Das Spahn furzt wieder

Und angeblich “seriöse” Medien rollen ihm immer wieder den Teppich aus

Frechheit siegt? Jedenfalls hat sich das Spahn heute um mein Aufwachen und meinen Adrenalinspiegel mehr verdient gemacht, als mein leistungsstarker Espresso. Wie hat er das geschafft? Ich unterstelle, dass für ihn diese Mühe gering ist. Er ist so, wie er ist. Alle wissen das. Aber warum kriechen sie als PR-Helfer*innen zu Kreuze, wie es sonst nur Gianni Infantino im Darm von Donald Trump macht?

Es tut mir ja leid, Sie mit Wiederholungen zu quälen. Aber es muss die Klassenfrage sein, die diese dubiosen Figuren vereint. Die Bossin, deren Leute dem Spahn den roten Teppich für seine Propaganda ausrollen, ist Julia Becker. Sie hat die Macht im einst mächtigen WAZ-Konzern geerbt. Viele Jahrzehnte gehörte er zwei Clans, den Brosts (SPD-nah) und den Funkes (CDU-nah). Milch und Honig flossen in beider Kassen. Im grössten deutschen Ballungsraum Ruhrpott und weit darüber hinaus eroberten sie sich mit den üblichen Mechanismen des Kapitalismus ein Zeitungsmonopol, Fluch und Segen zugleich.

Segen, weil sie unermesslich reich wurden. Fluch, weil es satt und doof machte. Wie ein schwerer Teppich legte sich ihre Medienmacht über den Ruhrpott, und trocknete seine intellektuellen Potenzen so wirkungsvoll aus (u.a. das, was dort früher als SPD bekannt war), dass die Region heute ein fruchtbarer Acker für Faschisten ist, und sich darin mit dem menschenleeren Sachsen-Anhalt (weniger als halb so viele Einwohner) messen kann. Als Witwe Brost verstorben war, nutzte der greise Günther Grotkamp das Fenster der Gelegenheit, die Brost-Erb*inn*en aus dem Laden rauszukaufen. Intrigenweltmeister Bodo Hombach wurde zum Geschäftsführer ihrer steuermindernden Stiftung. Ich will nicht lästern, die machen auch Gutes.

Grotkamp kaufte auch dem Springerkonzern u.a. einigen Trash an gedruckten Zeitungen und bunten Zeitschriften für das wachsende Senior*inn*enpublikum ab, mit der Absicht rentable Rationalisierungseffekte in der Herstellung zu erzielen. Es dauerte sehr lange, aber irgendwann musste auch er diese Welt verlassen. Und Julia Becker war die Gewinnerin des Erbes. Wieviel “Gewinn” das real bedeutet, muss angesichts heutiger Medienentwicklung offenbleiben. Ich gehe davon aus, dass die Dame intelligent genug ist, reich und mächtig zu bleiben, auch wenn ihr unternehmerisches Erbe in Unwetter gerät.

Ich bin sicher, dass sie sich insofern von neureichen Figuren wie dem Österreicher Benko unterscheidet. Dafür spricht ihre sehr bewusste PR-Profilierung gegen den trumpsympathisierenden Medienoligarchen und faktischen Springererben Mathias Döpfner. Aber ihre Klassenzugehörigkeit kann und will sie nicht verleugnen.

Und also schickt sie ihren von Springer übernommenen leitenden Angestellten Quoos und eine Berliner Ressortleiterin aus, dem Spahn einen Interviewteppich auszurollen. Dankenswerterweise digital eingemauert. Doch als Schlagzeile verkauft und von allen Machtmedien bereitwillig weiterverbreitet wird dieser Furz: „Wenn man 100 wird, kann man nicht mit Mitte 60 aufhören zu arbeiten“.

Muss der gerade sagen

Selbst der schon vergessene Andy Scheuer, der seinerzeit von Kabarettprogrammen gerne genommen wurde, war ein Waisenknabe, was die Schädigung von öffentlichem Reichtum und Infrastruktur betraf, im Vergleich zum zeitweiligen “Bundesgesundheitsminister”, den das Spahn 2018-21 zu Beginn des Ausbruchs der Coranakrise gab.

