Weihnachten 2025 von FlugundZeit

Flugundzeit wünscht allen LeserInnen ein wunderschönes Fest und eine geruhsame Zeit. Wir danken allen, die an den Feiertagen (auch) (wie jedes Jahr) arbeiten, damit andere mit ihren Lieben unbesorgt feiern können.

Vielen Dank für deine Unterstützung, die Begeisterung und die Teilnahme im vergangenen Jahr.

FlugundZeit freut sich darauf, auch 2026 wieder Ideen mit euch auszutauschen, zusammenzuarbeiten und gemeinsam etwas zu bewirken.

Bis demnächst,

🌴🎄


FlugundZeit

Intro-Bild ©Flugundzeit

Weihnachtsempfehlungen 2025

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#2025 #BuchBücher #HelgaKleisny #Weihnachten

Besinnlich war gestern

„Stille Nacht, eilige Nacht“ legt schon auf den ersten Seiten den Schalter um. Weihnachten gilt als Inbegriff der Entschleunigung, doch dieses Buch zieht das Gegenteil konsequent durch. Kaum erklingt das vertraute „Stille Nacht“, wird gemessen, gerechnet und hinterfragt. Wie still war es wirklich? Wie eilig musste es zugegangen sein, damit Hirten, Engel und Heilige Familie rechtzeitig am richtigen Ort auftauchten? Die vermeintliche Besinnlichkeit bekommt hier sofort Gegenwind.

Weihnachten unter dem Brennglas

Metin Tolan betrachtet das Fest nicht poetisch, sondern physikalisch. Geräusche haben Lautstärken, Wege haben Längen, Wunder brauchen Zeit und Energie. Genau da setzt das Buch an. Es nimmt vertraute Bilder auseinander. Der Engelschor wird zum akustischen Großereignis, der Stern von Bethlehem zu einer Frage der Astronomie, und die nächtliche Reise zur logistischen Herausforderung.

Zahlen mit Punchline

Was trocken klingen könnte, liest sich erstaunlich leicht. Zahlenbeispiele werden wie Pointen eingesetzt. Tolan rechnet etwas vor – und plötzlich wirkt eine jahrtausendealte Szene unerwartet modern. Die Physik erklärt nicht alles, aber sie bringt Bewegung ins Denken. Das Buch nimmt seine Berechnungen ernst, aber sich selbst nie zu wichtig.

Keine der bekannten Spezies der Gattung Rentier kann fliegen. Aber es gibt wahrscheinlich noch Millionen Spezies, die nicht klassifiziert sind…

Spätestens wenn klassische Physik an ihre Grenzen stößt, wird es richtig spannend. Das Buch streift auch die Quantenwelt, dort, wo Gewissheiten unscharf werden. Zufall, Wahrscheinlichkeit und Beobachtereffekte passen überraschend gut zu einer Geschichte, die von unerklärlichen Ereignissen lebt. So wird etwa der Stern von Bethlehem zum physikalisches Rätsel. In der Quantenphysik ist nichts eindeutig, alles schwingt zwischen Möglichkeiten – ein Denkraum, der erstaunlich gut zur Weihnachtsgeschichte passt, ohne sie zu entzaubern.

Popkultur trifft Krippe

Zwischen Bibeltexten, Alltagsbeobachtungen und popkulturellen Verweisen entsteht ein Tempo, das dem Titel gerecht wird. Der Weihnachtsmann wird ebenso nüchtern durchkalkuliert wie Engel auf Dienstreise. Mythen dürfen bleiben, müssen sich aber kurz an die Naturgesetze halten. Das Ergebnis ist kein Spott, sondern ein spielerisches Kräftemessen zwischen Glauben, Gewohnheit und Physik.

Eine normale Autobahnausfahrt hat eine Kurvenradius von circa 150 Metern. Wenn der Weihnachtsmann eine solche Ausfahrt mit seiner Geschwindigkeit* von 711 Kilometern in der Sekunde Durchflüge, dann würde eine Fliehkraft von fast 340 Millionen g (340 mal die normale Erdbeschleunigung) auf ihn einwirken.

[*Auch diese Geschwindigkeit hat Tolan natürlich zuvor anschaulich und verständlich hergeleitet…. 🙂 ]

Die nur verbal gerechneten Bespiele kommen mit Tempo und Witz. Zahlen werden zu dramaturgischen Werkzeugen. Eine praktische Abschätzung hier, eine Hochrechnung dort – und plötzlich bekommt eine vertraute Szene eine neue Dimension.

Zwischen Bibelzitaten, physikalischen Gesetzen und heutigen Alltagsvergleichen entsteht ein schneller Rhythmus. Engel, Hirten und Weihnachtsmann bewegen sich durch dieselbe Welt wie Flugzeuge, Satelliten und Paketdienste.

Der Humor entsteht aus der Ernsthaftigkeit der Berechnung. Gerade weil alles sauber durchdacht ist, wirken die Ergebnisse so komisch.

Wenn Engel pünktlich sein müssen

„Stille Nacht, eilige Nacht“ liest sich wie ein gedanklicher Sprint durch die Weihnachtsgeschichte. Es ist neugierig, respektlos im besten Sinne und überraschend lehrreich. Man lacht, rechnet innerlich mit und schaut danach etwas anders auf Kerzen, Krippen und Choräle. Nicht still, aber sehr wach.

Der Mann mit Humor

Metin Tolan ist Physiker und Hochschullehrer, bekannt dafür, Naturgesetze auf ungewöhnliche Themen anzuwenden. Er erklärt komplexe Sachverhalte mit Alltagsbeispielen, Popkultur und Humor, ohne sie zu vereinfachen.

In seinen Büchern und Vorträgen verbindet er wissenschaftliche Präzision mit erzählerischem Tempo. „Stille Nacht, eilige Nacht“ passt genau hier rein: ernsthaft gerechnet, leicht erzählt, neugierig gedacht.

Für wen ist das Büchlein

  • Kein aber fein, passt es in die Jackentasche. Und kann jederzeit beim Warten herausgeholt werden – statt dem iPhone und man schmunzelt sich durch die Warteschlange.
  • Perfektes kleines Mitbringsel für alle, die Humor haben oder ihn haben sollten.
  • Für alle, die Weihnachten nicht tierisch ernst nehmen
  • Für alle Physiker und generell naturwissenschaftlich Interessierten. Also auch für Piloten. 😉

Weihnachtsempfehlungen 2025

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#2025 #BuchBücher #Buchbesprechung #HelgaKleisny #Weihnachten

Stolperfallen des Denkens

Überraschungen tauchen oft genau dort auf, wo die Intuition versagt. Unerwartete Ereignisse wirken dann spektakulär, obwohl sie sich mit einfachen statistischen Überlegungen erklären lassen.

Der Zufall spielt, wir interpretieren.

Viele Situationen, die spontan ungewöhnlich erscheinen, erweisen sich bei genauer Betrachtung als typische Ergebnisse zufälliger Abläufe.

Das alles habe ich in einem mitreißenden Vortrag von Kit Yates, Mathematiker und Dozent an der University of Bath, auf einer Veranstaltung im Herbst in Liverpool bereits erfahren. Wir hatten sein erstes Buch: „Warum Mathematik fast alles ist“ bereits 2021 auf FlugundZeit beschrieben. Yates live zu erleben ist nochmal eine andere Dimension.

Aber es gibt für alle die Chance, klug oder klüger zu werden mit seinem jüngsten Buch: How to Expect the Unexpected werden.

Ein Blick aufs Unwahrscheinliche

Wie lässt sich Zukunft vorhersehen, wenn Unsicherheit der Normalfall ist? Das Buch führt in die Logik des Zufalls ein und zeigt, wie schwer es fällt, komplexe Entwicklungen mit simplen Erwartungen zu erfassen.

