In den Tiefen der Bürokratie einer wohlmeinenden evangelischen Kirchenverwaltung entspinnt sich ein bemerkenswertes Drama: Die Einführung des Begriffs „Pfarrperson“. Dieses Wort, ein sprachliches Hybrid, das zugleich alles und nichts bedeutet, hat nicht nur die Gemeindeblätter infiltriert, sondern droht, die Essenz des menschlichen Geistes zu verwirren.
Es begann an einem unschuldigen Morgen, an dem die Pfarrer und Pfarrerinnen, nunmehr „Pfarrpersonen“, ihre traditionellen Roben gegen geschlechtsneutrale Gewänder tauschten, deren Schnitte so abstrakt waren wie die Sprache, die sie nun zu verwenden gezwungen waren. In den Gängen der Kirchen flüsterten die Gemeindemitglieder, während sie mit neugierigen Blicken die Ankündigungen im Gemeindeblatt studierten, das mehr einer Steuererklärung glich als einer Einladung zur Sonntagsmesse.
„Hat jemand die Pfarrperson gesehen?“, fragte eine verirrte Seele, die nach spiritueller Führung suchte. Doch die Antwort blieb im bürokratischen Nebel hängen, verloren zwischen den Zeilen eines Dokuments, das darauf bestand, niemanden auszuschließen, doch paradoxerweise jeden verlor.
Unter den Kirchenbänken, in den stillen Ecken, wo Kerzenlicht flackert und Gedanken frei fließen, begannen die Menschen zu munkeln. Einige sagten, die Verwendung von „Pfarrperson“ sei ein Zeichen der Apokalypse, andere, ein kluger Schachzug, um die Steuerformulare der Kirche zu vereinfachen.
Mit jedem Sonntag, der verging, wurden die Predigten der Pfarrpersonen immer abstrakter, ihre Botschaften so verwirrend wie die Sprache, die sie nun eifrig studierten. Die Kollekte wurde zur „Spendenpersonsammlung“, die Taufen zu „Wasserpersonzeremonien“ und das Abendmahl zu einem „symbolischen Verzehr von Brot und Wein durch die Gläubigpersonen“.
Doch die wahre Verwandlung war nicht in den Worten, die sie aussprachen, sondern in den Blicken, die sie austauschten – Blicke, die sich fragten, ob ihre Gemeinde, ihre „Glaubenspersonengemeinschaft“, jemals wieder die einfache Freude eines unbeschwerten Glaubens erleben würde. So verloren im Labyrinth der Neutralität, fanden sie sich in einer Welt wieder, in der das Menschsein hinter dem Personsein zu verschwinden drohte.
In dieser neuen Ära der Kirchensprache, wo die Metamorphose der Pfarrer und Pfarrerinnen in „Pfarrpersonen“ eine spirituelle Revolution erzwingt, muss sich natürlich auch das sakrale Repertoire anpassen. Der biblische Ausspruch „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein“, der einst so persönlich und direkt war, verwandelt sich in der Bürokratie der Neutralität zu: „Du wurdest namentlich identifiziert und in die zugehörige Kategorie eingegliedert, somit bist du ein anerkanntes Individuum meiner administrativen Zuständigkeit.“
Diese Formulierung, so gut sicherlich gemeint in ihrer präzisen Unpersönlichkeit, lässt die Gläubigen ratlos zurück, ungewiss, ob sie nun gerufen oder nur vermerkt wurden.
Ebenso ergeht es dem Vaterunser, das in der neuen Kirchensprache nicht mehr als solches betitelt werden darf, denn die paternalistische Konnotation widerspricht der neu errichteten Sprachordnung. Stattdessen wird es umbenannt in das „Elternunser“, oder noch besser, in das „Erziehungsberechtigtenunser“, um jegliche geschlechtsspezifische Implikation zu vermeiden. In dieser Version beginnt das Gebet nun mit: „Erziehungsberechtigte, die Ihr im administrativen Zuständigkeitsbereich seid, geheiligt werde Eure namentliche Nennung.“
Diese Veränderungen, die auf den ersten Blick der Gleichberechtigung dienen sollen, scheinen eher einer Verwaltungssitzung zu entstammen als dem warmen Schoß einer Gemeinschaft, die in ihrem Glauben vereint ist. Sie illustrieren ein Dilemma, das tiefer geht als die Oberfläche der Worte: Das Herz kann nicht durch Verordnungen erreicht werden, und der Geist entzieht sich den Fängen der Formulare.
Während die Kirchengemeinde sich bemüht, die neuen Formulierungen in ihren täglichen Gebrauch zu integrieren, murmeln einige ältere Gemeindemitglieder heimlich das traditionelle Vaterunser, ein stilles Bekenntnis zur Sprache, die einst das Unaussprechliche fassbar machte. In den stillen Ecken der Kirchen flüstern sie, dass vielleicht, gerade vielleicht das Heilige sich nicht in den neuen Dekreten findet, sondern in den leisen Zwischentönen einer jeden vertrauten Silbe.
In einer letzten, verzweifelten Anstrengung schreiben die Mitgliedspersonen der Gemeinde ihre Sorgen auf, in der Hoffnung, dass ein höheres Wesen – vielleicht die „Gottesperson“ – ihre Gebete erhören und sie von dem Fluch der Neutralität erlösen möge.
Dafür beten sie gemeinsam das zentrale Gebet der Christenheit weltweit, das „Erziehungsberechtigte-Unser“ , oder einfach frisch, frei und unverkrampft: das „Gottesperson-Unser“.
https://god.fish/2024/05/08/das-dilemma-der-pfarrperson-wenn-sprache-zur-barriere-wird/
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