[Di, 17.3.2026 – Notizen]

Abends bin ich gerade etwas müde. In den ersten Tagen an einer neuen Arbeitsstelle saugt man sich immer mit riesigen Mengen an Informationen voll. Mit so viel Input, müsste ich jetzt eigentlich ungemeine Mengen an Output haben. Stattdessen: brummender Kopf (natürlich! Wenig Platz!) und Müdigkeit (physiologisch nicht ganz erklärbar).

Dafür habe ich noch einige Notizen der letzten Monate, die ich noch nicht verarbeitet habe. Da steht zB:

„Crowded house – tigether alone“ – Typos lasse ich mal absichtlich stehen. Das war ein Song, den ich einmal in einer Instastory hörte, wo er mir hervorragend gefiel. Als ich ihn dann zu Hause auf YouTube suchte, gefiel er mir überhaupt nicht mehr. Warum der Song auf meinem Notizzettel steht, weiß ich gar nicht mehr, vielleicht wollte ich das auch nie in einen Text verarbeiten, sondern die Info nur als Gedächtnisstütze ablegen.

„Peter sagte viel HJund im Blog immer“ – das war wegen meines Fanclubfreundes Peter. Der meinte, dass es in diesem Weblog sehr viel Hundecontent gäbe. Ich bin mir nicht sicher, ob er das als Kritik äußerte, oder als Feststellung. Es war auf unserer Weihnachtsparty und wir waren beide sehr betrunken. Kurz zuvor verriet er mir, dass er gerade sechzig geworden war, und ich sagte: „No way! Du siehst aus wie fünfzig!“. Was auch wirklich nicht gelogen war. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er danach noch irgendwie Inhalte meiner Texteinträge kritisieren wollte.
Diese Notiz sah ich aber nie als verarbeitungswürdig an.

„Epstein, vertuschen, verkuscheln“ – das war an einem Tag, an dem ich zu lange in den Epsteinfiles gelesen hatte. Danach wollte ich etwas dazu schreiben, aber einerseits war ich angewidert und hatte tausend unsortierte Gedanken dazu, und eigentlich ist zu dem Thema alles schon gesagt. Wie bei fast allen tagesaktuellen Themen. Außerdem bezogen sich meine Gedanken auch sehr auf die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit, wie mich ihre Anbiederung an Epstein abstieß, ich fand es merkwürdig, wie sie andere Frauen seltsam scherzend in die Pfanne warf, weil sie sie mit 25 Jahren schon zu alt für ihren Freund Jeffrey fand.
Aber ich wollte nicht ein paar irrelevante Zeilen über Epstein schreiben und dabei eine Frau kritisieren. Mich schockte nur dieses unsolidarische Verhalten.

„benzin“ – das notierte ich, weil ich in den letzten zwei Wochen ein paar Mal mit dem Auto gefahren war und dachte, jetzt mit dem Irankrieg sollte ich vielleicht besser kein Benzin verbrennen, weil die Preise ja sozusagen explodierten. Der Gedanke hatte aber nur als Gedanke gewisses Potenzial. Verschriftlicht gab es nix her.
Überdies stellte sich heraus, dass der Liter jetzt nur 30 Cent mehr kostete als davor. Unter Explosion stellte ich mir etwas anderes vor. Weil ich wenig Ahnung von Benzinpreisen habe und mir nie merken kann, wie viel ein Liter kostet, fragte ich die Google-KI, um wie viel der Preis seit dem Irankrieg gestiegen sei. Gemini gab mir allerdings eine Antwort zum Preisanstieg während des Irakkrieges 2003. Ich musste es dann schon spezifizieren, also nicht das Saddam-Irak, sondern das Ajatolla-Iran.

„Fagott. Wollte ich lernen. 8000€ also no
Tuba. Aber bissl laut eventuell. 6000€ also no“
Das schrieb ich nach der Konzertmatinee von neulich. Ich wollte tatsächlich einmal Fagott lernen, weil das so ein schönes, warmes Instrument ist. Aber dann sah ich den Preis und ließ es sein. Auch die Tuba fand ich interessant. Klanglich weniger warm, aber mindestens so schön. Aber den Preis fand ich auch unangemessen für mein nicht ganz so stark ausgeprägtes Interesse.
In diesem Zuge wollte ich auch wissen, ob Fagott auf Englisch faggot heißt, aber das hat einen ganz anderen Ursprung und bedeutet etwas ganz anderes. Fagott heißt auf Englisch Bassoon. Schöner Name, der zudem den Klang des Instruments wiedergibt.