Yates verbindet in seinem Werk Überlegungen aus Wahrscheinlichkeitstheorie, kognitiver Psychologie mit realen Beispielen, um den LeserInnen ein Gefühl dafür zu geben, wo Intuition versagt und wann rationale, mathematische Einsichten hilfreich sein können.

Tipp
Zahlreiche Beispiele mit Fotos gibt es im Vortragsbericht von Flugundzeit. Denn Abbildungen im Buch sind leider eher spärlich vorhanden.

Viele im Buch beschriebenen Beispiele stammen aus Alltagsmomenten, die vertraut wirken: das überraschende Zusammentreffen zweier Menschen mit demselben Geburtstag; ein Fußballteam, das erst glänzt und kurz darauf einbricht; ein Börsenkurs, der scheinbar eine klare Richtung hat und plötzlich ins Gegenteil umschlägt. Solche Episoden bilden den Ausgangspunkt für eine Betrachtung, wie leicht sich spontane Eindrücke durch Zufall und Datenstrukturen täuschen lassen.

Wenn seltene Ereignisse plötzlich häufig werden

Ein zentrales Motiv ist die Frage, warum manche Zufälle viel unwahrscheinlicher erscheinen, als sie sind. Der klassische Geburtstagsfall zeigt das besonders deutlich: Schon in einer Gruppe von 23 Personen liegt die Wahrscheinlichkeit für ein gemeinsam geteiltes Datum knapp über fünfzig Prozent – eine Zahl, die viele intuitiv weit niedriger einschätzen würden. Durch solche Beispiele wird sichtbar, wie stark Erfahrungen von gefühlten Grenzwerten geprägt sind und wie wenig das Bauchgefühl mit realen Verteilungen zu tun hat.

Das Spiel mit kurzfristigen Trends

Das Buch greift Szenen aus Sport und Finanzwelt auf, um den Blick auf zufällige Schwankungen zu schärfen. Ein Basketballspieler, der mehrere Körbe am Stück erzielt, wirkt sofort wie jemand in überragender Form. Statistisch zeigt sich jedoch oft, dass solche Serien vor allem aus normalen Streubereichen entstehen.

Ähnliches gilt für Aktienkurse: Ein Chart, der an drei Tagen steigt, wirkt wie ein klarer Trend, obwohl viele solcher Bewegungen in breiten Schwankungszonen völlig gewöhnlich sind. Die Beispiele zielen darauf, den Abstand zwischen Interpretation und Datengrundlage sichtbar zu machen.

Kleine Stichprobe, große Wirkung

Besonders prägnant sind Passagen, in denen kleine Stichproben zu falschen Schlüssen führen. Ein bekanntes reales Beispiel sind vermeintlich auffällige Krankheitscluster in kleinen Ortschaften. Für Bewohner wirken solche Häufungen alarmierend; statistisch betrachtet treten extreme Werte in kleinen Populationen jedoch wesentlich häufiger auf als in großen. Dies zeigt, wie stark Wahrnehmung und statistische Struktur auseinanderliegen können.

Wenn Zahlen ihre Bedeutung wechseln

Ein weiteres Thema betrifft die Wirkung unterschiedlicher Zahlenformate. Ein Risikoanstieg um „20 Prozent“ wirkt sofort bedrohlich. Sobald die gleiche Information in absoluten Zahlen erscheint – etwa ein Anstieg von fünf auf sechs Fälle –, verändert sich das Bild deutlich.

Solche Verschiebungen zeigen, wie sehr Entscheidungen und Einschätzungen davon abhängen, wie Daten präsentiert werden. Das Buch nutzt mehrere medizinische und alltagsnahe Beispiele, um diese Verzerrungen nachvollziehbar zu machen.

Es ist ein zentrales Anliegen vin Kit Yates, den vertrauten, aber trügerischen Mechanismen unserer Intuition nachzugehen. Viele alltägliche Vorhersagen — etwa das Wetter, Sportergebnisse oder wirtschaftliche Trends — beruhen auf linearen Annahmen oder „Bauchgefühlen“, obwohl die zugrundeliegenden Systeme nicht-linear, komplex und oft chaotisch sind.

Dieser lineare Denkfehler, also die Annahme, dass sich Entwicklungen einfach fortsetzen, wird als eine der grundlegenden kognitiven Beschränkungen beschrieben, die zu falschen Erwartungen führt.

Muster, die keine sind

Besonders frappierend ist, wie stark Menschen dazu neigen, in zufälligen Ereignissen Ordnung zu vermuten. Beispiele beschreiben, wie leicht Menschen Muster erkennen, wo keine sind, und wie unser Gehirn dazu neigt, Zufälligkeiten als kausale Zusammenhänge zu interpretieren.

Auch an den aufgeführten historischen Irrtümern, Aberglauben und modernen Vorhersageversuchen kann man sehen, wie schnell Vorhersagen scheitern, wenn sie nicht auf objektiven, mathematischen Grundlagen beruhen.

Yates zeigt in vielen unerwarteten Beispielen, wie leicht sich Korrelationen mit Kausalitäten verwechseln lassen.

Korrelation: gleiche Änderungen, aber unzusammenhängend.

Beispiel: Im Sommer sterben mehr Menschen beim schwimmen. Mehr Menschen essen Eis im Sommer.
Schlussfolgerung: Man ertrinkt leichter, wenn man Eis isst.
Zwei unabhängige Ereignisse, die fälschlicherweise verknüpft werden.

Kausalität: Ursache-Wirkung.

Künstler malt Bild. Bild ist daraufhin vorhanden.
Hier könnte man einen Pfeil zur Illustration von Ereignis 1 zu Ereignis 2 machen.

Mathematik als Orientierung

Die Stärke des Buches liegt in der Vermittlung mathematischer Einsichten, die ohne Fachvokabular auskommen. Sie erscheinen hier nicht als Spezialwissen, sondern als nützliche Perspektiven auf die Welt. Es schärft den Blick für diese Denkfehler ohne moralische Belehrung. Man staunt über die Beharrlichkeit, mit der der menschliche Geist Vorhersagbarkeit herbeiwünscht.

Gerade in Zeiten, in denen komplexe globale Ereignisse und datengetriebene Entscheidungsprozesse unseren Alltag prägen, liefert dieses Buch Anstöße, Vorhersagen nicht unreflektiert zu übernehmen.

Vermittlung und Stil

Trotz der Vielzahl mathematischer Bezüge bleibt die Sprache leicht. Die Kapitel verbinden statistische Ideen mit kurzen Geschichten, die den Einstieg erleichtern. Manche Abschnitte bieten eher eine Sammlung anschaulicher Episoden als eine streng analytische Vertiefung.

Die zahlreichen Beispiele bilden eine Art Werkzeugkasten, mit dem sich alltägliche Einschätzungen über Risiko, Zufall und Muster neu kalibrieren lassen.

Maßvolle Skepsis

Nach der Lektüre (oder auch dem Vortrag in meinem Fall) begegnet man Vorhersagen mit noch größerer Vorsicht. Man sieht, wie begrenzt selbst ausgefeilte Modelle bleiben und wie wichtig es ist, schnelle eigene Annahmen zu hinterfragen.

Konkrete Handlungsanleitungen stehen dabei weniger im Vordergrund als eine Denkhaltung, die Unsicherheit mit einbezieht.

Für wen ist das Buch geeignet

  • Erstens für alle Kit Yates Fans, die sein fundiertes, in lockerem und humorvollem Stil dargebrachtes Wissens schätzen.
  • Für Leserinnen und Leser, die sich für die kognitiven und mathematischen Grundlagen von Prognosen interessieren und verstehen wollen, warum unser Blick auf Zukunft und Risiko so oft trügerisch ist.
  • Für Leserinnen und Leser, die häufiger über Wahrscheinlichkeiten stolpern, ohne sich in Fachsprache verlieren zu wollen. Viele Aha-Momente beim Lesen entstehen aus der Erkenntnis, dass ein intuitiv „unwahrscheinlicher“ Zufall oft nur das Ergebnis normaler Verteilungen ist.
  • Für alle, die sich die Hilfen für Einschätzung, was wahr und was Wunschvorstellung ist, aneignen wollen.