Er bewies damals, dass er keineswegs so doof ist, wie er aussieht, indem er finanzielle Fundamente für ein Netzwerk goss, in dem er – und eine nur scheinbare Witzfigur, die ehemalige Weinkönigin Klöckner – heute schwimmt, wie ein Fisch im Wasser. Dafür ist letztendlich dieses Premium-Interview mit einem Medium, das sich selbst immer weiter aus der Premiiumklasse entfernt hat, ein klassisches Dokument. In seiner ganzen Ambivalenz.

Er will den Kanzler beerben. Das hat er ausdrücklich nicht dementiert.

Ich bin weit entfernt, den Friedrich aus dem Sauerland deswegen nun als “kleineres Übel” zu betrachten. Im Gegenteil, er gehört ja politisch zu den aktiven Teppichausrollern, selbst für den Fall, dass er das subjektiv als erfahrener Gockel gar nicht will.

Wir müssen sie alle miteinander bekämpfen. Aber wer ist dafür eine organisierende Kraft?

Meine lange Nase für das Spahn

Ach übrigens, eh ichs vergesse, und weswegen ich eigentlich diesen Text angefangen habe. Mein Bergmannsvater ist mein Vorbild: er arbeitete als 18-jähriger auf dem Pütt, 1000m und mehr unter Tage. Mit 52 hörte er auf, mit 55 ging er in Rente. Knappschaftsrente! Und lebt (93). Das habe ich abgewandelt. Ich habe erst als 19-jähriger angefangen dauerhaft für (wenig) Geld zu arbeiten, erst mit 30 war ich sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Und schon mit 59 gelang es mir, damit aufzuhören (dank Wohnungserwerb = “private Vorsorge”). Einen rentensparenden Herzinfarkt habe ich letztes Jahr überlebt. Ich ziehe also in bester Tradition des – zu verteidigenden! – Sozialstaates dem Spahn eine lange Nase. Und berate meinen privaten Freund*inn*enkreis bis heute darin, wie ich das gemacht habe.

Es ist gerecht und befriedigend.

Dieser Text ist, dem Anlass angemessen, unsachlich und polemisch. Wenn Sie sachliche Informationen zur Rentenpolitik suchen, lesen Sie bei Roland Appel und Matthias W. Birkwald, langjähriger MdB, weiter. Oder beim Seniorenaufstand.

Das Spahn furzt wieder – Beueler-Extradienst

Die Fallen des Agendasetting

Einige Fragen zur Medienkompetenz derer, die das heute beruflich machen

mit Update “Hausaufgabe”

Jeden Sonntag ärgere ich mich aufs Neue, dass das Radioprogramm meiner Wahl in seinen Nachrichten das Agendasetting des zwischen CDU und AfD sich positionierenden Springerkonzerns übernimmt. Vermutlich, weil sie wie immer dpa-Meldungen vorlesen. Dabei können sie auch anders. Marc Mölders: Die Weltverbesserer: Wie Organisationen um die Lösung großer Krisen konkurrieren – Die Welt ist voller Krisen und Probleme. Zugleich gibt es zahlreiche Organisationen, die sich als Problemlöser präsentieren. Sie alle konkurrieren um Aufmerksamkeit, Ressourcen und politische Energie. Aber was tun die genau?” Sehr interessant. Einerseits.

Was dieser Autor in seinem Gesamtschau-Versuch beschreibt, das deklinierte soeben hier bei uns Stefan Streit an einem konkreten Fall durch.

Was bei Mölders noch kompliziert und unübersichtich wirkt, liesse sich an einer konkreten Frage sortieren, von der ich mich wundere, dass er sie nicht selbst stellt:

Welches ökonomische Interesse treibt welches Agendasetting/Denkpanzer/”Ideenunternehmen” etc. an?

