Sie reden auch nicht viel, obgleich unaufhörlich gesprochen wird.” (Walter Boehlich)
Ich erinnere mich an ein Zen-Seminar in Essen. Zazen, das Sitzen, begann erst später, aber um ein wenig bei mir selbst zu sein, saß ich schon um 5 Uhr im Übungsraum. Er war groß, für 35-40 Teilnehmer. Der Abstand nach links und rechts nicht die Nerven aufreibend : Husten, Rascheln, Wackeln. Im Frühstücksraum gegen 8 Uhr sollte, es war gefordet, das Essen und Trinken schweigend eingenommen werden. Ich hatte die ganze Zeit im Übungsraum alleine verbracht und befand mich im Zustande der Ruhe. Aber hier war es laut : Klappern, Hampeln. Schauen in alle Richtungen.
Dann der wirkliche Beginn des Seminares unter der Leitung von Pater Kopp. Zazen. Langsames Gehen, Kinhin genannt. Da sah ich die Unruhe. Der Schnelle hegte den Wunsch, den Langsamen wie einen Berg hinauf und über den Kopf hinweg nach unten zu klettern. Die Unruhigen beruhigten sich bis zum Ende des Seminars nicht, blieben aber eine Ausnahme. Außerdem wurde zur Erholung des Körpes die Eutonie von Gerda Alexander geübt : Zazen. Kinhin. Eutonie. Warum schreibe ich das auf? Beim Mittagessen hatte sich alles geändert. Das unaufhörliche Sprechen des Vormittags hatte sich gewandelt in Stille. Das Plappern, Klappern und Umherschauen war nicht mehr vorhanden.
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