„Piñata-Stock“ – ich habe während des Bauens der Oberschränke einen Piñata-Stock gefunden. Also einen Schläger, mit dem man Piñatas kaputt schlagen kann. Er hat die typischen bunten Papierverzierungen von Piñatas und ist ein wenig gebogen. Keine von uns beiden weiß, woher der Stock stammen könnte. Er lag hinter den Koffern und war eingestaubt. Es fällt mir schwer, ihn wegzuwerfen, andererseits kann ich ihn auch nicht auf Kleinanzeigen verschenken. Niemand braucht einen Piñata-Stock ohne eine Piñata. Verbloggen ließ sich das auch nicht, also blieb das Wort im Notizzettel hängen.

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Außerdem gibt es ganz alte Notizen. Mindestens ein Jahr alt, oder älter:

Yamaha 1887 – ich war damals überrascht gewesen, wie alt Yamaha ist. In 1887 produzierten sie ihr erstes Instrument: ein Harmonium. Ich dachte, ein Harmonium sei ein billiges Heiminstrument, das erst ab den Sechzigern einmal im Jahr aus dem Keller geholt wurde, um Geburtstagslieder zu begleiten. Aber nein. Vor über 130 Jahren war das offenbar eine ernste Sache. Zumindest in Japan. Zumindest für Yamaha. Danach bauten sie jahrelang Klaviere und Instrumente. In 1955 beschloss der Chef, dass fortan auch Motorräder gebaut werden sollten. Und so wurden auch Motorräder gebaut. So ist das eben. Ich lernte als Kind auf einem Klavier von Siheko (auch das steht in den Notizen). Die Marke kommt aus Südkorea und die Klaviere wurden vor allem nach Italien verkauft und gerne an Anfänger. Die Firma gibt es aber nicht mehr. Ich finde es lustig, ein Klavier gehabt zu haben, für das ich ein spezifischer Markt war, der sich 40 Jahre später noch ergooglen lässt.

„Blumenkohl, dauerte 2h und immer noch hart“ – keine Ahnung, was ich damit sagen wollte.

„Shnixel“ – Ich kenne Menschen, die das Wort Schnitzel nicht richtig aussprechen können. Seitdem fällt es mir selbst schwer, es richtig auszusprechen. Ist aber nicht lustig.

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Danach ist der Notizzettel voll mit verschiedenen Links. zB zu Rasenmähern, Saugrobotern, Statistiken über das Ranking der Novelle bei Amazon, meiner italienischen Steuer-ID, ein paar Versuchen, mich mit Dostojewski auseinanderzusetzen, weil ich seine Sprache so unfassbar schlecht finde.
Dann mehrere angefangene, längere Blogtexte. Über das Reisen, über Irland, über Sternzeichen. Weiter unten ist noch eine ganz alte Liste aus Pre-Corona-Zeiten.

Und sonst auch juicy stuff:

„Hämosalbe, Proktologe, danach weg“ – das schrieb ich auf, weil jemand auf der Hundewiese Hämorrhoidensalbe gekauft hatte. Ich hatte nämlich auch einmal Hämos. Zumindest dachte ich das. Zuerst kaufte ich mir Salben. Weil es aber nicht besser wurde, googelte ich nach entsprechenden Ärzten. Proktologen nennen sie sich, wie ich lernte. Proktologen sind ausnahmslos haarige, bärtige und grimmig dreinschauende Männer. Das mag jetzt wie ein Witz klingen, aber einige Stunden nach dem Besuch der zahlreichen Webseiten hatte ich keine Beschwerden mehr.

„Therapie. kein Porn.“ – Der Freund aus Amsterdam, der mich letztes Jahr besuchen kam, befand sich in Therapie und es wurde ihm verboten, Pornos zu schauen. Hat mich beschäftigt. Aber ohne Erkenntnis.

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CDU, Russland und die Frage nach dem „Danach“

Dieser Artikel stammt von CORRECTIV.Faktencheck / Zur Quelle wechseln

Einen Waffenstillstand hat US-Präsident Donald Trump in der Ukraine bisher nicht erreicht. Seit seiner Präsidentschaft hat sich aber eines geändert: Ein wie auch immer gearteter Frieden ist wieder Teil öffentlicher, politischer Überlegungen in Deutschland geworden.

