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Hass auf X: US-Gericht weist Klage von Elon Musk ab
X Corp. hat das Center for Countering Digital Hate verklagt. Die gemeinnĂŒtzige Organisation hatte Hassrede und fehlende Moderation auf X angemahnt. Ein US-Gericht hat die Klage nun abgewiesen â und dafĂŒr klare Worte gefunden.
27.03.2024 um 18:20 Uhr
â Lea Binsfeld â in Ăffentlichkeit â eine ErgĂ€nzung Elon Musk hat vor Gericht das Nachsehen. â CC-BY 2.0 Musk: Daniel Oberhaus (2018), Montage: netzpolitik.org
Hassrede und Desinformation haben auf X (vormals Twitter) deutlich zugenommen â insbesondere seit der Ăbernahme der sozialen Plattform durch Elon Musk vor knapp eineinhalb Jahren. Das bestĂ€tigen zahlreiche Studien wie jene des Center for Countering Digital Hate (CCDH).
Im Juni vergangenen Jahres hatte die gemeinnĂŒtzige Organisation eine Studie ĂŒber Hassrede auf der Plattform X (ehemals Twitter) veröffentlicht. Demnach ergreife X keine MaĂnahmen gegen einen GroĂteil der verifizierten Konten, die in dem sozialen Netzwerk Hass verbreiteten. Einen weiteren Bericht, der zu Ă€hnlichen Ergebnissen kam, veröffentlichte das CCDH im vergangenen November.
Die Kritik passte dem damals noch recht neuen Besitzer des Kurznachrichtendienstes, Elon Musk, nicht. X Corp., die Muttergesellschaft des Social-Media-Konzerns X, reichte im Juli vergangenen Jahres eine Klage gegen das CCDH ein, die ein US-Bundesgericht am vergangenen Montag abwies.
Vor der Klage hatte das CCDH einen Brief von X Corp. erhalten. Darin beschuldigt das Unternehmen die Organisation, âeine Reihe beunruhigender und unbegrĂŒndeter Behauptungen aufzustellenâ, mit dem Ziel, X âim Allgemeinen und seinem digitalen WerbegeschĂ€ft im Besonderenâ zu schaden. Die Untersuchungen des CCDH seien âfalsch, irrefĂŒhrend oder beidesâ. Laut Klageschrift habe sich das CCDH zudem mittels Scraping unrechtmĂ€Ăig Zugang zu den Daten der Plattform verschafft, um diese dann selektiv auszuwerten. Weil das CCDH so ein falsches Bild von X gezeichnet habe, seien X Corp. Werbeeinnahmen in Höhe von âmindestens zehn Millionen US-Dollarâ entgangen.
Hassrede und fehlende Moderation
Imran Ahmed, GeschĂ€ftsfĂŒhrer bei CCDH, kritisierte im August vergangenen Jahres, X Corp. wolle âden Boten erschieĂenâ, statt sich darum zu bemĂŒhen, dass weniger Hass und Desinformationen auf ihrer Plattform erscheinen. AuĂerdem wertete er Musks Vorgehen als Versuch, begrĂŒndete Kritik und unabhĂ€ngige Forschung zum Schweigen zu bringen. Das CCDH habe allerdings nicht die Absicht, ihre Untersuchungen zu stoppen. âWir tun nicht mehr, als der Plattform einen Spiegel vorzuhalten und sie aufzufordern, darĂŒber nachzudenken, ob ihnen gefĂ€llt, was sie darin sehen, oder nichtâ, sagte Ahmed im Vorfeld des Urteils gegenĂŒber dem US-amerikanischen Nachrichtensender CNN.
Das CCDH hatte etliche âHass-Tweetsâ von Nutzer:innen gemeldet, deren Profile ĂŒber einen blauen Haken verfĂŒgen. In 99 von 100 FĂ€llen habe das Unternehmen daraufhin nicht reagiert. Vielmehr gebe X Tweets, die von entsprechenden Accounts stammen, sogar noch eine höhere Reichweite als den Inhalten anderer Konten. Nutzer:innen mit einem blauen Haken gelten als verifiziert. Seit Musks Ăbernahme des Kurznachrichtendienstes lassen sich die Haken allerdings auch kĂ€uflich erwerben.
In dem am Montag gefĂ€llten Urteil gibt der zustĂ€ndige US-Bezirksrichter, Charles Breyer, dem Antrag der CCDH statt, die Klage abzuweisen. Aus Breyers Sicht gehe es X Corp. offenkundig darum, âdie Beklagten fĂŒr ihre ĂuĂerungen zu bestrafenâ und âandere abzuschrecken, die eine solche Kritik ĂŒben möchtenâ. X Corp. habe aus Sicht des Richters nicht nachweisen können, wie die Untersuchung des CCDH dem Unternehmen finanziellen Schaden beigefĂŒgt haben soll. Ăber den eigenen Dienst kĂŒndigte das Unternehmen an, gegen die Gerichtsentscheidung Berufung einlegen zu wollen.
Immer mehr Hass auf X
Seitdem Elon Musk im Oktober 2022 die Plattform ĂŒbernommen hat, hĂ€ufen sich dort rechtsradikale und hassgeprĂ€gte ĂuĂerungen. Viele suspendierte Accounts, die regelmĂ€Ăig fremden- oder frauenfeindliche Dinge gepostet hatte, lieĂ Musk wieder zu â darunter das Konto des misogynen Kickboxers Andrew Tate, des Holocaust-Leugners Nick Fuentes, des österreichischen IdentitĂ€ren Martin Sellner sowie das Profil der IdentitĂ€ren Bewegung selbst. Andere Konten, wie jenes des Berliner Datenanalysten Travis Brown, der den wachsenden Hass auf der Plattform erforscht, sperrte er hingegen.
Im vergangenen November verklagte X auch die gemeinnĂŒtzige Organisation Media Matters. Sie war in einer Studie zu dem Schluss gekommen, dass X Anzeigen groĂer kommerzieller Marken neben rechtsradikalen BeitrĂ€gen geschaltet hatte. Viele Werbeunternehmen setzten daraufhin ihre Zusammenarbeit mit X aus. Musk warf Media Matters vor, âin böswilliger Absichtâ gehandelt und den Algorithmus des sozialen Netzwerks manipuliert zu haben.
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Author: Lea Binsfeld
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