Mann und Frau nennt es “Materialismus”. Viele der von Mölders gelisteten Organisationen versuchen die Antwort auf diese Frage zu verschleiern. Eine grosse Mehrheit der Medien verzichtet auf die Mühseligkeit, sie zu recherchieren. Warum dieser Verzicht? Weil es dem ökonomischen Interesse ihrer Besitzer*innen/Milliardär*inn*e*n entspricht. Übrigens auch, wenn darauf mal nicht verzichtet wird …

Vieles ist am Ende “einfacher”, als man/frau denkt. Die Schwierigkeit, die bei Mölders immerhin anklingt, ist, aus dieser Erkenntnis politische Strategie und Wirksamkeit zu entwickeln. In einer Demokratie ist das die vornehmste – und verfassungsrechtlich abgesicherte – Aufgabe der Parteien.

Und die? Siehe Stefan Streit. Dä.

Update “Hausaufgabe”

Die Süddeutsche Zeitung meldet heute vor ihrer allgegenwärtigen Paywall: “Sturm in Italien: Ausgerechnet die Populistin Meloni, so weit weg vom Volk – Süditalien erlebt einen verheerenden Zyklon – und die Ministerpräsidentin schaut nur kurz im Helikopter vorbei. Der Bevölkerung gefällt das gar nicht.” Von den katastrophalen Sturmschäden in Sizilien habe ich in Beuel bei meinem italienischen Gastwirt erfahren. Glatte drei Tage vor der Tagesschau (ab Minute 11). Die, bzw. das Kamerateam, dem sie das abgekauft hat, flog im gleichen Hubschrauber wie Signora Meloni. Warum wohl?

Wenn Sie diese Aufgabe gelöst haben, steigere ich den Schwierigkeitsgrad wie folgt:

Kürzlich war Bundeskanzler Merz auf Staatsbesuch bei seinem Gesinnungsfreund Narendra Modi. Sein Flieger war mit “Hauptstadtjournalist*inn*en” gefüllt, die das als Privileg empfinden, weil das Rumsitzen auf der “Hauptstadttoilette” (zit. Friedrich Nowottny) ihnen auf die Dauer zu langweilig ist. Mir persönlich geht es so, dass ich von Extradienst-Autor Gilbert Kolonko, der mir übrigens seine Texte komplett unentgeltlich aus reiner Sympathie liefert, mehr über das grösste Land der Welt erfahre, als aus allen anderen deutschen Medien zusammen.

Ist das eine persönliche Macke von mir? Oder geht das auch Anderen so?

Ich erfahre übrigens in einem Beueler Edeka (oder wahlweise einer Fussballkneipe) von landesweit geplanten Anti-Trump-Demos in den USA zwischen einer Woche und einem Monat früher, als die oben zitierte, digital vermauerte und nicht ganz billige Süddeutsche Zeitung. Warum wohl?

Die Fallen des Agendasetting – Beueler-Extradienst

Warum Springer Reichelt feuerte

mit Update 12.12.

Lange habe ich gerätselt, warum der rechte Springer-Konzern, der seine Aufgabe schon immer darin gesehen hat, dass rechts von ihm “nur die Wand” stehen solle (analog zu Franz-Josef Strauss), und damit zuverlässig alle Bundesregierungen, ob mit oder ohne CDU-Führung, überwacht, den rechten Aktivisten Julian Reichelt gefeuert hat. Nun ist es raus. Er hat sich der Beihilfe zur Spionage durch Forschung und Wissenschaft schuldig gemacht. Der Profiteur dieser Beihilfe ist der prominente Medienwissenschaftler Volker Lilienthal.

Ihn habe ich vor Jahrzehnten als Referenten bei einer BAG Medien der Grünen persönlich erlebt. In meinen Augen ein Linksliberaler, der sich selbst allerdings strengen wissenschaftlichen Neutralitätsansprüchen unterwirft. Das führt dazu, dass er in manchem medienfachlichen Konfliktfall gerne mal als Gutachter genommen wird. Und solche Jobs in meinen Augen auch gut macht. Es gab eine Zeit, in der er gerne Chef des Grimme-Instituts geworden wäre. Ob es dem Institut besser bekommen wäre, als die Lage, in der es jetzt ist? Spekulation. In meinen Augen liegt die Hauptverantwortung dafür bei der NRW-Landesregierung und dem WDR.

Lilienthal und sein Forschungsteam haben mit offenem Einverständnis der Reichelt-Chefredaktion das Innenleben der sog. “Zeitung” Bild untersucht. Sie machten das, was der den Springerkonzern traumatisierende Günter Wallraff in den 70ern nur geheim undercover machen konnte. Wie konnte das passieren?

