hier der #Philosoph, der sich für den #Nationalsozialismus engagierte, dort der #Dichter, dessen Eltern im #Holocaust umkamen. Der Essay macht sich auf die Suche in den #Archiven, er schaut in die #Bibliotheken von #Celan und #Heidegger, die sich im Deutschen #Literaturarchiv in #Marbach befinden, 👇

ICH WEISS

Und du, auch du –:
verpuppt.
Wie alles Nachtgewiegte.

Dies Flattern, Flügeln rings:
ich hörs – ich seh es nicht!

Und du,
wie alles Tagenthobene:
verpuppt.

Und Augen, die dich suchen.
Und mein Aug darunter.

Ein Blick:
ein Faden mehr, der dich umspinnt.

Dies späte, späte Licht.
Ich weiß: die Fäden glänzen.

Aus: #Von_Schwelle_zu_Schwelle (1955)

#PaulCelan #Celan #Lyrik #poetry

MERKBLÄTTER-SCHMERZ,
beschneit, überschneit:

in der Kalenderlücke
wiegt ihn, wiegt ihn
das neugeborene
Nichts.

Aus: #Lichtzwang (1970)

#PaulCelan #Celan #Lyrik #poetry

STILLE, Fergenvettel, fahr mich durch die Schnellen.
Wimpernfeuer, leucht voraus.

Aus: #Fadensonnen (1968)

#PaulCelan #Celan #Lyrik #poetry

AUSGEROLLT dieser Tag:
der vieltausendjährige Teig
für den späteren
Hunnenfladen,

ein ebensoalter
Kiefer, leicht verschlammt,
gedenkt aller Frühzeit
und bleckt gegen sie und sich selber,

Huf-
schläge des Vorgetiers zum
Hefen-Arioso:
es geht, fladenschön-singbares Wachstum,
immer noch aufwärts,

ein schatten-
loser Geist, ent-
einsamt, ein
unsterblicher,
bibbert
selig.

Aus: #Fadensonnen (1968)

#PaulCelan #Celan #Lyrik #poetry

DIE SPUR EINES BISSES im Nirgends.

Auch sie
mußt du bekämpfen,
von hier aus.

Aus: #Fadensonnen (1968)

#PaulCelan #Celan #Lyrik #poetry

ZWANZIG FÜR IMMER
verflüchtigte Schlüsselburg-Blumen
in deiner schwimmenden linken
Faust.

In die Fisch-
schuppe geätzt:
die Linien der Hand,
der sie entwuchsen.

Himmels– und Erd-
säure flössen zusammen.
Die Zeit-
rechnung ging auf, ohne Rest. Es kreuzen
– dir, schnelle Schwermut, zulieb –
Schuppe und Faust.

Aus: #Atemwende (1967)

#PaulCelan #Celan #Lyrik #poetry

BEILSCHWÄRME
über uns,

Gespräche
mit Tüllenäxten im Tiefland –

Inselflur du,
mit der dich
übernebelnden
Hoffnung.

Aus: #Lichtzwang (1970)

#PaulCelan #Celan #Lyrik #poetry

UNGESPALTEN die Rede. Ein Rauchstein,
auf keinen beziehbar.
Ein Hemd.

Hären die Wildgesänge,
ertastet
von deiner unentwegten
Liebkosung.

Aus: #Späte_Gedichtsammlung

#PaulCelan #Celan #Lyrik #poetry

ENTSCHLACKT, entschlackt.

Wenn wir jetzt Messer wären,
blankgezogen wie damals
im Laubengang zu Paris, eine Augenglut lang,

der arktische Stier
käme gesprungen
und bekrönte mit uns seine Hörner
und stieße zu, stieße zu.

Aus: #Fadensonnen (1968)

#PaulCelan #Celan #Lyrik #poetry