Weihnachtsempfehlungen 2025

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#2025 #BuchBücher #Buchbesprechung #HelgaKleisny #KitYates #Statistik #Wahrscheinlich #Weihnachten

Dein unbekanntes Wesen

Giulia Enders ist erwachsen geworden. Blödsinn. Ärztin Frau Dr. Guilia Enders war das natürlich auch schon mit 23 Jahren, als sie als Studentin ihren Bestseller „Darm mit Charme“ schrieb.

Aber der locker flockige, unbekümmerte Schreibstil in ihrem so ungewöhnlichen ersten Buch – ungewöhnlich bezieht sich auf Inhalt, Schreibstil und die perfekt treffenden Karikaturen ihrer Schwester Jill – ist beim zweiten Buch seriöser, eleganter, geschliffener geworden. Das ist nicht schlecht, nur ist sie in dieser Klasse eine von vielen, die Wissenschaft humorvoll an den Leser bringen.

Auch wenn der Stil und Inhalt noch immer erstklassig sind, ist es ein zwar lesenswertes, informatives Buch, aber es sticht nicht mehr so aus der Masse der Veröffentlichungen heraus wie der charmante Darm.
(Mein) Meckern auf hohem Niveau.

Das gilt leider auch für Jill Enders. Auch ihre Illustrationen sind nun farbige, edle Bilder, Gemälde, aber nicht mehr die abartig schrägen, einzigartigen, auf den Punkt gebrachten Karikaturen im Darm mit Charme.

Der zweite Band, der Folge-Film, die Sequel muss sich immer am ersten (Bestseller) messen lassen und manchmal führt das zu einer Verschlimmbesserung.

Again: Das Buch ist klasse, unbedingt lesenswert. Sonst wäre es auch nicht in die Weihnachtsempfehlungen aufgenommen worden.

Aber es ist ein wertvoller Edelstein, wenn man das erste Buch als funkelnden Diamant sieht.

Doch nun endlich zum Inhalt.

Der Aufbau des Buches

Die großen Kapitel sind einzelnen Organsystemen gewidmet – Lunge, Immunsystem, Haut, Muskeln und Gehirn.

In Organisch geht es um unseren Körper. Und zwar nicht als Objekt der Verbesserung, sondern als funktionierendes Gefüge. Die einzelnen Organe erscheinen nicht isoliert, sondern in dauernder Beziehung zueinander. Atmung, Abwehr, Bewegung und Wahrnehmung greifen ineinander, reagieren auf Umwelt, Belastung und Ruhe. Der Körper arbeitet nicht nach festen Regeln, sondern situationsabhängig – flexibel, lernfähig, manchmal widersprüchlich. Und das (be)schreibt Enders vergnüglich und verständlich.

Die Lunge: Das Grundbedürfnis Atmen

Die einzelnen Kapitel zur Lunge zeigen diesen Ansatz besonders deutlich: Sauerstoff wird zum hochreaktiven Stoff, der außerhalb des Körpers Dinge altern lässt, rosten oder braun werden. Im Blut hingegen ist er kontrolliert gebunden, präzise dosiert, eingebettet in komplexe Abläufe. Wie viel Koordination etwa notwendig ist, damit etwas so Selbstverständliches wie Atmen funktioniert, erklärt Enders als Vergleich zwischen Alltagsphänomenen plus ein wenig verständlicher Chemie.

Das Immunsystem: Sicherheit

Auch das Immunsystem erscheint nicht als militärische Abwehr, sondern als ein System permanenter Entscheidungen. Zellen reagieren, tolerieren, merken sich Begegnungen. Nicht jeder Reiz führt zum Angriff, nicht jede Abweichung gilt als Bedrohung. Diese Darstellung verschiebt den Blick: Krankheit entsteht weniger aus Versagen als aus Überforderung oder Fehlkommunikation innerhalb des Systems.

Haut und Muskeln: Beziehungen und Kraft und Wirken

Die Haut tritt als Organ in Erscheinung, das Umwelt nicht nur abwehrt, sondern speichert. Temperatur, Berührung und Stress hinterlassen Spuren. Muskeln wiederum sind mehr als Bewegungseinheiten. Sie reagieren auf emotionale Zustände, auf Daueranspannung, auf mangelnde Erholung. Muskeltonus ist bei Enders keine Trainingsfrage, sondern Ausdruck eines Lebensrhythmus.

Das Gehirn: Denken und Sein

Im letzten Teil rückt das Gehirn nicht als übergeordnete Steuerinstanz ins Zentrum, sondern als Knotenpunkt. Es verarbeitet Rückmeldungen, gleicht aus, priorisiert. Entscheidungen entstehen aus Körperzuständen ebenso wie aus bewussten Gedanken. Damit relativiert das Buch die Vorstellung, Kontrolle liege allein im Kopf.

Was ist Gesundheit?

Organisch verzichtet auf Rezepte, Programme oder Leistungsversprechen um den Körper zu optimieren. Gesundheit erscheint nicht als erreichbarer Idealzustand, sondern als fortlaufender Prozess.

Der Körper muss nicht optimiert werden, um ernst genommen zu werden. Er arbeitet bereits – komplex, zuverlässig und meist unbeachtet.

Für wen ist das Buch

  • Für alle Guilia Enders Fans. Und das sind eine Menge.
  • Für alle, die ein etwas anderes Bild von ihrem Körper bekommen möchten, als das, das gängige Optimierungs-Artikel vermitteln.
  • Ein Geschenk für jemandem, dem man mit (Enders) Humor mitteilen möchte, dass er/sie sich ein wenig mehr um sein Kunstwerk Körper kümmern sollte, weil… ach ja genau darum geht es in Organisch 🙂

©Buchcover: Jill Enders und Ullstein Verlag.

Weihnachtsempfehlungen 2025

#2025 #BuchBücher #Buchbesprechung #GuiliaEnders #HelgaKleisny #Körper #organisch #Weihnachten

5x Kiddies ins All

Samantha Cristoforetti ist uns als ESA-Astronautin bekannt. Die ehemalige Kampfpilotin der italienischen Luftwaffe ist die erste Frau aus Italien im Weltraum und die erste europäische Frau, die einen Außenbordeinsatz absolvierte.

Nun hat sie sich um den raumfahrerischen Nachwuchs gekümmert und mit Emma Roberts ein richtig tolles Kinderbuch geschrieben. Nein, das ist nicht korrekt; gezeichnet, illustriert und bebildert von Anita Mangan, muss man ergänzen.

Kindgerecht, sehr charmant und humorvoll, erklärt Cristoforetti an ihrem Alter ego Cassie Futura, wie das Leben auf der ISS abläuft, wie man sich darauf vorbereitet, welche Herausforderungen auf die Astronauten warten und wie man sie meistert.

Wie sooft bei intelligenten Kinderbüchern – ich habe auch schon erwachsene Ingenieure erlebt, die keine Vorstellung davon hatten, wie ein realer Raumanzug für Außenbordeinsätze aussieht – kann man durchaus auch als in der Materie nicht bewanderter Erwachsener beim Vorlesen noch etwas dazulernen. So nebenbei… 🙂

Alle Zeichnungen und Illustrationen sind leider nur in schwarz weiß mit Grautönen. Ich bin sicher, das bedauert nicht nur ich, sondern auch die Grafikerin. 😉

Die „irrwitzige Reise in den Weltraum – voller Abenteuer, Sachwissen und jeder Menge Spaß“ [Verlag] ist für Mädchen und Jungen ab 8 Jahren gedacht.

Cassie Futura ist von der europäischen Raumfahrtagentur ESA gefördert, und alle Erlöse für die ESA und die Autorin gehen als Spende an UNICEF. Man hat also mit dem Kauf des Buches noch weiteres Gutes getan.

