âDunkler Hauttypâ? Mitteilung der Mannheimer Polizei zum VerdĂ€chtigen der Amokfahrt ist FĂ€lschung
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Faktencheck
âDunkler Hauttypâ? Mitteilung der Mannheimer Polizei zum VerdĂ€chtigen der Amokfahrt ist FĂ€lschung
Unmittelbar nach der Amokfahrt in Mannheim kursierte online eine angebliche âinterne Polizeimeldungâ mit TĂ€terbeschreibung. Demnach soll die Polizei nach einem Mann mit âdunklem Hauttypâ gesucht haben. Das stimmt nicht, die Meldung ist laut Polizei erfunden.
von Steffen Kutzner
07. MĂ€rz 2025
Am 3. MĂ€rz 2025 fuhr ein Mann mit seinem Auto in der Mannheimer Innenstadt in eine Menschenmenge â zwei Menschen starben. Die Polizei suchte diesbezĂŒglich aber nie nach einem Mann mit âdunklem Hauttypâ. (Foto: Boris Roessler / DPA / Picture Alliance) Behauptung
Laut einer âinternen Polizeimeldungâ habe die Polizei nach der Amokfahrt in Mannheim nach einem Mann mit âdunklem Hauttypâ und Bart gesucht.
Aufgestellt von: BeitrÀgen in Sozialen Netzwerken, Apollo News, Deutschland-Kurier Datum:
03.03.2025
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Falsch
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Falsch. Die Mannheimer Polizei bezeichnet die Meldung als FĂ€lschung und hat diesbezĂŒglich Ermittlungen eingeleitet.
Am Mittag des 3. MĂ€rz 2025 fuhr ein Mann mit einem Auto in der Mannheimer Innenstadt in eine Menschengruppe, er tötete dabei zwei Menschen und verletzte 14 weitere. Unmittelbar danach verbreiteten rechte Blogs wie Apollo News oder der Deutschland-Kurier und BeitrĂ€ge in Sozialen Netzwerken Informationen ĂŒber eine angebliche âinterne Polizeimeldungâ mit einer TĂ€terbeschreibung, teilweise wird die angebliche Meldung sogar gezeigt. Demnach habe die Polizei nach dem âAmok-Laufâ nach einem Mann mit folgender Beschreibung gesucht: âTĂ€ter: 170 cm, Bart, schwarze Jacke, dunkler Hauttyp, vermutlich mit Schusswaffe bewaffnetâ. Ăber der angeblichen TĂ€terbeschreibung steht die AbkĂŒrzung PP MA, was auf das PolizeiprĂ€sidium Mannheim hinweist.
Noch bevor Details zum TatverdĂ€chtigen bekannt waren, sahen manche Nutzerinnen und Nutzer in der angeblichen Polizeimeldung einen Beleg dafĂŒr, dass der TĂ€ter AuslĂ€nder sei oder einen Migrationshintergrund habe. Selbst nachdem die Polizei am 3. MĂ€rz um 18 Uhr bekanntgab, dass es sich bei dem TatverdĂ€chtigen um einen 40-jĂ€hrigen Deutsche handele und Medien ĂŒber seinen Namen, Alexander S. berichteten, verschwand die angebliche Meldung nicht aus dem Netz. Zusammen mit falschen Ausweispapieren, die ebenfalls online kursierten und ĂŒber die wir hier berichten, zweifelten Menschen weiterhin an der Berichterstattung und den Aussagen der Polizei. Auch ein angebliche Aufnahme des TĂ€ters von einer Ăberwachungskamera soll die âinterne Polizeimeldungâ bestĂ€tigen, hieĂ es online.
Doch es hat eine solche Polizeimeldung nie gegeben, es handelt sich um eine FĂ€lschung.
Dieser Screenshot einer angeblichen internen Polizeimeldung kursiert in Sozialen Netzwerken, ist jedoch laut Polizei eine FĂ€lschung (Quelle: Facebook; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)
Meldung mit TĂ€terprofil ist laut Polizei Mannheim nicht echt
Dass in der angeblichen Meldung von einem Amoklauf die Rede ist, ist nicht schlĂŒssig, die Tat wurde mit einem Auto begangen. Es gibt auch keine seriösen Berichte ĂŒber die interne Meldung.
Wir haben bei der Polizei Mannheim nachgefragt, ob die online kursierende âinterne Meldungâ echt ist. Sabine Abeln, eine Pressesprecherin des PrĂ€sidiums, schrieb uns, âdass es sich [âŠ] nicht um eine polizeiinterne Meldung des PolizeiprĂ€sidiums Mannheim handelt.â Es seien Ermittlungen eingeleitet worden. Auch auf X betonte die Polizei am 6. MĂ€rz: âEs kursiert eine vermeintliche Polizeimeldung im Netz, die von einem âAmok-Laufâ sprach. Wir stellen klar: dies ist keine offizielle Mitteilung der #PolizeiMannheim!â
Der Festgenommene hatte laut Polizei nach bisherigem Kenntnisstand (5. MĂ€rz) kein politisches oder extremistisches Motiv. Es gebe Hinweise, dass âbei dem TatverdĂ€chtigen seit vielen Jahren eine psychische Erkrankungâ vorliege. Laut einem war der TatverdĂ€chtige aber auch Teil einer Neonazi-Gruppe und wurde bei rechtsextremen Demonstrationen fotografiert.
Wir haben beim Deutschland-Kurier, dessen X-Beitrag vielfach verbreitet wurde, nachgefragt, weshalb der Beitrag auch drei Tage nach dem Vorfall noch immer online stand und woher die Redaktion das Bild der gefÀlschten Polizeimeldung hat. Wir erhielten bis zur Veröffentlichung keine Antwort. Die BeitrÀge auf X und Instagram sind mittlerweile gelöscht.
Auch beim Blog Apollo News haben wir nachgehakt, denn die Redaktion behauptete auf X, die erfundene TÀterbeschreibung lÀge der Redaktion vor. Wir erhielten auch hier bis zur Veröffentlichung keine Antwort. Apollo News löschte den X-Beitrag ebenfalls. Ein Artikel des Blogs, in dem die TÀterbeschreibung wiedergegeben wird, ist jedoch nach wie vor online (Stand: 7. MÀrz, 12 Uhr).
Redigatur: Max Bernhard, Paulina Thom
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Author: Kimberly Nicolaus
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