1/ Ich war heute bei der #GeoBerlin2023. Als die Geolog*innen bei den Vorträgen waren, war in der Halle nicht viel los und ich habe mich lange mit einer Mitarbeiterin von #WintershallDEA unterhalten. Sie betreute einen Stand mit der Universität #Bergen. Es ging um #CSS. Das war alles höchst interessant. Dort war ein Modell zu sehen, in das CO2 eingeführt wurde (orange im Bild, blau ist Wasser und dunkel und körnig Gesteinsschichten). Sie hat mir erzählt, dass das CO2 dann in Wasser gelöst wird. In diesen porösen Steinschichten.

Man kann entweder neue Lagerorte finden und benutzen oder man benutzt Orte, in denen früher Gas oder Öl war. Es wird wohl schon seit dreißig Jahren CO2 in Öl- und Gasfelder eingepumpt, damit dann auf der anderen Seite, wo man Öl und Gas fördern will, der Druck hoch ist. Das ist also ein Kreislauf. Blöd daran ist nur, dass das CO2 in der Atmosphäre ja weniger werden muss, und wenn man das schon immer gemacht hat, dann nützt das ja nichts, wenn man CO2 loswerden will.

Ich habe nach den Kapazitäten gefragt und ob es prinzipiell unbeschränkte Lagermöglichkeiten gäbe oder ob es da zu Problemen kommen könne. Sie meinte, in der Nordsee gäbe es #Kapazitäten und auch onshore. Ein Mann, der bei uns stand (weiß nicht ob von DEA oder von einer Uni), meinte, dass UK eine Kapazität von 80 Mrd. Tonnen hätte. Er klang ganz begeistert, aber ich war nicht beeindruckt, denn wir pusten ja im Jahr so 60 GT raus, d.h. wir müllen als Welt alle potentiellen Lagerstätten in UK und Küstengebieten in ein bisschen mehr als einem Jahr zu.

Ansonsten kannte sie sich gut aus mit den Szenarien im IPCC-Report und dass das CCS schon in den meisten Szenarien eingepreist ist.

Sie hat auch gesagt, dass wir reduzieren müssen. So viel ist klar. Und nur das verpressen, was nicht ohne CO2-Ausstoß funktioniert, der Rest muss anders gelöst werden.

Wir haben über die DEA und Öl gesprochen, das die ja sicher weiterfördern will, und ob man das denn brauche. Sie hat darauf hingewiesen, dass das nicht so einfach sei, denn alles um uns herum ist schließlich aus Erdöl. Meine Turnschuhe, mein Rucksack, die Tische usw.

Zum Fracking meinte sie, es gäbe zwei Arten und die schlechte sei ja in Deutschland verboten. Wir waren uns einig, dass das, was wir importieren, zum Teil gefrackt ist.

Ich habe sie nach Argentinien gefragt und ob sie #EstebanServat kenne, der in Argentinien wegen Aktivismus gegen Fracking verfolgt wurde. Kannte sie nicht.

Ich habe noch mal nach dem neuen Öl gefragt und ob man es nicht so machen könnte, wie #JustStopOil es vorschlägt: Einfach keine neuen Vorkommen mehr erschließen. Die alten kann man ja noch eine Weile ausbeuten. Dann regelt das mit den Kunststoffen der Markt. In der Restlaufzeit werden dann schon Ersatzstoffe für Turnschuhe gefunden werden.

PS: Ich habe viele Reden von Esteban Servat gehört und ihn oft fotografiert:
https://www.flickr.com/search/?user_id=184802432%40N05&sort=date-taken-desc&text=esteban&view_all=1

Flickr Search — “esteban”

Flickr

2/ Dann wollte ich mich eigentlich erkundigen, was im Berliner Untergrund so los ist.

#GeoBerlin2023

3/ Aber meine Aufmerksamkeit wurde abgelenkt durch eine Gruppe von Menschen mit weißen Kitteln.

Normalerweise mache ich einen Bogen um Menschen mit weißen Kitteln: Ärzte, Psychiater und so. Na gut, ab und zu muss es sein und dann bin ich auch froh, sie zu sehen.

Diese hier waren anders und sie gehörten hier eigentlich nicht hin. Und die IKEA-Beutel waren auch untypisch für Geolog*innen.

Ich hatte mich nicht geirrt: Auf der Rückseite ihrer Kittel stand #ScientistRebellion.

@scientistrebellion_GER

4/ Eine #PaperPasting-Aktion.

5/ Es ging um die Sponsoren von #GeoBerlin2023: #RWE und #WintershallDEA.

Die Scientists sind typische Wissenschaftler*innen. Ihr müsst wissen, dass es üblich ist, in Literaturverzeichnissen veraltete URLs anzugeben. Das löst bei den Kolleg*innen Glücksgefühle aus, wenn sie die gesuchte Information dann irgendwie doch gefunden haben. Also der Link zu #Urgewald auf dem Poster ist falsch, aber hier ist das PDF:

https://www.urgewald.org/sites/default/files/media-files/urgewald_wintershall_Paper_dtsch_WEB-1.pdf

#ScientistRebellion

6/ Nachdem die Poster aufgehängt worden waren, begannen die Wissenschaftler von #ScientistRebellion mit ihren Reden.

Normalerweise spricht man ja ohne Megaphon vor seinem Poster mit den jeweiligen Interessent*innen, aber sie hatten ja auch mehrere Poster ...