Wie umgehen mit Russland, sollte es tatsächlich irgendwann zu einem Waffenstillstand in der Ukraine kommen? In der CDU ist in den vergangenen Wochen ein offener Streit ausgebrochen.

Wladimir Putin führt seinen Angriffskrieg mit unverminderter Härte fort. Am Palmsonntag haben russische Bomben in der ukrainischen Stadt Sumy mehr als 30 Menschen getötet.

Der designierte Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete den Angriff als Kriegsverbrechen und stellte der Ukraine erneut Taurus-Marschflugkörper in Aussicht. Bereits im Wahlkampf hatte der CDU-Vorsitzende klar Position bezogen, dass auch Deutschlands Sicherheit durch Russland bedroht sei und die Ukraine in eine Position der Stärke gebracht werden müsse.

Doch so entschlossen wie Merz sind nach Recherchen von CORRECTIV nicht alle in seiner Partei. Schon länger schießt Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer gegen den offiziellen Kurs aus Berlin, zuletzt brachte er eine Aufhebung von Sanktionen ins Spiel.

Der Riss durch die Partei wird bei der Frage nach dem „Danach“ noch größer. Wie weit er geht, wurde mitten in den Koalitionsverhandlungen zwischen der Union und der SPD sichtbar. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Bareiß hatte geschrieben, „natürlich“ könne wieder Gas durch die Nordstream-Röhren fließen. Ähnlich äußerte sich der CDU-Fraktionsvize in Nordrhein-Westfalen Jan Heinisch. Das Brisante dabei: Beide verhandelten mit am schwarz-roten Koalitionsvertrag.

Die Äußerungen bestimmten wochenlang die Debatte. Die Grünen kritisierten eine „Russland-Connection“ in der CDU, Forderungen nach einem Ausschluss von Bareiß aus den Koalitionsverhandlungen wurden laut. Kritik kam auch aus den eigenen Reihen. Eine CDU-Sprecherin hatte schließlich die Parteiposition betont, „dass Deutschland und Europa von russischen Gaslieferungen unabhängig werden müssen“. Bareiß’ und Heinischs Positionen wurden als „Einzelmeinungen“ abgestraft.

Aber unsere Recherche zeigt: Die Äußerungen von Bareiß und Heinisch sind keine Einzelmeinungen. CORRECTIV hat die öffentlichen Äußerungen von CDU-Politikerinnen und -Politikern zusammengestellt, die sich in den vergangenen Wochen ähnlich positioniert haben: ostdeutsche und westdeutsche Vertreter; Bundes- und Landespolitiker. Hinzu kommen Auftritte CDU-naher Unternehmer und Lobbyisten. Eine Übersicht.

Voigt, Kretschmer, Schulze: CDU-Regierungen wollen Kurs für Gas und Sanktionen ändern

Mario Voigt, Ministerpräsident von Thüringen

In einem Interview mit der Berliner Zeitung Anfang April schloss Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt eine Wiederaufnahme russischer Gaslieferungen nicht aus. Entscheidend sei, dass der Krieg in der Ukraine ende, so Voigt. Weiter sprach der CDU-Politiker von einer „moralisch überhöhten Außenpolitik“ der letzten drei Jahre und forderte angesichts einer „Renaissance der Realpolitik“, dass „wir unsere Naivität ablegen“.

In der sogenannten „Brombeer“-Koalition regiert Mario Voigt seit Dezember gemeinsam mit der SPD und dem BSW. Eine Präambel im Koalitionsvertrag zum Thema Waffenlieferungen an die Ukraine hatte vor allem im BSW für Streit zwischen Landeschefin Katja Wolf und der Bundesvorsitzenden Sahra Wagenknecht gesorgt. Doch auch in der CDU wurde vor der Regierungsbildung ein Meinungsunterschied deutlich.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hatte im Oktober einen gemeinsamen Gastbeitrag von Voigt, damals noch Landesvorsitzender in Thüringen, und den Ministerpräsidenten von Brandenburg und Sachsen, Dietmar Woidke (SPD) und Michael Kretschmer, veröffentlicht. Darin hatten sie gefordert, die Bundesregierung müsse für eine Beendigung des Krieges ihre „außenpolitische Verantwortung durch mehr erkennbare Diplomatie aktiver wahrnehmen“. Merz hatte erwidert, dass die russische Seite offenbar nicht an Friedensgesprächen interessiert sei.

