ABENDS, in
Hamburg, ein
unendlicher Schuhriemen – an
ihm
kauen die Geister –
bindet zwei blutige Zehen zusammen
zum Wegschwur.
Aus: #Atemwende (1967)
ABENDS, in
Hamburg, ein
unendlicher Schuhriemen – an
ihm
kauen die Geister –
bindet zwei blutige Zehen zusammen
zum Wegschwur.
Aus: #Atemwende (1967)
HOHLES LEBENSGEHÖFT. Im Windfang
die leer-
geblasene Lunge
blüht. Eine Handvoll
Schlafkorn
weht aus dem wahr-
gestammelten Mund
hinaus zu den Schnee-
gesprächen.
Aus: #Atemwende (1967)
DU, DAS mit dem hell-
sehenden Hochschlaf von
der Lippe genommene Haar:
durchs Goldöhr der
zurechtgesungenen Aschen-
nadel gefädelt.
Du, der mit dem Einen
Licht aus dem Hals
gerissene Knoten:
durchstoßen von Nadel und Haar,
unterwegs, unterwegs.
Eure Umschwünge, immerzu, um
die sieben-
fingrige Kußhand hinterm
Glück.
Aus: #Atemwende (1967)
IN DIE RILLEN
der Himmelsmünze im Türspalt
preßt du das Wort,
dem ich entrollte,
als ich mit bebenden Fäusten
das Dach über uns
abtrug, Schiefer um Schiefer,
Silbe um Silbe, dem Kupfer-
schimmer der Bettel-
schale dort oben
zulieb.
Aus: #Atemwende (1967)
VOR DEIN SPÄTES GESICHT,
allein-
gängerisch zwischen
auch mich verwandelnden Nächten,
kam etwas zu stehn,
das schon einmal bei uns war, un-
berührt von Gedanken.
Aus: #Atemwende (1967)
DAS GESCHRIEBENE höhlt sich, das
Gesprochene, meergrün,
brennt in den Buchten,
in den
verflüssigten Namen
schnellen die Tümmler,
im geewigten Nirgends, hier,
im Gedächtnis der über-
lauten Glocken in – wo nur?,
wer
in diesem
Schattengeviert
schnaubt, wer
unter ihm
schimmert auf, schimmert auf, schimmert auf?
Aus: #Atemwende (1967)
WEISSGRAU aus-
geschachteten steilen
Gefühls.
Landeinwärts, hierher-
verwehter Strandhafer bläst
Sandmuster über
den Rauch von Brunnengesängen.
Ein Ohr, abgetrennt, lauscht.
Ein Aug, in Streifen geschnitten,
wird all dem gerecht.
Aus: #Atemwende (1967)
FLUTENDER, groß-
zelliger Schlafbau.
Jede
Zwischenwand von
Graugeschwadern befahren.
Es scheren die Buchstaben aus,
die letzten
traumdichten Kähne –
jeder mit einem
Teil des noch
zu versenkenden Zeichens
im
geierkralligen Schlepptau.
Aus: #Atemwende (1967)
HAMMERKÖPFIGES, im
Zeltgang,
neben uns her, der doppelten,
langsam strömenden Rotspur.
Silbriges:
Hufsprüche, Schlaflied-
gewieher – Traum-
hürde und –wehr –: niemand
soll weiter, nichts.
Dich unter mir, kentaurisch
gebäumt,
münd ich in unsern hinüber-
rauschenden Schatten.
Aus: #Atemwende (1967)
KAIMAUER-RAST, rittlings,
im Schatten der
von obenher auf-
gefächerten Trümpfe –
deine
abgegriffenen
Hände, gröber als je,
greifen anderswohin.
Die schöpfende, wieder
und wieder
überschwappende, um-
zugießende Schale voll Galle.
Die leicht
herübergeneigten,
flußaufwärts gesteuerten
Wandergefäße, dicht
an deinem Knieschorf vorbei.
Quader, reit.
Grauglaube neben mir,
trink
mit.
Aus: #Atemwende (1967)