Viele heutige Raumfahrer, Entdecker und Erfinder sagen, dass sie durch Science Fiction (also durch andere Menschen, die sich die Zukunft vorstellen) bereits in ihrer Kindheit oder Jugend inspiriert wurden.

Dieses Buch bietet die Gelegenheit für die nächste Generation dazu. Es führt in eine farbige, bunte, (aus heutiger Sicht vielleicht manchmal) verrückte künftige Welt.

In 18 spannenden Geschichten zeigt das Buch einen Blick in die Zukunft der Erde und der Menschen, von grünen Zukunftstechnologien bis zum Leben auf dem Mond oder dem Mars. Zu jeder Zukunftsvision gibt es erklärende Sachinformationen. Die farbfrohen Illustrationen im spacigen Look geben einen lebendigen Eindruck davon, wie unsere Welt einmal aussehen könnte.

Komm mit in die Zukunft inspiriert, regt zum Weiterdenken an – unabhängig vom Alter des/der Lesenden 🙂 , gedacht ist das Buch laut Verlag für Leser ab 7 Jahren.

Elon Musk will zum Mars. So mancher kleine Entdecker und künftige Astronaut ebenfalls. Was ihn oder sie auf der Reise dahin und später auf dem roten Planeten erwartet, kann er/sie sich hier in bunt und mit korrektem Text ansehen und lesen.

Fachlich korrekt, weil auch dieses Buch in Zusammenarbeit mit der ESA entstand.

Interaktiv, soweit das bei einem Buch geht, ist es auch noch. Je nach eigenem Wissensstand und Entscheidung springt man zur nächsten Seite. Und die muss nicht unbedingt die darauf folgende sein.

Als Crewmitglied der Mission soll der Leser dafür sorgen, dass das Raumschiff sicher den Roten Planeten erreicht.

Das Spielbuch lässt dich mit spektakulären Bildern durch den Weltraum schweben. Spannende Fakten vermitteln dir das Wissen über das All, das du brauchst, um die richtigen Entscheidungen für eure Raumfahrtmission zu treffen. Plane die Mission klug – denn jede Entscheidung bestimmt darüber, ob es weitergeht oder nicht!
[Verlag]

Ein Abenteuer-Mitmach-Buch, das kritisches Denken und lösungsorientiertes Handeln fördert. Für Kinder ab 8 Jahren.

Von Mondspaziergängen, Schwarzen Löchern, Super-Raketen, fernen Galaxien und Tieren im All berichtet dieses Buch; was es im Universum alles zu entdecken gibt und wie man selbst Sterne beobachtet.

Im altersgerechten Kindersachbuch, schön farbig illustriert, lassen sich verglühende Sterne, eisige Asteroiden, das Innere der Erde oder die Geburt einer ganzen Galaxie entdecken.

Du kannst auf dem Mond spazieren gehen, lernst Tiere kennen, die mit ins All fliegen, erfährst, wie Menschen auf dem Mars leben könnten und wie man Sternbilder am Nachthimmel findet.

Die einzigartig schönen, detailreichen Illustrationen, aktuellen Fotos, 3-D-Grafiken und einfachen Texte in diesem Weltall-Buch machen es Leseanfänger*innen leicht, unser Sonnensystem und die spannenden Phänomene und Rätsel des Weltraums zu verstehen.

Wer weiß schon, dass auf der Venus auch alle Gebirgsketten, Hochebenen und Krater weiblich benamst sind? Oder was eine Corona auf einem Planeten ist? (Seite 25). Auch dunkle Materie und Gravitationswellen finden sich im Buch. Kindgerecht für Leser ab 7 Jahren. (Wie bereits weiter oben erwähnt, auch so mancher Erwachsene könnte sich da noch etwas an Wissen abgucken… 🙂 )

Das ist jetzt ein Weltraumthema Buch für geringfügig Ältere. Für neugierige und wissensbegierige Jugendliche ab 10 Jahren schwebt dem Verlag vor.

Das Buch ist auch gewichtsmäßig schwerer und dicker als die bisher vorgestellten.

Weltall-Fotos und anschauliche Illustrationen machen mit dem Text Lust aufs Weiterforschen.

Wie diese zahlreichen Entdeckungen aus dem Universum erst möglich wurden – vom Urknall bis zur Raumfahrt wird alles Wissenswerte leicht verständlich und nachvollziehbar erklärt.

Eine Abenteuerreise in die unendlichen Weiten des Universums versprechen die beiden Autoren als Geschenkidee für Space-Fans und solche, die es noch werden wollen oder sollen.

Weihnachtsempfehlungen 2025

(wird ergänzt, sobald ein weiterer Beitrag veröffentlicht ist)

In Planung

  • Die Lügen der Statistik
  • Dein unbekanntes Wesen
  • Eilige Nacht?

#2025 #BuchBücher #Buchbesprechung #HelgaKleisny #ISS #Kinder #Mars #Mond #Raumfahrt #Space #Universum #urknall #Weihnachten #Zukunft

Der Mut und die unbeirrbare Kraft des Forschens

Dava Sobels Darstellung von Marie Curie beginnt – wie auch das Buch von Marie Curies Tochter Eve – mit der jungen Marya Skłodowska im besetzten Polen. Die Strenge ihrer Kindheit, der Verlust der Mutter, die ständige Erinnerung daran, dass Frauen keine Universitäten besuchen durften, formen eine Persönlichkeit, die sich früh daran gewöhnte, Widerstände eher zu durchdringen als ihnen auszuweichen.

Marya, Mania genannt, erkämpft sich in verbotenen „fliegenden Universitäten“ Wissen, spart jahrelang als Gouvernante Geld und fasst allmählich den Mut, den Aufbruch nach Paris zu wagen.

In Paris entfaltet sich der eigentliche Kern des Buches: wie aus der schüchternen, aber unbeirrbaren Studentin eine Forscherin wird, die zwischen Hörsälen, kalten Dachkammern und Laboren ein Doppelleben führt. Die junge Forscherin fühlt sich isoliert, die Sprache bleibt fremd, aus Geldmangel lebt sie von Tee und Brot. Zugleich beschreibt Sobel mit technischer Präzision und erzählerischer Ruhe, wie Mania, nun auf französich Marie, sich durch die Vorlesungen der Sorbonne arbeitet, wie sie beginnt, ihre eigene wissenschaftliche Stimme zu finden, und wie sie darin auf ihr Alter ego Pierre Curie trifft.

Die Beziehung zwischen Marie und Pierre ist die von zwei ungewöhnlichen Charakteren, die aufeinandertreffen und sich sofort verstehen. Ihre berufliche und private Beziehung wird eins. Sobel lässt die gemeinsame Forschungsarbeit lebendig werden: die primitiven Laborbedingungen mit Brettertischen und Gebrauchtapparaten, die schweren Säcke Pechblende, die stundenlang im Hof gerührt werden, der scharfe Geruch erhitzter Erze, die Nächte, in denen Radium zum ersten Mal im Dunkeln leuchtet. Die Entdeckung von Polonium und Radium ist kein glücklicher Zufall, sondern eine Folge schier endloser Beharrlichkeit, begleitet von körperlicher Erschöpfung und finanziellen Nöten.

Die wissenschaftliche Bedeutung der Arbeit erklärt Sobel einfach und klar. So wird sie auch ohne Fachwissen nachvollziehbar. Sie beschreibt, wie die Curies erkannten, dass die mysteriösen Strahlen aus dem Inneren bestimmter Atome stammen, unabhängig von äußeren Einflüssen. Diese Erkenntnis öffnete die Tür zu einem völlig neuen Verständnis der Materie.

Der Text beschreibt, wie sie für die Messungen eine hochempfindliche Apparatur entwickelten, die winzige elektrische Ströme nachweisen konnte und die Genauigkeit der Forschung in bisher unerreichbare Bereiche verschob. Die große wissenschaftliche Revolution entsteht im unmittelbaren Erleben.