Michael Kretschmer, Ministerpräsident von Sachsen

Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer brachte Ende März in einem Interview mit der dpa die Möglichkeit der Aufhebung von Russland-Sanktionen ins Spiel. Die Diskussion um die Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern in die Ukraine erklärte er für beendet. „Diese Zeit ist über uns weggegangen“, sagte Kretschmer. Dass Merz nur zweieinhalb Wochen später gerade dies erneut in Aussicht stellte, zeugt von einer grundsätzlichen Meinungsverschiedenheit.

Kretschmer hatte sich zuvor bereits mehrfach gegen weitere Waffenlieferungen an die Ukraine ausgesprochen. Noch ehe die amerikanisch-russischen Verhandlungen über die Ostseepipelines bekannt geworden waren, hatte Kretschmer eine Reparatur von Nord Stream 1 gefordert. Es gebe überhaupt keinen Grund, die Pipeline nicht zu sichern, hatte Kretschmer im Juni 2023 dem Sender Welt TV gesagt.

Sven Schulze, Wirtschaftsminister in Sachsen-Anhalt

Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Sven Schulze schließt für den Fall einer Beendigung des Krieges Gasimporte aus Russland nicht aus. Das hatte die Mitteldeutsche Zeitung Mitte Februar dieses Jahres berichtet. „Solange der Krieg in der Ukraine anhält, halte ich das politisch nicht für umsetzbar“, sagte Schulze der Zeitung. Allerdings: Nach Kriegsende „muss es auch wieder darum gehen, Gas nach Europa und Deutschland zu importieren.“

Schulze sieht sich mit Forderungen aus der Wirtschaft nach russischem Gas konfrontiert. Der Geschäftsführer des Chemieparks Leuna, Christof Günther, hatte sich kurz zuvor für einen Neustart für Lieferungen aus Russland ausgesprochen.

Bareiß und Heinisch: Koalitions-Verhandler liebäugeln mit russischem Gas

Thomas Bareiß, CDU-Bundestagsabgeordneter aus Baden-Württemberg

In einem Linkedin-Beitrag schrieb der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Bareiß, dass die Geschichte der Nordstream 2 noch „lange nicht am Ende sei“. So könne bei einer Waffenruhe zwischen Russland und der Ukraine „natürlich“ wieder Gas durch die Pipeline fließen – vielleicht unter „amerikanischer Kontrolle“. Hintergrund ist ein möglicher Energie-Deal zwischen den USA und Russland.

Bareiß war von 2017 bis 2021 parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie unter Peter Altmaier. Altmaier war es, der sich während seiner Amtszeit immer wieder für die Fertigstellung der Nordstream 2 stark gemacht hat.

Selbst nachdem der russische Gaskonzern Gazprom bereits 2021 viel weniger Gas in die EU lieferte, als er konnte, sah das Wirtschaftsministerium unter Altmaier offenbar keinen Grund zur Sorge. Aus einem Gutachten des Ministeriums von 2021, in dem festgestellt wurde, ob Nordstream 2 die EU und Deutschland sicher versorgt, heißt es „die Sicherheit der Gas- und Elektrizitätsversorgung“ sei „nicht gefährdet“.

Wenige Monate später startete Russland den Angriffskrieg auf die Ukraine, woraufhin eine weitere Reduzierung der Gaslieferungen, sowie vermeintliche „technische Probleme“ an der Nord-Stream-1-Pipeline folgten.

Jan Heinisch, CDU-Fraktionsvize im NRW-Landtag

Kurz nach dem Vorstoß von Bareiß plädierte auch Jan Heinisch dafür, über den Kauf von russischem Gas zu sprechen, sobald ein „gerechter und sicherer Frieden“ gefunden sei. So sagte es der Vizevorsitzende der CDU-Fraktion im nordrhein-westfälischen Landtag Politico.

Nach scharfer Kritik an seinen Aussagen ruderte er zurück. In einem erneuten Interview mit dem Nachrichtenportal Politico gab Heinisch an, seine Aussage zu bedauern. Es dürften zum jetzigen Zeitpunkt keine „falschen Signale in Richtung eines Kriegsverbrechers, der zu keinem Abkommen bereit scheint, gesendet werden“, so Heinisch.

Sepp Müller, CDU-Bundestagsabgeordneter aus Sachsen-Anhalt

In einer Positionsabfrage der Mitteldeutschen Zeitung im Bundestagswahlkampf hatte der Spitzenkandidat der CDU in Sachsen-Anhalt, Sepp Müller, die Frage bejaht, ob Deutschland wieder russisches Gas beziehen solle – neben den Vertretern der AfD und des BSW. Müller zog erneut in den Bundestag ein, im Kampf um das Direktmandat im Wahlkreis Anhalt – Dessau – Wittenberg unterlag Müller jedoch dem Herausforderer der AfD.

