Was mir gerade mal wieder auffällt: Ob man jetzt einem Lesch, einer Mai, einem Rezo oder wem auch immer zuschaut, ständig zeigen sie Diagramme oder Studien, die das untermauern, was sie gerade sagen. Und wenn man Zeit und Lust hat, kann man die Quellen prüfen.

Warum ist das bei Bundestagsdebatten nicht so? Wieso können Redner einfach irgendwas behaupten, müssen das aber nicht direkt visuell untermauern? Ich glaube, wenn man das ändern würde, gäbe es einigen Diskussionsquark schlicht nicht.

Ob es jetzt um Flüchtlingskrisen, die Debatte um E-Fuels, Kriminalitätsstatistiken, sozialökonomische Themen oder worum auch immer geht, ist vollkommen egal.

Wenn man Fakten direkt im Bundestag vorzeigen könnte, würde es einige Parteien einfach nicht mehr geben, weil denen keiner mehr zuhört. Es würde einfach die Grundlage für deren Behauptungen fehlen oder man könnte sie direkt wiederlegen.

Je mehr ich darüber nachdenke, desto rückständiger erscheint mir unser politische Diskussionskultur.

@Herbstfreud Weiß nicht, ich habe den Eindruck, viele Menschen haben die Nase voll von Fakten und wollen lieber belogen werden.
@Herbstfreud naja "Fakten" finden ja viele Menschen, für jede Position, wie man diese ins rechte Licht stellt steht immer auf einem anderen Blatt...es gibt auch immer zu viele "Investoren" die es gerne sehen, wenn die einen Fakten gehyped werden und die anderen unter den Tisch fallen ;-)

@Herbstfreud man sollte Politik nicht mit Wissenschaft verwechseln.

Ein neues Gesetz muss nicht zwingend eine wissenschaftliche Basis haben, sondern kann auch emotionale, moralische, religiöse, wirtschaftliche, etc Basis haben.

@srueegger

Ich sage nicht, dass Emotionen, sowie moralische und wirtschaftliche Elemente aus dem politischen Diskurs herausgelassen werden sollten.

Aber wenn man schon versucht, Fakten für sich und seine Interessen zu nutzen, verstehe ich nicht, warum diese nicht direkt gezeigt werden können. Dinge, die wissenschaftlich einfach falsch sind, könnten auf diese Weise dann nicht mehr behauptet werden. Und gewisse Parteien machen vor allem das: Behauptungen aufstellen und nicht belegen.

@Herbstfreud Bundestag ist Show, Sacharbeit erfolgt in Ausschüssen. Wenn mit Quellen und Experten gearbeitet wird, dann in eben jenen Ausschüssen. Die Parteivertreter in den Ausschüssen geben ihren Parteimitgliedern zur Abstimmung eine Empfehlung mit wie zu stimmen ist. Das Gelaber im Bundestag könnte sich in den meisten Fällen komplett gespart werden.
@Herbstfreud Und im Bundestag dann Powerpointkaraoke zu spielen bringt auch wenig. Grafiken sind leicht erstellt, Statistiken schnell sehr eigen interpretiert und die Zeit zur Quellenprüfung zwischen Gelaber und Abstimmung ist auch nicht. Im Zweifelsfall bedient man sich dann sowieso nur Quellen, die man selbst im Griff hat.

@Herbstfreud

<satire>

Das ist doch gerade das Prinzip: alles zur beliebig zeredbaren Meinung degradieren und dann siegen diejenigen, die die Kunst der Polemik am besten beherrschen. War auch schon 'im alten Rom' so.

</satire>.

Stimmt nicht ganz: Es siegen die, die die meisten Scheinchen für die öffentlichen 'spin doctors' übrig haben; zum Glück funktioniert es aber nicht immer.

@WolfgangFeist

Die Kunst der Polemik und die Krankheit des Populismus wären genau diese Punkte, die mit dieser Vorgehensweise keine große Aussicht auf Erfolg mehr hätten - wäre so meine Hoffnung.

@Herbstfreud

In den USA sind ein paar Politiker mit solchen Grafiken auf Karton aufgezogen aufgetreten.

Das allein macht's leider noch nicht: Denn, Leider kann auch großer Unsinn grafisch popularisiert werden (was dort dann auch geschah).

Dass wissenschaftlich seröses "Backup" verlangt wird, wäre allerdings ein gewaltiger Fortschritt.

Das Problem da: Leider gibt es auch Kollegen Wissenschaftler (sind es solche???), die den Mächtigen gegen Honorar irreleitende Rhetorik liefern.

@Herbstfreud

Jetzt sollt das nicht entmutigen - Kernproblem ist, wie kommen wir überhaupt an (möglichst) kritisch reflektierte seriöse Analysen? Die Frage hat ja auch schon Generationen (in der Aufklärung) beschäftigt. Und es gibt da tatsächlich Modelle: Die Mathematik und die Naturwissenschaften.