Ab 2011 gab es eine Ausstellung „Marie Skłodowska/Madame Curie“ in Stockholm, die Originale von der Forschung der Curies zeigte: Werkzeuge, Forschungsnotizen und sogar eine minimale Probe von Radiumsalz. Sie strahlte in unwirklichem grün und das war in der gesamten (für mich) sehr beeindruckenden Ausstellung ein Highlight, das in Erinnerung bleibt. (Reines Radium ist silberweiß und glänzend.)

Sie fand im ehemaligen Nobelmuseum (heute Nobel Prize Museum) in der Altstadt von Stockholm statt, im Börshuset am Stortorget in Gamla stan. Hier gibt es immer wieder Ausstellungen zu Marie Curie. Tipp: einfach mal im Netz gucken, ob gerade was los ist.

  • Originalinstrumente aus dem Laboratorium von Marie und Pierre Curie: Elektrometer und Ionisationskammer

Alle Fotos© Helga Kleisny, aus der Ausstellung in 2012

Nobelprisen – Die Nobelpreise

Dieser Teil der Ausstellung widmete sich Curies außergewöhnlichem Platz in der Wissenschaftsgeschichte. Gezeigt wurde, wie Marie Curie als erste Frau den Nobelpreis erhielt, später als erste Person überhaupt zwei Nobelpreise in unterschiedlichen Disziplinen bekam und welche internationale Wirkung diese Auszeichnungen hatten. Hier standen auch Originaldokumente, Porträts, Preisreden oder mediale Reaktionen ihrer Zeit.

Vetenskapskvinna – Die Wissenschaftlerin

Hier ging es um die Person Marie Curie: ihre Herkunft aus dem besetzten Polen, ihr Weg nach Paris, ihre Ausbildung, ihr privates Umfeld und die Hürden, die sie als Frau in der Wissenschaft überwinden musste. Dieser Bereich beleuchtete ihre Arbeitsweise, ihre Charakterzüge, ihre Art, Forschung zu organisieren, und wie sie trotz familiärer Belastungen eine akademische Karriere aufbaute.

Laboratoriet – Das Labor

Dieser Abschnitt rekonstruierte den Alltag der Forschung. Besucher sahen, unter welch einfachen und teils gefährlichen Bedingungen die Curies arbeiteten: provisorische Holztische, grobe chemische Apparaturen, schwere Brocken Pechblende, mit denen sie experimentierten. Extreme Kälte im Winter und unerträgliche Hitze im Sommer. Regen, der durch das löchrige Glasdach prasselte. Wie viel körperliche Arbeit und Improvisation hinter ihren Entdeckungen steckten.

Radioaktivitet – Radioaktivität

Hier stand das wissenschaftliche Phänomen im Mittelpunkt: Wie Marie Curie den Begriff prägte, wie sie und Pierre die Strahlung untersuchten, welche Messgeräte sie entwickelten und welche revolutionären Erkenntnisse daraus hervorgingen. Modelle, Original-Messapparaturen und visuelle Darstellungen machten das Unsichtbare begreifbar.

Atomerna – Die Atome

Dieser Bereich führte die Besucher in die theoretischen Konsequenzen der Curie’schen Forschungen. Er behandelte den Aufbau der Materie, die Rolle der neu entdeckten Elemente Polonium und Radium, und wie ihre Arbeiten den Weg zur modernen Atomphysik ebneten. Hier wurden auch die späteren Einsätze und Entwicklungen vorgestellt: Kernforschung, Medizin, Energiegewinnung – samt Chancen und Risiken.

Nach Pierres Unfalltod verändert sich die Tonlage des Buches spürbar. Sobel zeigt eine Frau, die zwischen Schmerz und Pflicht weiterarbeitet, weil ihr nichts anderes bleibt. Sie übernimmt Pierres Professur, führt seine und ihre Forschung fort, zieht zwei Kinder groß und muss gleichzeitig die Anfeindungen eines wissenschaftlichen Umfelds ertragen, das Frauen ungern Autorität zugesteht.

Sobel erwähnt auch die Skandale, die Curie nachgesagt wurden, bei den Schlagzeilen, die sie zur Zielscheibe machten, und bei der erstaunlichen Ruhe, mit der sie all dem standhielt. Es ist diese Mischung aus Verletzbarkeit und Konsequenz, die die Person Marie Curie so eindrucksvoll macht.

Beim Ersten Weltkrieg erhält die Erzählung eine neue Dynamik. Curie organisiert mobile Röntgenstationen, die sie später „kleine Curies“ nennt. Sobel erzählt von den improvisierten Fahrzeugen, den langen Nächte an der Front, den Frauen, die sie ausbildete, und die Verwundeten, deren Leben durch diese neue Diagnostik gerettet wurde. Die Wissenschaft tritt hier aus dem Labor heraus in die Realität des Krieges und zeigt, wie unmittelbar Forschung Leben verändern kann.

Ein wiederkehrendes Thema ist die ständige Nähe zur Gefahr. Die radioaktive Arbeit hinterlässt Spuren: Verbrennungen, Erschöpfung, Erkrankungen. Wenig wussten die Curies über die Risiken. Dass selbst Marie Curies Notizen noch Jahrzehnte später verstrahlt sind, wirkt im Buch nicht als Sensation, sondern als schlichter Hinweis darauf, wie hoch der Preis ihrer Entdeckungen war.

Auch wenn Marie Curie es nach eigenen Worten nie forciert hatte, strömen Frauen zu ihr in der Forschung, die durch sie inspiriert oder direkt ausgebildet wurden. Sobel stellt auch eine Generation von Wissenschaftlerinnen dar, deren wissenschaftliches Leben durch Marie Curie beeinflusst wurde. Aus Studentinnen werden Laborleiterinnen, Ärztinnen, Physikerinnen — teils in Ländern, in denen Frauen zuvor kaum eine Rolle in den Naturwissenschaften spielten.

Marie Curie ist jemand, der die Wissenschaft nicht nur verändert, sondern geöffnet hat: eine Frau, die aus Notwendigkeit heraus kämpfte, aus Leidenschaft forschte und aus Überzeugung Verantwortung übernahm. Sobel gelingt es, all dies so zu erzählen, dass man die Strenge, die Einsamkeit, die Faszination und die stille Größe dieses Lebens spürt — und die Neugier, die es bis heute auslöst.

Für wen ist das Buch?

  • Für Menschen, die auch vorher schon am Leben und Wirken von Marie Curie interessiert waren. Sobel bringt viele Details, die so weder in Eve Curies Buch noch in anderen Biografien über die herausragende Forscherin stehen.
  • Für jeden Naturwissenschaftler
  • Für Menschen, die sich durch ein außergewöhnliches Leben für ihr eigenes Inspirieren lassen möchten. Das Buch liest sich wie ein Roman. Trotzdem bleibt viel von der Energie und dem Durchhaltevermögen von Marie Curie nach dem Lesen bestehen.
  • Tja, für alle, denen Eigeninitiative fremd ist. Denen ein jahrelanges Streben unter unwirtlichen Bedingungen fremd ist, um das Ziel zu erreichen.
  • Wenn das eigene Durchhaltevermögen an die Grenzen kommt und man sehen möchte, wie weit andere dabei gehen können…

Work Live Balance? Frage nach der Rente?

Nach dem Tod ihres Mannes verweigerte Marie Curie eine Witwenrente, übernahm stattdessen Pierres Professur an der Sorbonne, zog zwei Töchter groß, brachte im Ersten Weltkrieg ein Röntgengerät an die Front und inspirierte Generationen von Frauen, Wissenschaft als Lebensweg zu wählen.

Es gibt Menschen, die als wahre Vorbilder taugen.

Weihnachtsempfehlungen 2025

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In Planung

  • Kiddies ins All (12.12.)