In der vorherigen Legislaturperiode war Müller stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Unionsfraktion. Er hatte sich immer wieder zu Belangen ostdeutscher Bundesländer geäußert. Der Berliner Zeitung hatte Müller 2023 gesagt, im Osten sei man „mehr pro Putin, als man pro Ukraine ist“. Es sei „schwierig, wenn man im Osten so gleichgültig sagt: kein Gas und kein Öl mehr aus Russland“.

CORRECTIV hakte bei Müller nach, aber sein Büro teilte mit, dass er sich „zu diesem Thema im Moment nicht äußert.“

Großmann, Pofalla, Laschet: Gas und Gespräche mit Russland

Anne-Marie Großmann, Stahlunternehmerin

Die CDU-nahe Unternehmerin Anne-Marie Grossmann sagte dem Spiegel Anfang April, dass sie sich sehr gut vorstellen könne, dass nach einem Friedensabkommen auch wieder russisches Gas nach Deutschland komme. Dies sei während des Kalten Krieges auch so gewesen und Deutschland brauche eine „unabhängige, grundlastfähige Energieversorgung“.

Grossmann ist Gesellschafterin und Mitglied der Geschäftsführung der Georgsmarienhütte Holding GmbH (GMH Gruppe), die Unternehmen aus der Stahlproduktion bündelt. Die GMH ist Mitglied im Wirtschaftsrat, einem CDU-nahen Lobby- und Berufsverband, der die Interessen seiner Mitglieder aus der Wirtschaft vertritt. Auf dem Internetauftritt der Unionsfraktion im Bundestag wird Großmann als Referentin gelistet.

Bereits 2010 war auf Großmann der Verein „Deutschland-Russland – die Neue Generation“ angemeldet worden. Das erklärte Ziel war die Förderung der Völkerverständigung zwischen den Ländern. Wie CORRECTIV im April 2023 berichtet hatte, holte sich der Verein von Beginn an auch Vertreter von Energiekonzernen ran und sammelte Unterstützer aus den Schröder-Gazprom-Kreisen bis hin zu Kreml-nahen Kontakten.

Ronald Pofalla, Petersburger Dialog

Das deutsch-russische Gesprächsforum Petersburger Dialog, 2001 ins Leben gerufen von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Wladimir Putin, ist nach dem russischen Angriff auf die Ukraine aufgelöst worden. In Russland hofft man offenbar auf eine Wiederbelebung. Wie Die Zeit und Kontraste im vergangenen Herbst berichteten, sollte dabei auch der frühere Vorsitzende des Forums und ehemalige Chef des Bundeskanzleramtes Ronald Pofalla eine Rolle spielen.

Pofalla stand demnach auf dem Programm von Gesprächen zwischen deutschen und russischen Vertretern in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku. Es ging auch um wirtschaftliche Fragen. Aus russischer Sicht gebe es genug Entrepreneure und Experten, die Interesse daran hätten, sich bei einem Treffen über „unternehmerische Zusammenarbeit“ auszutauschen, so der Bericht. Pofalla hatte sich nicht zu seiner Rolle bei den Gesprächen geäußert.

Ende November berichtete der Focus über ein weiteres brisantes Treffen. Pofalla, aber auch der ehemalige CDU-Politiker und Gaslobbyist Friedbert Pflüger und der ehemalige Gazprom-Lobbyist Alexander Rahr waren auf einer Tagung der Konrad-Adenauer-Stiftung unter dem Motto „Krieg oder Frieden? Russland und die neue geopolitische Realität nach dem 24.02.2022“ als Referenten aufgetreten. Gegenüber CORRECTIV sprach die Stiftung von einer „nicht öffentlichen Tagung“, bei der es um eine „kritische Betrachtung der früheren deutschen und europäischen Russlandpolitik“ gegangen sei.

Armin Laschet, früherer NRW-Ministerpräsident

Bei einer Wiederbelebung des Petersburger Dialogs setzte die russische Seite offenbar auch auf Armin Laschet. Der frühere NRW-Ministerpräsident und CDU-Parteivorsitzende stand laut Die Zeit und Kontraste auf der Teilnehmerliste für ein Treffen in Baku, bestritt allerdings eine geplante Teilnahme.