Lilienthal beschreibt selbst, dass er Reichelt 2019 bei zwei kontroversen Podiumsdiskussionen getroffen habe. Wie üblich sei mann danach ins Gespräch gekommen, und ihm sei es gelungen, von Reichelt die nötigen Zusagen für eine wissenschaftliche Forschung über Bild-Interna zu bekommen. Mein Tipp: Herr Reichelt stolperte hier strategisch über seine eigene Eitelkeit. Das soll bei Männern ja nicht selten vorkommen …

Und das ist dabei rausgekommen:

‘Ein Jahr des Chaos’: Die trimediale Diversifizierung von Bild (2020-2023) – Eine Fallstudie zum Misslingen von Innovation”

Für mich liest sich dieses Werk wie ein Medienkrimi, ungleich spannender weil substanzieller, als das, was Wallraff seinerzeit herausfinden konnte. Die Stelle, wieviele Euros Kapital der Springerkonzern dabei verbrannt hat, habe ich beim kursorischen Überfliegen noch nicht gefunden …

Soll mann sich dafür bei Reichelt bedanken? Nein danke. Aber danke Volker Lilienthal, gute Arbeit. Lehrreich für all die Medien, die sich mitten im lebensrettenden Transformationsprozess befinden. Und die Organisationssoziologie wird sich ebenfalls bedanken müssen.

Für uns Linke und Liberale hält die Studie ebenfalls Trost bereit. Nicht nur wir sind so doof, die Rechten auch.

Update 12.12.

Die o.g. Studie hat 25 Seiten. Für mich war sie sehr kurzweilig zu lesen, was daran liegen mag, dass mich diese Materie sehr interessiert. Eine schöne Zusammenfassung finden Sie bei

Ralf Heimann/MDR-Altpapier: Julian will das so – Eine neue Studie zeigt, wie Julian Reichelt den ‘Bild’-TV-Sender gegen die Wand fuhr – und daraus ein schönes Lehrstück wurde.”

Harald Staun/FAS hats auch gelesen, ist aber eingemauert.

Warum Springer Reichelt feuerte – Beueler-Extradienst

Von mehreren Menschen wurde zusammengestellt, was der #AxelSpringerSE-Verlag in #BILD und #WELT gebracht hat:
Warum ist die #AxelSpringerSE auf dem #CSDBerlin mit einem Wagen zugelassen?
(Rhetorische Frage)

Teure Sozi-Männer

Hatte ich kürzlich den Grapscher Rubiales als “postfaschistisch” bezeichnet? Ja, für mich deutete alles darauf hin. Florian Haupt/taz wiederum, der es besser wissen muss als ich, schreibt er doch von Europas Fussballhauptstadt Barcelona aus, bezeichnet den Schwanzrubbler als “Sohn eines ehemaligen Bürgermeisters und sozialistischen […]

https://extradienst.net/2023/09/20/teure-sozi-maenner/

Teure Sozi-Männer

Hatte ich kürzlich den Grapscher Rubiales als postfaschistisch bezeichnet? Ja, für mich deutete alles darauf hin. Florian Haupt/taz wiederum, der es besser wissen muss als ich, schreibt er doch von Europas Fussballhauptstadt Barcelona aus, bezeichnet den Schwanzrubbler als Sohn eines ehemaligen...

Beueler-Extradienst

Demobilisierend

Auch richtige Kritik bleibt hilflos – wenn den Kritisierten nicht ein wirkungsvolles Agendasetting entgegen gesetzt wird
Wie kann das nur passieren? Die veröffentlichte Meinung lässt sich von Umfragen schockieren. Und eine Mehrheit von Wähler*inne*n wird von diesem Medienbombardement gelähmt. Denn unbeantwortet bleibt: was wird den Rechten denn – neben […]

https://extradienst.net/2023/09/16/demobilisierend/

Demobilisierend

Auch richtige Kritik bleibt hilflos - wenn den Kritisierten nicht ein wirkungsvolles Agendasetting entgegen gesetzt wird Wie kann das nur passieren? Die veröffentlichte Meinung lässt sich von Umfragen schockieren. Und eine Mehrheit von Wähler*inne*n wird von diesem Medienbombardement gelähmt.