#2025 #BuchBücher #Buchbesprechung #HelgaKleisny #MarieCurie #Nobel #Stockholm #Weihnachten

Flaschenpost

Es könnte die letzte einzige Möglichkeit der Todgeweihten auf einem sinkenden Schiff sein, ihr Schicksal, welches sonst vielleicht für immer in Dunkel gehüllt bleiben würde, oder der Hilferuf, den ein an den Strand einer wüsten Insel geworfener Seefahrer günstigen Meeresströmungen vertrauend, an die Welt richtet.
(Georg Neumayer)

Eine ein wenig verschrobene Beschreibung von Flaschenpost, aber so schrieb man als Wissenschaftler Mitte des 19. Jahrhunderts. Der pfälzische Ozeanograph Georg Neumayer (1826-1909), der obige Zeilen verfasste, interessierte sich jedoch weniger für das Leben einzelner Menschen auf dem Meer, sondern für „das Leben des Meeres an sich“. Für die Strömungen des Wassers, das Woher und Wohin und auch wie lange das Fließen von einem Ort zum nächsten dauert.

Dazu untersuchte er nicht den Inhalt von romantisch abenteuerlich ausgesetzten Flaschen, sondern er ließ systematisch und dokumentiert eine große Anzahl von Flaschenpost auf dem Weltmeeren aussetzen.

Von den mehr als 60 versenkten Flaschen, die 1864 bereits mit der ersten Tranche versenkt wurden, erhielt er knapp drei Jahre später gerade mal eine zurück. Die erste, deren Geschichte auch in Wolfgang Strucks Buch: Flaschenpost als erste beschrieben ist.

Autor Struck, Literaturwissenschaftler an der Universität Erfurt, widmet sich in diesem Buch ganz dem realhistorischen Experiment von Neumayer: Flaschen mit Botschaften ins Meer zu werfen, um Strömungen zu vermessen. Dazu rekonstruiert diese Unternehmung mit der Sorgfalt des Forschers und der Neugier des Erzählers.

Struck folgt im Buch den Wegen der Flaschen, den Fundberichten und den Routen, auf denen sie an fremden Küsten strandeten. Jede Geschichte, jedes Fragment wird zum Fenster in eine andere Zeit.

Eine Botschaft, die unterwegs bleibt

Es gibt Bücher, die sich nicht lesen lassen, ohne dass man selbst in Bewegung gerät. Flaschenpost gehört zu ihnen. Schon der Titel weckt ein Gefühl von Entfernung, von der Ahnung, dass Wissen immer über weite Strecken verschickt wird.

Neumayers Flaschen treiben nicht nur auf dem Meer, sie treiben auch durch die Geschichte, durch Archive, Gedanken und Bedeutungen. Man liest dieses Buch wie eine Nachricht, die zufällig ankommt und doch genau die richtige Adresse findet.

Die Flaschenposten sollen Zeugnis ablegen über die Richtung jener großen Adern, die den [atlantischen] Ozean nach allen Richtungen durchziehen und Bewegung und Leben Inder unendlichen Wassermasse erzeugen.
(Georg Neumayer)

Unterwegs im Schweben

Beim Lesen stellt sich ein eigentümliches Gefühl ein – als würde man eine Botschaft empfangen, deren Empfänger man nie ganz sein kann. Das Buch bewegt sich zwischen Meer und Text, zwischen Zufall und Sinnsuche. Der Autor schreibt nicht über die Ozeane, sondern über ihre Lesbarkeit.

Dieses Schweben zwischen Wissen und Ahnung prägt auch das Leseerlebnis. Es wird zu einem gedanklichen Treibenlassen, das erstaunlich konzentriert wirkt. Dazu kommen viele Originalzitate (wie die beiden in diesem Beitrag,) die die Atmosphäre des 19. Jahrhunderts aufleben lassen.

Fundstücke und Versuchsanordnungen

Dabei bleibt Strucks Blick analytisch geschärft. Die wissenschaftliche Präzision seiner Darstellung wird immer wieder von literarischen Momenten durchbrochen – in kleinen Reflexionen über das Verlaufen, das Finden, das Lesen und Deuten.

Das macht Flaschenpost zu einem ungewöhnlichen Buch, das zugleich von empirischer Genauigkeit und poetischer Offenheit lebt.

Kartierungen der Reise

Im Zentrum steht die Frage, wie man das Unbestimmte vermessen kann. Struck zeigt, dass jede Kartierung, jeder Versuch, das Meer zu begreifen, notwendigerweise unvollständig bleibt.

Seine Sprache folgt dieser Idee. Sie ist ruhig, durchdacht und rhythmisch. Sätze gleiten ineinander, als würden sie selbst Strömungen bilden. Es ist ein Buch, das von Lesenden Geduld verlangt – und sie reich belohnt.

Wer sich darauf einlässt, wird nicht nur informiert, sondern mitgezogen. Es entsteht ein leises Staunen darüber, wie viel Meer in den Worten steckt.

Inhalt und Gestaltung

Dass mir stets bei einem Buch auch die Haptik, der (angenehme) Geruch, die Optik und ein Papier, das möglichst nicht vergilbt, wichtig ist, dürfte langjährigen Lesern Von FlugundZeit bekannt sein. 🙂

Haptisch wie optisch und inhaltlich ein Vergnügen. Das Layout wirkt zurückhaltend und elegant – eine visuelle Ruhe, die das Nachdenken über Distanz, Zufall und Zeit begleitet. Die Haptik vermittelt, dass dieses Buch selbst eine Art Flaschenpost ist, sorgfältig gefertigt, um gefunden zu werden.

Der mare Verlag bleibt seiner eleganten Understatement-Linie treu: mit einem schnörkellosen Cover des fest gebundenen Buches mit dunkelblauem Lesebändchen, klar gesetzter Schrift und edlem Papier.

Zu jeder der 14 mit wissenschaftlichem Hintergrund detailliert beschriebenen Flaschenpostreisen gibt es eine Doppelseite mit Abbildungen von Originaldokumenten zur jeweiligen, dokumentierten und erhaltenen Flaschenpost.

Die bringen dem Leser die unwirtlichen Bedingungen, denen die Flasche ausgesetzt war näher. Zu Beginn gibt es eine doppelseitige (nicht sehr gut lesbare) Abbildung einer Karte der „Schiffsrouten, Meeresströmungen – und Flaschendriften aus 1849“.

Fazit von FuZ

Es ist ein Buch zum Versinken, zum Träumen, zum weiter recherchieren.

Für alle, die Spaß und Neugier an Unbekanntem haben.

Ein zauberhaftes, inhaltlich ungewöhnliches, aber außerordentlich lesenswertes Buch.

Ein edles Geschenk, das beim Lesen völlig neue Welten entfaltet.

©Buchcover: mare Verlag

Weihnachtsempfehlungen 2025

(wird ergänzt sobald der Beitrag veröffentlicht ist)

In Planung

  • Kiddies ins All (12.12.)

#2025 #BuchBücher #Buchbesprechung #Flaschenpost #HelgaKleisny #mare #Weihnachten

Kampf um den Mond

Die deutschen ESA-Astronauten Alexander Gerst oder Matthias Maurer könnten als erste Europäer Richtung Mond fliegen – allerdings nur einer von beiden. Im Rahmen des Artemis-Programms der US-Raumfahrtbehörde Nasa darf ein Deutscher in einigen Jahren den Mond umrunden, wie die europäische Weltraumagentur ESA mitteilte. Wenn es denn so kommt.

Ein Blick zurück — und nach vorn

Nun also die Konkurrenz: Wer darf fliegen? Gerst oder Maurer, oder doch eine eher unbekannte Frau, pardon AstronautIN? Lange Jahrzehnte herrschte Ruhe um menschliche Besuche auf unserem Erdtrabanten. Weil Mondlandungen – auch in Hinblick auf weitere Reisen, zum Mars – wieder in den Fokus gerückt sind, soll der Mond wieder Besuch kriegen.