Im gleichen Zeitraum im vergangenen Herbst hatte Laschet in der ZDF-Talksendung Maybrit Illner die Debattenkultur rund um Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine als „sehr schwarz-weiß“ kritisiert. Wer irgendwie das Wort Diplomatie in den Mund nehme, werde „bis in höchste Kreise der Außenpolitiker“ als „Putin-Knecht“ bezeichnet, so Laschet.

Ähnlich hatte sich Laschet bereits 2014 geäußert. Nach der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim durch Russland bemängelte Laschet einen „marktgängigen Anti-Putin-Populismus“ in Deutschland. Immer wieder wurden seine Aussagen als zu milde und nachsichtig mit Moskau kritisiert.

Zuletzt setzte sich Laschet, der als möglicher künftiger Außenminister gehandelt wird, für Gespräche mit Russland in Verbindung mit dem Hebel der militärischen Unterstützung der Ukraine aus, bis hin zur Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern. Die Diskussion über eine Lockerung von Sanktionen halte er für das falsche Signal.


Text und Recherche: Stella Hesch, Alexej HockRedaktion und Faktencheck: Martin Böhmer, Justus von DanielsDesign: Ivo MayrBildnachweise: Michael Kappeler | picture alliance/dpa (Mario Voigt), Michael Kappeler | picture alliance/dpa (Michael Kretschmer), Matthias Bein | picture alliance/dpa (Sven Schulze), Christophe Gateau | picture alliance/dpa (Thomas Bareiß), Henning Kaiser | picture alliance/dpa (Jan Heinisch), picture alliance / dts-Agentur (Sepp Müller), Goldmann | picture alliance / Goldmann (Anne-Marie Großmann), Felix Hörhager | picture alliance/dpa (Ronald Pofalla), Christoph Hardt | picture alliance / Panama Pictures (Armin Laschet)

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Author: Alexej Hock

#danach #frage #russland

CDU, Russland und die Frage nach dem „Danach“

CDU-Stimmen bringen erneute Gaslieferungen aus Russland ins Spiel – nach einem Frieden in der Ukraine. Alles nur Einzelmeinungen? Eine Übersicht.

correctiv.org

@thomas_michl
Ich habe zu #Tuckman #Phase5 (#Adjourning) schon länger eine These:
Der fehlende Wille zum Release ("Loslassen") zeigt sich auch an [vermeidbaren] Fehlern.
Es ist die subtile und oft nicht wirklich reflektierte #Angst vor dem #Danach.

"Was ich hab', das weiß ich.
Was ich krieg, das weiß ich nicht."

#Nachtschicht

Ich warte auf wirklich schlechte Nachrichten. Und fürs
#Danach hab ich nur dieses #Lied (MIT DIESEM TEXT)

Hammerschmitt - Ewigkeit II

https://yewtu.be/watch?v=kjFliyNcqNI
Die Welt stand ihr offen: Antonia Schneider stand kurz vor dem Abitur und wollte einfach nur feiern, als sie in den Tunnel der Duisburger Loveparade geriet. Sieben Jahre später ist sie immer noch unfähig, ein normales Leben zu führen und weiß nicht wohin mit ihrer Trauer und Zerstörungswut. Auch ihr Vater Thomas und ihre Stiefmutter Kati sind überfordert und mit ihren Kräften am Ende. Als Antonia eines Nachts die Gedenkstätte für die Opfer zerstört, lernt sie Sascha Reinhardt kennen. Das Leben des Taxifahrers zerbrach ebenfalls vor sieben Jahren. https://www1.wdr.de/av/einsfestival/video-das-leben-danach-100.html #ONE #Spielfilm #Das #Leben #Danach
Das Leben Danach

Die Welt stand ihr offen: Antonia Schneider stand kurz vor dem Abitur und wollte einfach nur feiern, als sie in den Tunnel der Duisburger Loveparade geriet. Sieben Jahre später ist sie immer noch unfähig, ein normales Leben zu führen und weiß nicht wohin mit ihrer Trauer und Zerstörungswut. Auch ihr Vater Thomas und ihre Stiefmutter Kati sind überfordert und mit ihren Kräften am Ende. Als Antonia eines Nachts die Gedenkstätte für die Opfer zerstört, lernt sie Sascha Reinhardt kennen. Das Leben des Taxifahrers zerbrach ebenfalls vor sieben Jahren.