ZU ZWEIEN

Zu zweien schwimmen die Toten,
zu zweien, umflossen von Wein.
Im Wein, den sie über dich gossen,
schwimmen die Toten zu zwein.

Sie flochten ihr Haar sich zu Matten,
sie wohnen einander bei.
Du wirf deinen Würfel noch einmal
und tauch in ein Auge der Zwei.

Aus: #Von_Schwelle_zu_Schwelle (1955)

#PaulCelan #Celan #Lyrik #poetry

Tomorrow we celebrate a bitter #Norouz! A couple of lines by Paul #Celan: DER TOD Für Ivan Goll |...| Der Tod ist eine Blume, die blüht ein einzig Mal. Doch so er blüht, blüht nichts als er. Er blüht, sobald er will, er blüht nicht in der Zeit. I often wonder how he would write today! #Iran

SCHWARZERDE, schwarze
Erde du, Stunden-
mutter
Verzweiflung:

Ein aus der Hand und ihrer
Wunde dir Zu-
geborenes schließt
deine Kelche.

Aus: #Die_Niemandsrose (1963)

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UND WIE DIE GEWALT
entwaltet, um
zu wirken:

gegenbilderts im
Hier, es entwortet im Für,

Myschkin
küßt dem Baal-Schem
den Saum seiner Mantel-
Andacht,

ein Fernrohr
rezipiert
eine Lupe.

Aus: #Die_Gedichte_aus_dem_Nachlaß (1997)

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LEGENDE

Nach dem rostigen Rätsel der Erde
komm Bruder forsch mit mir mit hellem Spatenstich.
Ich fand nichts. Du findest nichts.
Doch die Erde splittert dabei.

Wenn es dunkelt, nehm ich dich mit mir auf meinen Hof.
Du fragst, wer dort sei?
Es ist meine Schwester, es ist meine Liebste.
Oft dunkelt es, wenn ich noch nicht daheim bin ...

Löse ich, lösest du
das rostige Rätsel der Erde
mit blutigem Spatenstich?

Aus: #Das_Frühwerk (1989)

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SCHLAFLOSIGKEIT

Über die Stoppelfelder der Nacht
weh ich eigensinnig hin in dein Bereich.

Der von den Türmen rief, ist umgebracht.
Mir leuchtet Gram und vor dir bin ich gleich.

Es ist schon Dickicht, wo ich Schwüle stifte.
Hat keiner Macht, den Herzschlag zu verringern?
Ich weiß die Sprüche und du weißt die Gifte.
Der Kelch für beide grünt in meinen Fingern.

Aus: #Das_Frühwerk (1989)

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ODER ES KOMMT
der türkische Flieder gegangen
und erfragt sich
mehr als nur Duft.

Aus: #Die_Gedichte_aus_dem_Nachlaß (1997)

#PaulCelan #Celan #Lyrik #poetry

»LAUTLOSE, LIEBLICHE, LEICHTE:
den knospenden Fernen beichte.«

»Ich habe verschüttet die Nacht aus dem Krug.«
»Es war nicht Nacht darin genug.«

»Ich habe die purpurnen Gräser geknickt.«
»Es hat ja das Männlein im Monde genickt.«

»Ich habe die glimmenden Glocken gequält.«
»So hat es der einsame Glöckner gewählt.«

»Ich ließ zwei sinkende Hände versprühn.«
»Es werden die klimmenden Fäuste blühn.«

Aus: #Das_Frühwerk (1989)

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DEIN MÄHNEN-ECHO
– ihm wusch ich den Stein aus –,
mit Rauhreif beschlagen,
mit entsiegelter
Stirn beleu-
mundet
von mir.

Aus: #Schneepart (1971)

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HOHLES LEBENSGEHÖFT. Im Windfang
die leer-
geblasene Lunge
blüht. Eine Handvoll
Schlafkorn
weht aus dem wahr-
gestammelten Mund
hinaus zu den Schnee-
gesprächen.

Aus: #Atemwende (1967)

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