Manche finden das Zeitverschwendung: Pionier auf vielen Gebieten Elon Musk, und der derzeitige Präsident der USA, Donald Trump, würden diese Zwischenstation gerne einsparen und gleich zum Mars hechten. Großes Risiko; die Europäer finden den langsameren Weg mit schnelleren Heimkehrmöglichkeiten bei unerwarteten Problemen für sicherer.

Wir werden sehen, wer sich durchsetzt.

Die Europäer setzen alles daran, von den oft wechselnden Entscheidungen der NASA unabhängig(-er) zu werden. Allerdings ist die Raumfahrt ein kostspieliges Unterfangen, bei dem zahlungskräftige Partner durchaus wünschenswert sind.

Das Thema Menschen zum Mond und war und ist spannend. Genauer untersucht hat dies Christoph Seidler in seinem Buch: Armstrongs Erben. Er beschreibt in lockerer Form (Geschichte lesenswert und flüssig erzählt!) wie der Beginn des Duells zwischen der UDSSR und den USA um den „First“ war und fügt dabei auch weniger bekannte Fakten ein.

Wer wusste beispielsweise, dass Juri Gagarin, der gefeierte sowjetische Held, eigentlich gar keinen offiziellen Rekord als erster Mensch im „All“, aka der Erdumrundung, erlangte? Denn genau besehen schreiben die Satzungen der FAI, der Internationalen Raumfahrtbehörde in Paris, eine Landung im gleichen Gerät vor, in dem gestartet worden war. Gagarin musste also lügen und sein Rauschleudern aus der Kapsel vor der Landung und die Landung am Fallschirm der Öffentlichkeit verschweigen. Wie auch sonst so einiges, das bei seinem Flug nicht erwartungsgemäß passierte. Aber das ist das Risiko bei einem derartigen „First“. Seine Leistung bleibt ungeschmälert, auch wenn vieles die Öffentlichkeit nicht wissen durfte.

Jetzt kann man aber dies und noch viel mehr in Seidlers Buch nachlesen. Also auch für diejenigen, die damals schon die historischen ersten Reisen zum Mond erlebt hatten, gibt es Neues zu entdecken.

Armstrongs Erben beginnt mit der Geschichte der Mondfahrt: Der Autor führt mit vielen Details durch die ersten Mondmissionen, von den frühen sowjetischen Sonden bis zum legendären historischen Wettlauf der Supermächte.

Dabei wird deutlich: Der Mond war einst Bühne für ein geopolitisches Kräftemessen, ein Symbol für Ruhm, Technikglanz und Ideale. Dieser Rückblick dient als Grundlage, um die aktuelle Rückkehr zum Mond verständlich zu machen.

Doch Seidler will nicht bei Nostalgie verharren. Er zeigt, wie sich die Voraussetzungen — technologisch, politisch, wirtschaftlich — verändert haben und wie der Mond heute zur Arena für neue Ambitionen wird. Staaten wie die USA und China rüsten auf, internationale Allianzen formieren sich, und private Unternehmen spielen eine größere Rolle als je zuvor.

Zwischen Wissenschaft, Vision und Realität

Im Mittelteil beschreibt Seidler mit Sachverstand und detailreicher Klarheit, wie Reisen zum Mond heute wieder konkreter werden: welche Raketen im Einsatz sind oder mit welchen technischen Mitteln man eine dauerhafte Präsenz auf dem Mond plant. Und natürlich die Herausforderungen, die dabei gemeistert werden müssen — von der Energieversorgung, über den Schutz vor Strahlung bis zur Nahrung und der Unterkunft auf dem Mond.

Es entsteht ein faszinierendes Bild davon, wie nahe die Vision Mondbasis heute ist – und wie unversöhnlich der Mond zugleich bleibt.

Armstrongs Erben ist auch eine Gedankenreise in die Zukunft der Menschheit. Welche Rolle spielt der Mond dabei? Welche Hoffnungen und Träume verbinden wir mit ihm und welche politischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Fragen wirft das auf?

Der Autor räumt mit der romantischen Vorstellung eines „zweiten Zuhauses“ auf und verweist vielmehr darauf, dass der Mond zu einem strategischen Ort mit globaler Bedeutung werden könnte.

Sprache und kritische Einbettung

Seidler schreibt sachlich, kenntnisreich und auch mit spürbarer Begeisterung für das Thema. Ihm gelingt, komplexe technische und juristische Zusammenhänge verständlich zu schreiben, ohne den Leser zu überfordern.

Für wen dieses Buch geeignet ist

o Armstrongs Erben richtet sich gleichermaßen an Raumfahrt-Interessierte wie an Leserinnen und Leser mit allgemeinem Interesse an Zukunftsfragen, Politik und Wissenschaft.

o Wer verstehen möchte, was der Mond heute für uns bedeutet — als Symbol, als Ressource, als Schritt in eine neue Ära —, wird durch dieses Buch gut begleitet.

o Lesenswert aber auch für Menschen, die sich fragen, wie unsere Zukunft aussehen könnte, wenn der Weltraum wieder in den Fokus rückt.

Weihnachtsempfehlungen 2025

(wird ergänzt; auch mit Links; sobald der Beitrag veröffentlicht ist)

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Kunst-Flieger

Das Fliegen mit Kunst verbinden? Ja, das geht. Zumindest wenn es um Papierflieger geht. Über Papierflieger, deren Wettbewerbe und Technik mit Origami haben wir schon öfter berichtet. Nun kann man dabei nicht nur mit seiner Faltkunst und dem technischen Wissen punkten – auch der gewählte bildende Künstler spielt mit.

„When Artists get bored…

…They Make Paper Planes“ ist der Originaltitel, der zunächst von England aus veröffentlichten Papierflieger.

Der also anscheinend gelangweilte Grafikdesigner Trevor Bounford designte für Dumont und natürlich für uns Käufer 🙂 16 Modelle mit traumhaftem Design. Bounford hat in England bereits mehr als 15 Bücher veröffentlicht, unter anderem über Origami und Papierflieger. Fliegen tun die Kunstwerke auch. Zumindest wenn man sie nach Anleitung faltet und los wirft.

Für kleine und große Piloten

So fliegen dann inspirierte Werke von Klimt („Der Kuss“), Hokusai („Die große Welle vor Kanagawa“), Frida Kahlo, Paul Klee und vielen anderen und heben sich von den normal üblichen weißen namenlosen Gefährten ab.

Fünf unterschiedliche Modelle, Flugzeuge und Hubschrauber, lassen sich nach Schritt-für-Schritt-Anleitungen herstellen.

FlugundZeit

Durch das Falten sind auch die Unterseiten der Fluggeräte farbig.

Die eigentliche Fliegerarbeit kommt erst nach dem Basteln. Denn damit die kleinen Fliegerchen perfekt weit und hoch fliegen ist Präzision gefragt. Nachbessern ist gefragt, wenn man nicht bereits gleich zu Beginn ganz exakt gefaltet hat.

Vielleicht hätte man die Bögen lose in eine Sammlung geben können statt sie mit Klebebindung Buchartig hintereinander zu platzieren. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau.

Das Basteln macht Spaß und das Fliegen lassen nachher erst recht!

Geeignet

  • für alle Flugbegeisterten
  • als Spaß, den man mit dem Nachwuchs gemeinsam erleben und ihm/ihr die Fliegerei schon in jungen Jahren praktisch nahebringen kann
  • für Kunstinteressierte, die nebenbei sich in frischer Luft bewegen möchten
  • als schönes, edles Mitbringsel der eher unüblichen Art

©Introbild: DuMont, ©alle anderen Bilder: FlugundZeit

Weihnachtsempfehlungen 2025

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Die ersten 100 Millionen Dollar sind…

…die schwierigsten, meint Warren Buffet. Und der muss es wissen. Geld ist nicht unbedingt das erste Thema für Weihnachten. Will man allerdings Geschenke kaufen, nützt es doch. 🙂 Und auch sonst im Leben hat es seine Annehmlichkeiten, um den Alltag zu bewältigen.

