WIRK NICHT VORAUS,
sende nicht aus,
steh
herein:

durchgründet vom Nichts,
ledig allen
Gebets,
feinfügig, nach
der Vor-Schrift,
unüberholbar,

nehm ich dich auf,
statt aller
Ruhe.

Aus: #Lichtzwang (1970)

#PaulCelan #Celan #Lyrik #poetry

FLÜGELNACHT

Flügelnacht, weither gekommen und nun
für immer gespannt
über Kreide und Kalk.
Kiesel, abgrundhin rollend.
Schnee. Und mehr noch des Weißen.

Unsichtbar,
was braun schien,
gedankenfarben und wild
überwuchert von Worten.

Kalk ist und Kreide.
Und Kiesel.
Schnee. Und mehr noch des Weißen.

Du, du selbst:
in das fremde
Auge gebettet, das dies
überblickt.

Aus: #Von_Schwelle_zu_Schwelle (1955)

#PaulCelan #Celan #Lyrik #poetry

IM LEEREN
wo sich die Kuttel rankt
mit der Bregen-
Blüte,
warf ich mich Steinen zu,
die fingen mich auf
und bekrönten ein Rund
mit dem, was ich wurde.

Aus: #Lichtzwang (1970)

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BEILSCHWÄRME
über uns,

Gespräche
mit Tüllenäxten im Tiefland –

Inselflur du,
mit der dich
übernebelnden
Hoffnung.

Aus: #Lichtzwang (1970)

#PaulCelan #Celan #Lyrik #poetry

AUCH MICH, den wie du Geborenen, hält keine Hand,
und keine wirft mir ein Glück in die Stunde, nicht anders als dir,
dem wie ich in Stierblut Getauchten,

doch stehen die Zahlen bereit, der Träne zu leuchten,
die in die Welt schnellt
aus unserm Nabel,

doch geht in die große Silbenschrift ein,
was uns nah kam, einzeln,

und die Mandelhode
gewittert
und blüht.

Aus: #Lichtzwang (1970)

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DER UNS DIE STUNDEN ZÄHLTE

Der uns die Stunden zählte,
er zählt weiter.
Was mag er zählen, sag?
Er zählt und zählt.

Nicht kühler wirds,
nicht nächtiger,
nicht feuchter.

Nur was uns lauschen half:
es lauscht nun
für sich allein.

Aus: #Von_Schwelle_zu_Schwelle (1955)

#PaulCelan #Celan #Lyrik #poetry

Paul Celan | Canción a una dama en la sombra
[de «Amapola y memoria» 1952]
"Cuando la Taciturna llegue y decapite los tulipanes,
¿Quién saldrá ganando?
¿Quién saldrá perdiendo?
¿Quién se asomará a la ventana?
¿Quién pronunciará primero su nombre?"[...]
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Post by @locagonia
#PaulCelan #locagonia #EscritoresMalditos

TULPEN

Tulpen, ein leuchtend Gestirn
von Schwermut und süßer Gewalt,
ließ ich, dein Herz zu entwirrn:
findet dein Leben sie bald?

Was in den Kelchen geheim
ein Staubblatt mit Schimmer befiel,
schwört den unsäglichen Reim
für deinen wehen Gespiel.

Sind es die Tulpen heut, sieh,
die herrschen im Dämmergemach:
hegst du ein Dunkel noch, wie
einst, als ich Rotdorn dir brach?

Aus: #Das_Frühwerk (1989)

#PaulCelan #Celan #Lyrik #poetry

ABENDS, in
Hamburg, ein
unendlicher Schuhriemen – an
ihm
kauen die Geister –
bindet zwei blutige Zehen zusammen
zum Wegschwur.

Aus: #Atemwende (1967)

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ZU ZWEIEN

Zu zweien schwimmen die Toten,
zu zweien, umflossen von Wein.
Im Wein, den sie über dich gossen,
schwimmen die Toten zu zwein.

Sie flochten ihr Haar sich zu Matten,
sie wohnen einander bei.
Du wirf deinen Würfel noch einmal
und tauch in ein Auge der Zwei.

Aus: #Von_Schwelle_zu_Schwelle (1955)

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