestlohn! 🤯

YouTube
@avatter
Robert Habeck, wie auch anderen Politikern, wäre das nicht passiert, weil sie gut vorbereitet in Interviews gehen selbst wenn sie das Thema nicht interessiert.
@gemini @avatter
Das ist ja kein Thema, was ihn „interessieren“ müsste!
Dass war Teil der Koalitionsverhandlungen die er so erschöpfend geführt haben will, dass er anschließend Urlaub braucht, UND gehört für einen Möchtegern-Spitzenpolitiker schlicht zum Repertoire der Allgemeinbildung!
Aber bei BlackRock haben sie wohl damals auch Wochen gebraucht, um ihm wenigstens die Grundbegriffe und Grundfunktionen der Börse nahe zu bringen…
#merzkannesnicht

@Ulli @avatter
So ähnlich meinte ich es, nur schlecht ausgedrückt 

"Interessieren" i.S.v. persönliche Vorliebe, Herzensprojekt.
Das ist Teil seines Jobs, und deshalb muss er zwingend im Thema sein. Den wenigsten CEOs passiert es, dass sie in Interviews etc. so blank dastehen.
Habeck habe ich genannt, will er m.M.n. einer der fähigsten und gleichzeitig der am meisten gebashte Politiker der alten Regierung ist.

@avatter Leider falsch. Dass unser angehender Kanzler keine Erfahrung hat, spielt für #Springer und #Döpfner eine große Rolle. Eine sehr große.
@avatter funny, but Zeitverschwendung

@avatter
Was ist der Gegensatz von sozialer Verwahrlosung?

Realitäts Ferne?

Dekadente Verwahrlosung?

Selbstungerechtigkeit?

Spätkapitalistische Dekadenz?

@avatter Weil es ihn auch nicht juckt, duh.
@avatter tja ein Adressbuch Finanzlobbiest der mit 12 Millionen auf dem Konto mit dem Luftverpester überall hinfliegt kann ja auch nicht alles wissen oder? Sorry aber man nenne mir eine Person in der CXU die Kompetenz hat? Bitte keine MP 😎
@avatter #alttext4u Bild von Merz mit oben klein dem Text "Beträgt aktuell 12,82" und darunter größer: "'Deutlich höher' als 13€: Merz wußte nicht, wie hoch der Mindestlohn ist."
@avatter
Ich weis echt nicht was los ist, wenn Habeck und Maischberger aneinander vorbeireden tut die presse das komplett ausschlachten und bei dem Pfosten, nix dergleichen!
@radundtat