Beueler-Extradienst

Wo ist der Ausschaltknopf?

Mediendiät – der heisse Scheiss unserer Zeit

Beim Bayerischen Rundfunk – der hatte angeblich noch ein “Kulturradio” – ereignet sich anscheinend derzeit eine “Programmreform”, die wir hier beim WDR schon seit gut zehn Jahren durch haben. Seinerzeit nahm ich als Hörer Abschied von diesem Sender, den ich mehrere Jahrzehnte geliebt hatte. Aber wie einen Doofen behandeln lassen wollte ich mich nicht. Seitdem wächst meine Sorgfalt bei meiner Auswahl der Mediennutzung.

Schon als wir in meiner Schülervertretung in Gladbeck eine alternative Bibliothek organisierten, in der vorzugsweise solche Verlage zum Zuge kamen, die im Unterricht politisch weggelassen wurden, war uns klar: die Medienmacht sitzt beim Springerkonzern, mit all seinen angeschlossenen Sendern und Organen. Dort erscheinen die ideologischen Tagesbefehle der deutschen Rechten, die nie mit den Nazis gebrochen, sondern nach dem Vorbild des Bundeskanzlers Adenauer nach dem Krieg mit ihnen bewusst kollaboriert haben. Heute versuchen sie es hinter einer sog. “Brandmauer” zu verbergen – in erster Linie, weil es für “das Ansehen Deutschlands in der Welt” schädlich ist.

Was ich als Schüler selbstorganisiert gelernt habe, war vielen gegenwärtigen Medienschaffenden nicht vergönnt. Springer hat an Macht verloren. Über 80% der einstigen verkauften Auflage seines Lügenblattes und seiner Cashcow Bild sind weg – Aufklärung hat eben doch einen Sinn. Seine Alternative für die “besseren Kreise”, “Die Welt” hat noch nie Gewinn erwirtschaftet. Sie wurde immer mitgeschleppt, um reaktionäre junge Männer mit einem Beruf zu versorgen, und für die herrschende Politik der BRD vordenken zu lassen. Etwas, was die FAZ schon immer besser gekonnt hat.

Das eigentliche Problem ist nicht dieser ultrarechte Themenpark, sondern seine Ausläufer in den Medien, die für Besseres geschaffen wurden. Das setzen sie aber nicht um. Im Gegenteil. Bis heute glotzen sie in diesen letzten profitablen deutschen Zeitungsverlagskonzern, um dort zu entdecken, was heute angeblich wichtig ist – mann nennt es Agendasetting. Ganz nach dem Vorbild des bis heute einflussreichsten reaktionären Ideologen des CDF (so nannten wir als Schüler und Studenten das heutige ZDF) Ede Zimmermann, dem die famose Regina Schilling nun eine weitere autobiografische Erinnerung gewidmet hat (Mediathek ab 10.8., 10 h).

WM macht das Problem erkennbar

Wenn ein deutsches Fussballteam bei einem internationalen Wettbewerb mal wieder ausscheidet – ganz nach dem Vorbild deutscher Aussenpolitik, die nirgendwo mehr mitreden/mitverhandeln will – dann werden wieder die alten reaktionären Reflexe ausgepackt und versendet. Warum kann das gelingen? Aus Faulheit zum Selberdenken und -recherchieren.

Es gibt Alternativen. Die Niveauspitze markiert ein Kollege, den ich früher ständig gelesen habe, weil er den digitalen Newsletter “Indirekter Freistoss” kostenlos versandte, wie es heute noch Heiko Hilker (z.Z. in Urlaub) mit seinen Medienlinks tut: Oliver Fritsch. Der Holtzbrinck-Konzern wurde auf den jungen Mann aufmerksam und kaufte ihn von der Datenautobahn weg, und mauerte ihn digital bei Zeit-online ein. Ein Heinzelmännchen aus Westfalen hat mir seine jüngste Analyse aufgebohrt – das Beste was ich in unserer Sprache bisher über die WM gelesen habe.