Dass ausgerechnet die jetzt besonders attackiert werden, zeigt ein wenig, wie sehr sich der sogenannte 'Mainstream' verrannt hat.

Gut, dass Mai und Lesch dazu zumindest etwas darlegen.

@Herbstfreud Die einen haben eine technisch-wissenschaftliche Ausbildung, die anderen eine juristische oder geisteswissenschaftliche. Die einen haben von Grund auf gelernt, mit belastbaren Beweisen zu arbeiten. Die anderen haben von Grund auf gelernt, mit Interpretation und Wortklauberei zu arbeiten. That's why.
@Herbstfreud du glaubst nicht wirklich, dass PowerPoint Folien Eindruck machen würden, wenn sie der Fraktionsdisziplin widersprechen?

@dd0ul

Fraktionsdisziplin und Fraktionszwang sind nochmal gesonderte Übel, aber darum ging es mir gerade nicht. 😉

Interessant wäre aber tatsächlich, inwieweit ein Fraktionszwang noch Bestand haben könnte, wenn man als denkender, einer Partei zugehöriger Mensch auf wissenschaftlich erzeugte Diagramme schaut und sich dann fragt, warum die eigene Fraktion eigentlich noch einen Standpunkt vertritt, der den Fakten widerspricht...

@Herbstfreud ja aber auch nein, ausschussarbeit findet durchaus mit Papieren statt

@eckes

Jaaaa... Ich schiele bei diesen Gedanken auf gewisse Parteien in den Farben gelb und blau. 😉

(Ich finde es ja bis heute fast witzig, dass die AfD einen Klimabeauftragten haben...)

@Herbstfreud Ich glaube, dass die Leute viel eher Lanz und Co. schauen als Bundestagsdebatten.

Mein Vorschlag: Lanz und Co. nicht mehr Live, sondern zeitversetzt um eine Woche - mit eingeblendetem Faktencheck und zusätzlichen Infos.

Aber ich weiß, das sind eh keine Sendungen mit dem Ziel der (Meinungs-)Bildung sondern der Unterhaltung. Ich glaube aber, dass das bei vielen anders ankommt.

@Herbstfreud Schöner Gedanke, aber ich fürchte, so einfach funktioniert Wahrheit und Wissenschaft nicht.
Man kann für jeden Quark Belege finden und zudem ist Unsinn reden auch für MdB erlaubt.
Wir müssen einen Gesellschaftskonsenz finden und Wissenschaft ist nicht Richter der Wahrheit, sondern Wegweiser.
@Herbstfreud DAS wäre mal eine echte Innovation! Behauptungen in Debatten untermauern müssen! Geile Idee!
@Herbstfreud Die Idee ist ja gut, aber Politiker sind äußerst selten auch Wissenschaftler. Ich würde es kommen sehen, dass sie es als "Beleg" oder Quelle mit Bildzeitungsartikeln versuchen, weil sie einfach den Unterschied zwischen Publikation und Geschreibsel nicht sehen (oder gar absichtlich ignorieren), und ich fände das gar nicht gut.

@Coolisse

Diese Vorstellung hat schon fast etwas komisches, aber das Lachen bleibt einem im Hals stecken, wenn man sich vergegenwärtigt, dass das gar nicht so unwahrscheinlich ist bei dem ein oder anderen Populisten... 🙈

Andererseits, könnte sich bei so etwas ein gewisses Niveau etablieren, wüsste jeder andere auch direkt, was er davon halten kann, wenn "Quelle: Bild" auftaucht.

@Herbstfreud na die Idee ist ja eigentlich nicht, das im Bundestag über Fakten gestritten wird, sondern über die Bewertung und Entscheidungen über Konsequenzen aus den Fakten. Das mit dem Behauptungen und Quellen prüfen ist halt eigentlich sogar ein Beruf: Journalist. Wenn die auf unabhängig von ihrer eigenen Meinung konsequent insbesondere die Leute, die ihre Meinung vertreten, öffentlich auseinander nehmen würden, dann würde es diesen Quark wirklich nicht geben.

@aurorus

Das funktioniert ja auch nicht wirklich. 🙄

Entweder wird 1:1 unreflektiert widergegeben, was da erzählt wird, oder aber einige bestimmte Medien rücken sich die Meinungen so zurecht, wie sie sie brauchen (da sie ja so "überparteilich" und "unabhängig" sind) oder einige Dinge werden schlicht überhaupt nicht aufgegriffen.

Ja, ich weiß, Ausnahmen bestätigen die Regel. Aber diese Ausnahmen werden m.E. leider allgemein kaum beachtet.

@Herbstfreud
Vielleicht schafft es die KI ja bald, dass mit Beenden des Satzes eine Bullshit-Anzeige aufleuchtet und der Verzapfer laut ausgelacht wird. Ja, auch bei Bundestagsdebatten.