#GeoBerlin2023

7/ Warum sie Mövenpick Vanille-Eis über die Poster geschmiert haben, verstehe ich nicht. Die Poster sind doch Gebrauchslyrik und keine Kunst, die man noch durch #Kartoffelbrei oder #Tomatensuppe veredeln müsste.

#ScientistRebellion #LetzteGeneration

8/ Und dann war da plötzlich dieser Mann, der versuchte, dem Sprecher das Mikro zu entreißen.

9/ Er war sehr froh, als er das Mikrofon hatte. Ich auch. Also nicht, darüber, dass er das Mikrofon weggenommen hatte, sondern, dass ich ein Bild von ihm hatte. Weil er das alles vielleicht irgendwann nicht mehr so cool findet, habe ich den Namen auf seinem Namenstag mal geschwärzt.

Im Hintergrund naht der Konferenzorganisator Prof. Dr. Martin Meschede, um zu schlichten.

10/ Er musste es aber zurückgeben. Konferenzorganisator*innen Prof. Dr. Martin Meschede und Prof. Dr. Anne Bernhardt sorgen dafür, dass Wissenschaftler von Scientist Rebellion ihr Megafon wiederbekommen. Prof. Bernhardt hält ein Info-Blatt von #ScientistRebellion in der Hand.

11/ Prof. Dr. Anne Bernhardt unterhielt sich dann noch eine ganze Weile mit den Scientists, die Wissenschaftler*innen von #GeoBerlin2023 lasen die Poster, was Wissenschaftler*innen eben so tun. Ob die Poster drinnen oder draußen hängen, ist ja auch egal.

#ScientistRebellion #RWE #WintershallDEA #Sponsoring #Greenwashing

12/ So was habe ich noch nie erlebt, obwohl ich schon viele #PaperPasting-Aktionen fotografiert habe. Sonst wurde immer die Polizei geholt. Und außer der Polizei hat niemand die Poster gelesen. Hier war alles friedlich (na ja fast) und die Poster hängen vielleicht sogar immer noch.

Der gesamte Satz Bilder ist jetzt hier:

https://www.flickr.com/photos/stefan-mueller-climate/albums/72177720310982238

#ScientistRebellion #RWE #WintershallDEA #Sponsoring #Greenwashing #GeoBerlin2023

2023-09-05 SR GeoBerlin2030

Explore this photo album by Stefan Müller (climate stuff, 3 Mio views) on Flickr!

Flickr

13/ Bei den Fotoaktionen lerne ich immer viel. Zum Beispiel über #WintershallDEA. Das hier steht in der Broschüre von #Urgewald:

WintershallDEA ist aus Wintershall und DEA entstanden und Wintershall war #BASF-Tochter und #DEA gehörte #RWE. Ich dachte bisher immer, dass RWE nur Kohle (und Wind) gemacht hat.
RWE hat DEA dann an #LetterOne verkauft, russische Oligarchen.

Und WintershallDEA hat dann #Nordstream2 finanziert.

https://www.urgewald.org/sites/default/files/media-files/urgewald_wintershall_Paper_dtsch_WEB-1.pdf

15/ Zum #Fracking meinte sie: Ja, da gäbe es zwei Arten und das schlechte sei ja in Deutschland verboten. Ich habe #Argentinien erwähnt und sie hat nicht im geringsten die Miene verzogen. Da haben sie schon eine gute Firmensprecherin gewählt.

16/ Das Bild zeigt übrigens auch Esteban Servat aus Argentinien und Llanquiray Painemal von den Mapuche, die unter den Umweltsauerreien leiden müssen. Es entstand vor dem Gespräch der #LetzteGeneration mit Olaf #Scholz. Die LG durften Kumpels mitbringen, die dann aber doch nichts sagen durften, weil Olaf Scholz keine Zeit hatte.

Das war vor fast zwei Jahren.

Carola Rackete, Lea Bonasera (Letzte Generation), Henning Jeschke (Letzte Generation), Esteban Servat (#EcoLeaks und Klimageflüchteter), Llanquiray Painemal (Mapuche, Kollektiv Mawvn), Carla Hinrichs (Letzte Generation) und Nana-Maria Grüning (#ScientistRebellion) vor dem Gespräch der Hungerstreikenden der letzten Generation mit Olaf Scholz, Berlin, Friedrich-Ebert-Stiftung, 12.11.21

17/ Das noch zum Schluss.

Die #Urgewald-Broschüre ist von 2021, also von vor dem #Ukrainekrieg. #Nordstrem2 #WintershallDEA #GeoBerlin2023 #Greenwashing #Sponoring #Wissenschaft #Konferenz

18/ OK. Die Speicherkapazität scheint ja zumindest nicht das Problem am #CCS zu sein. Die Frage ist natürlich, was nach 2100 passiert, denn wenn wir fröhlich weiteremittieren, brauchen wir auch mehr Speicherkapazitäten.

@stefanmuelller

zu 15/:

Da muss ich mal kurz reingrätschen, damit das nicht so stehen bleibt, was die Industrie-Tante da behauptet:
#Fracking = Fracking. Immer wird mit Druck Gestein aufgebrochen, wenn auch Details der Methode unterschiedlich sein können.
Was die Trulla da meint, ist der Unterschied in der Art des Gesteins, das gefrackt wird.
In Deutschland ist Fracking in Schiefer, »unkonventionell« genannt, (fast ganz) verboten, im Sandstein, »konventionell« genannt, jedoch erlaubt.

@mango

Danke für die Aufklärung. Tante und Trulla ist nicht so schön ...