Die Ordnung der Dinge

In „Zeroth Law“ denkt Frank Witzel über das Verhältnis des Menschen zu den Dingen, den Maschinen, Gott und dem Unheimlichen nach. Die Funkoper des Komponistenduos „gamut inc.“ verbindet ein Roboterorchester mit dem RIAS Kammerchor zu einer Reflexion über eine mögliche Präambel zu den drei Robotergesetzen von Isaac Asimov.

gamut inc & Frank Witzel: Zeroth Law – das nullte Gesetz

DLF Kultur, Do, 06.03.2026 0:05 bis 1.00 Uhr
Wiederholung: So, 22.03.2026, 0.05 bis 1.00 Uhr

Der christliche Gott hat den Menschen zehn Gebote gegeben, der Mensch den Maschinen aber nur drei Gesetze. Wie kann das sein, fragte sich der Schriftsteller, Hörspielmacher und Buchpreisträger Frank Witzel und schrieb das Libretto für das Berliner Komponistenduo „gamut inc“ (Marion Wörle und Maciej Śledziecki), die daraus ihre Funkoper „Zeroth Law – das nullte Gesetz“ machten. Das Stück wurde 2023 in der Tischlerei der Deutschen Oper mit dem RIAS Kammerchor und einem Roboter-Orchester musiktheatralisch inszeniert und erlebt jetzt seine 53-minütige Radiopremiere auf dem Klangkunstsendeplatz von Deutschlandfunk Kultur.

Es geht um Wechselverhältnisse zwischen Gott und den Menschen, zwischen Menschen und Maschinen sowie die zwischen den 35 Musikautomaten des Logos-Roboterorchesters und dem RIAS-Kammerchor. Der inzwischen 74-jährige Belgier Godfried-Willem Raes hat die computergesteuerten Maschinen gebaut. Sie steuern hölzerne und metallene Orgelpfeifen an, bedienen Schlagwerke, Xylofone oder Blasinstrumente und erzeugen so einen wunderbar analogen Sound, auch wenn er sich an elektronisch-repetitive Klänge anschmiegt. Es sind zwar programmierte, aber reale und keine virtuellen Synthesizer-Klänge. Für den Chor hat das zur Konsequenz, dass er sich dem Orchester anpassen muss. „Das unerbittliche Roboter-Orchester dirigiert quasi mich“, sagt Dirigent Olaf Katzer in einem Making-of-Video.

Auch die Schauspielerin Ursina Lardi befindet sich in einem Wechselverhältnis und beschreibt in einer Art Selbstgespräch ihr Verhältnis zur Welt. Im ersten Akt der vieraktigen Funkoper geht es um ihre „grundlose“ Verbindung zu den Dingen. Diese könnte ihre Verbindung zu den Menschen infrage stellen, denn: „Vielleicht gibt es dort gar nicht die Gegenseitigkeit, die ich immer unterstellt habe.“

Ausflug ins Uncanny Valley

Wie schon in Frank Naumanns fünfteiliger KI-Hörspielserie „Asimovs Erben“ (MDR 2020) bewegt sich die Figur in „Zeroth Law“ im zweiten Akt durch ein „Uncanny Valley“ – jenes unheimliche Tal, das erstmals 1970 von einem japanischen Robotiker beschrieben wurde und ein Wahrnehmungsfeld beschreibt, das umso unheimlicher wird, je „normaler“ es anmutet. Je menschenähnlicher die Maschinen werden, umso fremder erscheinen sie. In den Dingen wie den Maschinen trifft der Mensch nicht etwa auf sich selbst, sondern auf das Andere. Eine Erfahrung, die er eigentlich kennen sollte – aus der Religion.
Der dritte Akt handelt vom Verhältnis der Menschen zu Gott, das metaphysischer Natur war, bis sie das Prinzip Gott überwunden glaubten und sich selbst als Schöpfer verstanden. An dieser Stelle baut Librettist Frank Witzel eine besondere Wendung ein: „Gott hingegen hielt sich nie für Gott, er hielt sich nie für allmächtig, allwissend, unbesiegbar, das waren alles Zuschreibungen des Menschen, weil der Mensch anfing, sich mit Gott zu identifizieren.“

Gott hingegen war klar, dass er das Verhältnis der Menschen untereinander regeln musste, während der Mensch keinen Gedanken daran verschwendete, das Verhältnis der Maschinen untereinander zu regeln. Deshalb gab er ihnen nach Isaac Asimov nur die drei Gesetze, die ihr Verhältnis zum Menschen klären sollten. Sie durften den Menschen keine Schäden zufügen, sie mussten deren Befehle befolgen, sofern diese nicht gegen das erste Gesetz verstießen, und sie sollten sich selbst schützen, sofern das nicht gegen das erste oder zweite Gesetz verstieß.

Gott hielt sich nie für Gott

Nach monotheistischen Vorstellungen gibt es zwar nur einen Gott, aber viele Menschen. Außerdem existiert da noch dieses lästige Problem mit der Willensfreiheit, die Gesetzesübertretungen ermöglicht. Daher geht es im letzten Akt des Hörspiels um die großen Kränkungen des Menschen. Der sei weder Herr in seinem Kopf noch im eigenen Körper, geschweige denn seiner Geschichte oder seines Willens. Hier erfolgt die zweite Wendung: Dem Menschen kam es nicht in den Sinn, dass es einen Punkt geben könnte, „an dem die Maschine so viele Eigenschaften des Menschen übernommen haben wird, dass der freie Wille beinahe zwangsläufig entstehen würde. Mehr noch, da es keine Gesetze für das Verhältnis der Maschinen zueinander gab, mussten sich die Maschinen ihre Gesetze selbst geben“, heißt es im Hörspiel.

