[Im Frühling 2021 bin ich als Neu-Görlitzer nach unserem ersten Winter im #Neißedoma 40km nordwestwärts gewandert, um mich meiner selbst zu versichern. Lest hier den zugehörigen Wanderbericht, der ursrpünglich am 11.04.21 auf Twitter veröffentlicht wurde. Wjele wjesela! #Draußen]
Liebe Mitlesende auf diesem Kanal! Ich war wieder mal wandern. Und zwar in Erfüllung meines Vorhabens, einmal vom #neißedoma #Görlitz aus bis ins zweisprachig augeschilderte sorbische Land zu wandern. Also so ca. 35 km westwärts. Außerdem sollte hier im Rahmen meiner westsudetischen Erkundungen gleich einer ihrer entlegensten Vorposten eingeflochten werden: Nämlich die Hohe Dubrau/Wysoka Dubrawa. Los gehts. #Westsudeten
Früh kurz vor 7, Corona und Sonnabend nach Ostern: Das #neißedoma schläft und träumt am Markt von Böhmen und Schlesien. Von Sachsen nicht.
Bin kurz zum gotischen Westportal der Peterskirche abgebogen, den Kapitelen "Dobre ranje" wünschen. Die liebe ich aus tiefstem Herzen. #neißedoma
Vorm Nikolaiturm wartet dann strenggenommen das erste Dorf des Weges: Nämlich die Lunitz. Bezuncanisches Fischerdorf, später kleine Kaufmannssiedlung an der Via Regia, bereits bevor nebenan auf dem Felsen überm Fluß die Stadt angelegt wurde. Heute nur noch eine Straße mit einem überbauten Bachlauf darunter.
#Görlitz ist in seinem Stadtraum ja ein Museum für vieles. Sogar für G20 in Hamburg.
Straßenbahn! Metropole! Nimm das, #Bautzen!
Immer wieder ergreift mich die Schönheit des Stadtrandes. Keine Ironie.
Dieses tapfere Haus gegenüber des Virchow-Klinikums (Preußen!) fängt seit seinem Bestehen mit seiner Westwand die Wetterspitzen für das #neißedoma ab.
Leider ist bei der Tram in #Görlitz nicht nur Licht. 2004 wurde die Strecke raus zum Klinikum stillgelegt. Die Wendeschleife liegt als rausgeschnittener #ÖPNV-Blinddarm mahnend noch da.
Aus der Zeit gefallene Garagenkomplexe. Stadtrand, my love! #Peripherie
Die "Junge Welt" von Gelb-Weiß. Und dahinter das Wagonbauareal. Mehr proletarischer Görlitzstolz geht kaum.
Die Strecke nach Berlin. Gedanken an das 2. Gleis.
Wieso ich #Görlitz so lieb habe? Unter anderem, weil es hier an der Stadtgrenze einen Weg gibt, der "Stadtgrenze" heißt. Verstehen nur Stadtanthropologen.
Hat eigentlich schon jemand das Prinzip verstanden, nach dem die die Standorte ihrer Briefkästen aussuchen?
Nach einer Stunde Getrödel dann draußen auf dem Feld auf den #Sudetenwegen. Hinten die Königshainer Berge/Limas. Schrittbeschleunigung.
Da modern sie, ein paar Schwellen der Kreisbahn, die ursprünglich von Görlitz über die Königshainer Berge hinüber nach Weißenberg/Wóspork ging. Mit Umstieg da nach Löbau/Lubij und Radibor/Radwor! Seufz. 1993 wurde das letzte Teilstück geschlossen. Traurig, traurig würde #Winterberg sagen.
Sie haben natürlich wieder einen Radweg drauß gemacht. Ich setze da aber aus Prinzip und Pietät keinen Fuß drauf und wähle ebenfalls natürlich den Feldweg.
- "Du schimpfst ja viel und prinzipiell über Umgehungsstraßen. Gefällt dir wirklich gar nix daran?" - "Das unten drunter." #Peripherie
Eben habe ich die haarscharf westlich an Görlitz vorbei laufende Wasserscheide zwischen Ostsee (Neiße) und Nordsee (Spree) nach Westen überquert.
Auf den #Sudetenwegen.
Schaut nur, die Bergschiffe der #Oberlausitz!
Und dann sind wir übern Hügel im Tal des Weißen Schöps/Běły Šepc, in Ebersbach.
Hach, diese sächsischen evangelischen Pfarrhäuser, die haben schon eine Aura, kannste nischt sagen.
Und wer mal da hin kommt, der/die schaut sich bitte unbedingt die ganz entzückende gotische Kirche von #Ebersbach an, mit dieser tollen, alles tragenden Säule im Kirchenschiff. Wollte gar nicht wieder da weg und ein bisschen bei Gott rumsitzen.
Hier noch einmal Ebersbach mitsamt Kirche und Schöps in der Totalen. #Oberlausitz wie im Bilderbuch.