Klotzen nicht kleckern

Da kann man durchaus ein wenig Hilfe beim Erwerb gebrauchen. Warum also nicht gleich beim US-amerikanischen Investor, Unternehmer und Philanthropen Warren Buffet nachschlagen. Mit einem Vermögen von 151,5 Milliarden USD (2025) ist er sicher ein sinnvolles Vorbild.

Mehr als eine Aufzählung kluger Käufe

Warren Buffett versuchte sein Berufsleben lang, die Dinge einfach zu halten. Der Autor, Professor und Investor Glen Arnold hat sich dieser außergewöhnlichen Laufbahn mit der Geduld und Gründlichkeit eines Chronisten genähert. Seine vierbändige Reihe über die Deals von Warren Buffett ist die Beschreibung eines Lebenswerks, das sich aus Disziplin, scharfem Urteilsvermögen und einer erstaunlichen Fähigkeit speist, auch in stürmischen Zeiten Ruhe zu bewahren.

Band 1 Lehrjahre

Im ersten Band führt Arnold zurück in jene unscheinbaren Jahre, als Buffett noch keiner der großen Namen der Finanzwelt war. Er folgt ihm durch die Jahrzehnte, in denen er seine ersten 100 Millionen Dollar erwirtschaftete – ein Zeitraum, in dem sein Stil sich noch tastend formte. Man begegnet jungen Unternehmen, unterschätzten Versicherern, Marken, die erst später zu Legenden wurden. Arnold zeigt, wie Buffett Schritt für Schritt Muster erkannte: ehrliche Manager, schützende Wettbewerbsvorteile, stabile Geschäftsmodelle. Nicht jede Wette ging auf.

Doch gerade die Fehlgriffe zeichnen ein Bild von einem Mann, der früh verstand, wie entscheidend es ist, aus Irrtümern die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Band 2 Der Aufstieg zum Milliardär

Während der erste Band noch von der Suche und der Festigung der eigenen Prinzipien erzählt, wandelt sich die Tonlage im zweiten. Jetzt begleitet man einen Investor, der zu seinem unverwechselbaren Stil gefunden hat und ihn mit einer beinahe stoischen Konsequenz anwendet. Es ist die Phase, in der Buffett Milliardär wird. Die Berkshire-Aktie schießt nach oben, und Arnold beschreibt eindrücklich, wie Buffett ein Unternehmen nach dem anderen entdeckte, das in seinen Augen nicht nur profitabel, sondern dauerhaft wertvoll war. Namen wie Coca-Cola oder Gillette werden in diesem Abschnitt fast zu Charakteren einer Geschichte, deren roter Faden Beständigkeit ist. Man spürt, wie präzise Buffett arbeitete, wie geduldig er auf den richtigen Moment wartete und wie hartnäckig er an seinen Grundüberzeugungen festhielt.

Band 3 Vom Investor zum Architekten eines Imperiums

Hier verschiebt sich der Fokus erneut. Buffett ist längst nicht mehr nur Investor, sondern der Kopf eines gewaltigen Konglomerats. Sein Vermögen hat sich vervielfacht, Berkshire Hathaway ist in die Liga der mächtigsten Unternehmen des Landes aufgestiegen. Dennoch verliert Arnold nie den Blick für die Mechanik hinter den großen Zahlen. Er lässt den Leser spüren, wie sorgfältig Buffett jeden Schritt abwog, wie wichtig ihm Vertrauen und Stabilität waren und wie unbeirrt er seinen Weg ging, auch als die Märkte immer komplexer wurden.

Band 4 erscheint am 5.3.2026

Er führt schließlich in die ersten Jahre des neuen Jahrtausends. Berkshire ist nun ein globaler Gigant mit Milliardengewinnen, und Buffett steht an der Spitze eines Unternehmens, das für Verlässlichkeit steht, wie kaum ein anderes. Arnold verfolgt seine Beteiligungen an Firmen wie Moody’s oder PetroChina und zeichnet ein Bild eines Investors, der auch im hohen Alter nichts von seiner analytischen Schärfe verloren hat.

Man merkt, dass Buffett längst zur Institution geworden ist – und doch weiterhin mit derselben nüchternen Klarheit an die Dinge herangeht wie damals, als er noch durch Jahresabschlüsse in kleinen Büros blätterte.

Autor Glen Arnold gelingt es, diese Jahrzehnte nicht als trockene Lehrstunde darzustellen, sondern als erzählerische Reise durch die Entwicklung eines der ungewöhnlichsten Karrieren der Wirtschaftsgeschichte. Er schreibt über Zahlen, aber er schreibt vor allem über Haltung: über Geduld, über Integrität, über die Kunst, das Wertvolle vom Lauten zu unterscheiden. Wer seine Bücher liest, versteht nicht nur, wie Buffett investierte, sondern warum dieser Ansatz über so viele Jahre Bestand hatte.

Dass Arnold selbst vom Forscher zum Praktiker wurde und mit einer an Buffett orientierten Methode über Jahre hinweg den Markt übertraf, verleiht seinen Beobachtungen zusätzliches Gewicht. Arnold berichtet nicht aus akademischer Distanz, sondern aus der Nähe eines Menschen, der die beschriebenen Prinzipien selber auf Herz und Nieren geprüft hat.

Werkstattprotokoll statt Biografie

So entsteht aus seiner Reihe ein Blick darauf, was langfristiger Erfolg wirklich ausmacht. Und gerade jetzt (2025), da Buffett selbst sich weiter zurückzieht, liest sich diese umfassende Werkschau wie eine Einladung, noch einmal genauer hinzuschauen – auf die Ideen, die hinter einer der größten Investmentkarrieren unserer Zeit stehen.

Glen Arnold macht von Beginn an deutlich, dass ihn nicht die Anekdoten aus Buffetts Wohnzimmer interessieren. Er will keinen Mythos pflegen, sondern eine Methode offenlegen. Jede Analyse, jede Rekonstruktion eines Deals in den vier Bänden dient nur einem Zweck: zu verstehen, wie gutes Investieren funktioniert – und wie sich diese Denkweise übertragen lässt auf Menschen, die weder riesige Kapitalmengen noch jahrzehntelange Erfahrung mitbringen.

Selber investieren lernen

Gerade in dieser Absicht liegt die eigentliche Stärke der Reihe. Arnold fokussiert nicht auf den glänzenden Erfolg, sondern auf den nüchternen Prozess dahinter. Er zeigt, wie Buffett Unternehmen betrachtete, wie er Risiken einschätzte, wie er Geduld als Werkzeug nutzte und wie er konsequent nur dann handelte, wenn Preis und Wert auseinander klafften.

Lehrbuch in erzählerischer Form

Glen Arnolds Stärke liegt darin, Buffett nicht als Götzen darzustellen, sondern als Lernenden, der mit harter Arbeit, Disziplin und vor allem Augenmaß agiert. Jede Investmententscheidung wird kontextualisiert: Markt, Wettbewerb, Unternehmensstruktur — alles wird sorgfältig analysiert.

Am Ende jedes Kapitels zieht Arnold Lehren daraus — Hinweise darauf, wie auch ein „normaler“ Anleger aus Buffetts Erfahrungen Nutzen ziehen kann. So wird die Lektüre nicht bloß zur Biografie, sondern zur Anleitung für nachhaltiges Investieren.

So wird aus Arnolds vier Bänden ein Angebot an den Leser, die eigene Art zu investieren zu hinterfragen und zu schärfen. Nicht, um über Nacht reich zu werden, sondern um langfristig klügere Entscheidungen zu treffen.

Und vielleicht liegt gerade darin der nachhaltigste Teil dieses vielstimmigen Werks: Die Erkenntnis, dass Erfolg an der Börse weniger mit Brillanz zu tun hat als mit der Bereitschaft, aufmerksam zu beobachten, zu lernen und das Erlernte konsequent anzuwenden.

©alle Buchtitel: Börsenbuch Verlag

Weihnachtsempfehlungen 2025

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