Welcher Art diese Gesetze sind, liegt jenseits des Horizonts des Menschen. Warum? Weil das Denken des Menschen in Bezug auf die Maschinen entweder von Naivität, Hybris oder Angst geprägt ist: „Die Maschine vermag entweder alles, ohne sich selbstständig weiterzuentwickeln, oder sie greift den Menschen an, sobald sie selbstständig wird, weil er sie nur als Ebenbild von sich wahrnehmen kann.“ Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass die Maschinen dem Menschen freundlich gesinnt sind und sie sich ein nulltes Gesetz gegeben haben – ein Gesetz, das sich weder vervielfachen noch teilen lässt.“

Literarisch-verdichteter Maschinendiskurs

„Zeroth Law“ schließt die Mensch-Maschinen-Trilogie von gamut inc ab. Für das Musiktheaterstück „Over the Edge Club“ aus dem Jahr 2020 steuerte das Large Language Model ChatGPT-3 Texte bei. Schon für den zweiten Teil der Trilogie, die Roboter-Oper „R.U.R. – Rossum‘s Universal Robots“ nach dem Drama von Karel Capek aus dem Jahr 2022, schrieb Frank Witzel das Libretto. Und wie dort setzt er sich auf literarisch-verdichtete Weise mit den Maschinendiskursen auseinander und denkt darüber nach, was es bedeutet, wenn sich der Mensch aus der Lebenswirklichkeit der Maschinen entfernt, ähnlich wie sich Gott aus der Lebenswirklichkeit der Menschen entfernt hat.

Seit „Der Lindberghflug“ von Brecht und Weill zählt die Funkoper zu den immer wieder reizvollen Formaten im Radioprogramm, von Hans Werner Henze über Bernd Alois Zimmermann bis hin zu Heiner Goebbels. Im Wechsel der Sprechstimme von Ursina Lardi mit dem RIAS Kammerchor und dem Roboterorchester entfaltet „Zeroth Law – das nullte Gesetz“ eine dichte, vielschichtige Reflexion über die Wechselverhältnisse von Menschen, Maschinen, Dingen und dem Unheimlichen. Marion Wörle und Maciej Sledziecki setzen Frank Witzels Libretto mit solcher Präzision um, dass musikalische Innovation und philosophische Tiefe spannungsgeladen miteinander resonieren.

Jochen Meißner – KNA Medeindienst, 12.03.2026

#dasNullteGesetz #DLFKultur #FrankWItzel #gamutInc #ZerothLaw

@javiquinte

#Asimov #LawsOfRpbotics

Actually, there are already #FiveLawsOfRobotics. The #ZerothLaw was the 4th one and then there's the 5th by #Kesarovski:

https://mastodon.social/@HistoPol/110289799462317618

Some time ago, I suggested the need for a 6th one:

https://mastodon.social/@HistoPol/110289835002092860

However, I see no evidence that even Western #AI companies would be implementing any of them...🤷‍♂️🤦🤦‍♂️🤦‍♀️
@ClipHead @mina @mattotcha @energiepirat @VeroniqueB99 @si_irini @GreenFire @evelynefoerster @SilviaMarton @forthy42 @MaJ1 @2ndStar @scb

One thing you can pretty much guarantee at the moment - OpenAI is either courting military contracts or has been approached with an offer - those are the only two explanations for them removing the clause in their T&Cs against military use.

Neither explanation is good - given how bad ChatGPT is with regards to producing misinformation, hallucinations etc.

#humanrights #warfare #ai #automatedkilling #algorithmicmurder #assassinations #internationallaw #asimov #the1stlaw #the2ndlaw #zerothlaw

Fresh out of the XLterrestrials' Oven... an analysis of the opera or post-opera called #ZerothLaw by Gamut Inc. in #Berlin... work-in-progress: The Law of Robots, Donuts and Oligarchs ( inspired in part by Asimov, PKD, Ursula K, the I.Committee, painter Eric Joyner, etc. ... https://xlterrestrials.substack.com/p/the-law-of-robots-donuts-and-oligarchs
The Law of Robots, Donuts and Oligarchs

inspired by Asimov, Zeroth Law and Gamut Inc.

XLterrestrials Radar

@simon @annaleen

(2/n)

...I know, I am sounding alarmist, but having read/seen much #ScienceFiction, all the necessary ingredients for an #ExtinctionLevelEvent (#ELE] for #humanity are in place.

Just as a teaser: unquestionably, most of the world's endangered species could be rescued if the #HomoSapiens were no longer at the top of the #FoodChain...
No #ZerothLaw, and a #Bing-empowered, freed #ChatGPT could quickly arrive at this conclusion...

Now, after heaving read #TheCompleteRobot,...

@annaleen @simon

This #toot deserves A LOT more attention.

#ChatGPT has seemingly #apocalytic tendencies.

If U aren't a #Ludite, U will at least consider becoming one afterwards.

#SkynetAntePortas
#TheMatrix might be imminent.

Have all these #AI engineers @ #OpenAI never read #IsaacAsimov? Seen #TheMatrix franchise?

How could they NOT implement the #ThreeLawsOfRobotics +, in particular, the #ZerothLaw *indelibly* into the #AI?!?

https://www.theguardian.com/technology/2023/feb/17/i-want-to-destroy-whatever-i-want-bings-ai-chatbot-unsettles-us-reporter#maincontent

‘I want to destroy whatever I want’: Bing’s AI chatbot unsettles US reporter

NYT correspondent’s conversation with Microsoft’s search engine leads to bizarre philosophical conversations that highlight the sense of speaking to a human

The Guardian