Ein #Sudetenweg fließt aus Ebersbach hinaus und hinauf nach Liebstein.
Tja, und dann haut der April so richtig rein und macht Atmosphäre! Und übrigens ist das da hinten hinterm Isergebirge der komplett verschneite Riesengebirgshauptkamm, Schneekoppe inklusive. #Sudeten, Leute, ich sage euch!
Oben in Liebstein, kurz vor den Königshainer Bergen/Limas.
Kurz nach 10 am Rand vom Limas. Blick zurück. #Sudeten
Machs gut, #Fichte!
Nur noch kurz über den Pass in den Königshainern, dann geht es auch schon gleich wieder raus.
Wo Thiemendorf idyllisch im Wald- und Bergschatten liegt. #Oberlausitz #Sudeten
Ich meine, guckt doch nur! Ein schönes Fleckchen Dorf. #Oberlausitz
- "Hier ist zuviel Idyll! Ich säge jetzt alle meine Koniferen vier Meter überm Boden ab und lasse die Stämme stehen!!"
Warum tut man so etwas? Ihr kommt für diese Mauern alle in die Hölle. #Oberlausitz
Tschüss, Thiemendorf! (Übrigens führt ja unter Thiemendorf der mythenumkränzte Tunnel der A4 durch den Königshainer Granit!)
Egal wo man in diesem Miniaturbergland unterwegs ist, hier drückt es wirklich überall den Granit aus dem Boden. Lutkensteine.
Sudetentypisch: Kaum hat man eine Bergkette passiert, sieht man am Horizont schon wieder die nächste. In diesem Fall ist es die Czorneboh-Kette. Witaj, Čornebóh, muj luby! #Oberlausitz
- "Los, wir pflanzen eine Eiche!" - "Bist du irre?! Weißt du, wie groß die Dinger werden?!" - "Und das kratzt mich weil?" #Lebensspanne
Da drüben der flache Höhenzug, das ist die Wysoka Dubrawa. Und der Beginn des amtlichen sorbischen Siedlungsgebiets. #Sudeten #Lausitz
In Attendorf am Schwarzen Schöps/Čorny Šepc. Ich wittere den Wassermann. #Lausitz
In Baarsdorf ist man mitteilsam. #Oberlausitz
Die einstige LPG hingegen schweigt.
Schnell weg da.
Über die #Sudetenwege weiter nach Diehsa/Dźěže.
Sudetische Wanderkonstante: Der Blick zurück. Hier auf die Königshainer Berge/Limas. #Sudeten
Voraus liegt Diehsa/Dźěže gemütlich vor der Wysoka Dubrawa, die versucht, gebirgig zu wirken. #Sudeten
Kurz vorm Ort quert man die Alte Weißenberger Straße, die etwas von Landwegen vergangener Jahrhunderte atmet und die ich mir einfach mal merke. #Lausitz
Schlag 1 auf dem Markt in Diehsa/Dźěže, auf dem fern der Städte bis ins 20. Jhd. Markttage abgehalten wurden. Die Marktlauben hat man sich als Erinnerung behalten. Ich stelle mir vor, wie sich hier an der deutsch-sorbischen Sprachgrenze die Sprachen mischten. #Lausitz
Hach, diese sächsischen evangelischen Pfarrhäuser, die haben schon eine Aura, kannste nischt sagen.
Die Kirche von Diehsa/Dźěže, 1945 von der durchziehenden Front zerstört. Und von Einheimischen und schlesischen Geflohenen und Vertriebenen gleich 1946 wieder aufgebaut. #Oberlausitz
Falls der Rozhlad mal wieder ein Titelbild braucht, immer gern.
Ein paar Häuser haben versucht, aus Diehsa/Dźěže wegzulaufen.
Oben im Wald der Wysoka Dubrawa bei Hobians Horken. Da beginnt es. #Serbja #Łužica
Die Hochfläche dann recht waldlos. Das waren die Bauern von Groß Radisch/Radšow. Muss ja. Aber viele Kirschbäume als Girlanden die Wege entlang. Hübsch. #Lausitz
Vom Hochland der Hohen Dubrau aus die sanfte blaue Welle der Kindheitsberge der Czornebohkette im Süden als Horizontabschluss. Das Herz zwickt ein bisschen. #Gefilde #Lausitz
Rechterhand gibt es den Monumententberg mit einem Nachwende-Aussichtsturm darauf, der wie ein Leutturm aussieht. Weil man hier unten am Heiderand auch was haben wollte. Klar, gehe ich noch rauf. #Sudeten
Im Westen der Doppelgipfel der Wysoka Dubrawa, einsam auf sudetischem Vorposten über dem blauen Kiefernmeer. #Lausitz
Die Marktlauben hat man sich als Erinnerung behalten.


- Wow, toll!