Für alle, die weder Abos abschliessen noch Daten kostenlos abliefern wollen, empfehle ich den weniger spektakulären aber frauenfussballaffinen Frank Hellmann (diverse Blätter), der nach meinem Eindruck einen seriösen Fachjournalismus praktiziert. Eine Spitzenkraft in Fussballfragen ist ferner Alina Schwermer (taz, Jungle World), eine Fachkraft, die das Rheinland an Ostdeutschland (Berlin) verloren hat. Wenn sie nicht sowieso auf Reisen ist. Für eine redaktionelle Dienstreise nach Australien scheinen den Entsender*inne*n aber wohl die Barmittel gefehlt zu haben. Schade eigentlich.

Bedauern für Nigeria

Das grösste Land Afrikas könnte eine Fussballgrossmacht sein. Es fehlt an einer funktionalen Politik, im wirklichen Leben, wie im Fussball. Es werden zwar Wahlen angesetzt und durchgeführt, aber im Kern handelt es sich um ein oligarchisches System, das über grosse Teile des Landes jede Kontrolle verloren hat, Dschihadismus u.a.. Die Hauptstadt wurde aus Lagos weg nach Abuja verlegt. Lagos ist so gross wie NRW (oder Istanbul) und offensichtlich unregierbar, für Herrschende zu gefährlich. Es gehört zu einer zunehmend über Staatsgrenzen hinweg wachsenden urbanen Agglomeration, in der sowohl gesellschaftliche und technologische Innovationen als auch globalisierte Migrationsambitionen wachsen.

Folgerichtig stehen im WM-Aufgebot Nigerias nur zwei Spielerinnen, die – den Männern ähnlich – noch in Nigeria spielen. Das war mir in der Vorrunde schon bei Haiti aufgefallen, das vielleicht zerstörteste Land der Welt, dessen Team sich sportlich sensationell geschlagen hat.

Heute hatten die Nigerianerinnen den englischen Pudding in der Verlängerung komplett an die Wand gespielt, an Kraft und Kondition überlegen. Die reichten nur leider nicht mehr für die nötige Passgenauigkeit und Chancenverwertung. Und dann siegten im Elfmeterschiessen die Nerven der Britinnen. Schade, wäre schön gewesen – schön wörtlich und als Metapher.

Wo ist der Ausschaltknopf?

Mediendiät - der heisse Scheiss unserer Zeit Beim Bayerischen Rundfunk - der hatte angeblich noch ein Kulturradio - ereignet sich anscheinend derzeit eine Programmreform, die wir hier beim WDR schon seit gut zehn Jahren durch haben.

Beueler-Extradienst

Das Beste von gestern

Gelegentlich habe ich die Boulevardisierung der Frankfurter Rundschau (FR) durch die Ippen-Gruppe gegeißelt. Davon nehme ich auch nichts zurück. Doch gelegentlich sind noch publizistische Perlen zu entdecken. Johannes Varwick ist so eine sichere Nummer, ein Friedensforscher, der Widerworte und Stigmatisierung nicht scheut, weil er sich seiner Vernunft sicher sein kann. […]

https://extradienst.net/2023/08/05/das-beste-von-gestern/

Das Beste von gestern

Gelegentlich habe ich die Boulevardisierung der Frankfurter Rundschau (FR) durch die Ippen-Gruppe gegeißelt. Davon nehme ich auch nichts zurück. Doch gelegentlich sind noch publizistische Perlen zu entdecken.

Beueler-Extradienst
Jezebel: Sex. Celebrity. Politics. With Teeth: Insider Editor Nich 'Big Boy' Carlson Tore Down Union Flyers, Stuffed Them Into His Bike Basket https://jezebel.com/insider-editor-nich-big-boy-carlson-tore-down-union-fly-1850539244 #Jezebel #fictionalcharacters #nicholascarlson #axelspringerse #lennyandcarl #maxwelltani #newyorkcity #insiderinc #grouping #citibike #insider #labor #nich
Insider Editor Nich 'Big Boy' Carlson Tore Down Union Flyers, Stuffed Them Into His Bike Basket

In a truly mortifying video, Carlson was caught ripping pro-union posters down while bicycling around Brooklyn.

Jezebel